Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2203 (27.1.1967)
- Date
- 1967-01-27
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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de Enero de J987 JtlDlSCHt WOCHENSCHAU Año XXVIJI_N* 2203 Ereignisse der Woche Werte und Wichtigkeiten & Was ist wichtiger, die In - neu- oder die Aussenpolitik? — Diese gern diskutierte Frage ist im Grund genommen töricht. Denn ein Volk kann weder ohne Innennoch ohne Aussenpolitik leben. Beide sind für die Existenz eines Volkes von entscheidender Bedeutung. Eine Wertung ist gefährlich, eine Präferenz schädlich. Eigentlich gilt das Gleiche iür die Frage, ob wii unseren innerjüdischen Proble men grössere Aufmerksamkeit als den politischen Fragen unserer Gemeinschaft zuwenden sollten. Beide Aspekte unseres Lebens ergänzen sich. Wozu sollten wir uns gegen irgendwelche Angriffe ■von aussen verteidigen, wenn Wir keine inneren Werte zu schützen hätten? Die politischen Fragen tre ten bei der üblicher, Kurzsichtigkeit vieler Juden nur immer dann stärker in den Vordergrund, wenn irgendeine äussere Gefahr meist von antisemitischer Seite, droht. Ist es um uns herum ruhig, glauben die meisten, sich in Sicherheit wiegen zu dürfen Jedes Land, um ein allgemeines Beispiel zu wählen unterhält auch in Friedenszeiten eine Armee. Denn für den Ernstfall muss trän vorbereitet sein. Unsere politischen Institutionen müssen auch dann auf der Wacht sein, wenn man den Eindruck all gemeiner Ruhe hat Aber es ist garnicht so ruhig, wie annehmen möchte. Man spricht nur nicht so viel darüber. und man kann auch manchesmal nicht sprechen, weil das nicht zweckmässig ist. Mit der letzten argentinischen Revolution machten sich antisemitische Tenden ¡zen ioemerkbar. Die Männer der Revolution wollten das nicht, denn es entsprach nicht ihren Intentionen, Unterschiede zu machen oder gar einen rüden Antisemitismus zu dulden. Es genügt-; ein Fingerzeig, um die antisemitischen Tendenzen zum Verschwinden zu bringen Nicht überall, anfangs; jetzt allerdings sind auch in der Provinz derartige Symptome beseitigt. Dass solche Tendenzen auftraten, ist ein Grund zun, Nachdenken. Dass sie auf Wink verschwanden, dürfte gleichfalls Veranlassung sein, diese interessante Erscheinung zu studieren. Erziehungsfragen Heut« sollten aber nieh: „aussenpolilische“ oder Si- ' cherheitsfragen erörtert wer- ' den, sondern inner jüdische; Probleme, die mindestens die! gleiche Bedeutung haben! Wenn wir unsere Jugend j nicht mit jüdischen Wertei. | erfüllen, fällt aucli der Ge-! genstand der Abwehr weg. jRabbi Jochanan ben Sakkai! hat gewusst, was er tat. als er den Sieger bat ein Lehr- ] haus zu erhalten. Damit hat er das Judentum über die Jahrtausende gerettet Unsere wesentliche Aufga be besteht also in der Erziej hung unserer Jugend, der wir eine gute jüdische (und he bräische) Bildung geben sollten. Die merkwürdige Struktur der ..deutsch-jüdischen“ Immigration in Argentinien hatte es mit sich gebracht, dass viele Kinder die eben erst der Nazifurie entgangen waren, hier ausgerechnet in deutsche oder deutschsprachige Schulen gehen .mussten“. Die meisten dieser Kinder haben an den Folgen die ser unglücklichen Er twicklung zu tragen. Dass heute ¡auch noch viele jüdische Kinder. solche Schulen aufsu¬ LUACH-(KALENDER) Freitag, den 27 Januar 16. Shevat Sonnabend, den 28. Januar 17. Shevat Schabbat JITRO (Ex. 18, 1) Haftara: Jesaja 6, 1—13, 7, 1—6, 9, 5—6 Sonntag den 29. Januar 18. Shevat Montaß. den 30 Januar 19. Shevat