Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2209 (17.3.1967)
- Date
- 1967-03-17
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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üw-ue*, H äxst dÉÉÉtffi LA SEMANA ISRAELITA Año XXVIII. — N* W9 — i Jüdisches Leben in Rumaenien Zum Unterschied von an-; deren jüdischen Gemeinden ' fei kommunistischen Ländern, i Sie ioh besucht habe, be-! sohrankt sich die jüdische 1 Gemeinde in Rumänien nicht ■ ausschliesslich auf d.e Aus-! Übung eines religiösen Judentums. Obwohl dieses die | Grundlage des gemeindlichen ‘ Lebens bildet, so duldet man und fördert sogar ein von religiösen Bindungen freies Judentum, was in erster Reihe der klugen Führung de« Grossrabbiners Moses Rosen Ku zuschreiben ist. Mit der ßntstalinisierung Rumäniens sah sich die jüdische Gemeinschaft von der Willkür der jüdischen Kommunisten befreit, die den „Zionismus“ mit dem gleichen heftigen und übertriebenen Eifer bekämpften, den das Stalin-Regime zur Unterdrückung der Gegenrevolution anwandte. (Die damaligen Führer sind aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Der Deputierte Berko Feldmann, dessen Namen mit so vielen ungerechten Verfolgungen verbunden war, ist heute ein kleiner Angestellter in einem sekundären Büro und hat wie durch ein Wunder seine Haut gerettet. Die Verfolger von gestern sind abgetreten, und die jüdische Gemeinde befindet sich heute in Händen von Menschen, die dem Regime, ihrem Volk und ihrer Religion treu ergeben sind. Die Repräsentanten d-rs Amerikanischen Jüdischen Kongresses und ich (wir trafen im gleichen Flugzeug aus Ungarn kommend ein) konnten uns hiervon im Laufe verschiedener, uns zu Ehren veranstalteter öffentlicher Akte sowie durch die direkte Beobachtung des jüdischen Lebens in Bukarest überzeugen Ohne die Tatsachen zu übertreiben, muss man zugeben, dass das Leben der Juden in Rumänien sich sowohl in seinen religiösen wie nichtreligiösen Aspekten gcwissermassen ebenso autonom abspielt wie es anderen ethnischen und religiösen Minoritäten gestattet ist. Aach den Juden ist erlaubt, enge Bindungen mit anderen Teilen des jüdischen Volkes in dei Welt zu pflegen, wie dies auch wirklich der Fal’ ist Im Jahre 1965 weilte Dr Rasen als Beobachter auf der Plenarsitzung der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses in Strassburg. Heute ist die Föderation jüdischer Gemeinden in Rumänien, an deren Spitze er steht, offiziell den. Weltkongress anges*.blossen Dr. Rosen wohnte als Deleveit MARK TURKOW gierten dieser Föderation im August 1966 der Plenarver Sammlung in Brüssel bei und beteiligte sich an allen dort gepflogenen Beratungen über jüdische Probleme. Er wurde zum Mitglied der Kongress leitung gewählt. Während seines kürzlichen Besuches in den USA lud Dr. Rosen die orthodoxe Judenheit ein, ihren Weltkongress, der in diesem Jahr stattfinden soll in Bukarest abzuhalten, um hierdurch die Bande zwischen Ost und West noch mehr zu stärken und auf diese Weise die Spannungen des Kalten Krieges zu lockern * In Bukarest wurden wir mit überströmender Freundschaft und Herzlichkeit empfangen. Die wegen ihrer Schönheit „Kleinparis“ genannte Stadt war mit Fahnen, Plakaten und Bildern der kommunistischen Führer geschmückt, dehn es war der Vorabend der Feiern des 22. Jahrestages des Regimes. Gegenüber unserem Hotel lag der alte Königspalast, in dem heute der Präsident der Republik wohnt. Unter derneun Bildern der Mitglieder des Zentralcomites der Kommunistischen Partei sah ich das Porträt eines Juden, des Wirtschaftsministers, der sich erfreulicherweise, wie man mir erzählte nicht .n jüdische Angelegenheiten einmischt, denn erfahrungsgemäss ist es vorzuziehen, diese Fragen mit christliche»’ und nicht mit jüdischen Kommunisten zu behande’n. Uns zu Ehren veranstaltete das Jüdische Staatstheater eine Sondervorstellung Das Theater spielt in einem kleinen, aber geeigneten Saal, der 400 Personen fasst. Die Schauspieler und alle anderen Angestellten werden vom Staat bezahlt. Das Künstler ensemble ist ausgezeichnet, obwohl die Schauspieler der alten Generation sich sowohl durch ihr Jiddisch wie durch ihr Verständnis des traditionellen jüdischen Lebens auszeichnen. Diese Erscheinung kann man auch bei anderen Judenheiten der Welt bemerken. Unter dem Publikum glänzte die Jugend durch.ihre Abwesenheit, obzwar mehrere Reihen mit Kopfhörern ausgestattet sind damp Nichtjuden wie jüdische Jugendliche, die nicht Jidd'sch