Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2210 (23.3.1967)
- Date
- 1967-03-23
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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9 — Juwe*, 2S de Marz© de 1967 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXVIII. — N" 2?14> 1 Ereignisse der Woche Die Sterne sind Zeugen H. Sw.: — ..Alles fliesst“, meinte ein griechischer Weise. Der Kampf zwischen alten und neuen Vorstellungen, »wischen den Generationen »wischen Eltern und Kindern Ist nichts Typisches für unsere Zeit. Immer, von Geschlecht zu Geschlecht, wiederholen sich die Auseinandersetzungen, steigen in der Jugend Zweifel an der Richtigkeit des Weges ihrer Eltern auf, debattiert Jung und Alt über Falsch und Richtig ihrer Vorstellungen. Mitunter nehmen diese Diskussionen heftige Formen an. Man strebt nach Reform, nacn Revolution, nach einer grund legenden Wandlung der ge sellsohaftlichen Bedingungen und Verhältnisse, sogar nach einer Umwälzung aller Grundlagen des menschlichen Lebens. Im Laufe der Geschichte sind grosse Reformatoren aufgetreten, deren Wirken tiefe Spuren in der Geschichte hinterlasen hat, deren Ideen und Postulate zu einer Neugestaltung geführt haben und deren Gedanken Bewegungen auslösten, die bis heute von Einfluss geblieben sind. Das waren gewaltige Rebellen, wie Luther einer gewesen ist. die aber nur selten und von Zeit zu Zeit auftraten, ein Herz], dessen Ruf und Mahnung an sein Volk zur Selbstbesinnung und Selbstbestimmung führte, zu BIBLIOTECA POPULAR JUDIA Publicaciones del Ejecutivo Sudamericano del Congreso Judío Munndial CORRIENTES 1979 buenos aires Colección: HECHOS DE LA HISTORIA JUDIA 1. Menejem Borc-isho: LA HISTORIA DEL IDT3CH 2. Teodoro Herzl: EL PRIMER CONGRESO SIONISTA Colección: GRANDES FIGURAS DEL JUDAISMO 1. Samuel Rodansky: SCHOLEM ALEIJEM 2. Natan Gesang- YEHUDA HALEVI 3. Sim ja Sneh: SCHMUEL IOSfEF AGNON 4. León Dujovne: MAIMONIDES 5. Nahum Goldmann: TEODORO HERZL 6. Sehalom Rosenberg- FILON DE ALEJANDRIA Bibliografía de Temas Judíos en Castellano UNI IMPORTANTISIMA NOVEDAO RAIDOS ARI BENAMI EL PROBLEMA EN LA UNION SOVIETICA EL PROBLEMA JUDIO EN LA UNION SOVIETICA El autor de este libro es un israelí que vivió largas temporadas en la Unión Soviética La recorrió a lo ancho y a lo largo, desde la frontera occidental hasta 8irobidyán, y trabó conocimiento con numerosos judíos. El libro revela aspectos hasta hoy desconocidos y ofrece una visión original del problema de los judíos de la Unión Soviética, a través de un análisis de su posición dentro de la sociedad y de la economía nacional, y de una descripción de los móviles po(Micos que determinan su situación actual. En todas las librerías y en: LIBRERIA RAIDOS CENTRAL DEL LIBRO PSICOLOGICO Cabildo 2454 . 