Dienstag, Jen 31 Januar 20 ~nevat Mittwoch, den 1. Februar 21. Shevat Donnerstag, den 2. Februar 22. Shevat Freitag, den 3 Februar 23. Shevat Sonnabend den 4 Februar 24. Shevat Schabbat MISCHPATIM (Ex. 21, 1) Haftara: Jeremias 34—8 Rosch Chodesch Benschen Sonntag, den 5. Februar 25 Shevat Montag, den 6. Februar 26. Shevat Dienstag, cen 7. Feoruar 7. Suevat Mittwoch, den 8. Februar 28. Shevat Donnerstag, den 9. Februar 29. Shevat Freitag, den 10. Februar 30. Shevat Rosch Chodesch Sonnabend, den 11. Februar 1. Adar I. Schabbat TERUMA (Ex. 25—1) Haftara: Jesajas 66, 1—24) Sonntag, den 12 Februar 2. Adar I Montag, den 13. Februar 3. Adar I. chen, ist eine der Merkwürdigkeiten die mit logischen, ganz gewiss mit jüdischer. Argumenten nicht zu erfassen sind. Die Eltern solcher Kinder sprechen kaum oder schlecht deutsch, haben nicht die Absicht, ihre Kinder nach Deutschland zu scnicken obwohl es auch solche jüdische Kinder gibt, die zu ,,Ausbildungszwecken“ gerade in das Land zurückkehren müssen, das ihre Eltern aus den Schulen herauswart, wen sie Juden waren. Wenn Eltern rn dieser Weise handeln, weiche charakterliche Eigenschaften kann man von den Kindern erwarten? Die ..jüdische Kollektivität“ hat hervorragende Schulen g. schaffen, die jeden Vergleich mit anderen Schulen ausnalten. Man braucht nur an die Tarbuth-Schule zu denken, die heute über all — und nicht nur in jüdischen Kreisen — grösstes Ansehen geniesst. Hier wachsen Kinder in einer jüdi sehen Umgebung auf Das ist das Entscheidende. Man soll nicht glauben, dass wir gegen eine Sprache ankämpfen. Im Gegenteil: Jede Sprache kann die Ausdrucksform höchster Menschlichkeit sein, auch die deutsche Sprache. Hierum geht es durchaus nicht. Man soll nicht die Debatte auf unrichtige Fahnen lenken. Neue Schule Jetzt wird eine neue jiidi sehe Integralschule in Belgrano durch die Acoduth Jisroel eröffnet werden Di ser Schritt ist sehr zu begrüssen denn hierdurch wird wiederum einer nicht unerheblichen Zahl jüdischer Kinder dm Möglichkeit gegeben, m einer adäquaten Umgebung heranzuwachsen. Man soll nicht davon sprechen, das1man durch diese Scnulen ein neu es. selbst gewolltes Ghetto schafft. Dasselbe müsste man dann von den englischen, französischen. deutschen und sonst anderssprac’';gen scnulen in Argentinien sagen, die ohnehin alle dem argentinischen Schuiprogramm gerecht werden müssen. Die Juden sollten sich schon darüber klar werden, dass jedes jüdische Kind in eine jüdische Schule genört, wie jeder Jude Mitglied einer jüdischen Gemeinde sein soll Es gibt in dieser Rmsjch' keine Kompromisse Die -deutsch-jüdischen Sonntagsschulen. die vor 25 odei 30 Jahren ihre innere Ber.cntigung gehabt naoen sind heute kein ausreichendes Instrument für eine jüdische Erziehung, aucr. wenn -imge ter ..alten“ Lehrer noch immer an diesem Stil überholten „Religionsunterrichtes“ festhalten. Religion kann man weder lehren noch lernen, sondern nur leben. Das ist nicht mit einer halben oder drei viertel Stunde am Sonntagvormittag oder einer er¬ Argentinien und Israel Der argentinische Botschafter Rodolfo Baltierrez präsentierte in Jerusalem seine Beglaubigungsschreiben, die ihn als diplomatischen Repräsentanten vor der israelischen Regierung akkreditieren. Bei dieser Gelegenheit betonten der Botschafter sowie Präsident Shazar die zwischen beiden Iündern bestehende Freundschaft. Botschafter Baltierrez vorsprach, für die Festischritt darstellt.