verstehen, den Aufführungen in der Landessprache folgen können, wie dies auch irn Jüdischen Staatstheater von ALFREDO STERN MALERARBEITEN FACHMAENNISCHE AUSFüEHRUNG AUF WÜNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN VIDAL 1575 FAST ECKE PINO Tel.: 76 9088 Teppichhaus - M. Höchberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Tep pichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN Maschinenteppiche in allen Farben und Grössen Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN TAG VON 9—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM CALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.; 52 2993 4 Quader von Station Urquiza 1 Warschau eingerichtet ist. Die Vorstellung, eine Komödie von i. Gerschenson über die Juden von Chelm war ausgezeichnet. Die Regie führte Iza Schapiro. Ich erfuhr, dass das Jüdische Staatstheater wöchentlich drei Vorstellungen in Bukarest gibt und systematisch in den Provinzgemelnden spielt. Das Repertoire umfasst klassische jüdische Werke und jiddische Versionen von Theaterstücken der Weltliteratur. Vor wenigen Jahren wurde in Bukarest ein Goldfaden-Zyklus veranstaltet, zu dem Delegationen aus verschiedenen europäischen Ländern kamen. Bei einer Sondersitzung der Leitung der Föderation jüdischer Gemeinden, die zu unseren Ehren unter Vorsitz von Dr. Rosen staftfand wurden leichte Erfriscnungen gereicht, bei denen der berühmte Carmel-Wein aus Israel serviert wurde. Die Gemeinde importiert diesen Wein zollfrei, da die P.egierung ihn als Gebrauchsartikel für den Gottesdienst betrachtet, ein Detail, das für die wohlwollende Haltung Rumäniens zu seiner jüdischen Minderheit aussagt. Auf unsere Frage entgegne te Dr. Rosen, dass vor der Katastrophe in Rumänien etwa 800.000 Juden lebten. lieber die Hälfte hiervon kamen durch die Naziverfo.gungen um. Heute gibt es noch rund 100.000 Juden, was bedeuten will, dass der Rest auswan dern konnte. Die Volkszählung vom Jahr 1956 ergab insgesamt 146.264 Juden. Die Ueberlebenden der alten Gemeinde leben zumeist (rund 50.000 Seelen) in Brka-est Ausserdem bestehen 72 Gemeinden im Landesinnern Der religiöse Sektor teilt sich in „Orthodoxe“ und „Konservative“, Die von Dr. Rosen geführte Gemeinde ist die einzige von der Regierung anerkannte Repräsentanz. Ihre religiösen sowie weltlichen Institutionen werden von der Regierung unterstützt D*e Gemeinde kommt zum grossen Teil für den Unterhalt von etwa 1.500 .bedürftigen Familien auf, meistens ältere Leute, die am Rande der neuen kommunistischen Wirtschaft blieben, und auch solche, welche kleine Staats Pensionen beziehen, die für ein Lebensminimum nicht ausreichen. In Bukarest erscheint “ine einzigartige jüdische Zeitschrift, die von Dr. Rosen gele'tet wird. Sie neisst die „Tsaitschrift“ und ihre Einzigartigkeit liegt daran, dass sie in drei Sprachen, einschliesslich des Hebräischen gedruckt wird. Sie ist das offizielle Sprachrohr der rumänischen Judenheit Au .ser Berichten über religiöse Fragen bringt sie ausf ihr hohe Artikel über jüdische Ku'tur sowie kleine literarische Re>- träge israelischer und westlicher jüdischer Autorr-n Rumänien ist das einzig! i,and m dem das moderne Hebräisch öffentlich als te-arsche Sprache benutz wird während es in anderen rändern nur pei den GoUesd ensten angewandt werd n darf Von den acht Seiten de» Zeitschrift erscheinen gewöhnlich zwei auf Hebräisch zwei auf Jiddisch and vier auf Rumänisch. Ihre im Anfang reduzierte Auflage he trägt wegen des steden-len Interesses an dieser Pubi ca tion '000 Exemplare \w Und wenn es sich um HERRENKLEIDUNG handelt, dann zu Carlton MAIPU 982 — 31.7845 Donnerstag jeder dritten Woche, dem Tag ihres Erscheinens, kann man lange Reihen von Menschen, die die Zeitschrift kaufen wollen, am Eingang des Gemeindehauses beobachten. Sie wird in letzter Zeit auch von der jungen Generation von Intellektuellen und se'öst von Nichtjuden gelesen. Natürlich benötigt die Publikation die offizielle Genehmigung der Zensur, doch diese scheint recht liberal zu sein. Die Gemeinde veröffentlicht im weiteren jährlich einen jüdischen Kalender mit traditionellen Angaben, der in 10.000 Exemplaren herauskommt. Ferner werden viele jiddische Bücher verlegt, über die im einzelnen zu berichten wert wäre Die Gemeinde besitzt in Bukarest 23 Synagogen, die, wie auch an anderen Orten, hauptsächlich von der älteren Generation besucht werden. Das Gemeindebudget wird aus freiwilligen Be trägen ausser den Abgaben