Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2201 (13.1.1967)
- Date
- 1967-01-13
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
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8 — >■«*«», M dt« Baer« de 1967 JtllltCll WOCIIKSC1AI Aft* XXVDI. — N» 2*6t Advokaten des Feindes (Schluss von Sei*« 1> in* Dienste der allgemeiner Rettongsaktieiien. soweit solche in» Rahmen des erbarmungslosen Zweiten Weltkriege« überhaupt möglich waren, erschwert durch d’e ablehnende Haltung Japans gegenüber dem Bemühen des Beten Kreuzes und der neutralen Schweiz. Anhand eiiü gev interessanter Einzelfälle schildert Rings, was tatsächlich durchgeführt werden kennte, um Kriegsgefangenen zu helfen, ungeheuerliche« Unrecht zu vermeiden, Schmerzen zu lindern für die Wahrung einiger rechtlicher Prinzipien zu sorgen und Leben zu retten. MSt besonderer Ausführlichkeit wird das Schicksal der „prominenten*- Kriegsgefangenen in deutscher Hand geschildert, unter ihnen Angehörige des englischen Königshauses, Verwandte von Churchill und Lord Alexander. die man gegen jedes in temationale Recht auf deutscher Seite wie Geiseln behandelte. deren Rettung aber dann schliesslich dochdank der vielen schweizerischen Interventionen gelungen ist. Einige Beauftragte des Roten Kreuzes setzten zweifellos ihr Leben ein, um diese „wert vellen“ Gefangenen vor einem sicheren Tod. kurz vor der Kapitulation der deut sehen Truppen zu retten. Man erfährt auch manche unbekannte Einzelheit aas der mannigfachen und umfangreichen Tätigkeit des Roten Kreuzes, dessen Suchdienst in zahllosen Fällen zur Wiedervereinigung von Verwandten and Freunden belgetragen hat. Man sieht eine jugoslawische Zigarettensehachtel. mit der Adresse einer Frau die durch die Post dem Roten Kreuz in Genf »»geleitet wurde Ausser der Adresse ist ein kurzer Gruss, ein Lebenszeichen für eine Wartende enthalten. Vielleicht wurde dieser Kartengruss auf dem Pappdeckel ei- Dr. FREY ABOCADO PUEYRREDON 219C l’izq. na« 1mm 16—19 ubr Telefon: 80-6930 ner Zigarettenschactüel von einem Gefangenen aus einem fahrenden Autobus oder Zug geworfen, vielleicht aus einem KZ oder Gefängnis auf nicht bekannte Weise geschmuggelt. Aber dass es im Bewusstsein der Menschen eine Adresse der Menschlichkeit gegeben hat das allein ist bereits eine wichtige Tatsache, die der Beachtung wert sein dürfte. IV. Gute Beziehungen Ueberall dort, wo dem Recht aus welchen Gründen auch immer Grenzen gezogen sind, setzten die guten Beziehungen ein. Wo gute Beziehungen einsetzen, beginnt die Herrschaft der Willkür. Wer Jude ist, das bestimme ich... Gute Beziehungen haben manche Nazis zu interalliierten Stellen eingeleitet, als sie erkennen mussten, dass die Träume des Dritten Reiches in ein Chaos münden und im Meer von Blut und Tränen ersticken werden, das die Nazis durch ihre Schreckenstaten erzeugt haben. Andere dieser ehemaligen Grössen hatten nur die „Schlauheit“, sich nach allen Seiten „abzuschirmen“. da man niemals wissen könne, was noch alles passieren würde. Da berichtet Rings über den Obergruppenführer Gottlob Berger, einst Chef des SS- Hauptamtes. einer — wie er Berger, selbst einmal scherzend gesagt habe, der „zwölf Apostel des Dritten Reiches“ Berger, der offensichtlich keine schlechte Meinung von sich hatte, war General der Waffen-SS, der, wie Rings hinzufügt, „übrigens auch 420 Schweizer angehörten“ was wiederum nach unserer Auffassung kein sonderlich gutes Licht auf diese Mannen wirft... SS - General Berger, vom. Rings interviewt, also eine wichtige Quelle für den vorliegenden Bericht, wurde m Nürnberg zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, aber nach 21 Monaten freigelasseu. Warum?, fragt Rings und erteilt sieh dann selbst die Antwort: „Wohl auch wegen seiner heimlichen Beziehungen zur Schweizer Schutzmaeht“„. Berger selbst antwortet, er habe Hitlers Vertrauen bis zum Schluss genossen... Berger belastet in seiner jetzigen Aussage den ominösen Führerstellvertreter Bormann der angeblich die Erschiessung der prominenten Gefangenen, die nach Bergers Bestätigung Geiseln waren angeordnet haben soll Heu- BEAL PEN FifflukM REPARATUREN Spezsa.'qeschaeit CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PRGPIEDADES FRANKENBERG g. R. L. Berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAFFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DE1 PINO 22«! T. 