“ Es geschah zum ersten Mal, dass ein Zeremonie waren Aussenminister Abba Eban und hohe Beamte des Aussenministeriums und der Botschaft zugegen. Präsident Shazar gab seinerseits der Hoffnung Auscu-uck, dass diese Beziehungen sich noch enger gestalten mögen, und bat den Botschafter, dem Präsidenten Argentiniens seine persönlichen Grüsse zu übermitteln Er dankte ihm für seine Absichten, das gute Einvernehmen zu fördern, das vollauf im Sinne der israelischen Regierung liege. gänzenden Nachmitlagsstunde irgendwann in der Woche möglich Wer das nicht verstehen will, wer nichts hinzugelernt hat, soll sich dann nicht wundern, dass unsere Jugend andere unjüdische Wege beschreitet. Denn Erziehen heisst Vorleben. Man kann nicht von Kindern ein , anständiges“, das heisst sittlich einwandfreies I.eben erwarten, wenn die Eltern ihnen ein solches nicht zeigen, sondern entzweit shid, ihre ..Freunde“ oder .Freundinnen“ haben usw. Nicht die Kinder, die Eltern sind die Verantwortlichen. Sollen die Kinder gute Juden sein, so sollen die Fitem ihren Kindern einen ausreichenden, jüdischen Unterricht geben Mit den Soultagsschulen aber sollte man endlich Schluss machen Sie reichen heule nicht mehr aus. In einer Z it. in welcher das allgemeine Bildungsniveau erfreulich ansteigt sollte das jüdische nicht auf der gleichen (niedrigen) Stufe verharren wie bisher unsere Absicht ist es. im Di cte der Heranbildung der Jugend deren Erziehung zu verbessern nicht etwa eine sterile Kritik zu üb°n. — Zum Tode von Dr. Zitnitzky Unerwartet erreichte uns die Nachricht vom Tode des Herrn Dr. Lázaro Zitn'tzkv, der während eines Ferienaufenthaltes plötzlich einem Herzschlag erlag. Mit seinem Heimgang erleidet das argen tiuisch? Judentum rinev längere Zeit hindurch Vorstandsmitglied der DAIA —, erfreute er sich des grössten Ansehens. Er nimmt einen Ehrenplatz im argentinischen Judentum ein, an dessen Formierung er akeiven und positiven Anteil genommen hatte. Diplomaten-Krieg Nachdem der israelische Botschafter in Argentinier, die Presse über den Standpunkt seiner Regierung im Konflikt mit den arabischen Nachbarländern unterrichtet hatte, veranstaltete der svri schee Botschafter eine ähnliche Presse-Zusammenkunft, um den Standpunkt der Sv rer auseinanderzusetzen. Natürlich war der Syrer mit dem, was der israelische Botschafter gesagt hatte, keinesfalls einverstanden, ebenso wenig wie der Israeli die Argumente des Syrers akzeptieren könnte. Immerhin benutzte der Syrer eine Sprache, die im Rahmen.üblicher Auseinandersetzungen lag. Die Vertreter der argentinischen Presse hörten sozusagen, wenn auch unabhängig voneinander, die beiden divergierenden Standpunkte Zu einer eigenen Stellungnahme sind die grossen Zeitungen nicht gelangt. das liegt durchaus ausserhalb ihrer üblichen Berichterstattung. Vielleicht könnte man diese getrennten Informationen zu einer Aussprache zwischen den beteiligten Repräsentanten der beiden Ländei bringen. Aussprache und Verständigung würden eher als die Raubüberfälle und Mordtaten den Vertretern so alter Kulturen entsprechen, ua Buenos Aires ein neutraler Vor 24 Jahren Brüssel. — Am Bahnhof von Angleur in Belgien, von dem im Herbst 1942 der erst* Deportationszug in die nazistischen Todeslager abfuhr, fand kürzlich eine bewegende Erinnerungsfeier der Verbände der Deportierten und der patriotischen Organisationen statt. An der Erinnerungsplakette, die am Bahnhof diese schwarze Stunde in Erinnerung ruft, versammelten sich die Ueberlebenden und gedachten, während sich die mit Trauerflor versehenen Fahnen senkten, schweigend der Toten. Keine Rede wurde gehalten, was