Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2200 (30.12.1966)
- Date
- 1966-12-30
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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.Vmmm, 30 de Diciembre de 196* LA SEMANA ISRAELITA Año XXVIL — Pf* SM — I Juden in der Schweiz LA SEM AMA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRRtDON 2190, 1* Izq. - T.E. 83-2613 17. Tevet 5727 3». Dezember 1966 Israel und die UN Im Surbtal im schweizer Kanton Aargau gibt es zwei Dörfer, Lengnau und Oberendigen, in denen nicht Kirchen, sondern Synagogen Öen Mittelpunkt bilden. Lengnau und Oberendingen, im Volksmund die Judendörfer genannt, waren bis vor hundert Jahren die Zentren des schweizer Judentums. Hier in der früheren Grafschaft Baden hatten seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts Juden aus anderen Teilen der Schweiz, aus dem Elsas.- und der Pfalz auf der Flucht vor dem Wüten des Dreissigjährigen Krieges eine neue Heimat gefunden. Auch hier waren sie, wie zuvor in den Städten, die sie verlassen hatten mehr geduldv als geschätzt. Sie lebten. da ihnen Grundbesitz u 1 die Ausübung eines Handwerks verboten waren, vorwiegend vom Hausier-, Markt- und Viehhandel, von Geldgeschäften und von der Vermittling von Immobiliengeschäften. Ihr Aufenthaltsrecht und jede andere Bewilligung mussten sie sich jeweils durch hohe Abgaben an die regierenden Stände der Eidgenossenschaft erkaufen. Heute gibt es in den Judendorfem, von den Bewohnern eines Altersheims in Lengnau abgesehen, kaum noch Juden. Ihre Abwanderung begann, als — relativ JUNCAL Sociedad Cooperativa de Crédito Ltda. Die Sparkasse des zentraleuropaeischen Sektors -A- > Montag bis Freitag von 12 bis 15 Uhr A R A 0 Z 2854 T. E. 71.9059 BUENOS AIRES spät im Vergleich mit anderen europäischen Ländern — auch in der Schweiz die Zeit reif geworden war für die Emanzipation der Juden. Vor kurzem naben die schweizer Juden den hundertsten Jahrestag jener Volksabstimmung begangen, in der mit 170.000 gegen 149.000 Stimmen eine Revision der Bundesverfassung angenommen worden war, die den Juden die Rechtsgleichheit mit der übrigen Bevölkerung und das bis dahin nur für die Angehörigen christlicher Bekenntnisse geltende Recht auf Niederlassungsfreiheit in der ganzen Schweitz zugestanden hatte. Vor allem liberale Politiker hatten sich dafür eingesetzt und in einzelnen Kantonen mit ihren Bemühungen schon früher Erfolg g habt. Der letzte Anstoss für eine gesamtschweizerische Regelung wurde von den T~egierungen Frankreichs, Englands, Hollands und den Vereinigten Staaten gegeben, die den Abschluss von Handels- und Niederlassungsverträgen mit der Schweiz von einer ichtdiskriminierung ihrer jüdischen Staatsangehörigen abhängig machten Was man ausländischen Juden zugestand, konnte man den schweizer Juden schlecht verwehren. Die Kulturfreiheit ist ihnen allerdings erst mit der Totalrevision der Bundesverfassung von 1874 eingeräumt worden. Jedoch sind die 26 jüdischen Gemeinden, die es heute in der .Schweiz gibt, nicht als öffentlich rechtliche Körperschaften, sondern nur als Vereine des privaten Rechts anerkannt, wie das in verschiedenen Kantonen auch für Gemeinden der katholischen oder reformierten Minderheiten gilt. Als Schönheitsfehler wird es weiter von den Juden wie auch von zahlreichen Politikern und Juristen empfunden, dass 1893 auf eine mit Tierschutzmotiven verbrämte Volksinitiative hin in die Verfassung ein Artikel aufgerommen wurde, der das