73-4888 Buenos Aires einer inneren Evolution der jüdischen Existenz. Mitunter erregen Begebenheiten von geringerer Bedeutung die Gemüter aufs heftigste. Ein solcher Vorfall,, eine Hochzeit unter freiem Himmel in einem jüdischen Lager, auf dessen Gelände in Gegenwart der jüdischen Lagerinsassen ein katholische; Paar von einem katholischen Geistlichen getraut wurde, lsisst^die Wogen der Begeisterung und die der Empörung hochschlagen. Auf diesem Hintergrund spielen sich mehr oder weniger starke geistige Auseinandersetzungen ab, die sehr ernst sind, aber nicht im Rampenlicht der Sensationen ausgetragen werden sollten. Gewiss ist es etwas Ungewöhnliches, wenn eine Hochzeit unter freiem Himmel, mit den Bäumen als Kulissen und den Sternen als Baldachin stattfindet. wobei es nicht einmal wesentlich ist. nach welchen Gesetzen sie sich vollzieht. Gewiss ist es romantisch, wenn jüdische Jugendliche, und dazu in der stattlichen Anzahl von 200 Jungen und Mädels, einen Chor für ein katholisches Paar bilden. Gewiss wäre es erhebend, wenn die Grenzen und die Schranken unter der. Menschen sinken würden und alle sich in die Arme fallen vor Freude, vor Achtung, vor Liebe und im Glauben an den einen und einzigen Gott, unseren Vater im Himmel, der regiert über die Erde und über alles, was von ihm geschaffen worden ist. Für diese echte Verbrüderung. nach welcher sich jedes menschliche Herz sehnt sind alle Menschen guten Willens. Die Sterne sind unsere Zeugen und die Bäume aller Wälder die sichtbaren oder unsichtbaren Kulissen für diesen universalen, die Welt umschlingtnden Glauben reiner Menschenliebe. Nur geht es leider nicht um diese unw rklich-wirklichen Ideen, deren ferner Zug ins Weite mit der Realität in keinem Zusammenhang steht und nur dazu geeignet ist, durch Romantik und Schwärmerei den f:sten Boden schwankend und wankend zu machen, auf dem wir stehen und auf den wir unsere Jugend stellen müssen. Was ist geschehen? Auf dem Gelände eines Ferienlagers, das eine jüdische Gemeinde in Buenos Aires, Bet El, in Córdoba besitzt, trug sich das Diener ehepaar mit dem Gedanken, den ewigen Bund der Ehe einzugehen. Als gute Katholiken wollten sie sich nach den Riten ihrer Religion trauen lassen, aber als dankbare Mitarbeiter von Bet El sollte die Trauung in der gewohnten Umgebung des Ferienlagers erfolgen. Man verständigte sich, da auch der katholische Geistliche hier- Dr. M. KIRSCHBLUM Rabbiner (New York), Vertreter der religiösen Zionisten, Präsident des Misrachi in Nordamerika, führende Persönlichkeit der Jewisb Agency, glänzender Redner, kommt zur Eröffnung der Vereinigten Kampagne nach Argentinien. mit einverstanden war, der die katholischen Zeremonien vollzog. Bei der Darstellung des Tatsächlichen beziehen wir uns auf die inzwischen ver öffent lichte Verteidigungs schrift des von uns sehr geschätzten Rabbiners Marshall Mever, die unter dem Titel „Habla el Rabino de Bet El“ im Druck erschienen ist. Nach einer Einleitung, in der Rabbiner Meyer seine ganze Gelehrsamkeit bemüht und Himmel und Erde in Bewegung setzt, auf den Turmbau von Babel und die Schlechtigkeit der Menschen hinweist, kommt er zu seiner Schilderung des nüchternen Sachverhalts. In seinen einleitenden, interessanten Ausführungen ist DAIA an den Innenminister Am 16. März hat sich die DAIA mit einem Schreiben an den Innenminister, Dr. Guillermo A. Borda, gewandt, das sich auf eine öffentliche Kundgebung bezieht, die im Atrium der Basilica San Francisco kürzlich von Mitgliedern der Tacuara abgehalten worden ist und über die von den Zeitungen vor einigen Tagen berichtet wurde. Der Text des Schreibens lautet u. a. folgendermassen: ,,Herr Minister: ,,Wir beehren uns, Ihre Aufmerksamkeit auf eine im Atrium der Basilica San Francisco am 25. Februar veranstaltete Kundgebung zu lenken. Wir fügen ein Foto der ..United Press“ sowie den Leitartikel der Zeitung ,,La Prensa“ bei. ,,Es ist schwer. Ihnen das Erstaunen auszudrücken, das in der jüdischen Kollektivität sowie in anderen Sektoren der Bevölkerung durch die Abhaltung dieser Veranstaltung hervoigerufen wurde. Es ist wahrlich überraschend, und, man könnte sogar sagen, unveiständlieh, dass in diesen Augenblicken, in denen jegliche politische Aktivität absolut verboten ist, im Atrium eines Gotteshauses im Zentrum der Bundeshauptstadt, eine politische Kundgebung mit der klaren Tendenz stattfinden kann, die sich aus der Betrachtung dieses fotografischen Dokuments aufdrängt. Der Nazigruss, die Gebärden und die offensichtliche Aggressivität in den Gesichtern sind Einzelheiten, die diese Gewaltandrohung noch unterstreichen, welche im Gegensatz zu dem von uns allen ersehnten sozialen Frieden stehen „Wenn man ferner berücksichtigt, dass eine Kundgebung dieser Art, die laut ,,La Prensa“ (vom 12. 3. 67) ,,vor den zuvorkommenden Augen der Polizei“ stattfand, ausführlich und öffentlich besprochen wurde, stehen Ihnen, Herr Minister, andere Elemente zur Verfügung, um die aufsehenerregende Sensation abzuschätzen, welche diese herausfordernde Zurschaustellung hervorgerufen hat. „Der Leitartikel, den wir anfügen, gibt der Beunruhigung angesichts des Wiederauflebens des Nazismus in Deutschland Ausdruck und verweist auf den Einfluss, den diese Entwicklung auf unser eigenes Land hat. Wenn irgendein Beweis notwendig sein sollte, um die Unruhe zu erklären, welche dieser Kommentar widerspiegelt, wird er durch dieses Foto geliefert. „Gleichzeitig mit diesem Ausdruck unserer Besorgnis teilen wir Ihnen, Herr Minister, unsere Erwartung mit, dass die Behörden auf solche Versuche zur Störung der öffentlichen Ordnung reagieren werden. gez. Isaac Goldenberg Präsident gez. Herzl Gesang Sekretär Buenos Aires, im März 1967.“ sachliche Darstellung, Stel- , Zeremonie ' lungnahrr.e und Kritik, womit streng an _ _ wir unserer Aufgabe der Ori- Meyer sehr grosszügig mit alj entierung der jüdischen Oeflen Menschen und Völkern, | fentlichkeit gerecht zu wer. _ er ist es wenig:r. wo er den haben, sich mit seinen Kritikern j Schon garnicht wollen wir auseinandersetzt, — sodass ' eine Polemik mit dem Rabder unvoreingenommene Leoir.er Marshall Meyer führen, ser den Eindruck gewinnen ■ dessen Wirken und Persönmuss. als ob auch die Juden. ' lichkeit wir durchaus schätan den Kriegen und Morden . ¿en, auch wenn uns in vielen iiüiïïmïïiiïiiiiimmiiiimmiiiiiiimiimiiiiiimmmmiiiimmiiiimiiiiHiiiiiirfHiimmiiimiiir 11 ^Bki BIAS Dt V* die Verantwortung und die Schuld tragen, die eine das Wort Gottes verkennende Menschheit auf sich nehmen muss. Als ob im Laufe einer mehr als zweitausendjährigen Geschichte die Juden nicht immer die Opfer gerade derjenigen „Brüder“ gewor- I den wären die jetzt mit Sternen und Bäumen von uns! umschlungen werden sollten. Im Ramah-Lager zu Cör-! doba wurde also beschlossen,! dieses katholische Paar im jüdischen Lager unter Mitwirkung der Lagerteilnehmer