gedeckt, die auf koscheres Fleisch, Mazzot und Weine erhoben werden. Am letzten Pessachfest verkaufte die Gemeinde 180.000 Kilo Mazzo* Diese wird aus Ungarn uiri Israel nach Rumänien gehefert. Der Zusammenschluss der Juden in der Kehilla ist freiwillig und viele gehören dieser nicht an, denn die Vertassung (Art. 30> gewährt Ge Wissensfreiheit, zu der die Freiheit zählt, die Religion, die jemand zu bekenne» i wünscht, oder gar keüie Religion anzunehmen Wenn diese Freiheit in gewissen Ländern, wo sie ebenfalls durch die Verfassung gewährleistet ist, nichts als Spott darstellt, so ist sie ei ne Realität in den von miv besuchten kommunistischen Ländern: in Ostdeutschland in der Tschechoslowakei in Ungarn, Jugoslawien und Rumänien. Es ist interessant zu beob achten, dass in Rumänien ebenso wie in Argentinien eine der Haupteinnahmen der jüdischen Gemeinde der Friedhof ist. Eine grosse Zahl von Juden wünscht unter Juden begraben zu sein, and der Ort, der als Grabstätte angewiesen wird, hängt vom Preis ab, so dass selbst nach dem Tode die Klassenunfer LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aire* - PUEYRREDON 2190, 1» izq. - T.E. 83-2613 5. Adar II. 5727 17- März W7 schiede nicht gänzlich abgeschafft sind. Oberrabbiner Rosen glaubt ehrlich an die Güte des kom munistischen Regimes in Rumänien. & sprach *uf de» Gemeindesitzung zu Ehren der auslär»dischen Gäste rnit voller Ueberzeugung davon, dass die direkten Kontakte zwischen den jüdischen Gemeindeführern der beiden Weltblöcke zur Erleichterung der Spannungen des Kalten Krieges und zur Fe-tigung der Bande des Friedens zwischen den Völkern be.tragen Auf der Tagung d^s Jüdischen Weltkongresses in Brüssel hörten wir ähnliche Worte aus dem Munde des Präsidenten der Föderation jüdischer Gemeinden in Ungarn, Dr. Geza Zeifert. Als ihn jemand aus dem Sitzungssaal beim Anhören sei ner Lobreden auf das kommunistisch« Regime Ungarns unterbrach und sarast.sch zurief, dass seine Gemeinde gewiss in einem .Paradieslebe, entgegnete Dr. Zeifert: „Wenn Sie alle wüssten, was wir ungarischen Juden unter früheren Regimen gelitten haben, so würden Sie verstehen, dass wir allen Grund haben, mit der heutigen Situation zufrieden zu jein.“ Das gleiche erklärt zu jeder Stunde und überall Dr. Rosen von Rumänien Man braucht sich nur der Tage der Eisernen Garde Anto nescus und anderer antisemitischer Machthabei zu erinnern. Man braucht nur an die antizionistischen Vevfol gungen unter dem stalinist5schen Regime in Rumärien zu denken, um der ietzigen Regierung dankbar nd mit ihr zufrieden zu sein Ein lebendiger Zeuge auf der Sitzung war ein Redner aus Israel, ein Herr Fehler der vor Jahren wegen seiner zionistischen Betätigung in Rumänien im Gefängnis sass. Er wurde während der Entsralinisierung befreit und lebt seit dieser Zeit in Israel wo er im Büro des JWK arbeitet. Er war nach Bukarest gekommen, um seine Verwandten zu besuchen. Aus Marokko Casablanca. — Ein-, Delegation des Rates der jüdischen Gemeinden wurde von Justizminiscer Abdulhadi Boutaleb in Casablanca emnfangen. Die allgemeir e leige der Juden Marokkos sowie im besonderen die der Rabbiner wurden behandelt Der Minister versprach, d e Pläne für das Oberrabbi n*t des Landes zu unterstützen. Ein Rücktritt Jerusalem. — Mosche Rosetti, Sekretär der Knesset seit Staatsgründung, hat seine Rücktrittsabsicht erklärt Bis zum Zeitpunkt dei Pensionierung wird er 6» Jahre alt sein. Mosche Rose^ti «am 1948 aus England nac'- Israel und trug dazu bei die Normen der Knesset aufzustellen. Scheidungsgesetze Tel Aviv. — Bisher konnten Ehepartner, die verschiedenen Religionen angehören, in Israel nicht geschieden werden. Jetzt wurde endlich diese auch vom Obergericht empfundene Lücke geschlossen. Israels zivile Ger, ht.shöfe werden in einem solchen Fall für die Scheidung zuständig sein. MOEBELHAUS WATERMANN Da* Hau* der 3 Geschäfte mit der grössten Auswahl SARMIENTO 1147 T E 35 703? CABILDO 2614 PAMPA 4979 ~ Zah lun gserieic h terun een fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zuvorkommende fachmännische Bedienung ESTUDIO JURÍDICO INTERNACIONAL »MM Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN BUEROSTUNDEN: von 15 — 18 Uhr NUR Dienstag und Mittwoch (ICH BITTE. NICHT VOR 14 UHR ZU ERSCHEINEN) oder nach Vereinbarung T. F.: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - V-rwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T, E.: 80 6930 PUEYRREDON 2190 esq. Av, LAS HERÄS