Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2205 (17.2.1967)
- Date
- 1967-02-17
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viernes. 17 de Febrero dr ltttfj JÜDISCHE WOCHENSCHAU Am» XXVIII. — N* 2206 Ereignisse der Woche Die Dachorganisation Die DAIA ist die Dachorganisation der argentinischen Judenheit. Für diese Parole, für dieses Programm und für dieses Ziel ist die Jüdische Wochenschau seit den Anfängen ihres Bestehens, also seit beinahe 27 Jahren eingetreten. Ohne Zweifel haben die argentinischen Juden die Bedeutung einer solchen Dachorganisation nicht immer erkannt, und es mag sogar heute noch Kreise geben die eine einheitliche Dachorganisation nicht wollen, es seit denn, sie würden die „Macht“ über diese Organi eation haben. Die Juden in Argentinien haben aus dem schwere-: Schicksal der deutschen Ju den gelernt und haben ..mitten im Frieden“, in welchem sie lebten, erkannt, dass Einigkeit stark macht. Es waren Männer wie Dr. Cadoche und Dr. Moisés Goldman, ganz verschiedener Herkunft Entwicklung und Charakters, die gemeinsam dieses Werk vollbrachten und jedenfalls den Grundstein für eine DAIA legten, die in schweren Jahren des Kr'eges und der Diktatur, in stürmischen Zeiten antisemitischer Umtriebe stets stark genug gewesen ist. um mit Würde und mit Erfolg die Interessen und die Rechte der in Argentinien lebenden Juden zu schützen. Wie das allgemeine Leben, die Wirtschaft und die Politik im nationalen wie im Welt.masstab komplizierter geworden ist, so ist es auch nicht einfach, in einer sich neu orientierenden Umwelt die DAIA zu steuern und ihren Aufgaben gerecht zu werden. Mindestens in zwei dramatischen Situationen sah. die DAIA ihre Position von aussen und von innen gleichzeitig gefährdet. Einmal als der Diktator eine klare Stellungnahme der DAIA für ihn und sein Programm verlangte, eine zweitss Mal als ein gewisser Polizeichef mit dea „Vertretern der Juden" zu verhandeln wünschte nicht aber mit der DAIA oder ihrem Präsidenten... In beiden Fällen haben sich diejenigen Kräfte in der DAIA durchgesetzt, die an der unbedingten Einheit, an der Ueberparteiliehkeit und an der Ausschliesslichkeit der Ver tretungsrechte der DAIA festgehalten haben. Zu Zeiten Peröns gab es eine OIA. der es niemals gelungen ist, auch nur pro forma die DAIA in ihrer Position zu erschüttern, weil sich die Juden selbst einig waren, dass eine einseitig11 Stellungnahme der DAIA im politischen Leben die Juden in ihren Grundrechten als argentinische Staatsbürger schmälern müsste Denn gleich jedem anderen argen tinischen Bürger hat auch jeder jüdische Staatsbürger das Recht, individuell und nicht gruppenmüssig seinen politischen Standpunkt Zi bestimmen. Ruhige Lage Die Meinungen iioer die jüd;sche Posit on in der neuen Aera politischer Orientie rung und Neuformation in Argentinien ist nicht geklärt. Als anfangs einige In formationen an die Oeffentlichkeit drangen die aut eine gewisse antisemitisene Note an verschiedenen Steller, schliessen liess. heiTsc-hte grosse Unruhe. Das Schicksal LUACH — (KALENDER) Freitag den 17. Februar 7. Adar I Sonnabend, den 18. Februar 8. Adar I ScbabDat TETSAVE 1 Ex. 27—20) Haftara- Ezequiel 43, 10 ) Sonntag, aen 19 Februar 9 Adar í Montag, den 20 Februar 10. a dar 1 Dienstag, den 21 Februar 11. Adar I. f Mittw«.vh. den 22 Februar 12 Adar I. I Donnerstag den 23. Februar 13. Adar 1 Freitag den 24 Februar 14. Adar I f Sonnabend, den 25 F-bruar 15. Adar I Schabat Kl TISA (Ex. 30—11) i Hi.ftara- 1. Buch Könige 18—1, 18—20 Sonntag, den 20 Februar 16. Adar T j Montag den 27 Februar 17. /»dar i.! Di