Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2200 (30.12.1966)
- Date
- 1966-12-30
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viernes, de Diciemtee de 1966 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXVII. — N? 220* Ereignisse der Woche 65 Jahre KKL Absichten der NDP Bonn. — Die NDP. die Partei der extremen Nationalisten, teilte ihre Absicht mit. eine Sektion für Studenten zu eröffnen, um an allen westdeutschen Universitäten Studentengruppen zu schaffen und auf diese Weise cie Ideen der Partei in die deutsche Studentenschaft zu tragen. Auf einer Kundgebung der Partei in Bad Godesberg :tam es zu Schlägereien, nachdem jugendliche Teilnehmer die Redner mit scharfen Zwischenrufen at tackieri, hatten. An der Versammlung nahmen über 1.000 Personen teil. 200 Erschienene konnten die Reden nur in enem Vorraum mitanhören. Viele der Erschienenen, die auch im Saal Platz genommen hatten, waren nur gekommen, um die Versammlung zu stören. De- Hauptredner war Adolf von Thadden, der unter anderem verlangte, dass die Fremdarbeiter und die ausländischen Truppen aus Deutschland zurückgezogen werden. Er fühlte weiter aus, dass seine Partei für eine Suspension der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika sei. weil Deutschland bisher noch nicht einen Teil der amerikanischen Ostküste bilden würde... Im Jahre 1949 erschien ein Buch über die Geschichte des Keren Kajemet Leisrael in Buenos Aires, das den Titel „Eroberung durch Aufbau“ trug. Nichts kann besser die überragende Rolle charakterisieren, die der Keren Kajemet Leisrael, der Jüdische Nationalfonds, für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes und vor allem für die Kolonisation Palästinas gespielt hat, als diese drei schlichten Wörter: Eroberung durch Aufbau. In diesem Zeichen ist das jüdische Volk in sein Land zurückgekehrt, im Zeichen des Friedens des Fortschritts, des Aufbaus. Bereits auf der Kattowitzer Konferenz (18841, also vor der Schaffung der Zionistischen Organisation und vor dem Erscheinen der Programmschrift Theodor Herzls „Der Judenstaat“ hat der Heidelberger ITniversitätsprofessor für Mathematik Dr Hermann Schapira seinen Plan vorgelegt, einen allgemeinen jüdischen territorialen Fonds“ zu schaffen. Aber die Zeit war noch nicht herangereift und der Plan blieb ein Projekt, das auf seine Durchführung harrte. Es musste erst der Mann der Tat, der Mann der Vision, der Mann der Verwirklichung kommen. Theodor Herzl. um auf dem 5. Zionistenkongress in Basel 1901 die Gründung des Jüdischen Nationalfonds durchzusetzen. Nach langen, ohne Herzl geführten Diskussionen war man bereit gewesen, ein Vorprojekt zu akzeptieren. Herzl war damit nicht einverstanden, und seinem energischen Eingreifen war ®s zu verdanken, dass Realität wurde, wovon Schapira so lange geträumt hatte. In „Eroberung durch Aufbau“ heisst es: „Nur 17 Jahre lagen zwischen diesem ersten Vorschlag Schapiras, einen Nationalfonds zu gründen und der Realisierung des Plans. Nur 17 Jahre! Aber in dieser kurzen Zeitspanne hatte sich unsere, die jüdische Welt, gründlich geändert. An diesem Wandel kann jeder erkennen, w'ie wreit und wie innig der KKL-Gedanke mit der zionistischen Idee verbunden ist. Denn inzwischen war in der überragenden Persönlichkeit Theodor Herzls unserem Volke der Mann erstanden, der ihm den Weg in eine bessere Zukunft gewiesen hatte“ — Aufgaben und Ziele Ueber die Aufgaben und Ziele des KKL kann hier in diesem Zusammenhang nicht erschöpfend berichtet werden. Den Boden des Heiligen Landes zu erlösen, ist eine religiös-nationale Pflicht, es ist ein Traum, der