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Jüdische Wochenschau · 1967-02-24 · 2206 (24.2.1967) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2206 (24.2.1967)
Date
1967-02-24
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viera««, 9t de Febrer* de 1967 LA SEMANA ISRAELITA XXVTÍf. — N» «tXi Auf den Spuren unserer Geschichte Rabbiner Prof. Dr. Ernst Roth veröffentlichte einen höchst interessanten Aufsatz über die älteste S «agoge in Deutschland aus dem 13. Jahrhundert, welche in Neustadt an der Weinstrasse entdeckt worden ist. Viele Zeugen der alten Geschichte der Juden in Deutschland wären noch zu verzeichnen, wenn man ihren Spuren nachgehen würde. Es wäre wertvoll — ja unsre Pflicht — als letzte Generation, die zu dieser Geschichte noch eine direk '* oft erlebte Beziehung hat, die noch verbliebenen historischen Denkmäler unserer so alten Vergangenheit in diesem Lande zu erforschen. Im Jahre 1953 erreichte mich ein Schreiben aus JerusaDm, vom ehemaligen Archivar des vorm. Verbandes der Bayerischen Israelitischen Kultusgemeinden, Dr. D.H. Peuchtwanger, welcher über eine romanische Synagoge und Tauchbad aus dem 12.,13. Jahrhundert in Burgweinting, einem Dorf mit ca 600 Einwohnern (i.J.1932) etwa 20 km von Regensburg gelegen, berichtet. Als Dr. Peuchtwanger um diese Zeit in Burgweinting war, fanr er einen als Schuppen benutzten viereckigen romanischen turmartigen Bau vollständig erhalten aus mächtigen Quadersteinen, des 12.13. Jahrhunderts vor. Das Innere war getüncht aber teilweise durch Feuchtigkeit abgebröckelt, bestand aus einem grossen Saal, wo seitwärts eine Treppe zu einer Art Halbgalerie an der Ostseite, eine Art Apsif führte: der platz für die heilige Lade (Aron - Hak)- desch). Der ganze Bau war freistehend in einem wohl früher gartenähnlichem Gelände. damals vollständig verwahrlost. An der Südseite von Gras überwuchert, befand sich eine halbkreisförmige aus dem Fe'sen ausgehauene Höhlung. Steinslufen führten tief hinab zu einem mit Wasser gefülltem Becken, das zweifellos ein Tauchbad (Mikweh) war, der Anlage nach aus der gleichen Zeit stammend wie der Synagogenbau. Der damalige Rektor des bischhöflichen katholischen Seminars in Regensburg, an den sich Dr. Feuchtwanger vor seiner Auswanderung nach Palästina gewandt hat und seine Annahme, dass es sich hier um eine alte Synagoge handelt, begründete, von Dipl.lug. STEFAN SCHWARZ verneinte diese Behauptung. Er war der Meinung, dass dieser Bau alle Kennzeichen einer romanischen Burgkapelle trägt und als solche gebaut worden sei. Vermutlich aber erst nach der Regensburger Judenvertreibung 1519, in der Reformationsaeit, in der viele Kapellen profaniert wurden, sei die Kapelle eventuell als Synagoge verwandt worden. Nach Mitteilung eines ln Burgwei ting damals ansässigen Oekonomisten, sollten Schriften in dem Bau befanden, so waren sie mindestens spätmittelalterlich. Von der Richtigkeit der Behauptung Dr. Feuchtwangers war ich um so überzeugter, als ich in einem Staatsarchiv, ein dort inventarisiertes Original-Manuskript eines unbekannten Verfassers fand, das angeblich bei Reitmeier in Regensburg als Sonderdruck um 1838 40 erschien und welches u.a. übe. einen Judentempel in Burgweinting Vorwürfe gegen einen Kapitaen Hamburg. — Das deutsche Schiffahrtsunternehmen Rudolf Oetker enthob den Kapitän eines Tankers während der Untersuchung von Anklagen seines Postens. Der Mann wird beschuldigt, dass er sich geweigert habe, dem israelischen Frachter Haschloa Hilfe zu leisten, welcher nur wenige Seemeilen entfernt unterging Ein Sprecher der Firma teilte mit, dass der Kapitän unverzüglich aufgefordert wurde, nach Hamburg zurückzukehren, um sein Verhalten zu erklären. Israel ersuchte die deutsche Regierung, den Fall zu ergründen. Laut Informationen beantwortete