Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2254 (2.2.1968)
- Date
- 1968-02-02
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Viernes. 2 de Fehrero de 1968 SEMANA ISRAELITA i. :K. — N® 2254 — 3 Amerikas schwere Schuld „Nie wieder Auschwitz! Nie wieder Maidanek! Nie wieder Treblinka! Nie wieder Bergen-BeLsen!“ Das ist der Schrei der überlebenden Opfer der Konzentrationslager. Wenn wir eine Wiederholung jener unbeschreiblichen Tragödie der Jahre 1933 bis 1945 vermeiden wollen, ist es notwendig. die Dokumente der Vergangenheit zu untersuchen. Einer, der es drei lange Jahre hindurch getan hat, ist Arthur D. Morse. Das Resultat seiner Studien hat er in einem Buche geschildert, das an unseren Nerven rüttelt. Es trägt den Titel „Why six million died“. Es ist nicht die erste, wohl aber die umfassendste Anklage gegen das State Department, durch Torheit, Gleichgültigkeit, ja durch Sabotage den Nazimördern de facto Hilfe geleistet zu haben. Als die Zeitschrift „Look“ im November einen Teil dieses Buches veröffentlichte, das eine Geschichte der Ignoranz, der Indifferenz und der Unterlassungssünden darstellt, fühlte ich mich 25 Jahre zurückversetzt. Damals wurde ich — zuerst in der Europäischen, von KURT R. GROSSMANN r*u >onui*fl feil CAJA POPULAR DE BEL6RAN0 coopera nv» OE CREDITO LTO*. OESDE 1932 MERECE SU CONFIANZA CASA CENTRA! AMFNABAR 296« AGENCIA r 1- CABIIOO 310? eso 'SERA AGENCIA N* 2: CORRIENTES 2294 » 1* esa RASTEOR Horaeo ik 12 a 16 Hs v añora alendemos sábados (te 10 a 12 30 hs. »nscfioclád en f'amit# pe <»» *tegisl»n de Entidades cinanc**'* ** lancaoas de* Banco Centra' CARITA! REALIZADO ACTUAL J 290 000 000... später in der Rettungsabteilung des Jüdischen Weltkongresses — Zeuge jener Vorgänge, die nunmehr Arthur b. Morse der Vergessenheit entreisst. Wie so oft sind die Ergebnisse, zu denen Morse kommt, nicht völlig neuaber die Aspekte sind es. A. Leon Kubowitzki hatte 1948 anlässlich der 2. Plenarversammlung des Jüdischen Weltkongresses in seinem noch heute lesenswerten Bericht „Unity in Dispersion“ die Vorgänge geschildert und wir wissen, dass Henry Morgenthau in seinen Tagebüchern auf die hindernde Rolle des State Departments immer wieder hingewieser hat. Morse hat vieles von diesem Material verwendet, aber ihm standen ausserdem die Akten des State De ■ partment zur Verfügung. Die Geschichte setzt am 1. August 1942 ein, da Gerhard Riegner, der Vertreter des Jüdischen Weltkongresses in Genf, den geheimnisvollen Besuch eines „füh renden deutschen Industriellen“ erhält. Dieser teilte ihm mit, Adolf Hitler habe die physische Vernichtung j aller Juden in Europa be- . fohlen. Heute wissen wir natürlich, dass diese Entscheidung in der berüchtigten Villa am Grossen Wannsee am 20. Januar 1942 unter dem Vorsitz von Reinhard Heydrich fiel. Der Mann der mit dieser Mitteilung sein Leben riskierte, gehörte einer Firma an, die mehr als 30.000 Arbeiter beschäftigte. Das Mordmittel wurde als „Zyklon B“ getarnt. Diese Information, so niederschmetternd und sensationell, musste, wie der Mann, der sie übehbrachte, nachgeprüft werden. Die {Klinische Exilregierung in London hatte bereits von Massakern von 700.000 Juden in Polen erfahren, und was die Glaubwürdigkeit des Mannes anlangte, so wurde sie von Freunden Riegners verbürgt. New York und London mussten informiert werden. Solange noch Zeit war, musste das Rettungswerk beginnen. Riegner hat den amerikanischen Konsul in Genf, sein Kabel im diplo- ALFREDO STERN MALERARBEITEN FACHMAENNISCHE AUSFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN VIDAL 1575 — FAST ECKE PINO Tel.: 76"9088 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpffen Tep. pichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. 