Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2240 (20.10.1967)
- Date
- 1967-10-20
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
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— Vienes, 20 de Octubre de 1967 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Afle XXVin. — N* ¿4» Die Rückkehr zum Boden (Schluss von Seite 1) heit und der Bedeutung de« Bodens für das Leben unseres Volkes überhaupt in Zusammenhang stehen, einen theoretischen Charakter an- »abmen, zu einer Sehnsuch. Wurden, 2U einem Symbol einstiger Grösse und eineffgen Glückes, dag den Juden in ihrer Zertreuung versagt blieb. Die Verinnerlichung der Gedanken und Emotionen, die den Festen zugrundelagen, bewirkte, dass trotz der Entfernung von de*- längst versunkenen Wirklichkeit die Gebete und die Gebräuche ihre beinahe magische Kraft nicht verloren haben. Die Erinnerung blieb lebendig. Was einet festtägliche Wirklichkeit war, wurde zu einer feiertäglichen Sehnsucht. Die Geschichte der Wandlungen der jüdischen Volkspsyche ist noch nicht ge schrieben worden, obwohl sie uns zu manchen Erkenntnissen unserer selbst führen würde. Sie könnte vor allem einer Welt den wahren Charakter der Juden und des jüdischen Volkes zeigen, die allzu leicht bereit ist und war, einem Zerrbild vom Juden, das unsere Feinde entwerfen, ohne weiteres zu folgen. Wie könnte man erklären, das*: deutsch - jüdische Geheimräte, vollbeladen mit Wis sen um die höchsten Kulturschätze der Menschheit, mit Zylindern und Geh rock in die (deutsch-jüdische) Synagoge schritten, um Sukkot zu feiern, das alte Erntedankfast im Lande Israels, um für den Boden Um Regen zu beten, um Eßsrog und Lulaw zu schütteln? Wie könnte man dieses merkwürdige Phänomen deuten, ohne die Psyche un seres Volkes zu erforschen, von dem sich selbst diejeni gen nicht losreissen konn-' ten, die sonst in ihrem Alltag eo fern all dem standen, was zum Inhalt der jüdischen Existenz gehört. Oder standen sie dem garnich* fern und fremd gegenüber? Dass diese Bindungen nie mals ganz aufhörten, ergibt sich wohl allein schon aus der Tatsache, daes der Weg zurück zu uns selbst in einer verhältnismässig kurzen Zeit auch von den Söhnen dieser geheimen Justiz- oder Medizinalräte beschriften Werden konnte, keinesfalls nur von jenen, die in ihrer REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Sperialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49.5850 PROPIEDADES FRANKENBERG S . R. L Derät Sie kostenlos und an verbindlich beim Kaut odei Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAECSEBN VIR-REY DE! PINO ¿263 T- E. 73-7887 Lebensweiße zu einer ganz anderen sozialen Schicht gehörten oder durch Herkommen und Erziehung dem jüdischen Gedankengut nahestanden und in ihm aufgewachsen waren, im Cheder, in den Jeschiwoth, im Hebräischen Gymnasium. Als dann die jüdische Renaissancebewegung zur Verwirklichung alter Träume und Hoffnungen überging, erkannten die Lehrer und Verantwortlichen sofort, dass eine Wiedergeburt unseres Volkes nur mit einer totalen Aenderung der sozialen und beruflichen Struktur ermöglicht werden kann. Die Rück kehr in das Land Israels war nur möglich. wenn sie gleichzeitig eine Rückkehr zum Boden sein würde. Die Beschränkung auf bestimmte Berufe, die im allgemeinen von Stadtmenschen ausgeübt werden, musste jedes Vorhaben echter Verwurzelung mit dem Lande, mit seiner Vergangenheit, mit seiner Gegenwart und Zukunft unmöglich machen und vom Anbeginn an ausschliessen. Die Parole ,,Verwirklichung durch Arbeit“ war nicht nur leere Philosophie oder eine ,politwche‘ Forderung. Ein deutscher Schriftsteller sprach jüngst „vom bodenmystischen Ideal des Philosophen mit der Futtergabel“, das von der, israelischen Kibbuzim auch heute noch propagiert werde. Er versteht wohl nicht, dass dieses Ideal der Rück kehr zum Bauerntum eine Voraussetzung für die jüdische Renaissance gewesen war und auch heute noch ist. Es hat in der Geschichte des Aufbaus von Israel wirklich solche