der deutsche 45 000 Tonnen-Tanker St. Michael die Lichtsignale und SOS-Rufe der Haschloa nicht, die in einer Entfernung von nur sechs Seemeilen unterging. Der Kapitän gab zu. dass er die Lichtsignale gesehen, aber geglaubt habe, es handele sich „um irgendein Seemanöver“. Er habe auch die SOS-Rufe empfangen sagte er. doch diese seien nicht klar verständlich und unvorschriftsmässig gewesen. (ITA) sich noch um das Jahr 1900 hebräische Inschriften in der Kapelle befunden haben, die inzwischen überstrichen wurden. In dem anfangs erwähnten Schreiben behauptet jedoch Dr. Feuchtwanger, dass in dem Bau selbst gar nichts für eine Kapelle spricht, es ri gänzlich ausgeschlossen, dass im ausgehenden Mittelalter, d.h. in der Zeit jm 1519, eine katholische Kapelle — die in frommer katholischer Umgebung steht — jemals in eine Synagoge umgewandelt werden konnte, zu einer Zeit, wo der umgekehrte Fall dutzendweise z.B. im benachbarten Regensburg belegt ist. Ein Tauchbad an einer katholischen Kapelle ist auch niemals gefunden worden. Ferner meint Dr. Feuchtwanger, dass in diesem Don während der letzten 300 Jahre bestimmt keine Juden ansässig waren (das ergibt sich auch aus dem Verzeichnis der Jüdischen Gemeinden Bayerns der letzten Jahrhunderte). Wenn sich also noch vor einigen Jahrzehnten hebräische In- ALFREDO STERN MALERARBEITEN FACHMAENNISCHE AUSFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN VIDAL 1575 FAST ECKE PINO Tel.: 76 9088 €■ Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Tep pichen in erstklassigen Qualitäten für Jedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN Maschinenfeppiche in allen Farben und Grossen Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN¬ TAG VON 9—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM '’ALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.: 52 2993 4 Quader von Station Urqulza bei Regensburg berichtete. Der unbekannt« Historiker schreibt folgendes: ,,Da nun diese« merkwürdig« Volk in der Geschichte von Regensburg immerhin Epoche machte, so ist es mehr als billig alle neueren Daten, welche auf solche« und seine Geschichte Bezug haben, jedoch aus kleinlichem Vorurteil bisher vorentha ven werden, der Veröffentlichung zu übergeben. ...Eine gute halbe Stunde vor Regensburg liegt das durch ieine hohen Gebäude ausgezeichnete Dorf Burgweiting, einst ein unbezweifeltes Vorwerk des Castrum Regino. Hierin fällt eine Scl-euer über der Briikke rechts der Strasse wegen ihrer Bauart besonders in die Augen. Man nimmt nämlich an der nördlichen Mauer ein vorspringendes Halbrondell wahr, den Rondellen ähnlich, welche christliche Kirchen gegen Osten gewöhnlich haben und welche man den Chor oder das Presbyterium nennt. Die Ergebnisse unserer Forschung sowohl im Inneren als von Aussen der Scheuer sind folgende: Das aus rauhen Die Favoriten sommerlicher Fertigkleidang finden Sie bei CARLTON ANZUEGE SACCOS HOSEN und wenn Sie Masskleidung wünschen erst recht za CARLTON Carlton ERNST KOPPEL Maipü 982 — T.E. 31-7845 Bruchsteinen aufgeführte und beiläufig 46 Schuh langt und 30 bis 23 Schuh breite Gebäude vergleicht sich ganz der Gestalt und Form eine« Tem<peis. Anstatt eine« Gewölbe« scheint e* früher mit einem von Holze getäfelten Plafond versehen gewesen zu sein. Dieser selbst musste jedoch später bei der vorgenommenen Umwandlung in einen Stadt behufs der Gewinnung eines zweiten Stockwerk»« abgerissen werden. Hie und da an den weissen Mauerwänden wahrzunehmende Flecken roter Farbe verraten, da«« er ehemals ausgemalt war. Besonders ist das Innere des Rondells mit einer deutlichen roten Farbe übersudett, welche von dem durch da« schlechte Dach ,e rungenen Regen an mehreren 3t») tun erbleicht ist. „Ueber der Stiege zum zweiten Stockwerk erblickt man links an der Mauer mit roten und grossen