durch die tatkräftige Tätigkeit aller, die sich für den KKL eingesetzt haben, zu einer lebendigen Wirklichkeit geworden ist. Wenn unser Volk wenn die Zionistische Bewegung und ihre Organisation stolz auf eine Leistung sein darf, so ist es auf all das. was durch den KKL geschaffen worden ist. Erlösung des Bodens oder Eroberung durch Aufbau bedeutet der Ankauf aller Böden. die für unser Volk und seine Organisation erreichbar gewesen sind. Natürlich hätte noch vielmehr geleistet und weit Grösseres geschaffen werden können, wenn die erforderlichen Mittel in breiterem Rahmen zur Verfügung gestanden hätten. Niemand ist von seinem Boden durch die Juden, die nach Palästina gekommen sind, vertrieben worden. Der KKL kaufte den Boden den Be-sit zern ab, die ihn verkaufen wollten, mitunter oder häufig zu Preisen, die durchaus weit über dem damaligen Wert des Bodens gelegen haben. Aber für unser Volk hatte dieser Heimatboden einen unschätzbaren Wert. Jüdische Pioniere haben aus Steinwüsten, Sümpfen Sand dünen und toter Erde fruchtbare Aecker gemacht. Was in Israel heute geschaffen ist, wurde durch die Arbeit des KKL und die der ersten Chaluzim eingeleitet und vorbereitet, geplant und gebaut. Ein leeres, vernachlässigtes, der Sonne und der Erosion preisgegebenes Land wurde fruchtbar gemacht, wurde entsteint, bewaldet, bewässert, besiedelt. Das alles ist das Werk des KKL dessen Wirken und Arbeit in den letzten Jahren vielleicht ein wenig in den Hintergrund getreten ist, sehr zu Unrecht, denn noch heute liegen dem KKL wichtigste Aufgaben ob, wie die Bewaldung, der Ankauf neuer Böden, Besiedlung usw. Sein jüngerer Bruder der Keren Hajessod. hat gewaltige Aufgaben zu erfül len, die aber immer nur dann möglich waren und sind, wenn die entsprechenden Vorbereitungen vom KKL erfüllt worden sind. Das Jubilaeum Keren Hajessod ist die Selbstbesteuerung des jüdischen Volkes. K reu Kajemet baut auf Spenden auf, die auf vielen Wegen gemacht werden: die Blaue Büchse, die zu einem Symbol jedes wahrhaft jüdischen Hauses geworden ist, die Bücher des Kindes, des Barwitzwa, das Goldene Buch usw., die Eaumspenden, Legat?, das Festbuch, die Telegramme und manche andere Sammelmitte! mehr, die bei freudigen, ernsten und betrüblichen Anlässen uns mit dem KKL und durch ihn mit dem Boden des Heiligen Landes verbin den. Der KKL verwirklicht eine r der grossen sozialen Ideen jj des Judentums, das Gemein- | eigentum am Boden der nicht einem einzelnen Menschen gehören soll sondern dem Volk durch seiner Gott gegeben ist. Damit ist eine der weltumspannenden Ide?- en, die immer menr und mehr zur Erkenntnis aller Völker werden, durch den KKL in einer neuen und doch alten, in einer modernen Form zu neuem Leben erweckt worden, eine religiöse Forderung, die bereits von der Bibel postuliert wird und bis zur Sabbatruhe für den Boden reicht. So verbindet der KKL wie kaum eine zweite nationale Institution religiöse und modern-soziale Prinzipien und Gedanken miteinander, die , nicht nur einen Weg der Bodenbewirtschaftung für Israel weisen, sondern darüber hinaus für viele andere Länder, die dieses Bodensystem studieren und in ihren Grenzen in die Tat umzusetzen bemüht sind. Die Pfennige Bemerkenswert ist noch ein anderer Umstand, der unterstrichen werden muss. Die kleine Blaue Büchse mit den Pfennigen der Armen haben den Grundstein für die gesamte Kolonisation gelegt Das Volk hat seine Zionsliebe niemals aufgegeben und niemals vergessen, dass unsere Erlösung nur durch und in Zion erfolgen kann. Längst bevor man grosse Spenden für das Goldene Buch oder für umfangreiche