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Ein Krebskranken Kann man schon die vielen Ralle der Intervention zugunsten von Kriegsgefangenen diskutieren. verursacht die Darstellung über die segensreiche schweizerische Intervention zugunsten eines deutschen Krebskranken deswegen einen peinlichen Eindruck. weil man nicht weiss. ob diese „Heldentat“ wirk lieh als ein Positivum aufgefasst werden soll. Das bedeutet schon eine Zumutung die ein wenig über das erträgliche Mass hinausgeht, wenn man bedenkt, in welchem Elend russische Kriegsgetangene in deutschen Lasern ausgehungert wurden, woge gen das Rote Kreuz und die schweizer Diplomaten nach den Angaben Rings’ nichts machen konnten. Warum eigentlich nicht? In russischer Hand befanden sich doch deutsche Gefangene in weit grösserer Anzahl, sodass eine reale Verhandlungsbasis durchaus vorhanden gewesen wäre. Dass die schweizerischen Behörden genau über das Schicksal dieser Kriegsgefangenen in deutschen Lagern unterrichtet gewesen sind, kann keinem Zweifel unterliegen, da Rings es selbst zugibt. Ein deutscher Unterarzt, so berichtet Rings, der sich in nordamerikanischer Gefangenschaft befand, wurde auf Anraten einer amerikanischen (jüdischen) Aerztin durch das Rote Kreuz in seine Heimat geschafft damit er dort sterben könne. Das mag als ein Zeichen jüdischer oder amerikanischer Menschlichkeit bemerkenswert sein, kann aber weder als eine positive Rettungsleistung des Roten Kreuzes noeh überhaupt als ein bemerkenswertes Ereignis angesehen werden. Durch solche „Fülle“ verringert man den Wert und die Ernsthaftigkeit einer derartigen Dokumentensammlung. Oder man müsste zum Ergebnis gelangen, dass über derartige Hilfeleistungen die Wirksamkeit des Roten Kreuzes oder der neutralen Diplomatie nicht hinausretchten. Dann wäre es wiederum nützlicher gewesen zu schweige», als im Fernsehen und durch die Herausgabe eines Buche* die Aufmerksamkeit auf die Ohnmacht der Anständigen zu lenken VI. Ohnmaechtig Den Schutzlosen Schutz zu bringen, war keine Macht in der Lage. Das Rote Kreuz hat sich sehr bald damit abgefunden. dass der Zutritt in die NS-KZ-Lager verboten war. Als Schutzmacht konnte die Schweiz nur für diejem gen eintreten, die Bürger eines Staates waren, dessen Interessen von der Schutamacht vertreten wurden. Dagegen konnte sie nicht Burger oder ehemalige Böiger Deutschlands und der von den Deutschen besetzten Gebiete schützen. An diesem rechtlichen Sachverhalt ist nicht zu deuteln. Aber hat wenigstens das Schweizerische Internationale Rote Kreuz, das sicherlich gewisse Meriten hat, mithilfe des Schweizer Staates ernste Schritte unternommen, um den Gefangenen in den KZ zu helfen, zumindesten noch in der Zeit, als die Vernichtungsaktionen nicht im Gange waren? — Nach den Aussagen der damaligen Mitarbeiter des Roten Kreuzes seien einige Versuche wesen der KZ unternommen worden, aber erfolglos gewesen. Das Deutsche Rote Kreuz hat dem Roten Kreuz in Genf geschrieben, dass über nichtansche Häftlinge keine Auskünfte erteilt werden könnten. Mit keinem Wort wird mitgeteilt, was vom Roten Kreuz Genf hiergegen unternommen wurde, sodas* man annehmen muss, in Genf liabe man sich einfach mit dieser Mitteilung zufrieden gegeben. Das war am 20. August 1941. Ein Jahr später erschien ein Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes