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Jüdische Wochenschau · 1967-01-27 · 2203 (27.1.1967) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2203 (27.1.1967)
Date
1967-01-27
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Vtern«, M du Boer« de W9I LA SEMANA ISRAELITA Año XXVIII. _ N" itm - 3 Der grossste Prozess der Geschichte Der Prozess Jesu ist sicher der grösste und folgenreichste Prozess der Weltgeschichte, wenn es sich dabei auch nur um einen überaus kurzen Prozess gehandelt haben mag. Tausende von Büchern sind über diesen Prozess des Jesus von Nazareth geschrieben worden, aber es waren zunächst nur Bücher von Theologen, dann von Historikern Erst jetzt haben sich die Juristen dieses Prozesses bemächtigt: vier christliche Richter in England, Amerika und Kanada und der jüdische Jurist Dr. Paul Winter in London, dessen Werk „The Trial of Jesus“ neues Licht auf diesen Prozess wirft, der eigentlich zweimal geführt wurde, einmal vor dem jüdischen Synhedrion und eüimal vor dem römischen Landpfleger von Judäa Pontius Pilatus. Als vor nunmehr 18 Jahren Dr. M. Smoira erster Obergerichtspräsident in Israel wurde, liefen in seiner Kanzlei in Jerusalem mehrere Anträge christlicher Theologen aus allen Ländern der Welt ein, die eine Prozess-Revision nach fast zweitausend Jahren beantragten. Der Gedanke der Antragsteller war: erst jetzt hat das jüdische Volk wieder eine eigene souveräne Gerichtsbarkeit, und daher ist nun die Stunde gekommen, den Prozess gegen Jesus von Nazareth einer gültigen Revision zu unterziehen. Der Rechtsgelehrte Dr. Smoira beschäftigte sich eingehend mit diesen Anträgen, wie kürzlich der Vorsitzende der Israelitischen Anwaltskammer Advokat Rottenstreich in Jerusadem enthüllte. Der Anlass zu dieser Enthüllung war die Gedächtnisvorlesung für Dr. Smoira, fünf Jahre nach seinem Tode, die im Pestsaal der Juristischen Fakultät der Hebräischen Universität zu Jerusalem gehalten wurde. Dieser prachtvolle Pestsaal heisst Kess Hamishpat, der Thron des Rechtes. Hier sind den Oberrichtem die Stühle gerichtet, hier ist über diesen Rechtsstühlen ein Baldachin ausgespannt — und hier trug nun Richter Chaim Cohen, Mitglied des Obersten Gerichtes in Jerusalem seine umwälzenden Thesen zum Prozess Jesu am 12. Oktober 1966 vor. Im Auditorium bemerkte man die Mitglieder des Obersten Gerichtes, Richter und Staatsanwälte, Ex- Justizminister Pinchas Rosen Professoren und Dozenten von SCHALOM BEN CHORUS der Juristischen Fakultät, Rechtsanwälte und Rechtsstudenten: ein illustres und rechtskundiges Publikum, darunter relativ viele Herren, die das Käppchen der orthodoxen Juden trugen. Richter Chaim Cohen sprach nicht zum ersten Mal zu diesem kontroversen Thema Schon vor einem Jahr hatte er es, vom kriminalistischen Standpunkt aus. in einem Vortrag in der jerusalemer Synagoge „Har-EI“ behandelt; jetzt aber wandte er sich der prozeduralen Seite des Verfahrens gegen den Angeklagten Jesus von Nazareth zu — und dies vor einem je rusalemer Kreis von Fachleuten. Richter Chaim Cohen ist wie kein anderer befugt, über dieses, die Welt immer wieder bewegende Thema, zu sprechen: er ist gleichermassen ein Kenner des Römischen Rechts, nach welchem Pilatus gerichtet hat und ein Kenner des talmudischen Rechts, das für die Pharisäer und Hohepriester massgebend war. Natürlich sind die Prozessakten unzulänglich, denn wir besitzen ja nur die Berichte in den Evangelien, die Jahrzehnte nach dem Prozess verfasst wurden. Es fehlen also Augenzeugenberichte. Darüber hinaus aber wollten die Verfasser der Evangelien keine Dokumentation liefern, sondern Missionschriften für ihre damals noch neue Religion. Vor allem aber — und das ist die erste These Cohens — war die junge Christusgemeinde in Rom auf das Wohlwollen der Staatsmacht angewiesen und entlastete daher in ihren Prozessberichden an sich als grausam