Philosophen mit der Heugabel gegeben, Männer wie A. D. Gordon, die ihre Vorstellungen und Ideen vom jüdischen Leben im jü dischen Lande selbst lebten und nicht nur predigten, wie das sonst: die Mission und der Brauch der Philosophen ist. Sie waren deshalb nicht schlechtere Philosophen,.sondern zeigten ihrer Umgebung, ihren Gesinnungsfreunden, der ganzen jüdischen und der übrigen Welt, dass selbst ein Philosoph nicht nur ein Theoretiker und nicht nur von seinen eigenen Vorstellungen über zeugt «ein muss, sondern in die Praxis seine Philosophie und seine Postulate umzusetzen bereit sein kann. Unter normalen Lebensbe Moebliertes Balkonzimmer zur Strasse in elegantem Departamento, Telefon, an Herrn zu vermieten. Delgrado 860 p. 2 dep. 11 Anfr. telef. 55-0687 von 1—4 Uhr Ihr Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUSE T. E. 76 5842 dingungen mag der „Philosoph mit der Futtergabel* eine ungewöhnliche, eine ungewohnte, eine groteske Erscheinung sein. Aber die Lage des jüdischen Volke«, als jene Philosophen mit der Futtergabel wirkten, wai keine normale. Sie war in höchstem Masse ungesund. Ein Volk, dessen Berufsstruktur dem Bild der umgekehrten Pyramide entsprach, kann niemals ein normale« Leben führen, kann niemals in seinem Boden verwurzeln, kann niemals am Volkskörper gesunden. Während andere in ge regelten Lebens- und Arbeitsbedingungen lebende Völker daran leiden, dass die obersten Stufen ihrer Be rufspyramide zu dünn sind, das« Intellektuelle, dass Aerzte und Lehrer fehlen, bestand die überwiegende Mehrheit aller Juden aus diesen obersten Gesellschaftsschichten, ohne Bauern und Arbeiter, ohne jene breiten Volksmassen, die zu allen Zeiten und auch heute da« Fundament für die Exi stenz eines Volkes bilden. Die jüdische Renaissance- Bewegung und ihre Schöpfung. der Staat Israel, aber beweisen zugleich, dass die Umformung der Berufspyramide, um bei diesem Bild zu bleiben, nicht die Verringerung kulturellen Niveaus bedeuten mußs. Vielleicht mag einem Fremden der „Philosoph mit der Futtergabel“ eine Art paradoxer und eigenartiger Verkoppelung anscheinend entgegengesetzter Beschäftigungen darsteller. die ihn zu einer „merkwürdigen“ Erscheinung machen, wenn man ihn nicht zu einer Witzfigur oder Ka rikatur des Philosophen oder des Bauern machen will. Dann müsste man auch die Arbeiter und Bauern des musikfreundlichen Kibbuz Ejn Gew aks solche bezeictv nen. Jeder Mensch fühlt sich jedoch schnell dazu verleitet, das Ungewohnte, das Neue, das Andersartige als abnormal, weil von seiner Norm abweichend, zu betrachten. Israel dagegen hat eine andere Art zu leben und zu denken. Der soziale Gedanke und die sozialen Forderungen stehen nicht auf dem Papier, ßondern werden realisiert. Gewiss ist man ge wohnt, dass Arbeiter und Bauern im allgemeinen nicht „höheren Wissens- und Kulturschichten“ angehören. Feine Erziehung und gründliche Bildung bleiben im allgemeinen bestimmten Kreisen Vorbehalten. Wenn man sich auch um die Hebung de« Niveaus der Bevölkerung bemüht, so entspricht dies den Bestrebungen einer Regierung, die meist mit JACOB LAPIDUS diplr Mohel NEUE ADRESSE V1AMONTE 2637 4» B 46-1716 and 48-2124 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES;ELEFON: 78-4784 j aktuellen Sorgen beschäftigt ist. Man soll es zur Kenntnis nehmen: in Israel ge schieht tatsächlich alle«, um das ganze Volk an den Segnungen der Kultur teilnehmen zu lassen. Sicherlitfi sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht fü» alle die gleichen. Aber gerade die ksraelische Arbeiter¬ und Bauernschaft verfügt über solche Möglichkeiten. Schulen, Volkßhochschulen, Universitäten und Forschungsstätten stehen jedem frei, der das Talent und den Willen zum Studium hat, übrigens nicht nur jedem Juden, sondern auch der arabischen Bevölkerung. Musizierende Bauern oder studierende Arbeiter sind keine Ausnahmeerßcheinung. Volks-, Hand- und Privatbi bliotheken sind allerorts an zutreffen. Die kleinen Wohnungen in den