nstag, den 28. Februar 18. Adar I.! Mittwoch den 1. März 19. Adar I. Donnerstag, den 2. März 20. Adar I. 1 Freitag den 3 März 21. A dar i.! Sonnabend, den 4. März 22. Adar i Schabbat WAJAKBL (Ex. 35—1) Haftara: I. Könige 7, 40, 51 — 7, 13, 27 Sonntag, den 5. März 23. Adar i. Montag, den 6. März 24. Adar i. Dienstag, den 7. März 25. Adar i. Mittwoch, den 8. März 26. Adar X. Donnerstag, den 9. März 27. Adar 1. Freitag, den 10. März 28. Adar I. hat es wohl mit sich gebracht, dass die Distanz zwischen Hoffnung una Verzweiflung über ihre politische Lage bei den Juden meist nicht sehr gross ist So schnell sie sich in Pessimismus verlieren, sobald irgend ein Antissmit sie anareift ebenso schnell beruh gen sie sich wieder, wenn man nach aussen hin nichts von einer antisemitischen oder antijü dischen Strömung bemerkt. Das ungefähr war das Panorama der letzten Monate auch. Ist es unruhig, dann wird sogleich die Frage gestellt wo ist und was macht eigentlich die DAIA. Ist es ruhige: so fragen dieselben Menschen wozu brauchen wir eigentlich eine DAIA. Dass eine solche Haltung unernst ist, braucht nicht unterstrichen zu werden. Mar sollte sich gegen solche Fragesteller mit den rechten Argumenten wenden: wir brauchen immer die DAIA. in ruhigen oder relativ ruhigen Z-'iten wie in aufgewühlten, denn wir müssen immer vorbereitet sein. Wann ist eigentlich eine Zeit ..ruhig“? Bei der Dehn barkeit dieses Begriffs und bei den verschiedenen durch aus möglichen Einstellungen bei der Beurteilung und Bewertung einer politischer. Situation gibt es überhaup’ keine sichere Antwort auf diese Frage. Sicher ist nur dass eine Situation nicht immer dann als ruhig anzusehen ist, wenn nach auss .. hin dieser Eindruck ber chtigt sein mag. die wirklichst Umstünde, die Gründe und Hintergründe aber der breiten Messe, deir. einzelne, ruhigen Bürger nicht erkennbar wird oder werden kann Deswegen mag jeder die Gewissheit haben, dass d s DAIA auch dann akt:v und.,, an der Arbeit ist. wenn sie hierüber nicht spricht oder wenn diese Tätigkeit dem breiten Publikum nicht erkennbar wird. DAIA und Gegen DAlA’s Dass es st;ts Kreis» geg -- ben hat. die aus recht unterscniedlichen Gründen gegen die DAIA und für eine Gegen-DAIA waren, ist eine Tatsache. Manchen gefällt nicht das Parteisystem, andere wünschen die Beteiligung amerikanischer Organisationen. Bei der Vielfalt, der Möglichkeiten ist es durchaus nicht verwunderlich. dass gegensätzliche Tendenzen m teinander ringen. Bisher hab n immer diejenigen die Oberhand behalten, die den volkstümlichen Charakter einem oligarchischen System vorgezogen haben. Die OIA war der bisher schärfste innere Angriff gegen die Existenz der DAIA, weil hinter dieser — an sich recht schwachen — Organisation der Druck „von oben“ deutlich spürbar gewesen ist. Neuer Delegierter vor den UN Vereinte Nationen. — Dr. Schabt ai Rosenne Ratsbeistand des Aussenministeriums seit der Staatsgründung im Jahre 1948, wird Israels neuer ständiger Delegierter vor den UN sein und in diesen Tagen in New York eintreffen. Er wird, zumindestens vorübergehend, an die Stelle von Botschafter Michael S. Comay treten, welcher sich in einer Sondermission nach Japan, Australien und Neuseeland begibt. Das Aussenministerium hatte zuvor angekündigt, dass Comay später nach Israel zurückkehren und einen hohen Posten in diesem Ministerium übernehmen wird. Comay selbst hatte um seine Rückversetzung nach Jerusalem gebeten, une Aussenminister Abba Eban hat diesem Ersuchen „mit tiefem Bedauern“ entsprochen und Comay gleichzeitig für seine langjährigen Dienste für Israel in