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Jüdische Wochenschau · 1966-12-23 · 2199 (23.12.1966) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2199 (23.12.1966)
Date
1966-12-23
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Año XXVII-N* 2198 — 2 Viernes, 23 de Diciembre de 1#8Í LA SEMANA ISRAELITA RIFKE DIE BETTLERIN IA SEMANA ISRAELITA semanario INDEPENDIENTE von JOSEF FRAENKEL „Schenkt mir a Neduwe!“, klang es durch die Strassen von Sindrik. Sie hatte eine sanfte Stimme, und der Satz fieberte mit Melodie. Ein jeder wusste, dass Rifke da ist. Sie war jung, hatte schwarze Augen, schwarze Haare und ein bleiches Gesicht. Sie trug ein langes Kleid und drei Blusen, eine über die andere unten zugenäht, wie eine Massatasche, mit drei Fächern. Eines für fleischige Speisen, eines für Parewe und das dritte für milchige Speisen. Rifkes Eltern stammten ■aus Linsk und lebten von Almosen. Sie kamen nach Sindrik und blieben hier. Ihr Vater verliess jeden Sonntag Sindrik, wanderte von Dort zu Dorf, und kehrte dann Freitag zurück. Beide starben in einer Woche. Sie in Sindrik und er unterwegs nach Sindrik. Rifkle blieb allein. Ursprünglich ging sie von Strasse zu Strasse und rief: „Schenkt mir a Neduwe!“. Leute blieben erstaunt stehen, Frauen seufzten, und Kinder liefen ihr nach. Aber Rifke liebte ihren neuen Beruf, den sie von den Eltern ererbt hatte. Nach einigen Tagen kamen die Gemeindevorsteher zusammen, um zu beraten, was mit Rifke geschehen soll. Man kann doch nicht zulassen, dass ein ar¬ 1UNCAL Sociedad Cooperativa de Crédito Ltda. Die Sparkasse des zentraleuropaeischen Sektors Montag bis Freitag von 12 bis 15 Uhr A R A 0 Z 2854 T. E. 71-9059 BUENOS AIRES mes Waisenmädchen Not leiden soll. Man wollte ihr eine wöchentliche Summe geben, ihr Arbeit verschaffen, aber Rifke lehnte ab. Um Sindric nicht zu verschämen, musste sie versprechen, nie öffentlich, auf der Strasse, zu betteln. sie besuchte von nute ab die „besseren“ Häuser und erhielt einige Kreuzer abgetragene Kleider oder Nahrungsmittel. Rifke wohnte in einer verfallenen Hütte. Wenn sie nach Hause kam, so legte sie ihren „Verdienst“ auf einen Tisch aus. Sie holte aus den Blusentaschen die Speisesachen hervor — hier fleischig, dort milchig und da Parewe. Dann zählte sie die Kupfermünzen und versteckte sie in einer Kiste Wenn sie Kleidungsstücke erhalten hatte, so setzte sie sich gleich hin, um diese zu waschen oder zu reinigen. Sie hatte einen Kleiderschrank und bewahrte alles in Ordnung. Hemd zu Hemd, Bluse zu Bluse. Wenn es dann halbdunkel wurde, warf sie ihre Lumpen ab, wusch ihren Körper, zog bessere Kleider an, kämmte ihre Haare und betrachtete ihre Schönheit Schliesslich holte sie wieder die Kiste hervor: Münzen zählen war ihr Vergnügen. Jahre zogen vorbei. Sindrik war schon an Rifke die Bettlerin gewohnt. Man hatte längst verzichtet, sie zu überreden, ihren „Beruf“ aufzugeben. Aber an Samstagen war sie immer bei einer Familie eingeladen. Sie kam nett angezogen, gewascher — sie war eine andere Rifke. Da saas sie. schlank wie eine Palme, mit blitzernden Augen, zwei langen Zöpfen und glitzernden Zähnen Man hätte glauben können, dass sie ein Mitglied der Familie wäre. Sie hatte rote Lippen und sang mit den anderen semirot. Ihre warme Stimme vibrierte mit Leidenschaft, und so mancher Jüngling warf ihr verstohlene Liebeablicke zu. Aber wer wird sie denn heiraten? Am nächsten Tage war sie wieder Rifke die Bettlerin. Eines Tages gab es eine grosse Sensation in Sindrik Die Gemeinde war in erregter Stimmung, in der Synagoge, am Marktplatz, von Haus zu Haus — überall hörte man dieselbe Frage und dieselbe Antwort. Haben sie schon gehört? Rifke ist eine Millionärin geworden. In Amerika starb ein Verwandter, und Rifke war die einzige