Buchstaben eine gemalt« lateinisch« Inschrift. Leider wurden Anfang und Rnd« derselben durch die Reparaturen der dasigen Mauerwand vernichtet, seihst einige Buchstaben in ihrer Mitte sind durch die Unbill der Zeiten und der Menschen so sehr unkenntlich gemacht worden, das« man deren Verdeutschung schwerlich bewirken könne. Jedenfalls aber ist hierin von den Künsten und von der Gesundheit die Rede. Di« Charaktere hiervon gewähren übrigens die Gewissheit, dass diese Inschrift dem Anfang des 14. Jahrhunderts entstamme und wir vermuten. dass ein« ähnliche Schrift alle übrigen zwei Seitenwände des Gebäudes umlief, welche man aber wegen der gerade da angebrachten Balken des zweiten Stockwerkes nicht mehr sehen kann. Sie scheinen heilige Sprüche oder Regeln der Lebensweisheit in sich zu enthalten. „Auf unsere weitere Nachfrage im Dorfe erfuhren wir nur, dass dieses Gebäude von jeher für einen Judentempel — für eine Synagoge gehalten and da&.. deshalb auch seine Inhaber die Judenbau- LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE B». Air«« - POEYRREDON 2190, 1* iaq. - T.E. 83-2613 14. Adar I. 5727 54. Februar 1967 ern genannt worden seien. Da wir leider von den Tempel» und dem Kultus der Hebräer die gehörende Kenntnis nicht besitzen um vermittelst solcher die angeführte Sage erhärten zu können; da uns weiter unbekannt ist, ob sie ihre heiligen Spruche aus dem Talmud in den Synagogen mit lateinischen Buchstaben kund gaben, besonders aber, ob die Gestalt und Form dieses Gebäudes sich mit den, zu einer Synagoge nötigen Bedingnissen vereinbaren, so bitten wir gelehrte Männer, welche in der Geschichte de« hebräischen Volkes tiefer als wir eingeweiht sind, nicht nur ihre durch die persönliche Anschauung diese mit Nr.17 bezeichneten Gebäudes gewonnenen Ansichten, sondern auch ihre Vermutungen überhaupt machen zu wollen. Nicht unwahrscheinlich ist es uns, dass, obgleich in den Regensburger Chroniken, ausser der im J.1519 hierorts geschehenen grossen Juden-Verfolgungen, eine früher unbekannt oder wenigstens nicht ausführlich beschrieben worden ist, denn doch eine solche hier stattgefunden haben müsse. Da sie in das Jahr 1298 fällt, in welchem wissentlich die Juden in allen Städten von Bayern, Franken und Schwaben auf das Unmenschlichste ermordert wurden, vermuten wir sowie auch Gemeiner (Band I. S. 449) schreibt: „Selbst in Regensburg ergriff der Schwindelgeist der Zeiten einige Zeloten, welche ihren Mitbürgern — denn auch die Juden hatten Bürgerrechte — dass nämliche Blutbad bereiteten“. „Erst nachdem mehrere von ihnen daselbst als Opfer der Volkswut gefallen waren, erging der Ratsbefehl, welche ihrem fernerem Morden Einhalt tat. Warscheinlich flüchteten sich in diesem Gemetzel entronnene Judenach Burgweinting; es fällt demnach der Bau der Synagoge in diesen Zeitraum. Die Charaktere der darin enthaltenen lateinischen Inschrift stimmen damit auch richtig überein.“ Dazu wäre noch zu sagen, dass der Ort Burgweinting unter dem Namen „Weintingeti* ata Judensted lung in einem Schreiben der Stadt Regensburg an den Passauer Stadthauptmann von 6.3.1478 erwähnt ist und zwar anlässlich der angeblichen Entwendung oder Schändung einer I‘)Stie durch Juden. Mit den Juden, die sich inn 1150 in Regeneburg nieder - llessen und dort eine Synagoge um 1225 erbauten, dürften sich — wie das überah bei den jüdischen Gemeinden üblich war — auch in ländlichen Orten der Umgebung Gemeinden gegründet haben. Aus dieser Zeit dürfte der Syn gogenbau stammen (Juden-Privileg Heinrich IV. aus dem Jahre 1173 an die Regensburger Juden). Da solche romanische Synagogeubauten in Europa sehr selten sind oder nicht existieren, wäre es wichtig dieses interessante Denkmal jüdischer Früh-Geschichte zu erforschen. 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