den UN gedankt. Dr. Rosenne, der 1917 in London geboren wurde und an der Hebräischen Universität den Doktortitel erlangte war fast alljährlich Mitglied der Israel-Delega tion vor den UN. (ITA) Die OIA gab sich selbst auch oder der Kritiker im Recht ..mmiiimmmim¡iiiiimrnuimiimiiiimi^ 11 u einen offiziellen Charakter: da sie sich als ein peronistisches Sprachrohr ausgab. roch die ganze Angelegenheit nicht angenehm. Ohne irgenawelche Vergleiche z ehen zu wollen, sei darauf aufmerksam gemacht, dass wieder einmal Gerüchte umlaufen, es sei die Formation einer Gegen-DAIA oder einer Organisation jüdi scher Notabeln in Diskussion, die sich die Unterstützung der Regierung bei i.'.reu vi lfältigen Arbeiten zur Aufgabe gemacht nabe oder machen wolle. Soweit es sicr. hierbei um ein privates Un ternehmen. um eine Privat - Organisation oder einen Verein handslt, hat die Sache kein grösseres Allgemein-Interesse Warum sich Juden als Juden zusammenschliessen müss.n, um eine Regierung zu ..unterstützen“ odei mit hr zusammenzuarbeiten, ist nicht ersichtlich Denn keine anderen Glaubensgemeinschaften. Nationalitäten oder Minderheiten haben sich zu ähnlichen Zwecken zusammen? schlossen. Der Versuch, e nen solch n Verein als eine Gegen-DAIA aufzuzi hen, ward und muss scheitern da ein? solche Mission von einer Ko'lektivicöt 1 nicht zu erfüllen ist. sondern nur von jedem e nzelneu Bürger d:S Landes, unabhängig von s:iner Rasse seiner Hauff »rbe. s inem Glauben oder and'reu Unterschieden, die ts zwischen Menschen geben mag. DAIA und Kritik Es soll zu keinem Mode-Erscheinung werden, an der DAIA Kritik zu üben. Zu einem demokratischen Leben gehört die Kritik. Die freie Meinungsäusserung muss jedem, der seine Ansichten mit der erforderlichen Verantwortlichkeit und in der gebotenen Form vorträgt, gestattet. sein. Jede Kritik, die von jüdischer Seite geübt wird muss aber eine Kritik von innen her sein: mit anderen Worten, der Kritiker selbst muss sich als einen Teil des Ganzen, des Kollektivs, der DAIA betrachten. An dieser gebotenen Form hat es in den letzten Monaten mitunter gefehlt, zumal die Wogen der Auseinandersetzun gen zwischen verschiedenen Gruppierungen und über gewisse gesellschaftliche Erscheinungen recht hoch schlugen und den Boden der Sach lichkeit verlassen hatten. Jede andere Form sachlicher Kritik ist gut und muss auch als erwünscht angesehen werden. Sicherlich ist immer Gegenstand der Diskussion, ob der Kritisierte? ' - iiiJiiiiiiiiHmiiinlîniiiiiiiiiiiiitiiniiiiiniiiîrnir ist. Hierüber entscheidet aber weder der eine noch der andere der Beteiligten, sondern die öffentliche Meinung. Dies mit Deutlichkeit zu unterstreichen, haben wir als eine besondere Pflicht angesehen. zumal die Jüdische Wochenschau seit dem Tage ihres Beginnens mit der DAIA sehr eng verbunden, w-ar und bis heute geblieben ist. — Welt-Wizo Ueber den grossartigen Erfolgen der letzten Weltkonfe renz der WIZO, die im November des vergangenen Jahres in Jerusalem vor sich ging, unterrichtet das Sonderheft der Wizo-Review, die auch eine deutschgeschriebene Ausgabe hat. Man wundert sich zwar darüber dass immer noch die gleiche Präsidentin die W;lt-Wizo leitet, die durch ihre unverantwortliches Eingreifen in die organisationeilen Fragen des jüdischen Lebens in Argentinien einiges Aufsehen erregt hat Aber auch die Erwähnung der früheren Vorsitzenden d:r Osfa kann nur als reichlich deplaziert angesehen werden, .die nun plötzlich als , ad personam“ gewählt figuriert. Wir haben es abgelehnt als Richter in einem Streit aufzutreten, der höchst unerfreulich gewesen ist und als