Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1967-03-03 · 2207 (3.3.1967) · p. [Seite 4]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2207 (3.3.1967)
Date
1967-03-03
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9615794-9615849--4729-9615853
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

4 — S <U Mtcr/t! d« jpfj WOCHENSCHAU Afi« XXVIII. — N? ZM Ereignisse Madame, kennen Sie... H. Sw.: — ..Madam«1, kennen Sie dieses alte Stii(k?‘. — An diesen Satz musste ich jüngst denken, als w.r übe' Zeitflagen diskutierten, an diesen allgemeinen Satz, mit dem Heinrich Heine das ..Buch Le Grand“ einie tet, da' den Haupttitel ..Ideen“ iiihrt. Mit meisterhafter Kunst spricht, plaudert, drängt Heine dieser seiner Madame w*? ollen anderen Frauen seiner Zeit einige der Ideen auf. die auf ihn einstiirzen, wenn er selbst über das nacndenkf. was er erlebt und was er mitangesehen hat. Hier soll nicht von den vergangenen Zeiten eines Heini ich Heine gesprochen werden obwohl wit mitunter erschrecken würden, welche Aenhlichkeiten zwischen dem jüdischen Schicksal eines Heine, seiner Zeit- und Weggenossen und uns festzustellen sind. Anlass für diese Betrachtungen oder Ueberlegungeu bilden die Unterhaltungen mit guten Freunden die sich um unser Kommen und Leben in Argentinien, aber gleichviel wohl in jedem anderen lateinamerikanischen Land bewegten, um unsere Einordnung, um unsere Hoffnungen und unsere Bemühungen zum Aufbau eines neuen jüdischen Lebens anstelle des zertrümmerten, untergegange men, nun oer Vergangenheit angehörenden Lebens in der .alten Heimat“, wie man das auszudrücken pflegt. Was haben wir erreicht? War unser Bemühen vergeblich? Wir vollen uns nicht auf Aeusserungen beziehen, die bedeutende Gäste aus anderen Ländern bei ihrer Besuchen in Südamerika beinahe übereinstimmend machen: was hier geschaffen worden ist, steht unvergleichlich höher als das Erreichte in anderen Ländern und grösseren jüdischen Gemeinschaften. Hierin erblicken wir auch?am: ein Werturteil, wenn es günstig ausgefallen ist. Abc es kommt nicht auf Wertungen i--- an. sondern auf Feststellunmeist negativen jüdischen Er gen. auf eine Art kleiner Zwi-! lebnis ein neues konstruktives Sehenbilanz. i Erleben zu machen. Hierin Als die ..Emigrant« n“ aus! dürfen wir die wahre Grösse Mitteleuropa hierher kamen, i des so häufig — zu Recht w;e landen sie kein jüdisches Le-; zu Unrecht — gescholtenen ben ihres eigenen Kreise“ , deutschen Judentums erblikvor von kleinen vereinzelten ken: .m Untergang °rhob es Ansätzen abgesehen Abe>' j sich zu einer wahren jiididiese Emigranten hatten den j sehen Höhe, deren innere einen Wunsch, aus ihrem i Kraft und Wärme noch in In Beantwortung zahlreicher Rückfragen teilen wir mit, dass die Broschüren der BIBLIOTECA POPULÄR JUDAiCA DEL CONGRESO JUDIO MUNDIAL im Büro des Jüdischen Weltkongresses. Corrientes 1979 erhältlich sind. Bezugs- und Subskriptionspreis für 15 Hefte beträgt 1.000.— argentinische Pesos. — LUACH—(KALENDER) Freitag den 3 März Sonnabend, den 4. März 21. Adar I. 22. Adar I Schabbat WA JÄKEL 'Ex. 35—1) Haftara: I. Könige 7, 40, 51 — 7, 13. 27 Sonntag, den 5. März Montag, den 6. März Dienstag, den 7. März Mittwoch, den 8. März Donnerstag, den 9. März Freitag, den 10. März Sonnabend, den 11. März 23. Adar 24. Adar 25. Adar 26. Adar 27. Adar 28. Adar 29. Adar Schabbat PEKUDE (Ex. 38—21) Schabbat SCHEKALIM 'Ex. 30: 11- Haftara; II. Könige 11—17 12. 