Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2254 (2.2.1968)
- Date
- 1968-02-02
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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a — Viernes, 2 de Febrero de 1868 JÜDISCHE WOCHENSCHAU A fi* XXIX. — N* 2254 Traditionen und Gebraeuche (Schluss von Seite 1) Biertrinken ein deutscher Brauch, so muss gesagt sein, dass auch viele Juden gern Bier trinken, ohne daraus allerdings eine Ideologie oder einen Volksbrauch zu machen. Wenn Weihnachten zu feiern ein deutscher Volks - brauch ist. dann brauch! man Juden nicht danach zu fragen; sie feiern Weihnachten nicht. Dann braucht man auch den Paragraphen 150 nicht aufzustellen, dem' dann fallen nur die alten Nazis aus den Vertreibungsgebieten unter diese Bestimmung. Mitunter findet man auch die Frage, ob der Verfolgte vor der Verfolgung einem deutschen Verein angehört habe. Offensichtlich wird auf diese Frage bereits verzichtet, denn es gab kaum oder gar keine Juden, denen deutsche Auslandsvereine jemals den Zutritt gewährt hätten. Man sollte das Gericht nach Argentinien einladen, wo bekanntlich mehr Hitlerbilder als in Deutschland hängen und wo selbst heute noch nicht mehr als 20 Jahre nach dem Zusammenbruch, Juden in deutsche Vereine aufgenommen werden, selbst wenn sie das wollten... Wertvorstellungen und Gebräuche sind äusserst dehnbare Begriffe, die nicht fest Umrissen sind. Selbst die Deutschen in Deutschland haben weder die gleichen Wertvorstellungen noch die gleichen Gebräuche. Die Schwaben lehnen das Verhalten der Berliner ab, und die Westfalen sind von den Ostpreussen sehr verschieden, sie haben andere Gebräuche und sicherlich auch über viele Fragen des Lebens andere Wertvorstellungen. Trotzdem gehören sie Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 I? izq. nach. 16—19 Uhr Tel. 80 6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PR0PIEDADES FRANKERBERG S. R. L berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 alle zum deutschen Volk, und keiner verlangt vom anderen die Gleichmacherei oder die Anpassung, von der hier vom Landgericht gesprochen wird. Der Begriff ..Wertvorstellungen“ ist im übrigen in seiner durchaus unklaren und weiten Bestimmung von religiösen und anderen weltanschaulichen Einstellungen abhängig. So kommt es. dass die Wertvorstellungen der deutschen Katholiken von denen der deutschen Protestanten sehr verschieden sein können. Dass die Juden diese katholischen oder protestantischen Wertvorstellungen nicht teilen und auch niemals teilen können, soweit sie auseinanderklaffen. ist selbstverständlich. W'arum wird eigentlich dann danach gefragt? ln der Reinheit des Lebens und in den grundsätzlichen ethischen Forderungen, in denen alle ..Wertvorstellungen-• gipfeln, müssen nicht die Juden mit den Deutschen. sondern alle Menschen mit den Juden übereinstimmen, denn bisher war man allgemein der Auffassung, dass die Zehn Gebote, die die einzige Grundlage der Ethik bilden, dem jüdischen Volk für alle Menschen gegeben worden sind. Der jüdische Antragsteller muss sich aber auch den deutschen Traditionen mehr verbunden fühlen als denen der jüdischen oder einer anderen Volksgruppe. Wieder erhebt sich die Frage, was das Gericht unter ..Tradition“ versteht? Hat nicht jede Familie ihre eigene Tradition? 1st es eine Tradition, eine Wertvorstellung oder ein Brauch, sich in der Silvesternacht zu betrinken? 1st derjenige Deutsche, der der nicht Silvester auf diese oder eine andere Art feiert oder nicht feiert, deswegen ein schlechterer oder überhaupt kein Deutscher? Was sollen diese ..Interpretationen“. mit denen man die eingeschüchterten Antragsteller ins Bockshorn jagen will. Sollen die Juden jetzt beteuern, dass sie sich doch den deutschen Wertvorstellungen, Traditionen und Gebräuchen mehr verbunden fühlten als den jüdischen? Abgesehen von der Unklarheit der hier geforderten Stellungnahme zu verschwommenen, nicht definierbaren Begriffen muss Hir Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUS T. E. 76-5842 JUDITH SCHENKOLEWSKI Schabbosdecken - Tallisbeutel ■ Käppchen - Mazzot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P- L. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76.0286 73-1049 man fragen, ob Hitler oder Goethe den deutschen Sprach- und Kulturkreis repräsentieren? Oder gab es nicht Millionen Deutsche, die in Hitler den höchster Ausdruck des Deutschtums erblickten? Will man noch eine Antwort von jüdischer Seite auf diese Frage? Das Merkwürdige ist, dass sicherlich den Richtern in Mainz Goethe. Schiller. Lessing. Humboldt und andere grandiose Gestaltendes Klassizismus als die höchsten Exponenten des Deutschtums oder der deutschen Kultur vorschwe'ben. Aber wussten denn Goethe oder Schiller, Mozart oder Beethoven. die Brüder Humboldt oder Kant, wussten alle diese Geistesheroen etwas von Deutschtum oder deutscher Kultur? Diese Begriffe sind späteren Datums. Was aber jüdische Wert Vorstellung Kultur. Tradition und Brauchtum ist, das weiss man seit mehreren Jahrtausenden.. Ist aber Kultur „die Gesamtheit der Lebensäussenungen eines Volkes“, wie es der Neue Brockhaus. I960, verkündet, dann muss ein Jude, der noch den Rest des Ehrgefühls sich bewahrte, die Zugehörigkeit zum deutschen Kulturkreis ablehnen. wenn man nicht behaupten will, man werde auch in einen Kulturkreis hineingeboren, wie man in eine Familie hineingeboren wird. Denn dann müsste man auch all diese Grausamkeiten in Wort und Tat als deutsche Kultur begreifen, die während der schrecklichen Jahre des Rückfalls in die Barbarei geschrieben und begangen worden sind. Denn auch die Massenmorde und Verbrechen gehören doch zur „Gesamtheit der Lebensäusserungen'4, die man nicht willkürlich auf diejenigen beschränken kann, die den Mainzer Richtern Zusagen und gefallen... Ohne sich auf Interpretationen einzulassen, was darunter zu verstehen ist, ob ein Mensch einem bestimmten Sprach- und Kulturkreis angehört, haben die deutschen Entschädigungskam' mern und -senate offensichtlich noch nichts davon gehört, dass es Menschen. Schichten, Kreise, Gruppen und Landsmannschaften gibt, die nicht einem, sondern zwei oder mehreren Sprach- und Kulturkreisen angehören. Der Dualismus in der Kultur ist ein heute beliebtes und durchaus nicht nur auf Juden beschränktes Thema. Es ist eine ernste Frage, die zu untersuchen wäre, ob nicht die deutschen Katholiken ebenfalls in ihrer Gesamtheit zwei Kulturkreisen angehören, deren JACOB LAPIDUS dipt. Mohel NEUE ADRESSE VIA MONTE 2637 4* B T. E. 46-5473 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78-4784 Wert vorstell ungen sich schon deswegen nicht decken können. weil die deutschen Katholiken als Katholiken und die deutschen Protestanten als Protestanten nicht die gleichen Wertvorstellungen haben. Hat man die Katholiken gefragt, welchem Kulturkreis sie sich verbunden fühlen? Ist man in Mainz so sicher, welche Antwort erteilt wird? Die Obei-flächlichkeit, mit der hier von deutschen Gerichten vorgegangen wird ist auffallend. Sie dürfte weder mit dem durchschnittlichen Bildungsgrad der deutschen Richter noch mit der sonst üblichen Gründlichkeit bei der Rechtsfindung in Einklang stehen. Man ist geneigt, an das Goethe-Wort im Tasso zu denken, „Man merkt die Absicht, und man wird verstimmt“. (Eigentlich „So fühlt man Absicht, und man Ant Suezkanal Tel Aviv. — Ein israelischer Sprecher gab bekannt. dass israelische Truppen einen Versuch der Aegypter, das beiderseitige Abkommen über Nichtbenutzung des Suezkanals zu verletzen, zunichte machten. Es kam zu einem kurzen Feuerwechsel. Die Aegypter hatten in der Zone von Port Tewfik in den Kanal ein Boot entsandt und zu seiner Deckung die israelischen Positionen 'beschossen. Die Israelis erwiderten das Feuer, und das Boot kehrte an seinen Ausgangspunkt