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Jüdische Wochenschau · 1966-12-02 · 2196 (2.12.1966) · p. [Seite 4]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2196 (2.12.1966)
Date
1966-12-02
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German, Spanish
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4c Dk-iembrt il* 1966 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXVm. — N? 2196 icht mehr zu übersehen Gebranntes Kind scheut tfas Feuer, sagt ein altes Sprich wort. Es ist nicht verwunderlich, dass die Juden iür jede antisemitische Aeu- Kserung oder Regung besonders empfindlich sind. Nicht iiur die jüngste Vergangenheit, sondern eine lange Geschichte der Verleumdungen, Entwürdigungen, Verfolgungen haben die Juden hellhörig und skeptisch für alle gesellschaftlichen und politischen Erscheinungen gemacht. bei denen möglicherweise antijüdische Vorurteile oder Gegnerschaften eine Rolle spielen können. Es wird immer ein Fehler sein, an der Wirklichkeit vorbeisehen zu wollen. Es ist auch nicht richtig, Motive zu unterstellen, die nicht als Beweggrund für das Handeln bestimmter politischer Gruppen oder Parteien anzuerkennen sind. Die richtige Analyse vorzunehmen und eine zutreffende Prognose zu stellen, das muss stets die Bemühung des nach Objektivität strebenden Zeitbeobachters sein von JAKOB KATZ-ROGASEN Friedhofschändungen, Hakenkreuzschmierereien und gelegentliche Beschimpfungen in der Bundesrepublik stimmen seit Jahren bedenklich. Das offizielle Deutschland bestreitet, dass hier antisemitische Kundgebungen vorliegen, die ernst genommen werden müssten. Aber dass es sich hierbei um unerfreuliche Symptome übrig gebliebener Hassgefühle handelt. ist schwer zu leugnen. Denn bisher gab es keine Antwort auf die Frage, warum sich die spielenden Kinder, die Grabsteine Umwerfen, gerade jüdische Friedhöfe zum Tummelplatz ihrer Ungezogenheiten aussuehen. Die National- und Soldatenzeitung ist neben anderen negativen Publikationen bereits ein starkes Stück an tisemitiseher Propaganda und sie bleibt es auch dann, wenn sie degenerierte Juden oder jüdische Abtrünnige zu Wort kommen lässt um damit ihr Gesicht zu ..wahren“ Bleiben wir beim. Beispiel der Soldaten-Zeitung. Der Berliner Schriftsteller Arie Goral hatte bei der Münchner Staatsanwaltschaft Beschwerde dagegen eingereicht, dass seine gegen den Herausgeber und Chefredakteur der ..Deutschen National- und Soldatenzeitung“ erstattete Strafanzeige zurückgewiesen und kein Ermittlungsverfahren gegen den Herausgeber eingeleitet worden sei. Nach Ansicht Gorals habe die Zeitung mit ihren Artikeln ..Gaskammer Schwindel“ und „Die Lüge von sechs Millionen ermordeten Juden“ das Andenken Verstorbener verunglimpft und die Verbrechen des NS- Regimes böswillig verharmlost. Die Staatsanwaltschaft München war der Meinung, es habe nicht festgestelU werden können, ..dass beabsichtigt war, die Menschenwürde anderer durch Aufstachelung zum Huss gegen Teile der Bevölkerung oder durch Aufforderung oder Verleumdung anzugreifen oder das Andenken zu verunglimpfen“ ... Die Auflage dieser Zeitung mit ihren „attraktiven“ Schlagzeilen wie „Gaskammerschwindel“ und dergleichen wächst. Auch die Zahl j der rechtsradikalen Wähler | nimmt zu, wie die hessischen > Landtagswahlen