zu verheiraten, wobei der katbolische Geistliche die Trauung vollziehen und die jüdische Jugend nicht nur die Kulisse, neben den von Meyer zitierten Bäumen bilden sollte, sondern auch als Choristen aktiv mitwirken mussten. Wie Herr Rabbiner Meyer selbst schildert, hatten wohl einige Jugendliche Bedenken. Sie hatten das nach unserer Auffassung gesunde Empfinden, dass hier irgendetwas nicht in Ordnung ist, dass bei allem Respekt vor anderen Religionen, anderen Glaubensvorstellungen und anderen Gebräuchen, die Mitwirkung der jüdischen Jugendlichen als Choristen über das von Glauben, Sitte. Tradition und Geschmack erträgliche Mass hinausgehen würde. Dem Rabbiner gelang es schliesslich, auch diese Jugendlichen zu überzeugen, dass ihr Standpunkt nicht zutreffend sei. Zwischenbemerkung Wii sehen es nicht als un. sere Aufgabe an, Richter über eine Gemeinschaft oder einen Teil unserer Gemeinschaft zu sein. Wir müssen es auch ablehnen, wie wir es in anderen Fällen stets taten, in eine Debatte mit einem einzelnen Menschen, und sei er noch so bedeutend einzu treten. Hier geht es um eine Dingen dieses Lebens andere Auffassungen trennen. Aber die Wertschätzung einer Persönlichkeit, ist nicht von Meinungen und Abweichungen in der Betrachtung des Lebens abhängig. Auch Freunde können öffentlich diskutieren. Diese Zwischenbemerkung wurde als notwendig erachtet, um den Streit nicht auf das Niveau persönlicher Auseinandersetzungen herabzerren zu lassen. Die Zeremonie Beenden wir kurz unseren Bericht über den Ablauf der wobei wir uns die Schilderung von Marshall Meyer halten. Der katholische Priester traute das Paar, die jüdischen Jugendlichen sangen Psalmen in lateinischer und hebräischer Sprache und Herr Rabbiner Meyer sagte gemeinsam mit seinem Assistenten-Rabbiner in englischer Sprache das „Vaterunser“. Für Marshall Meyer waren das alles selbstverständliche Einzelakte in einem selbstverständlichen Vorgang. Die lateinischen Verse sind die hebräischen Psalmen, natürlich unsere Psalmen, denn andere gibt es ja nicht. Dass aber Juden im allgemeinen nicht die lateinische al6 Gebetssprache benutzen, wird auch Rabbi Meyer nicht be. streiten. Dass dagegen die Katholiken die lateinische Sprache als ihre rituelle (Fortsetzung der Ereignisse auf Seite 5) Neuerscheinungen des Verlages »» OLAMENU (< TEL AVIV POB 3002 SOEBEN ERSCHIENEN: HUGO GOLD: Geschichte der Juden in Wien. Das Standardwerk der Jüdischen Geschichte Wiens. Hunderte Illustrationen. Grossoktavformat.US$ 20.— K. J BALL-KADURI: Vor der Katastrophe. Das Leben der Juden in Deutschland (1934 bis 1938).US$ 5,— Dr. E. J GOERLICH: RUTH, Geschichte eines Wiener jüdischen Mädchens . US$ 5.— Dr. NARRY ZOHN: Wiener Juden in der deutschen Literatur Halbleinen.US$ 3.50 HUGO GOLD: Geschichte der Juden in der Bukowina, I. Band .. ••.US$ 20.— HUGO GOLD: Geschichte der Juden in der Bukowina, II. Band.•• .. US! 20.— IN VORBEREITUNG HUGO GOLD: Geschichte der Juden in Oesterreich (Ein Gedenkbuch II. .. .. .. US$ 20,— HUGO GOLD: Gedenkbueh der untergegangenen Judengerneinden des Burgenlandes US$ 20.— GEDENKBUCH DER UNTERGEGANGENEN JUDEN¬ GEMEINDEN DER TSCHECHOSLOWAKEI. 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