Erbin. Er hatte eine Million hinterlassen. Nicht Kronen, sondern Dollar Man eilte zur Hütte, aber Rifke war nicht mehr da. Rifke hatte Sindrik verlassen. Rifke liess sich in der Hauptstadt nieder, kaufte ein Haus, Schmuck, bestellte kostbare Kleider, besuchte Konzerte, ging ins Theater und verkehrte bald in der besten Gesellschaft Zu ihren Abenden kamen Dichter, Diplomaten und Artisten, sie nahm teil an Unterhaltungen über Kunst, und Literatur, und alle bewunderten ihre Schönheit und ihre Kenntnisse. Rifke wollte die Vergangenheit vergessen, aber sie konnte es nicht. Nach aussen war sie eine Millionärin, aber innerlich blieb sie eine Bettlerin. Sie verstand nicht den Wert von Banknoten, dafür aber schätzte und sammelte sie weiter kleine Münzen. Sie fühlte sich unglücklich und sehnte sich nach den alten Zeiten. Wie ein Kranker nach Rauschgift und ein Gewohnheitstrinker nach der Flasche, so zog es sie naen Almosen und geschenkten Kupfermünzen. Jeden Dienstag schickte sie das Dienstpersonal weg und blieb allein. Rifke war in feierlicher Stimmung, sie zog die schönsten Kleider, mit Juwelen geschmückt an Dann legte sie etwas in jede Keine Belaestigung der Juden New York. — Zum ersten Mal in den Annalen der nordamerikanischen Justiz wurde verboten, die Juden an ihren Feiertagen und bei Ausübung ihrer religiösen Gebräuche zu belästigen, wie ein Anwalt des Verbandes jüdischer Kriegsveteranen enthüllte. Anlass zu dieser Verfügung bildeten die von George Lincoln Rockwell und seinen Nazis in Chciago ausgesprochenen Drohungen, in den hauptsächlich von Juden bewohnten Stadtvierteln an den Hohen Feiertagen Umzüge zu veranstalten. Die Kriegsveteranen erstatteter hierauf Anzeige, und der Bezirksrichter J. S. Ferry, erliess ein ständig geltendes Verbot gegen Rockwell und seine Anhänger. In der Begründung dieses Erlasses heisst es, dass die Nazis nicht die Ruhe stören wollen, jm Rechte für sich zu erlangen, sondern um die Rechte anderer zunichte zu machen, die ihnen als Individuen und aufgrund der Verfassung verbürgt sind. (ITA) Die Favoriten sommerlicher Fertigkleidung finden Sie bei CARLTON ANZUEGE SACCOS HOSEN und wenn Sie Masskleidung wünschen erst recht zu CARLTON Carlton ERNST KOPPEL Mcnpu 982 — TS. 81-7848 ALFREDO STERN MALERARBEITEN NEUE ADRESSE: Vidal 1575 fast Ecke Pino Tel.: 76-9088 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für iedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG WUNSCH ZAHLUN8SERLEICHTERUNGEN Maschlnenfepplche in allen Farben und Grössen. Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN* TAG VON 8—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM (ALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.: 52-2993 4 Quader von Station Urqulza Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, 1» izq. - T.E. 83-2613 23. Dezember 1966 10. Tevet 5727 Israelis über die Deutschen Ecke, auf Tische und Sessel, hin: Brot, Butter. Käse, Schuh*, Hemden, ein Stückchen Huhn und Münzen Jede Ecke, jeder Platz und Schrank symbolisierte eine bestimmte Familie aus Sindrik — hier für Reb Jankel für Reb Arie, für Reb Duwidl, dort für Reb Mendel, Reb ’ Uscher — für alle, die ihr einst Almosen gaben. Rifke beschmierte dann ihr Gesicht, ihren Körper zerraufte ihre Haare und holte die alten Lumpenkleider hervor. Da stand sie mit dem langen Kleid und drei Blusen. „Schenkt mir a Neduwe!