zurück. (ITA) ist verstimmt). womit Warschau warnt Antisemiten Paris. «— Die polnische Regierung warnte zum ersten Mal nach dem Secbs- Tage-Krieg die Antisemiten Polens, die Haltung Warschaus zum Mittelost-Konflikt für antisemitische Aktionen auszunützen. ,.Le Monde“ berichtete, die KP Polens unternehme den Versuch, ihre antiisraelische Propaganda abzuschwächen. Zarit Tel Aviv. — Die erste Gruppe jung verheirateter Paare bezog vor kurzem die für sie bereitstehenden Wohnungen in der neuen Siedlung Zarit an der libanesischen Grenze. Geflügelzucht und Arbeit in Obstplantagen sind die Einkommensquellen dieser Gruppe. weder die klassische Bildung noch die Zugehörigkeit des Autors zur deutschen Kultur unter Beweis gestellt werden sollte. Die kulturellen Probleme der Menschheit sind bei weitem schwieriger und komplizierter, als die Mainzer Richter in Worte einfangen konnten. Oder wissen sie garnicht. dass die Juden im europäischen Osten die Träger und Wegbereiter der deutschen Kultur waren Wissen sie garricht. dass der General und spätere Antisemit Ludendorff einen Aufruf an „Meine lieben Juden“ erliess. deren er sich bei seinem Vormarsch gegen die Russen im Ersten Weltkrieg bediente, weil sie seine Sprache verstanden? Sicherlich ist ihnen auch nicht bekannt, dass Friedrich Schiller von den Ostjuden als Held der Freiheit bereits gefeiert wurde, als er noch vor seinem Fürsten fliehen musste? Diese und viele andere interessante Einzelheiten über die Verbundenheit von Kulturen sind den Mainzer Richtern verschlossen geblieben, die hinter ihren Scheuklappen unsicher nach Kulturmerk- Dr. Bernardo SCHWARCZ ZAHNARZT VERREIST bis 20. Maerz ESTOMBA 2283 — 76-8216 BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 — T. E. 58-4652 malen tasten, die es in Wirklichkeit garnicht gibt. Der berühmte deutsche und jüdische Professor Hermann Cohen, einer der bedeutendsten Neukantianer, verfasste im Ersten Weltkrieg ein Werk unter dem Titel „Deutschtum und Judentum“, in dem er beweisen wollte, dass zwischen beiden Kulturen eine enge Verwandtschaft besteht. Die Mainzer Richter ver- LA SEMANA ISRAELITA Semanario Aparece los Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Arnoido W. B. Swarsensky Puevrredón 2190. I9 izq. T. E. 83-2613 Abono- Preise Argentinien: $ 1.200.— pro Jahr Ausl. $ 1.800.— jänrl. Luftpost-Abono f. d. Nachbar-Republiken 10 Dollar jährlich langen eine Erklärung, ob ein unglücklicher Verfolgter sich stärker der deutschen Kultur als der jüdischen oder einer anderen Volksgruppe zugehörig fühle ... Wann? Jetzt, mehr als 23 Jahre nach den schrecklichen Massakern, deren Opfer die Juden in diesen Gebieten geworden sind. Bedeutet das nicht letzten Endes eine Verhöhnung der Opfer, die sich mit ihren Peinigern identifizieren sollen! Und das nennen sie Wiedergutmachung. .. CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I. BlumenfeW (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología de) Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Bueno« Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES J. E. URIBURU 285 41 2331 — 2240 47-5875 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN VERREIST vom 19. bis 29. lanuar und vom 4. Februar bis 3. Maerz In der Sprechstunde vertreten durch: Dr. AKIVA HERSZKOWICZ (70-0495> Dra. IRIS LIEBER (73.8463) CUBA 2141 — T. E. 13-D1C2 ». 73 6811 Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY MEDICO CIRUJANO M. P. KM Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — KIE¬ FERCHIRURGIE — REGELUNG DER ZAHN¬ STELLUNG — KIEFERORTHOP AEDIE Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung JOSE HERNANDEZ 2518, T.E. 76.8673 u. 73-0500 Pr. L. KLEIN - Médico MAGEN- und DARMKRANKHEITEN ROENTGEN UNTERSUCHUNGEN SPRECHSTUNDEN Montag. Dienstag, Mittwoch u Freitag von 15—19 Uh) Bb wird gebeten sieb vorbei telefonisch Anzumelden SANTA FE 1391 I. E. 44-9493 u. 44-1542 .'HU »HB