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Jüdische Wochenschau · 1967-04-21 · 2214 (21.4.1967) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2214 (21.4.1967)
Date
1967-04-21
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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yiemen, 91 4« A hr 11 Ae 1967 ti A SEMANA I S N A S L I X A Ah« XXVIII. — N" 22H — 5 er Becher des Zornes In unserer Pessach-Hagga- <]a findet eich nach dem Seiler-Mahl eine Zusammenstellung von Flüchen aus den Psalmen und den Klageliedern. die unter den Anfangfiworten ..schephoch chamathdha“ bekannt sind. Eis handelt sich um eine im Mittelalter unter dem Druck der Verfolgungen entstandene Zusammenstellung der Verse Ps. 79. 6—7; 69 , 25; Klagelieder 3. 66: die in manchen Riten durch andere Verse erweitert wurden. Manche Erklärer bezogen die Versgruppen auf die Zerstörer des Tempels, andere wollten ausdrücklich die Bekenner des ¡Einzigen Gottes, wie es unsere Zeitgenossen sind, davon ausnehmen. (E. D. Goldschmidt, Die Pessach-Haggada). Die Verse lauten: ..Schütte deinen Grimm auf die Stämme, die dich nicht kennen ■wollen, auf die Königreiche, die deinen Namen nicht anrufen. Denn man frisst Jakob, seine Wohnungen veröden sie.“ ,,Deinen Grimm schütte über sie, sie erreiche die Flamme deines Zorns.“ „Verfolge sie mit Zorn und tilge sie unter Gottes Himmel hinweg“ Wenngleich diese aus der Bibel entnommenen Sprüche hier durchaus verständlich sind, so hat sich doch gerade in letzter Zeit dagegen das Bedenken geregt, dass die Liturgie der Seder-Nacht durch diesen Hassgesang, der über den ..Becher des Zornes“ gesprochen wird, getrübt wird. Die Rezitaion dieser Sprüche ist mit dem Oeffnen der Tür verbunden. Für diesen Brauch gibt es verschiedene Erklärungen. Einerseits wurde an. genommen, dass man sich vor Rezitation dieser Flüche davon überzeugen wo.lte, ob keine unbefugten Lauscher vor der Tür stehen; andererseits sollte dies auch daran erinnern, dass man im Mittelalter nicht selten den Juden den Leichnam eines Kindes vor die Tür legte, um sie dann des Ritualmordes beschuldigen zu können. Heinrich Heine hat dieses Motiv in seinem Fragment „Der Rabbi von Bacharach“ aufgegriffen. in letzter Zeit wurde die Erinnerung an diese grauenvolle Manipulation wieder wachgerufen durch die endlich erfolgte Abschaffung der kultischen Verehrung des Kindes Simon von Trient, das am Karfreitag, den 24- März 1475 umgebracht wurde. Der Mord wurde den Juden als „Ritualmord“ zu pessaoh angelastet, obwohl jeder Beweis fehlte. Erst im No-|| vember 1966 wurde der Kult des Simon von Trient durch! Dekret des Erzbischofs vorj Trient A. M. Gottardi und des Vatikans abgeshafft. Eine andere Begründung für das Oeffnen der Tür ist p<>* SCHALOM BE1S CHORUS mehr magischer Natur: die Flüche sollen nicht im Raum verbleiben, sondern hinausdringen in die feindliche Umwelt. Es handelt sich hier offensichtlich um einen magischen Racheakt der Wehrlosen. Erst in neuerer Zeit hat man dem Oeffnen der Tür eine positive Deutung gegeben Man will die Tür für den Propheten Elija öffnen, der wird, um so unseren Glauben an die Ankunft des Elija zu symbolisieren.“ (Im traditionellen Ritus ist dieses Lied in der Pessach-Haggada nicht vorgesehen, sondern gehört zum Ritual des Schabbat. Ausgangs, der Hawdala). In der Haggada der Union Liberaler und Progressiver Synagogen (London 19621 ist vermerkt: „An dieser Stelle i . ~ ~ 1 thyÿss •itï-ip ívrrn qto <rnr o? S' ''2^ ripï>S STûVTrt „SCHUETTE BEINEN GRIMM AUS. Blatt aus einer alten Haggada als Herold des Messias erwartet wird. In diesem Sinne haben nun verschiedene neue Haggadot an dieser Stelle den Gesang „Elijahu Hanavi“ eingeführt. „Elijahu der Prophet, Elijahu aus Thisbe (im Ost-Jordantal). Elijahu aus Gilead, Er kommt bald mit dem Messias. Dem Sohne Davids.