bekannten Pontius Pilatus und versuchte die ganze Schuld an der Kreuzigung Jesu den wehr las gewordenen Juden anzulasten. Daraus ergibt sich die tendenziöse Berichterstattung in den Evangelien. Nach sorgfältigem Vergleich der Berichte in den synoptischen Evangelien: Matthäus Markus und Lukas und dem Johannes-Evangelium kommt Richter Cohen zu dem Schluss, dass Jesus eigentlich nur von Pontius Pilatus aufgrund der Lex Julia des Augustus vom Jahre 8 v d.g.Z., als ein Revolutionär verurteilt wurde, der sich durch Anmassung des Königstitels der Majestäts - Beleidigung schuldig gemacht hatte, auf die Todesstrafe durch Kreuzi¬ ALFREDO STERN MALERARBEITEN NEUE ADRESSE: Vidal 1575 fast Ecke Pino Tel.: 76-9088 Teppichhaus - M. Höchberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Tep pichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. 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Kapitel) und die noch spätere Steinigung des Stefanus, sowie die Verurteilung des Jakobus, des Bruders Jesu, zeigt, wie Cohen darlegt, dass durchaus noch eine peinliche Gerichtsbarkeit bei den Juden. offenbar unter Billigung der römischen Besatzungsbehörden bestand. Das Synhedrion hätte Jesus also rechtskräftig verurteilen und nach jüdischem Brauch der Steinigung unterwerfen können, was aber nicht der Fall war. Jesus wurde von den Römern auf ihre unsagbar grausame Weise, zusammen mit zwei weiteren Juden, gekreuzigt und als Titulus, als Kreuzaufschrift, die das Verbrechen angab, schrieb Pilatus sein berühmtes INRI. Jesus Nazarenus Rex Judaerum, Jesus von Na zaret, König der Juden (Joh. 19,19) in lateinischer, griechischer und hebräischer Sprache. Daraus folgert Cohen, dass die angemasste Königswürde das einzige strafwürdige Vergehen Jesu war. Die anderen Anklagen, die vor den jüdischen Behörden laut wurden, wie z. B, die Tempelschmähung die Gotteslästerung, die Bezichtigung Jesu als falscher Prophet usw. konnten nicht al3 stichhaltig erwiesen werden. Die Anfassung einer messianisehen Würde im rein religiösen Sinne hätte wohl zur Verurteilung auch nicht ausgereicht, aber für die Römer war jeder, der sich selbst zum König ausrufen liess, als Feind des Caesar dem Tode verfallen. Elektronen-Hirne Tel Aviv. — Israel besitzt heute 40 Elektronengehirne im Dienst der Grossindustrie und von Banken und verfügt damit über die höchste Zahl dieser Apparate im Mittleren Osten. Die Favoriten sommerlicher Fertigkleidung finden Sie bei CARLT0N ANZUE6E SACC0S HOSEN und wenn Sie Masskleidung wünschen erst recht zu CARLT0N Carlton ERNST KOPPEL Maipü 982 — T.E. 31-7845 Cohen behauptet nun, dass die Gefangennahme Jesu unter Leitung eines römischen Hauptmannes vor sich ging was darauf hin weist, dass die Initiative von der römischen Besatzungsmacht und nicht von den Juden ausging. Jesus sollte sofort in ein römisches Gefängnis überführt werden, aber der amtierende Hohe Priester Kaiphas bat sich den Gefangenen noch für eine Nacht aus, und deshalb wird er in den Palast des Hohe Priesters überführt. Es war, nach Cohen, die Nacht der Bedikat - Chamez. die Nacht vor dem Seder Abend. (Allerdings liess Richter Cohen unerklärt, wieso dann Jesus und seine Jünger in dieser Nacht, vor der Verhaftung in Gethsemane, das Seder-Mahl bereits gefeiert hatten?). Nach Cohen fand nun garkeine Gerichtssitzung mitten in der Nacht statt, vielmehr versuchte der Hohepriester den Gefangenen zu retten. Er , baute ihm sozusagen goldene Brücken, versuchte ihn von seiner Selbstproklamation als „König der Juden“ abzubringen, um Jesus so vor dem Zugriff der römischen Behör den zu retten. Hätte Jesus damals mit Hohepriester (und den erschienenen Mitgliedern des Synhedrions) kooperiert, dann wäre seine Rettung vielleicht noch möglich gewesen. Jesus lehnte das aber ab, beharrte auf seiner Königswürde und ging so seinem unvermeidlichen Schicksal entgegen. Als der