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Wise hörte endlich am 28 August über London von Riegners Kabel und setzte sich darauf empört mit dem Unterstaatssekretär Sumner Weiles in Verbindung. Dieser beschwor nun Dr. Wise, nicht eher die drohende Ermordung des europäischen Judentums vor das Weltforum der Oeffentlichkeit zu bringen, bis man durch Vatikan-Quellen die Genfer Informationen nachgeprüft habe. Wise erklärte sich damit einverstanden. Es begann die Agonie des Wartens: Stunden, Tage Wochen — fast drei Monate. Indessen rollten die Züge gen Osten, und die Welt schwieg. Gerhard Riegner in Genf war der Verzweiflung nahe. Er warnte in einem Memonrandum: vier Millionen Juden droht vollkommene Vernichtung auf Grund eines ausgedachten Planes des Verhungerns, der Sklavenarbeit, der Einsperrung in Ghetti, der Deportation, des Massenmordes durch Erschiessen, durch Gift oder durch andere Methoden. Alarmiert die öffentliche Meinung, appelliert an das menschliche Gewissen! schrieb er nach New York. Washington indessen interessierte sich scheinbar nur dafür, wer der Deutsche war, der seinem Gewissen gehorchte und dessen Anonymität Riegner unter allen Umständen zu schützen hatte. Endlich, im November 1942, rief Sumner Weiles Stephen Wise erneut zu sich und bestätigte die Richtigkeit der ursprünglichen Riegner - Informationen, und nun erfuhr die Welt den grausamen Plan, der Millionen unschuldiger Männer, Frauen und Kinder zum Tode verdammte. Arthur Morse belegt das Versagen Washingtons, F. D. Roosevelt versicherte am 8. Dezember 1942 einer jüdischen Delegation, die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten würden alles tun, diesem Verbrechen ein Ende zu bereiten. Jene, die noch zu retten waren, sollten gerettet werden. Wer die Ziffern der Einwandeer und Besucher aus jenen Jahren SOLARIS Der Anzug für warme Tage, wie Sie sich ihr wünschen. Innen- und aussen meisterhaft ge. arbeitet. Ein Anzug guten Stils. Masskleidung ■ Fertigkleidung Carlton Maipti 982 — 31-7845 (wenn es funktioniert) nachliest, wer sich der Debatte um den Stellvertretenden Staatssekretär Brek kenridge Long und seine Mitarbeiter erinnert, wird feststellen müssen, dass die Zusage Roosevelts nicht erfüllt wurde; die Rettungsarbeit schien nicht mit den Kriegszielen der Vereinigten Staaten vereinbar! Nicht Evian und auch nicht Bermuda haben die Politik des State Departments und die Englands wesentlich verändert. Ob es sich um die Tragödie der „St. Louis“ oder jenes Schiffes handelte, das 1940 von den Mexikanern nicht hereingelassen wurde, dessen Menschenfracht aus verfolgten Juden bestand: die Vereinigten Staaten erfüllten nicht die Hoffnungen und Erwartungen, die das schlichte Gesetz der Humanität vorschreibt. Glücklicherweise intervenierte Eleanor Roosevelt im Falle des von den Mexikanern zurückgewiesenen Schiffes; sonst wären auch diese Flüchtlinge zurück nach Europa und in den Tod transportiert worden. Als Senator Robert Wagner Sen. im Jahre 1939 20.000 jüdische Kinder ausserhalb der Quote hereinlassen wollte, gab es beschämende Debatten, die bei Morse nachzulesen sind. Als der Senat endlich Wagners Gesetzes- LA SEMANA ISRAELITA StM ANARlO INOfcPEND'ENTE Bs Aires - PUEyrhEDON 219G, i‘ izq - 83-2613 3. Soli wat 5728 2. Februar 1968 Vorschlag annahm, änderte er die Schlüsselbestimmung: die 20.000 Not-Visen an Kinder sollten von der deutschen Quote abgezogen werden. Empört und enttäuscht zog Wagner damals seinen Gesetzesvorschlag zurück. Der Kampf um die Lizenz für die Rettung von 70.000 für 600.000 Dollar war nervenaufregend, aber die Intervention des State Departments führte endlich, wenn auch zu spät, zu dem berühmten Memorandum dreier hoher Beamter des Treasury Departments — (alle drei Protestanten), das den bezeichnenden Titel trug: „Bericht für den Minister Uber die Einwilligung (acquiescence) der Regierung in die Ermordung der Juden“. Der Text dieses aufschlussreichen Memorandums ist in dem Buche von Morse nachzulesen. Seine direkte Konsequenz war Roosevelts späte Exekutivorder vom 22. Januar 1944, mit der der War Refugee Board ins Leben gerufen wurde. Bezeichnenderweise war dabei das Treasury Department das antreibende Element, nachdem Beamte des State Departments sich — nach der Meinung ihres Treasury-Kollegen — der „Mitverantwortung für die Ermordung von Millionen Juden“ schuldig gemacht hatten. Der War Refugee Board machte — in Zusammenarbeit mit den privaten Organisationen — den verzweifelten Versuch, soviele Menschenleben wie möglich zu retten — aber die Uhr konnte nicht mehr zurückgestellt werden. 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