abgeschlossen angesehen wer den durfte, nachdem ein ad hoc-Schiedsgericht gesprochen hat. Die nach dem Spruch erschienene Verteidigungsschrift war schon deswegen fehl am Platz weil das Verfahren beendet war. (Fortsetzung der Ereignisse auf Seite 5) Literarische Notizen Sozialarbeit in Israel Dr. Bella Schlesinger, früher Archivarin der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin und Verfasserin eines Führers über Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege der letzten Jahre vor dem Um bruch, hat jetzt auch in Israel ein Informationsbuch über die Rehabilitierungsdienste in Israel hergestellt. Dr. Schlesinger ist Dozentin an der schule für Sozialarbeit in Israel. Rabbiner-Seminar In Gateshead bei London wurde in Anwesenheit des Bürgermeisters ein neues Gebäude für höhere rabbinische Studien eröffnet. Defizit Die Zentrale jüdische Wohlfahrtsagentur in Antwerpen muss von den Mitgliedern zumindest die Verdoppelung deT Beiträge verlangen, um das Defizit von 2 Mio belgischen Franken zu decken. Das Defizit ist durch höhere Preise und grössere Ausgaben für die Alten und für Jugendlager entstanden sowie durch die Einbussen nach dem Ausfall der Zahlungen vonseiten der Claims Conference und des Joint. Etwa 300 Personen erhalten monatliche ständige Unterstützung. Todesnachricht Mit Ada Reeve (Adelaide Mary Isaacs) ist am Alter von 92 Jahren eine Frau gestorben, die mehr als 60 Jahre auf der Bühne gestanden hat. Ihre Erfahrung umfasste Show, Burleske, Kabarett Film, Radio, Television und Bühne. Sie war über 70 Jahre alt, als sie noch ein Jahr in einem Stück spielte. Mit 80 publizierte sie ihre Memoiren und sang aus diesem Anlass noch ein ge Songs im Theater. Vom Weizmann-Institut In den Board of Governors des Weizmann-Instituts wurden sechs weitere Persönlichkeiten gewählt. Drei Israelis: Ephraim Hin. Haifa, Dr. Joseph Weiss. Tel Aviv, und Prof. Hermann Zondek, Jerusalem; zwei Amerikaner: M. B. Abram, American Jewish Committeee, der Industrielle Robert I. Wishnicksow’ie ein Kanadier: I. Meier Segals. Jugend Alija Haifa. — Die Jugendalije sieht sich aus Mangel an Mitteln gezwungen, von 1.000 Bewerbern für das Jugendaiija- Zentrum Ramat Hadassa nur 180 aufzunehmen, obwoh. Platz für 300 vorhanden wäre. Die .Jugendalija hat zurzeit 11.000 Knaben und Mäd eben unter ihrer Obhut Durch die Kürzungen des Budgets der Jewish Agency wird das Defizit der Jugendalija erhöht. Neuerscheinungen des Verlages „OLAMENU“ in TEL AVIV. POB 3002, ISRAEL Dr. E. J. GOERLICH fWien): RUTH. — Geschichte eines jüdischen Mädchens. Ein Wiener Roman aus der Nazizeit. — Kart. $ 5.—. Prof. Dr. HARRY ZOHN (Waltham): Wiener Juden in der deutschen Literatur. Reich illustriert. Halbleinen $ 3.50. ZEITSCHRIFT FUER DIE GESCHICHTE DER JUDEN Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. Abonnement nur ganzjährig $ 8 50. DEMNAECHST ERSCHEINT: HUGO GOLD: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN. Das Standardwerk der jüdischen Geschichte Wiens. Hunderte Illustrationen. Ermässigter Subskriptionspreis vor Erscheinen $ 20.—, nach Erscheinen $ 35.-— IN VORBEREITUNG: „HISTORY OF THE JEWS IN AUSTRIA”. Ein Jahrbuch tn deutscher und englischer Sprache. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. GEDENKBUCH DER UNTERGEGANGENEN JUDEN¬ GEMEINDEN DER TSCHECHOSLOWAKEI Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD Er. scheint in zwei Bänden. L Band Böhmen, Mähren und Schlesien. — n. Band Slowakei und Karpatorus. Alle diese Publikationen erscheinen im Rahmen des im Entstehen begriffenen CHAJES-INSTITUTS 3201738867436410951689