1— Rosch Chodesch-Benschen -16) 17 Sonntag den 12. März Montag, den 13. März Dienstag, den 14. März Mittwoch, den 15. März Donnerstag, den 16. März Freitag, den 17. März Sonnabend, den 18. März 30. Adar 1. Adar i 2. Adar; 3. Adar! 4. Adar i 5. Adar : 6 Adar! Schabbat WAJIKRA (Lev. 1—1) Haftara: Jeschajahu 43, 21 — 44, 23 fremde Länder ausst.ranlte in die ihre Träg.r gezogen waren und gestosser worden sind. Dieser jüdische Lebenswille und Lebensstolz der in der Erniedrigung zum Aufstieg führte, gab all denen Mut. d:e in neuer Umgebung völlig isoliert, in schlechter oder verzweifelter seelischer Verfassung und wirtsehtetlicher Not. den Weg zu sich selbst zuriick und zu .hrer alten, neu werdenden Gemeinschaft fanden. Steinklopfer-Viertel In der Hauptstadt einer benachbarten Republik gibt es einen wunderschönen Villenvorort, genannt das Steinklopfer-Viertel. Woher kommt dieser eigenartige, so garnich. passende Namen? Die Erklärung ist einfach. Als die Geissel des Judenhassers über uns schwebte, pflegten die meisten zu sagen und sich zu wünschen: ..Nur hier .raus und wenn wir Steine kloDfen müssen!'* — Inzwischen sind bald 30 Jahre verstrichen, und viele, die auch anfangs wirklich Steine geklopft haben, sind durch inre Intelligenz, durch ihren Fleiss durch ihre Beharrlichkeit und mit ein wenig Glück zu Geltung, Stellung und Vermögen gelangt. Sie bauten sich in einem ruhigen Viertel ihre Heime und Häuser die ehemaligen Steinklopfer. .. Dass heute viele nicht mehr unter wirtschaftliche No leiden, dass manche zu Wohlstand gelangt suid kann doch über die Probleme der Anfangsjahre dieser Emigranten nicht hinwegtäuschen. Hier nat niemand auf uns gewartet, und jeder ha« te die Probleme zu lösen die sich vor ihm auftürmter-..;e höher desto älter der Emigrant war, je grösser desto mehr er hatte aufgeben müssen. Der Unterschied zwischen dem Einst und einem düsteren Heute war be' manch einem — und nichl bei wenigen — recht erheb lieh. Und jeder, der schon et was länger da war. meinte: Niemand wartet auf Dich und niemand hat Dich nierher gerufen. Und die weisen -Herren die so einflussreich waren, wen sie schon früher hierhergekommen waren und Geid hatten, die hoben den Finger und meinten: Vergessen Sie was S’e waren, hier sind Sie nichts. Und Aeizte, Rechts anwälte. Professoren Lehrer und einmal ang-sehens Kaufleute wurden in die Fahr ken geschickt oder zu anderen untergeordneten Arbeiten verwandt, bis jeder selbst merkte, dass er auch dann noch seiner Bildung und seiner Stellung wert ist, wenn er sich treu bleibt und zu sich zurückfindet. Diese Schaffenskraft hat aus unserer Einwanderung ein wertvolles Element für jedes Land gemacht, auch wenn die Zahl der Arbeiter und der Landwirte reiati:; JHiiiiiiiiiiiiiimiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimitimittimiiiiimiiiiimimimiiihiMimiimiiiiiiiit. IA <i)jji¡mfiimiug¡mmiimmiiiii!iiHiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiimiimiiiiiii!iiiimiiíiiiiíHiiiiiiíimsmí; ISRAEL Das israelische Postministerium hat obige drei Werte der Wappen-Serie herausgegeben. auf denen die Wappen der Orte Rosoh Pina, Asohkalon und Mizpe Ramon abgebildet sind geringer ist als bei anderen von ihren Kindern, und je- Emigrationen. Die Schaffenskraft aus der Sphäre des Einzelnen übertrug sich auf das Kollektiv Vereinigungen und Gemeinden erstanden, die heut? zu den führenden jüdischen In stitutionen gehören, auf dem religiösen, auf dem politischen, auf dem