Bodenverkäufe erhielt, haben diese kleinen Abgaben die erforderlichen Mittel zusammengetragen, um die ersten Böden zu kaufen. Es waren die vielen kleinen Schneider in Polen, die biederen Handwerker, die Kleinen Angestellten und die Studenten, die ihre Spargroschen gaben. So hat es angefangen. Heute kann der KKL mit Stolz sagen, dass er sich die Herzen aller jüdischen Kreise gewonnen hat. Denn KKL- Arbeit der Kinder ur.d der Jugend, die Tischri-Aktion und Baum- und Wälderaktionen schaffen jene lebendige Brücke von Galut nach Is rael, die eine der festen Grundlagen für Einheit unseres Volkes im Lande Israel und in der Galut bilden. So ist das 65jährige Jubiläum des KKL nicht ein „historisches“ Datum mehr in unserem Jahresablauf, sondern ein Volksfest, ein Tag der Freude und des Stolzes über Erreichtes und Geleistetes. das jeder sehen kann, d.r durch Israel reist, wenn er an die vielen Wälder kommt, die durch den KKL und nur durch ihn errichtet worden sind, um eines der vielen Beispiel? za erwüihnen, die man in Israel auf Schritt und Tritt beobachten kann. Das Jubiläum mahnt uns aber auch daran, weiterzuschaffen und zu aroeiten, denn noch viele Aufgaben blieben unerfüllt, noch viele grosse Werke werten auf ihre Realisierung, noch viele Verpflichtungen sind einzulösen. Jedem Juden ist die Möglichkeit gegeben, hieran mitzuwürken, den Kindern und den Jugendlichen, die Büchsen aufstellen oder leeren, den Erwachsenen, die durch kleine und grosse Spenden durch ihr Denken an den KKL die Idee der jüdischen Renaissance täglich wach halten können, ohne grosse Opfer zu bringen, den Armen wie den Reichen, kurzum allen, denen der KKL das Symbol für ein neues Israel und für eine bessere Zukunft unseres Volkes ist. — „Juncal“ Der Kooperativ - Gedanke ist in den letzten Jahren nur in Argentinien tiefer in die Massen eingedrungen nachdem er gerade in diesem durch die Jandwirtsrhaftlic-hen Siedlungen eine weite Verbreitung gefunden hatte. Alle für einen,, und jeder für alle, diese Parolen liegen dem Gedanken kooperativer Arbeit zugrunde. Damit wird ein Prinzip in das wirtschaftliche Leben umgesetzt, das in seinem Kern ein echt-jüdisches ist, w'eil es dem Ziel der gegenseitigen Hilfe dient. Der moderne Kooperativ- Gedanke und das moderne Kooperativ-Wesen spielt in der Volkswirtschaft eine bedeutsame Rolle, obwohl man nocif in verschiedenen Ländern nach der rechten Form sucht. Gerade der kleine Mann, der keine grossen Bankkredite für sich erhoffen darf, ist auf das Kooperativ- System angewiesen an dem er sowohl als Geber wie als Nehmer teilzunehmen vermag. Welche Erfolge mit einer korrekten und gesunden Geschäftsgebahrung gerade auf dem Gebiet des Kooperativwesens erreicht werden können, hat die Kooperative Juncal bewiesen, die in inrer kurzen Tätigkeit nicht nur vielen kleineren Leuten geholfen, sondern auch ihren Teilnehmern finanzielle Vorteile verschafft hat. Aber das war nicht das eigentliche Ziel. Von Kreisen der ACIBA geschaffen, sind dieser Organisation recht erhebliche materielle Vorteile durch Juncal in den Schoss gefallen, die dazu dienten, gemeinnützige Aufgaben und Ziele der Organisation zu realisieren, die ohne diese Kooperative kaum oder garnicht, jedenfalls nicht in einer so kurzen Zeit Literarische Notizen Berufung Sir Solly Zuckermann, de. aus Südafrika stammende Natur-Wissenschaftler und Universitäts - Professor, hat auf Ersuchen des englischen Premierministers Harold Wilson den Posten eines leitenden Beraters der Regierungsabteilung für Wissenschaft und Forschung in der modernen Technik übernommen, 85. Geburtstag In seiner