irt Genf, der erklärte, „dass diese Gesellschaft es ablehn* n musste, irgendwie Anfragen nach jüdischen Deportationen zu bekommen“. — Also selbst angefragt zu werden haben sich die Deutschen verbeten... Rotes Kreuz Genf reagierte nicht weiter. Auch nicht dazu, was Rings weiter berichtet (vgl. Seite 114): „Dr. Grawitz, Reichsarzt der SS. war damals gesehät'tsführender Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Von ihm stammt eine Idee, die verwirklicht worden ist : Gaskammern für die Tötung der Juden. Er und sein Nachfolger als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Professor Dr. Gebhardt, Genera1 major der Waffen-SS, leiteten unmenschliche Versuche an polnischen Frauen und anderen Häftlingen“ Rings fügt noch eine Bemerkung hinzu: „Das Ausmaß der Verblendung war ungeheuer. Das Gift, Zyklon B, wurde von deutschen Rotkreuzautos in die Gaskammern von Ansehwitz gebracht“. In einer erklärenden Erläuterung meint Rings, an diesem Beispiel wird die un ■ gemein schwierige Lage, in der sich die Advokaten des Feindes im Deutschland Adolf Hitlers sahen. besonders deutlich. Durften den Advokaten des Feindes in einem solchen Fall alle Mittel recht sein? War ihnen z. B. alles erlaubt, wenn wehrlose Menschen verschleppt und getö' tet wurden? — Rings meint die Antwort auf rhese Frage überschreitet die Grenzen seines Themas. Keine Schutzmacht könne sie bejahen. Si'“ stelle den einzelnen, ob Advokat des Feindes oder nicht, vor sein Gewisser und den Neutralen vor seinen moralischen Konflikt- Darf sein Auftrag, darf seine Verpflichtung, neutral zu sein, die JACOB LAPIDUS Jipi. Mohel NEUE ADRESSE VI AMONTE 2037 4? B 46-5473 und 48-2124 Stimme ü« Menschlichkeit ersticken? VII. Moralisch Wir fragen weiter: Ist es denn noch moralisch, diese Frage in ihrer ganzen Schwere und Tragweite zu erkennen, die Problematik zu verstehen und ihr doch auszuweichen? Gibt es auf diese Frage überhaupt noch eine andere Antwort als diejenige dass die Stimme der Menschlichkeit niemals, auch nicht vom Neutralen, erstickt werden darf. Nein, ist doch gerade dieser Neutrale berufen, die Stimme der Menschlichkeit zu erheben, um Leben und Würde zu retten, wo in dem Streit der Parteien die Grenzen der Menschlichkeit verletzt werden. Wenn es sich aber ganz eindeutig um die schändlichste Verletzung des Menschenrechtes handelt, das die Geschichte kennt, dort ist kein ISID0R0 SCHREIBER bietet Ihnen sein modernes Stimmungserehester an alten Ihren Festlichkeiten an. T. E.: 86-5036 MOHEL N. PLAKSIN Snperi 2718 NEUES TELEFON: 78-4784 Dr. Bernardo SCHWARC2 ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — T6-82U RAYOS X PARADENTOSF TKLEF. VORANMELDUNG LA SEMANA ISRAELITA Semanario Aparece los Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swaraensky Pueyrredón 2190, 1? izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 1.000.— pro Jahr Ausl. $ 1.500,— jährl. Platz für eine Alternative. Dieses Postulat der Menschlichkeit wird noch klarer au» den weiteren Auseinandersetzungen mit dem Buch von Rings hervortreten, die wir in einem nächsten Artike1 behandeln werden (wird fortgesetzt) Dra. Juana Nevler de Neuburger MEDICA DEL HOSPITAL SALARERRY enfermedades de SEÑORAS GINECOLOGIA — OBESIDAD ENFERMEDADES GLANDULARES TUCUMAN 141 - Piso 3* Dto. H. T. E. 31-3889 y 69-8477 Consultas; Martes, Jueves y Sábados de 15 a 19 horas CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I. Blumenfeht (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Bueno« Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES I. E. URIBURU 285 41 2331 — 2240 47.5875 Dr. GOLDSTEIN VOM 26. DEZEMBER BIS 8. FEBRUAR VERREIST TABGLICH VERTRETEN DURCH: Dr. AKIVA HERSZKOWICZ part. 76-0495, 76-4484 Dra. I. L LIEBER CUBA *141 part. 73-8463 Dr. A. SANGUINETn CA BILD O *464 T. 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