Hohepriester einsehen musste, dass alle seine Vermittlungsversuche fehlgeschlagen waren, zerriss er in tiefstem Schmerz, zum Zeichen der Trauer, sein Gewand, erklärte Richter Cohen, der ja selbst gewissermassen ein Nachkomme des Kaiphas von Jerusalem ist, da er wie dieser der Priesterdynastie in Jerusalem angehört und, nach zweitausend Jahren, wiederum oberste richterliche Befugnisse in Israel hat. Das gibt seinem Wort so besonderes Gewicht. Jesus wurde, nach Chaim Cohen, also nicht von einem Synhedrion verurteilt, sondern ausschliesslich von Pontius Pilatus, nachdem alle LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEY RREOON 2190, 1* Izq. - T.E. 83-2613 16. Shevat 5727 Jam,ar I**57 Weltausstellung in Montreal Die Expo 67, wie dit- Welt a Umstellung des Jahres 1967 in Montreal heissen wird wird sowohl eine grosse Beteiligung Israels wie der jü discnen Gemeinschaft Kanadas aufweiseu. Der Israel-Pavillon wird vorwiegend aus Glas bestehen. Nach der Ausstellung soll dieser Pavillon auseinandergenommeu und in Israel wieder autgesteilt werden Neben den üblichen kommerziellen ständen werden im Israel-Pavillon Filme und Darbietungen über Israel gezeigt, darunter solche über die Eroberung dei Wüste und über die Entwicklung des jüdischen Nationalheims. Der Kanadisch - jüdische Pavillon wird eine Darstellung der jüdischen Kultur und Religion in allen Zeiten enthalten, ebenso eine Synagoge und eine Buchausstellung. Das Cameri-Theater aus Tel Aviv, die Batsheva- Tanzgruppe und die Israelische Nationaloper wurden zu Vorstellungen verpflichtet. Die Ausstellung w’rd auch viele jüdische Gäste nach Montreal ziehen. Die Besucher aus den Vereinigten Staaten werden die Feststellung machen, dass auch in Montreal die jüdischen Viel - tel gewechselt haben. Wo früher die ersten jüdischen Einwanderer wohnten, ka¬ Vermittlungsversuche der jüdischen Führung fehlgeschlagen waren. Heute, so erklärte der Oberrichter in Jerusalem, da das jüdische Volk wieder in sein Vaterland zurückgekehrt ist, ist auch die Zeit gekommen. den Prozess Jesu in neuem historischen Licht zu sehen. Er schloss mit dem grossen Trostwort Jesaja 25 8: „Gott, der Herr wird die Tränen abwischen von jeglichem Angesicht und wird aufheben die Schmach seines Volkes in allen Landen “ men die deutschen Flüchtlinge, dann die Ungarn vom Jahre 1956, dann die Griechen und Portugiesen. In der „jüdischen Epoche“ des St Lawrence-Boulevard gab es dort seinerzeit eine Synagoge, die jetzt in ein Kino umgewandelt wurde. Das Viertel hatte einen jüdischen Abgeordneten. Poplinger nach dem eine Strasse benannt ist. Das alte Chinesenviertel wird abgerissen, und die Bewohner rücken nun in die ehemals jüdischen Wohnungen ein. Die jüdische Mittelklasse zog zuerst an den Mont Royal, dann nach .Outremont“, hierauf in die neuen Zentren um die Van Horne- und Victoria-Avenue wo heute neue Synagogen und Schulen stehen. Die älteren Juden haben ihren eigenen Lebensstil ohne engeren Zusammenhang mit der arideren Bevölkerung, dagegen hat sich die Jugend weitgehend integriert; sie befasst sich eher mit den aktuellen Problemen des modernen Lebens als rr.it jüdischen Fragen M0EBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäfte mit der grössten Auswahl SARMIENTO IUI T E 35 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 Zahlun gscrleic hteruncen fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zuvorkommende fachmännische Bedienung ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN BUER0STUNDEN IN DEN SOMMERMONATEN vom 26. 12.. 66 — 3. 3 67 NUR Dienstag und Mittwoch von 15 — 18 Uhr (ICH BITTE, NICHT VOR 14 UHR ZU ERSCHEINEN) L L: 83 - 2(13 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - V.rwaitun gm - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. L: 80 6930 PUEYRRE00N 2190 esq. Ar. LAS HERAS

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