Gemeinde in New York wurde Dr. Mordechai Menachem Kaplan, emeritierter Professor für Religionsphilosophie am Jüdisch- Theologischen Seminar, an seinem 85. Geburtstag gefeiert. Kaplan ist der Vertreter der jüdischen Richtung des Rekonstruktionismus, die nach seiner Auffassung jedem Juden Raum bietet. Konzerte Im Meisterzyklus der Konzertgesellschaft werden Nathan Milstein, Rudolf Serkin und Arthur Rubinstein im Laufe des Winters Konzerte geben. hätten geschaffen werden können. Gestützt auf diese Erfolge und Erfahrungen dürfte die Frage berechtigt sein, ob man nicht diese Kooperative ausbauen und auch den anderen Vereinigungen, die sich daran beteiligen könnten, zugänglich machen sollte. Das ist eine ernste Frage, die studiert werden sollte, was sich nach unserer Meinung für alle Teile lohnen w ürde. Jedenfalls könnte hier eine Möglichkeit erschlossen werden, von den üblichen Sammelmethoden, von Wohltätigkeitsveranstaltungen, Tombolas und sonderbesteueruneen abzugehen und einen Weg zu beschreiten, der wirtschaftlich gesünder und interessanter ist als die ausgefahrenen Bahnen der Finanzierung jüdischer Arbeit. Wenigstens überlegen und überprüfen sollte man diesen Vorschlag, der hier nicht mit Einzelheiten unterbreitet wird, was auch nicht unsere Aufgabe ist, aber angeregt wird... zum Wohle aller, vor allen Dingen für die Finanzierung von Aufgaben, die über die Kapazität einer einzelnen Organisation hinausgeht. LUACH — (KALENDER) Freitag, den 30. Dezember Sonnabend, den 31 Dezember 17 Tevet 18. Tevet Schabbat SHEMOT (Ex. 1:1) Haftara: Isaías 27. 6—13, 28, 1—13 und 29. 22—23 Sonntag, den 1. Januar 19 Tevet Montag, den 2. Januar 20 Tevet Dienstag, den 3. Januar 21. Tevet Mittwoch, den 4. Januar 22. Tevet Donnerstag, den 5. Januar 23. Tevet Freitag, den 6. Januar 24 Tevet Sonnabend, den 7. Januar 25. Tevet Schabbat Vaera (Ex. 6—2) Haftara: Ezequiel 28:25 — 29:21 Sonntag, den 8. Januar 26 Tevet Montag, den 9. Januar 27 .Tevet Dienstag, den 10. Januar 28 Tevet Mittwoch, den 11. Januar 29 Tevet Donnerstag, den 12. Januar 1. Shevat Freitag den 13. Januar 2 Shevat Sonnabend, den 14 Januar 3. Shevat Schabbat BO (Ex. 10,1) Haftara: Jeremía, 46: 13—28 Sonntag, den 15. Januar 4. Shevat Montag, don 16. Januar 5. Sh -vat Dienstag, den 17. Januar 6. Shevat Mittwoch, den 13. Januar 7. Shevat Donne.-stag, den 19. Januar 8. Shevat Freitag, den 20. Januar 9. Shevat ..mimimmmmmiuiiiiiiiiimmir- IAS Di tF .rili!im!iill!läMUiil!ll Neuerscheinungen des Verlages 3LAMENU“ in TEL AVIV. POB 3002. ISRAEL Dr- E J- GOERLICH (Wien): RUTH. — Geschichte eines jüdischen Mädchens. Ein Wiener Roman aus der Nazizeit. — Kart. $ 5.—. Prof. Dr HARRY ZOHN (Waltham): Wiener Juden in der deutschen Literatur. Reich illustriert, Halbleinen $ 3.50. ZEITSCHRIFT FUER DIE GESCHICHTE DER JUDEN Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. Abonnement nur ganzjährig $ 8.50. DEMNAECHST ERSCHEINT: HUGO GOLD: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN. Das Standardwerk der jüdischen Geschichte Wiens. Hunderte Illustrationen. Ermässigter Subskriptionspreis vor Erscheinen $ 20.—, nach Erscheinen $ 35.— IN VORBEREITUNG: „HISTORY OF THE JEWS IN AUSTRIA". Ein Jahrbuch ln deutscher und englischer Sprache. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. GEDENKBUCH DER UNTERGEGANGENEN JUDEN- GEMEINDEN DER TSCHECHOSLOWAKEI. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. Et. scheint in zwei Bänden. L Band Böhmen, Mähren und Schlesien. — II. Band Slowakei und Karpatorus. Alle diese Publikationen erscheinen lm Rahmen des im Entstehen begriffenen CHAJES-INSTITUTS