“, erschaltte es im Haus. Ihre Augen leuchteten, und ihre Hände zitterten vor Erregung. Sie sprach jede Ecke, jeden Sessel und jeden Tisch an. „Reb Jankel, ich bin ein armes Waisenmädchen“, — sie streckte ihre Hand aus, und mit der anderen übernahm sie die Ga-* ben. „Reb Arie, erbarme dich meiner“, — und Tränen strömte aus ihren Augen. Wie gut die Leute sind, und sie dankte allen. Ihre Taschen waren vollgestopft, und mühsam schleppte sie sie vom ersten zum zweiten Stock Sie holte die Kiste hervor. Mit Liebe streichelte sie jede Münze. Als sie fertig war, lachte und tanzte sie. sie sang sogar ein lustiges Lied. Rifke starb an einem Mittwoch. Man fand sie, in Lumpen eingehüllt, neben der Kiste. In ihrer Hand hielt sie eine Münze, und ein zufriedenes Lächeln umrahmte ihr Gesicht. Aber die Leute aus Sindrik wurden traurig, seufzten und sagten: Eine Bettlerin bleibt eine Bettlerin, auch wenn sie eine Millionärin ist. Nur 2000 Juden in Kuba Miami. — Vor Beginn des Castro-Regimes lebten in Kuba 13.000 Juden. Zurückgeblieben sind 2.000. Sie leben m Armut und bemühen sich nach den USA oder nach Israel auszuwandern. Die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten geht über Mexiko. Viele Juden aus Kuba haben sich im Staat Florida niedergelassen. Tel Aviv. — Ascher Ben Nathan, Israels erster Botschafter in Westdeutschland erklärte hier, er habe „Grund zu glauben, dass die deutsche Regierung den gemeinsamen Problemen beider Nationen Verständnis entgegenbringen wird“ Der Botschafter kam zu einem kurzen Aufenthalt nach Israel, um mit hohen Beamten Meinungen über die neue deutsche Regierung auszutauschen, an deren Spitze Kurt Georg Kiesinger steht, der inzwischen sein Amt als Bundeskanzler angetreten hat. Shimon Peres, Sekretär der RAFI, äusserte: „Wir werden Kiesinger und seine Regierung nach ihren Taten und nicht nach ihrer Vergangenheit beurteilen.“ Er fügte hinzu, dass in einigen Fällen die Unterlagen über die Vergangenheit gewisser Deutscher zweifelhaften Ursprungs seien. Peres mahnte auch, den 92 Prozent der Deutschen, welche bei den kürzlichen Wahlen in Hessen und Bayern nicht für die NDP gestimmt haben, grössere Aufmerksamkeit zu schenken und diese Deutschen vor den Neonazis zu warnen. GOLDMANN: KEIN GRUND ZU PANIK Paris. — In einer Sitzung des Jüdischen Weltkongresses erklärte Dr. Nachum Goldmann, Präsident des JWK am Ende einer Diskussion über die politischen Ereignisse in Westdeutschland, dass „im Augenblick kein Grund zu Panik vorhanden ist, da wir nur Symptome beobachten“. Andere Redner gaben ihrem „Erschrecken“ über die Vorgänge in Deutschland Ausdruck, und einige warnten speziell vor dem Wiederaufleben nazistischer Tendenzen. Auch gelangten ähnliche Vorfälle in Oesterreich zur Sprache. Die Sitzung der Exekutive wurde vom Präsidenten der europäischen Sektion, Lord Sieff aus England, eröffnet. Dr. Goldmann erstattete einen Bericht über die Lage der Juden in der Welt und ln Israel. Delegierte aus Frankreich, Italien, Belgien, der Schweiz, Irland, Schweden, Ungarn, Jugoslawien, sowie aus Westdeutschland und Westberlin nahmen an den Beratungen teil. (ITA) Eban in Paris Paris. — Der israelische Aussenminister Abba Eban hatte nach seinen Besprechungen in Washington eine Zusammenkunft mit dem französischen Aussenminister Couve de Mourville. Eban erklärte, er habe dem französischen Minister die gleichen Probleme auseinandersetzen müssen, die er bereits in Washington erörtert habe. Die Reaktion Israels gegen Transjordanien sei notwendig geworden, nachdem sich die Tätigkeit der Guerilla-Krieger auf israelischem Boden verstärkt habe. (ITA) MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäfte mit der grössten Auswahl SARMIENTO 1147 TE35 . 7033 CABILD0 2614 PAMPA 4979 Zahlungserleichterungen fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zuvorkommende fachmännische Bedienung ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL WMOMOMM—>M—O—MOOOOMWMOHOOMMMMMMMOO Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN BUER0STUNDEN IN DEN SOMMERMONATEN vom 26. 12.. 66 — 3. 3 67 NUR Dienstag und Mittwoch von 15 — 18 Uhr (ICH BITTE. 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