Schächten, das rituelle Schlachten von Tieren, verbietet, und dass es bis heute nicht gelungen ist, diese ziemlich eindeutige antisemitische Vorschrift — es gibt sie ausserdem nur in Costa Rica — wieder zu beseitigen. Dass es auch in der Schweiz einen latenten Antisemitismus gab und gibt, dass der Buchstabe von Gesetz und Verfassung und der Geist, indem davon Gebrauch gemacht wird, zweierlei sein können, haben auch die schweizer Juden im Laufe der letzten hundert Jahre erfahren müssen. Schon der Dichter Cottfriec Keller, damals züncher Staatsschreiber, sah sich 1862 nach dem Erlass des "ürcher Emanzipationsgesetzes veranlasst, zum eidgenössischen Bettag seine Mitbürger zu mahnen: ,,An Euch wird es sodann sein, das geschriebene Gesetz zu einer fruchtbringenden lebendigen Wahrheit zu machen, indem ihr den Entfremdeten und Verfolgt jn auch im gesellschaftlichen Verkehr freundlich entgegengeht und ihrem guten Willen, o sie solchen bezeigen, behilflich seid, ein neues bürgerliches Leben zu beginnen.“ ’ Mit ziemlicher Bitterkeit hat der Präsident des Israelitischen Gemeindebundes, Dr. Brunschvig, bei der Gedenkleier zum hundertsten Jahr tag der Emanzipation daran erinnert dass es zur Zeit der faschistischen Herrschaft in Deutschland und Italien auch in der Schweiz starke antisemitische Strömungen gegeben habe, dass eir. damals erlassenes Gesetz gegen die Aufreizung zum Rassenhass nie angewendet worden sei und dass es im schweizer Strafgesetz noch immer keinen wirksamen Rechtsschutz gegen Antisemitismus und gegen die sogenannte kollektive Ehrverletzung gebe. Vor allem erinnerte Brunschvig an die dunklen Kriegsjahre, in denen die berner Amtsstellen mit ihrer Aaylrechtspolitik, mit der These vom „überfüllten Rettungsboot“ und aus Ueberfremdungsfurcht durch die Abweisung zahlreicher Flüchtlinge an der Grenze — rassisch Verfolgte wurden nicht als politische Flüchtlinge anerkannt — der Schweiz eine Mitverantwortung am Untergang zahlreicher Juden aufgebürdet hätten. Andererseits konnte aber auch darauf verwiesen werden, dass es damals in weiten Kreisen der schweizer Bevölkerung zu einem Aufstand des Gewissens kam, der eine Aenderung dieser harten amtlichen Politik erzwang. Heute „ben in der Schweiz etwa zwanzigtausend Juden, knapp vier Promille der Gesamtbevölkerung. Diese Zahl ist seit 1910 ungefähr konstant geblieben, was weniger einem natürlichen Geburtenzugang als Wandergewinnen durch das Sesshaftwerden von Emigranten zu verdanken ist. Gleiches Recht gefordert Santiago de Chile. — Der Verband chilenischer Schriftsteller forderte in einer Resolution die sowjetische Regierung auf, den Juden Russlands den gleichen Status wie allen anderen Bürgern einzuräumen und ihnen den vollen Genuss der Menschenrechte zu gewähren. Dieser Beschluss wurde der russischen Regierung und der Vereinigung sowjetischer Schriftsteller übermittelt, nachdem die Entschliessung einstimmig angenommen worden war. Der Beschlussfassung ging der Rücktritt des bisherigen Sekretärs dieser Vereinigung voraus, der sich als aktiver Kommunist weigerte seine Unterschrift unter dieses Dokument zu setzen. Dagegen haben zwei andere kommunistische Mitglieder des chilenischen Schriftstel lerverbandes ihre Stimme zugunsten dieses Beschlusses abgegeben. Israelisches Angebot Jerusalem. — Bel der Ueberbringung der israelischen Begrüssung des Präsidenten des neuen afrikanischen Staates Botswana kündigte Israels Botschafter in Kenia, Zew Levin, an, dass seine Regierung