sozialen Gebiet. Das alte Stück... ..Madame, kennen Sie das alte Stück?', so wollen wir fragen, Was von uns in Lateinamerika oder anderswo geschaffen wurde, ist es nichT jene alte jüdische Gemeinschaft, die auch dann noca die alte Gemeinschaft bleibt wenn sie sich neue Häuser, Wochenendplätze oder ,.G;lfklub-Ambiente“ verleiht. Was sind die wirklichen Werte auf denen unsere Gemeinschaft, auf denen wir auf denen unser Leben beruht? Madame, es ist immer das alte, das bleibende iüd'sehe Gedankengut, dessen Wiederholung notwendig und erforderlich ist, dessen Verwirklichung heute so notwnedig ist wie vordem. Madame wissen Sie denn schon alles? Ode*- glauben Sie, dass Sie nur des wegen das ..Alte“ nicht mehr gebrauchen, weil Sie heute anstatt auf der Judenwiese ir. Olivos Café aus Thermosflaschen, nunmehr Wh.iskv in Punta del Este trinken? Oder müssen diese Madames und Monsieurs erst durch Schicksalsschläge daran erinnert werden, was sie sind oder sein sollten? Das alte Stück, das ist ein ernstes Thema. Wer in der Synagoge oder im Vortragssaal Sensationen oder ..Neues“ erwartet, der irrt. Die an uns Juden gestellten Forderungen sind immer die gleichen. Die wichtigste Forderung ist: Erzieht Eure Kinder im jüdischen Geist. Und wenn die Kinder oder die Enkelkinder vielleicht auch etwas Neues suchen, was habt ihr ihnen zu antworten? Werdet ihr beginnen über den leninistischen Marxismus zu diskutieren, von dem die meisten ohnehin nur vom Hörensagen etwas wissen? Oder könnt ihr ihnen die. ewig gültige, sehr alte und doch so aktuellen Antworten erteilen, die das Judentum uns alle lehrt? Oder habt ihr an diese Antwort vergessen? Oder sagt sie euch selbst nichts mehr? Warum dann in alle** Welt seid ihr erstaunt, wenn die Kinder weglaufen und unserer Gemeinschaft den Rücken drehen! Zu uns zu kommen, das lohnt euch nicht; es gibt doch nichts Neues, und die Leute sagen noch immer das Gleiche wie vor 20 oder 30 Jahren... Irrtum, Madame, sie sagen dasselbe wie vor Jahrhunderten, denn die Wahrheit und die Richtigkeit einer Weisheit, einer sittlichen oder politischen Forderung wird nicht dadurch grösser oder kleiner, dass sie schon von unseren Vätern und Vorvätern postuliert worden ist. Aber weil eure Väter sie erfüllten, seid ihr noch be uns und in unserer Gemeinschaft. Die alte Melodie klingt noch, das alte Lied ha* noch seine Wahrheiten und das alte Stück füllt jüdisches Leben immer noch aus. Aber die Jugend Aber die Jugend st ganz anders, als wir waren. Auch das, Madame, ist keine neue Melodie. Jede Generación dei Eltern behauptet dies bisher de neue Generation sagte es von sich selbst. Wenn Sie die Dinge so betrachten Madame, ist ja alles schon einmal da gewesen und vollzieht sien unter den selben Ste’nen, die bereite für unsere Urväter am Himmel standen. Was vorgestern da« Privileg ihrer Eltern war und gestern ihnen zustand, heute sind es die Rechte der Jugend und morgen die einer neuen Generation. Wenn Sie, Madame, die Dinge unter diesen Aspekten sehen, wederholt sich alles, nur die Akteure wechseln einander ab, von Generation zu Generation. Von jeder Generation be hauptet man immer wieder das Gleiche: sie habe weniger Respekt, sie sei .fre-er“, sie interessiere sich nicht für jüdische Sachen. Kennen Sie das Wort: Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen! Kennen Sie es? Vor wem haben Sie Respekt? Bleibt jemand von ihren ironisch-kritischen ,,Begutachtungen“ verschont? Haben Sie