Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2216 (5.5.1967)
- Date
- 1967-05-05
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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I O DIICII VOCBIKSCHAV Aft* xxvm N> «1« ft — Vient««, * de Maje de Ï967 Der Ghetto - Aufstand I Schluss von Sei** 1) , .Ghetto-Front“ ein Lagebe lieht an Himmler ab, her whlieselich den Befehl gab. das ganze Ghetto nieder?,ufeiennen und alle Verwaltungsgebäude ln die Luit zu sprengen. Die Ghetto-Kämpfer drangen darauf in die Lager und Magazine der Deutschen , leerten sie und brachten die von den Nazis gehorteten Vorräte in ihre unterirdischen Bunker. Von diesen aus unternahmen sie im mer neue Ausfälle nd setzten ihren heldenhaften Kampf mitten im brennenden Ghetto fort. Vom 25. April bis zum 8. Mai hatten die Nazis etliche Dutzend Zusammenstösse mit Gruppen von Widerstandskämpfern zu bestehen, die >on den Fassaden herab, aus Fenstern brennender Häußer auf sie feuerten. Diese zweite Etappe des Aufstandes endete am 8. Mai. als der zentrale Bunker an der Milastrasse 18 nach schwerem heroischem Kampf fiel, in dem Morde. chai Anielewicz der Befehlshaber der Ghettokämpfer, die Mitglieder seines .:Stabes“ und etwa weitere einhundert 'Juden den Tod fanden. Es gab nun keinen Befehlsstab im Ghetto mehr, aber der bewaffnete Kampf ging zwischen Ruinen und Asche ■weiter, denn das ganze Ghetto war bereits niedergebrannt. Am 16. Mai gab der General Stroop Befehl, die grosse Synagoge aus der Tio. macke 5, einen Prachtbau ■vom Ende des XIX. Jahrhunderts. in die Luft zu sprengen. Am nächsten Tag aber tauchten wie aus dem Erdboden geschossen neue jüdische Kampftruppen auf und gingen zur Attacke auf die SS. Polizei und patrouillierende GS-Einheiten über. Schwarz, verrusst, manchmal nalbnackt, verhungert, mit Brandwunden bedeckt Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1? izq. nachm 16—19 Uhr Telefon: 80*6930 REAL PEN Füllhaller REPARATUREN Spezküqeschaeft CORRIENTES 569 I. E. 49.5850 PROPIEDADES FRANKENBERG 8. R. 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Nur ei. ne geringe Zahl entkam durch die Kanäle auf die ari sehe Seite, wo viele von ihnen von polnischen Unter - grundkämpfem weiter in die Wälder befördert wurden und eine jüdische Partisanen- ESnheit schufen, der sie den Namen des gefallenen Führers der Ghettokämpfer Mordechai Anielewicz gaben. — Diesem Bericht ist wenig hinzuzufügen. Wenn man überlegt dass die Juden des Ghetto in Warschau drei Wochen der siegreichen deutschen Armee widerstanden die mit den modernsten Waffen gegen praktisch Unbe waffnete vorging, während grosse Länder wie Frankreich, Belgien, Holland, Norwegen in wenigen Tagen niedergetreten wurden, wenn man oedenkt, dass selbst Polen, das sich verzweifelt ge. gen die Deutschen wehrte, in kurzer Zeit kapitulieren muss te. dann wird man verstehen, was dieser Widersand bedeutet hat. ISID0R0 SCHREIBER bietet Ihnen sein modernes Stimmungsorchester zu allen Ihren Festlichkeiten an und singt mit mit seiner angenehmen Bassiimme T. 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Ihr Leben und ihr Sterben, ihre Zuversicht und ihr Glauben legen Zeugnis ab, dass Juden in Hirer Erniedrigung und Entwürdigung vielleicht die einzige« Menschen geblieben waren, wenn man von einzelnen Persönlichkeiten in der Verfolgung absehen will die selbst in ihrem Leid die Menschenwürde wahrten und sich den hasserfüllten Barbaren nicht beugten, sondern Widerstand leisteten, bis zum bitteren Ende. Ihr Leben und Sterben ist das Vermächtnis für alle späteren Geschlechter unseres Volkes und vor allem für die jenigen, die aus irgendwelchen Gründen von der Katastrophe nicht betroffen wurden oder ihr entgehen konnten. Dass diese Formel: Es ist unser Vermächtnis!, nicht eine leere Redensart bleibe, sondern zu neuer Erfüllung gestaltgewordene ..Jüdischkeit“, das liegt bei jedem einzelnen Menschen. Jeder mag diejenige Antwort erteilen die er für angemessen und richtig hält, jeder aber soll wissen, dass diese Antwort auch zu einem guten Teil sein Schicksal ist und bleiben wird. Von jedem von uns hängt es ab. dass sich niemals wiederhole, was in den Ghetti, den KZ- und Arbeitslagern geschehen ist- — Schrecken und Umfang des Grauens sind unvorstellbar Selbst gutwillige und gesinnungstreue Demokraten haben nicht das