Kibbuzim zeichnen sich nicht nur durch ihre geschmackvolle Einrichtung auf kleinstem Raum aus, sondern ebenso durch ihre Bücherständer, die beinahe in keinem Zimmer fehlen. Das kulturel'e Leben hat in weitem Umfang zum politischen Reifeprozees des Volkes beigetra gen. In früheren Zeiten konnte man häufig beobachten, dass die kulturelle Verfeinerung des Lebens zum Nachlassen physischer Kräfte geführt hat. Hoch entwickelte Vö] ker sind zu wiederholten Malen dem Ansturm der primitiveren, elementareren Kräfte zum Opfer gefallen. Israels Entwicklung ist einen anderen Weg gegangen, Dae hohe Durchschnittsniveau der israelischen Bevölkerung bewirkte auch die militärische Ueberlegenheit. Hierin ist ebenfalls eine Ur Sache für den Triumph Israels über seine brutalen Feinde zu suchen. Die Gesundung der israelischen Berufspyramide hat nicht zur Verringerung des kulturellen Niveaus geführt. Die Rückkehr zum Boden schuf einen neuen Typ wie den eines Philosophen mit der Futtergabel. Die Rückkehr des Volkes zu seinem Boden erfolgte nicht um ein „bodenmystisches Ideal“ zu erfinden, sondern um dem ewigen Wanderer über alle Länder und Kontinente endlich wieder jenen festen Boden unter seinen Füßsen zu geben, den jeder Mensch und jedes Volk als Selbstverständlichkeit besitzt. Nur die Juden sollten für all? Zeiten „Wanderer durch die Wüste“ bleiben? Nur die Juden sollten nicht das Recht haben, im eigenen Lande nach ihren Vorstellungen und Gesetzen zu leben? Das ist Mystik? Wenn dies Mystik sein sollte, sagen wir Ja hierzu, denn dies ist unsere Wirklichkeit. Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die der menechlichen Erkenntnis verschlossen waren und geblieben sind. Warum sollen nur kosmische oder wissenschaftliche Fragen zum Mystizismu« anregen, Dr. Bernardo SCHWARCZ ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — 76-8216 RAYOS X PARADENTOSE warum sollen wir nur an überirdische Kräfte glau ben, von denen wir nichts wissen, deren Existenz wir aber vermuten oder fühlen. Die Weltreligionen und nicht nur sie allein bauen auf den Glauben auf, der dort be ginnt, wo unsere Erkenntnis und unser Wissen aufhören. Das sind Tatsachen, die man zur Kenntnis nimmt. Die einen akzeptieren diese Glaubenswelt mit Bewusstsein und Würde, andere mögen sich hierüber lustig machen. Auch der Nicht-Glauben ißt aber letztenendes ein Glauben... Was wissen wir aber von der Seele eines Volkes? Was wissen wir von seiner Beziehung zum Boden, zu seinen Boden, zu seiner Vergangenheit. zu seiner Tradition, zu seiner Geschichte? Wir erkennen nur die äussere Erscheinüngswelt, die Wirkun gen, die Folgen. Wir sehen und erleben, dass aus einem langen Traum eine neue ■Wirklichkeit geworden ist. Wir sehen und erleben, dass daß Volk der Intellektuellen und der Händler wieder ein Volk der Bauern und der Arbeiter wurde. Wir sehen und erleben, wie die geschlagenen und verfolgten Juden in kurzer Zeit zu neu en Makkabäern heranwuchsen. Wir sehen und erleben, wie der tote Boden Israeli, LA SEMANA ISRAELITA Semanario Aparece los Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amolde w. B. Swaneñdcy Pueyrredón 2190, 1* izq T. E 83-2613 Abono-Preise Argentinien: 8 1.000.— pro Jahr Ausl. $ 1.500.— Jähri. der Jahrhunderte wüst unj brach, versumpft und versandet lag, unter dem Pflug des israelischen Bauern und des jüdischen Wissenschaftlers zu neuem Leben erweckt wird. Das alles und viel mehr beobachten wir als die unmittelbare, sichtbare, fest stellbare Wirklichkeit in Israel, zu dessen Boden das jüdische Volk zurückgekehrt ißt und weiterhin zurückkehren wird. Die Erntefeste Israels sind nicht mehr symbolisch zu verstehen. Sie sind wie das Land selbst und seine neu en Menscehn unsere Wirklichkeit geworden. Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS FCnFTVfcRRIA ¿5296, esq. CONDE 76 0286 73-1049 BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HFLGUERA 1915 — TE. jö *052 telef. 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