“ In diesem Sinne führt „The New Haggada“ (New York, 1956 , 5. Aufl.) der ,,Reconstructionists“ in Amerika dieses Lied in die Haggada ein und bemerkt dazu: „Der Sedergebende weist auf den für den Propheten Elija bestimmten Becher hin, ordnet an, dass die Tür geöffnet MALERARBEITEN JUAN JULIUSBURfl 73 1148 BLANCO ENCALADA 1646 DEIN HOBBY DEINE SPARKASSE Israel-Briefmarken Beratung durch: STAMPS CENTER 64 Allenby R4 — TEL AVIV — P.O.B. 4444 des seder ist es in vielen Gemeinden üblich, die Tür zu öffnen. Diese Sitte mag eine Geste der Gastfreundschaft gewesen sein.“ (Ich halte diese Bemerkung für absolut unrichtig, da die Tür ja nach dem Mahl geöffnet wird.) „Aber es kann auch als ein Ausdruck des Gottvertrauens interpretiert werden, ein Vertrauen, das alle Gefahren bannt.“ Die Herausgeber der Haggada erinnern dann an die hier bereits erwähnten Vorgänge im Mittelalter und an die messianische Interpretation dieser Sitte und fahren fort: „Diejenigen, die diesen Brauch pflegen wollen, mögen, während die Tür geöffnet ist, den 27- Psalm zitieren“; es folgt sodann der 27- Psalm in englischer Uebersetzung. Dieser Psalm, der das Gottvertrauen auch in Notzeiten zum Ausdruck bringt, wird im traditionellen Gebetbuch für die Zeit der Hohen Feiertage im Herbst angeordnet: „Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem soll, te ich mich fürchten! Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen! So die Bösen, meine Widersacher und Feinde, an mich wollen, mein Fleisch zu fressen, müssen sie anlaufen und fallen. Wenn sich schon ein Heer wider mich legt, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht; wenn sich Krieg wider Israelische Familiennamen Jerusalem. — Durch verschiedene Interventionen in der letzten Zeit forde'-te David Ben Gurion eine weitgehende Hebräisierung der Familiennamen in Israel. mich erhebt, so verlasse M» mich auf ihn Herrn Eins bitte ich vom Herrn. das hätte ich gerne• im Hause des Herrn bleiben W¥e ""die schönen&Gottes - dieiXdes Herrn und seinen Tempel zu betrachten- Auch in Israel gibt es eine Reihe von Haggadot, die die traditionellen Flüche an dieser Stelle durch positiv gehaltene Texte ersetzen. Be sonders schön nnd sinnwU erscheint mir hier ¿#H« gada des Kibbuz Arzi Hascho mer Hazair, die hier die Fn - densvision des Propheten Jesaja einfügt: „Und es wird sein am Ende der Tage und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Sicheln Kein Volk wird mehr gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen, und er wird in gerechtem Gericht den Armen und Bedruckten im Lande Recht schaffen, und es wird der Wolf neben dem Lamme liegen und der Panther neben dem Böeklem. und Lamm und Junglöwe ■werden zusammen grasen und ein kleiner Knabe weidet sie. Furcht und Verderben verschwinden und die ganze Erde ist der Erkenntnis voll.“ So schön dieser Passus ist, so schmerzlich ist es, dass die Bibelverse hier atheistisch redigiert wurden. Der Name Gottes fehlt. Aus der „Gotteserkenntnis“ wurde die „Erkenntnis“ im aufklärerischen Sinne; Bildung statt Glaube, sodass wir hier ein klassisches Beispiel für die Transformation messianischer Visionen in eine politische Utopie vor uns haben. Eine Synthese des 'aleen Fluch-Rituals mit heutigem Empfinden versucht die Haggada Israeli“ von Rahbi br. M. Ydit (Jerusalem, 1965), die an dieser Stelle zunächst ein Gedenken an die Opfer der Nazi-Verfolgungen einführt und dann tatsächlich Psalm 79, 6 zitiert: . Schütte deinen Grimm auf die Völker, die dich kennen wollen und die .Reiche die deinen Namen nicht anrufen..sodann aber fährt die Haggada fort, Dennoch harren wir des ’Tages an dem alle Völker einen Bund schliessen werden, um deinen Willen, Herr, von ganzem Herzen zu erfüllen und alle Bosheit wie Rauch auf der Ei de schwindet und die Herrschaft des Uebermutes auf der Erde getilgt wird. Amen.