rechte Bild und den richtigen Eindruck vom Geschehenen. Ehe Schandtaten, die allerorts — und nicht nur in Lagern und Ghetti — vollbracht worden sind, die in die Millionen gehende Anzahl der Ermordeten, die entmenschte Unmenschlichkeit der Verantwortlichen und ihrer Knechte, übersteigen das Denkvermögen und die Vorstellungskraft eines normalen Menschen, Das haben ..Men sehen'* anderen Menschen angetan! Am 2. März 1967 erschien in Bonn das Bundesgesetzblatt Nr. 12 mit der Sechsten Verordnung zur Durchführung des Bundesentschädi- JAC0B LAPIDUS dipl. Mfthel NEUE ADRESSE V1AMONTE t037 V> B 46-1716 und 48-8124 M0HEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES iELEFON: 78-4784 ' gungegeeetzes. Paragraph 1 j lautet: ,,Als Konaentrations- I lager im Sinne des Paragr. 31 j Abs. 2 BEG sind die in der I Anlage angeführten Haftstät ten anzusehen“. Und dann folgt da6 ..Verzeichnis der Konzentrationslager und ihrer Aussenkommandos“ , . . Die Liste — alphabetisch geordnet — enthält dann auf 21 (einundzwanzig!) Seiten 902 (neunhundertundzwei!) Haftstätten... Wenn man selbst einige, die doppelt erscheinen in Abzug bringt, bleiben weit mehr als 800 verschiedene Haftstätten, in denen Juden drangsaliert, ausgehungert. vergiftet, geschlagen und zu Hode gehetzt worden sind. Dabei allerdings muss man wissen, dass kein Ghetto in dieser Liste aufgezählt worden ist. kein Arbeitslager und durchaus nicht alle sonstigen Haftstätten. Das Ghetto von Warschau oder von Lodz, die vielen kleinen Ghetti, die man angezündet und verbrannt hat. nachdem den Unglück ächen Insassen jeder Fluchtweg abgeschnitten war, so dass alle einen unvorstellbar grausamen Tod in den Flammen fanden, diese sind nicht mitaufgezählt... Selbst Kowel ist nicht in der Liste, wo von tausenden Juden nicht einmal ein Minjan übrig blieb. An alle diese unschuldigen Männer, Frauen und mindestens eine Million Kinder erinnert uns der Gedanke an den Aufstand des Warschauer Ghetto, der zu einem Trauertag in unserem Leidenskalender geworden ist. Die Märtyrer und Helden aller dieser Schreckenslager und Ausrottungsstätten mahnen ihr Volk für alle Zeiten, stets dafür zu sorgen, dass sich das was in diesem Jahrhundert ein Kapitel traurigster menschlicher und jüdi scher Geschichte geworden ist. niemals wiederhole. Wir predigen nicht Hass, sondern Einsicht, wir fordern nicht Rache, sondern Gerechtigkeit, wir verlangen keine Trauer, sondern Besinnung. Der deutsche Verlag Christian Kaiser hat vor wenigen Jahren ein Buch unter dem Titel ,1m Feuer vergangen, Tagebücher aus dem Ghetto*' herausgegeben, in welchem die Aufzeichnungen und Tagebücher von vier jüdischen Frauen und die eines Mannes in teilweise gekürzter Form enthalten sind. In einem der Tagebücher heisst es: „...Häufig sehe ich mit den geistigen Augen meinen ewig mit Arbeit überhäuften, abgeplagten Vater und auch meine Mutter, die für mich die Verkörperung grenzenloser Güte war und blieb. Unter meinen Lidern ziehen Kl der herauf, auf denen meine Brüder in der Morgenstunde in die Schule eilen. Ich sehe sie jetzt alle ganz deutlich, obwohl so viele Jahre voller Leiden und Qualen dazwischen liegen. Niemand von ihnen ißt am Leben geblieben. Mein Vater ist nicht mehr... Meine Mutter kam um...., sie vermochte nicht die qualvolle Vernichtung ihrer Kinder, ihres Mannes und aller ihrer nächsten Angehörigen zu überleben. Meine 1 Brüder, Onkel und Tanten; sind unwiederbringlich daj hingegangen. Von meiner | ganzen, einst so zahlreichen Familie ist niemand übrig...“ Von vielen, ungezählten jüdischen Familien blieb niemand übrig... Dieses Buch ist ein Vermächtnis schreibt der deutsche Verlag in seinem Vorwort, in welchem von Johann i Christoph Hampe an das Ge wissen seines Volkes appelliert wird. Unser Gedenken i6t aber mehr als ein Vermächtnis. | Es ist der warnende Ruf an i eine Menschheit, die damals | gleichgültig blieb, als Millioj nen zugrundegingen. Dieses j Vermächtnis ist das Vermächtnis einer grausamen Zeit, ein Aufschrei gegen die LA SEMANA ISRAELIT« Semanario Aparece los Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190, IV izq T. E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 1.000.— pro Jahr Ausl. $ 1.500,— jährl. Dr. Bernardo SCHWARC2 ZAHNARZT ESTOMBA 8883 — 76-821» RAYOS X PARADENTOSE TELEF. 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