beschlossen habe, der neuen Nation die unentgeltlichen Dienste eines israelischen Arztes für die Dauer eines Jahres zur Verfügung zu stellen. (HZ) Kein Tag ohne Provokationen Der Landesverband Baden- Württemberg der „HIAG“, der Organisation der ehemaligen SS-Leute, hat anlässlich des Volkstrauertages auf dem Friedhof von Ludwigsburg, auf dem Sepp Dietrich, der ehemalige Kommandant der SS-Leihstandarte „Adolf Hitler“, von deutschen und nichtdeutschen Gerichten wegen Mordes verurteilt begraben liegt, einen Kranz mit der Inschrift: „Unserem nochverehrten Generaloberst“ niedergelegt. Auf der Kranzzschleife stand der Wahlspruch der Himmlerschen SS „Unsere Ehre heisst Treue“. (KKB) UN. — Der ständige Delegierte Israels vor den UN Botschafter Michael Comay, nahm in einer Pressekonferenz zu dem Ergebnis der soeben abgeschlossenen 21. Generalversammlung dei Vereinten Nationen Stellung. Botschafter Comay wies darauf hin, dass sich die Generalversammlung wiederholte Male mit Problemen beschäftigt hat, die Israel unmittelbar betreffen. Man müsse zu einer positiven Bewertung des Ergebnisses dieser Generalversammlung gelangen, obwohl die UN nicht imstande war, das Problem der soge- Juden aus Boehmen Paris. — Eine Delegation der organisierten Judenheit aus der Tschechoslowakei besuchte Dr. Nachum Goldmann, den Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, und lud ihn ein, die Juden in Böhmen und Mähren zu besuchen. Die beiden Führer der Delegation warenjFrantisek|Fucha und Benjamin Eichler. Sie kamen mit ihren Begleitern nach Paris, als dort eine Tagung des JWK stattfand, dem die Juden der Tschecho Slowakei nicht formell angehören Ihre Gespräche mit Dr. Goldmann wurden privat geführt. (ITA>- Eine Ehrung London, — Das Moskauer Stadtparlament hat beschlossen, einer Strasse den Namen Leizer Papernik zu geben, den Namen eines Juden, der bei der Verteidigung Moskaus während des Krieges gefallen ist. Auch auf den Namen anderer Helden dieses Kampfes um Moskau wurden verschiedene Strassen anlässlich des 25. Jahrestages der Aufhebung des Ausnahmezustandes über Moskau benannt (ITA' nannten arabischen Flüchtlinge zu lösen. Auch bei ihren Bemühungen um einen Frieden im Mittleren Osten habe die Generalversammlung der UN keinen Erfolg gehabt. Israel sei dagegen mit cter Wiederwahl des Generalsekretärs der UN, Dr. U Thant zufrieden, zu dem es grosses Vertrauen hat. Auch durch die Opposition, die von den USA und England gegen die Unterstützung solcher arabischer Flüchtlinge gemacht worden ist, die in der sogenannten „Bafreiungsarmee für Palästina“ kämpten, ist Israel zufriedengestellt. Diese Armee sei ein offener Aufruhr gegen den Frieden und ist nur geschaffen worden, um einen neuen Krieg gegen Israel zu beginnen. Schliesslich äusserte Comay auch seine Genugtuung über die Annahme weitere» Konventionen für die Mei .sch enrechte, durch welche die freie Entfaltung kultureller, religiöser, sprachlicher und sozialer Betätigungen aller Völker gesichert wurden. — MOEBELHAUS WATERMANN Das Haas der 3 Geschäfte mit der grössten Auswahl SARMIENTO IM7 TES. 7633 CABILDO 2614 ~~PAMPA 4979 Zahlungserleichterungen fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zuvorkommende fachmännische Bedienung ALFREDO STERN ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE MALERARBEITEN NEUE ADRESSE- Vidal 1575 fast Ecke Pino Tel.: 76-9088 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. 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