sich selbst, und Ihren Kindern den Respekt vor den Traditionen und Werten unseres Judentums beUebracht, damit sie wenigstens vor dem Respekt haben was ihren Grossvätern sicherlich noch Werte gewesen sind. Wenn Ihre Kinder diesen Respekt nicht haben, den Sie jetzt im Verhältnis zu sich selbst bemängeln, haben Sie ihre Kinder denn gelehrt. Respekt vor anderen zu haben? Haben Sie die Werte gepflegt, die zu den Fundamenten unserer sittlichen Weltordnung gehören? Haben Sie Ihren Kindern Sittlichkeit vorgelebt, oder sind sie auch einmal, Sie oder der andere * Literarische Notizen 80. Geburtstag In London wurde die aus Breslau stammende Lisbet Cassirer 80 Jahre alt. In Verbindung mit dem ehemaligen Jüdischen Frauenbund gab 6ie — die künstlerisch interessiert war — den Kalender des Frauenbundes heraus. Sie hat sich mit Erfolg bemüht, die Beziehungen zwischen jüdischen Künstlern und dem jüdischen Publikum als Verwalterin des Sekretariats für Bildende Kunst eng zu gestalten. lüdisches Zentrum In Bangkok wurde das erste jüdische Zentrum beste hend aus einer Synagoge und Klubräumen, vom israelischen Botschafter, Abraham Daron, eröffnet. Die Gemeinde von Bangkok besteht aus weniger als zehn Famihen: sie wird jedoch durch Mitglieder des diplomatischen Korp6 und durch etwa 200 amerikanische Militärpersonen jüdischer Religion ver stärkt. Tod eines Malers In New York starb der Maler Saul Raskin. Seine Werke lassen sich in drei Gruppen klassifizieren: biblische Szenen, palästinensisches Leben und surrealistische Darstellungen über die Beziehung zwischen Mensch und Gott. Er wurde 88 Jahre alt. Ernennung Sir Solly Zuckermann, leitender wissenschaftlicher Berater der englischen Regierung, ist zum Vorsitzenden des neuen beratenden Comités über wissenschaftliche Politik ernannt worden. Leonard Bernstein tritt zurück (Fortsetzung der Ereignisse auf Seite 5) Schon jetzt hat der Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker seinen Rücktritt auf das Ende der Spielzeit 1968/69 bekanntgegeben. Seit 1958 steht er dem Orchester vor, als erster gebürtiger Amerikaner, der an die Spitze eines der grossen Orchester gelangte, nach Barbirolli, Rodinski und Mitro- 1 poulos. HERIBERTO LOEWY ELENA LOEWY, geh. STEINBERG geben ihre VERMAEHLUNG bekannt. Die Tiauung findet am 4. März 1967 in der Chaim Weizmann Synagoge, Arcos 2319 um 20.30 Uhr statt. Juan B Jusot 385 Florida Valentin Vergara 2686 Florida Neuerscheinungen des Verlages „OLAMENU“ TEL AVIV POB 3002 SOEBEN ERSCHIENEN: HUGO GOLD: Geschichte der Juden in Wien. Das Standardwerk der Jüdischen Geschichte Wiens. Hunderte Illustrationen. Grossoktavformat.US$ 20.— K. J. BALL-KADURI: Vor der Katastrophe. Das Leben der Juden in Deutschland (1934 bis 1939).US$ 5.— Dr. E. J. GOERLICH: RUTH, Geschichte eines Wiener jüdischen Mädchens.US$ 5.— Dr. NARRY ZOHN: Wiener Juden in der deutschen Literatur Halbleinen.US$ 3.50 HUGO GOLD: Geschichte der Juden in der Bukowina, I. Band.USf 20.— HUGO GOLD: Geschichte der Juden in der Bukowina, II. Band.. .. US$ 20.— IN VORBEREITUNG HUGO GOLD: Geschichte der Juden in Oesterreich (Ein Gedenkbuch) II. .. .. .. US$ 20.— HUGO GOLD: Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes US$ 20.— GEDENKBUCH DER UNTERGEGANGENEN JUDEN¬ GEMEINDEN DER TSCHECHOSLOWAKEI. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. Erscheint in zwei Bänden. I. Band Böhmen, Mähren und Schlesien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.