diese Zeremonie der Pietät und der Verbundenheit mit den Märtyrern besonders eindrucksvoll gestaltete. (KKB) Boden ist, sollte vielleicht doch ein Weg hierfür gefunden werden können, zumal Juden und Syrer in Buenos Aires auf verschiedenen Gebieten nicht schlecht Zusammenarbeiten. Eine Studie Eine soziologische Studie über die jüdische Gemeinschaft, verfasst von einem Professor der Soziologie einer amerikanischen Universität könnte sehr interessant sein. Was uns aber hier von der AMIA vorgelegt wird, ist ein kleiner Ausschnitt aus dem jüdischen Leben, in dessen Mittelpunkt die AMIA steht. Wir gehören zu denen, die in der AMIA eine der zentralen Organisationen unseres jüdischen Lebens in Argentinien erblicken. Aber wir verstehen auch, dass es noch andere Gruppen, Vereinigungen und zentrale Organosationen ausserhalb der AMIA gibt. Die Studie erwähnt auch die durch das Hitler-Regime nach Argentinien gexemmenen Juden. Dass hier ein neues und konstruktives jüdisches Leben, auch ohne die AMIA, von diesem ..Sektor* aufgebaut worden ist, wird kaum erwähnt. Die vorliegende Studie vermittelt kein getreues Bild des jüdischen Lebens in Argentinien weder der Sefard:m noch der Aschkenasin. oder der zentraleuropäischen Juden. Es ist nicht ersichtloch, welche Motive die AMIA zur Herausgabe einer Studie“ bewegt haben, die ein verzerrtes Bild des ar°entlnischen Judentums vernrttelt. LA schweren Vermut denn Menschen wie Zitnitzky sind selten, besonders in Argentinien. Ein Mann universeller Bildung widmete sich der Jurist nach Studien in Russland und Deutschland seit seiner Uebersiedlung nach Argentinien im Jahre 1923 der Schriftstellerei und dem Journalismus. In den letzten Jahrzehnten gehörte Dr. Zitnitzky zu den Leitern der jüdischen Tageszeitung „Di Presse“, die sich besonders in den Kreisen der arbeitenden Bevölke rung grösster Wertschätzung erfreut. Nach dem ebenfalls plötzlichen Ableben des unvergesslichen Jakob Botaschansky hatte Zitnitzky die Leitung der „Di Presse“ übernommen, in der er Artikel vielfachen Inhaltes veröffentlichte. Er war ein Kenner der internationalen und der jüdischen Politik, ein literarisch und künstlerisch hochgebildeter Mann dessen Wort galt und dessen Artikel überall grösste Aufmerksamkeit landen. Auch in den zentralen Gre mien des argentinischen Judentums. in denen Zitnitzky mitarbeitete — u. a. war er Neuerscheinungen des Verlages „ 0 L A M E N U “ in TEL AVIV. POB 3002. ISRAEL Dr. E J. GOERLICH (Wien): RUTH. — Geschichte eines jüdischen Mädchens. Ein Wiener Roman aus der Nazizeit. — Kart. $ 5.—. Prof. Dr. HARRT ZOHN (Waltham): Wiener Juden in der deutschen Literatur. Reich illustriert. Halbleinen $ 3.50. ZEITSCHRIFT FUER DIE GESCHICHTE DER JUDEN Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD Abonnement nur ganzjährig $ 8 50. DEMNAECHST ERSCHEINT: HUGO GOLD: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Das Standardwerk der jüdischen Geschichte Wiens Hunderte Illustrationen. Ermässigter Subskriptionspreis vor Erscheinen $ 20 —. nach Erscheinen $ 35.— IN VORBEREITUNG: „HISTORV OF THE JEWS IN AUSTRIA“ Ein Jahrbuch in deutscher und englischer Sprache. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD- GEDENKBUCH DER UNTERGEGANGENEN JUDEN GEMEINDEN der TSCHECHOSLOWAKEI Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD ET. scheint in zwei Bänden. L Band Böhmen, Mähren und Schlesien. — n. Band Slowakei und Karpa torus. Alle diese Publikationen erscheinen im Rahmen des im Entstehen begriffenen CH A JES- INST HUTS