“ ... i Dieser letzte Poesus ist der , Liturgie für die Hohen Peieitage entnommen. Anschlie- ■ssend wird nach dieser Hag gada der Becher des Bhjahu ei hoben und auch hier folgt nun das Lied; „Elijahu Hanawi“. Der Becher des Elija ist bekanntlich nur eine volkstümliche Deutung eines Kompromisses. Die Schulen Hille! und Scnammai waren sich nicht einig, ob vier oder fünf Becher zum rituellen Mahl der Seder-Nacht vorzuschrei. ben seien. Man löste den Disput, indem man den fünften Becher unberührt auf der Tafel stehen liess, und dieser ungeleerte Becher wurde von den Ungelehrten in blühender Volksphantasie zum Becher des Elija. Gerade in letzter Zeit hat man sich in weiten Kreisen die Frage gestellt, ob es nicht angebracht wäre, die Flüche aus der Haggada zu streichen, sozusagen als eine Geste der Erwiderung auf die Reformen in der Karfreitag- Liturgie durch Johannes .XXIiI. Im zweiten Teil der „Allgemeinen Fürbitten’ hiess es bisher; „Oremus et pro perfidis Judaeis'; „Lasset uns für die periiden t ungläubigen ) Juden beten, dass Gott, unser Herr, den Schleier von ihren Herzen wegnehme, auf dass auch sie unsern Herrn Jesus Christus ei kennen“. Hier wurde anstelle dieses Textes die Bitte gesetzt; „Lasset uns auch für die Juden beten“. Während bisher die Kniebeuge bei diesem Gebet unterblieb, da die Juden durch höhnische Kniebeugen Jesus verspottet haben sollen, hat Johannes auch diesen Brauch abgeschafft und hier die Kniebeuge wieder eingeführt. Versuche dieser Art, Symbole des Hasses aus dem Gottesdienst zu verbannen, dürfen nicht einseitig bleiben, und es wäre daher au begrüssen, wenn nicht nur Kreise des Konservativen Judentums und der Reform die Flüche aus den Haggadot streichen würden, sondern das Ober rabbinat von Israel autoritativ diese Streichung vornehmen würde. Literarische Notizevü i -Jgjl Kämpfer für Frieden Dr. Max Tau, der erst# Träger des Friedenspreise® des Deutschen Buchhandel*, war von vielen Wissenschaft* lern und Politikern für de« Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Dr. Tau ist heut« norwegischer Staat** bürger; er ist Lektor fü* deutsche Literatur in einem angesehenen Verlag in Oslo und ausserdem Herausegeb* der ..Friedensbücherei", de® er sich besonders verschrie» ben hat. Berater für arabische Studenten Zum Assistenten des De« kans an der Hebräischeii Universität, welcher sich mit Studentenfragen befasst, ist Huja Drahan, ein Absolvent der H. U. für hebräische und arabische Literatur, ernannt worden. Seine Aufgabe «oll die Beratung von 220 arabischen. drusischen und tscher« kessischen Studenten an des Hochschule sein, , Ausstellung V** Die religiöse Abteilung Jm Erziehungsministerium stellt anlässlich des 100. Geburtstages von Raw Jizchak Hako* hen Kook eine Ausstellung zusammen. Jiddische Bücher -;!vP Im vergangenen Jahr sind in Moskau zwei jiddische Büif eher erschienen, nämlich de$ letzte Roman des unter deJL stalin istischen Verfolgufit» umgekommenen Dichters w rez Märkisch, „Die Schritt^ der Generation'1, und ein? Sammlung nachgelassen Gedichte von Schmuei CI“ kin, der 1961 gestorben Der Roman von Märkisch ' das Martyrium der poltj sehen Judenheit zum Geg stand. Für die nässhste Z&t sind an jüdischen Ausgahgflt, zwei Sammlungen von Wer*’ ken der Dichter David Ber« geisohn und Jizchak Leib P rez vorgesehen. i w CATECA S.A. Directorio 5555 Buenos Aire« T. E. 68 - 1017/18 y 1264 SUAVANDAR el calzado legítimo de espuma de goma ESTUDIO PASTEUR 254 . Ill, 4(umu. »37| î» y 5° piso» * SVKNQS AÍ*I» ■ciencies económicos, 1 contadores públicos nacionoí«« con tul tores de; empresa* " ■ especiÀtï$ïA% JN ' ' ¿Óc/EDADES ANÓNIMAS Fiambres Finos “FRIG UINCIA ” MARCA QUE DISTINGUE LA CALIDAD

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