deutlich gemacht haben. Sind das be- ( deutungslose Symptome, über j die man sich einfach hinwegsetzen kann? | Gab es nicht schon einmal Staatsanwaltschaften und | Gerichte, die schnell bereit , •waren, derartige Interpreta- \ tionen zu finden, um die | rechtsradikalen Verbrechen | und Gesetzesverstösse auf; diesem billigen Wege zu schützen. Nur dass diese Methode nicht so billig war. wie dies anfangs den Eindruck machte. Hierfür haben nicht nur jene sechs Millionen Juden mit ihrem Leben be¬ LUACH — (KALENDER) Freitag, den 2. Dezember 19 Kislew Sonnabend, den 3. Dezember 20. Kislew Schabbat WAJBSCHEW — Haftara AMOS 2 Sonntag, den 4. Dezember 21 Kislew Montag den 5. Dezember 22. Kislew Dienstag, den 6. Dezember 23. Kislew Mittwoch den 7. Dezembdr 24. Kislew Erew Chanukka Donnerstag, den 8. Dezember 25 Kislew 1. Tag Chanukka Freitag, den 9. Dezember 26. Kislew 2 Tag Chanukka Sonnabend, den 10. Dezember 27. Kislew Schabbat MIKETS (Gen. 41. 1 u. Num. 7, 24) Haftara: Zacharias Rösch Chodesch-Benschen Sonntag den 11. Dezember 28. Kislew 4. Tag Chanukka Montag, den 12. Dezember 29. Kislew 5. Tag Chanukka Dienstag, den 13. Dezember 30 Kislew 6. Tag Chanukka Mittwoch, den 14. Dezember 1. Tevet 7. Tag Chanukka zahlt, von denen die Soldatenzeitung behauptet es wären „nur“ eine und eine halbe Million gewesen. Nein, dafür zahlte Deutschland mit seinen Trümmerhaufen, dafür zahlte ganz Europa, dafür zahlten alle Nationen mit ihren Toten und Verstümmelten. die ausziehen mussten, um die braune Pest zu tilgen. Die Verantwortung hierfür fällt in erster Linie auf jene zurück, die durch ihre Justiz das Anwachsen der braunen Flut begünstigt haben. Antisemitismus gäbe es in der Bundesrepublik nicht, sagen die offiziellen Stellen. Aber antisemitische Vorfälle sind nicht zu leugnen Weiterer Beweis hierfür ist eine Zeitungsmeldung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), die vor wenigen Wochen erschienen ist und lautet (gekürzt): „Der Oberkreisrichter und Kreispolizeichef in Beckum (Westfalen) hat den 2fi Jahre alten Polizeihauptwachtmeister Wilfried Schindler aus Ahlen (Kreis Beckum1 mit sofortiger Wirkung des Dienstes enthoben. Wie der Regierungspräsident in Münster mitteilte, ist Schindler, der noch im Probedienst steht, „auf Grund hinreichender polizeilicher Ermittlungen dringend verdächtig“, in der Nacht zum 13. September den jüdischen Pferdehändler Siegmund Spiegel aus Ahlen in mindestens einem anonymen Telefonanruf beschimpft und bedroht zu haben. Am vergangenen Freitag war der Pferdehändler um die Mittagszeit innerhalb einer halben Stunde mehrmals telefonisch bedroht worden. Der anonyme Anrufer sagte zu ihm: „Wartet nur, ihr Judenpack, ihr werdet alle aufgehängt", Spiegel meldete diese Anrufe der Polizei und bat um Schutz Der Chef der Polizeistation Ahlen schaltete das für politische Delikte zuständige Kommissariat 14 der Kriminalpolizei in Münster als Untersuchungsbehörde ein. Der Polizeidirektor in Münster beauftragte die Bundespost, ein Fanggerät an den Apparat Spiegels anzuschliessen. Diese Vorrichtung wurde am vergangenen Montag angeschlossen. In der Nacht zum Dienstag meldete sich wieder ein anonymer Anrufer bei Spiege'. „In zehn Minuten bist du reif, du Jude'“ — mit diesen Worten wurde der Pferdehändler bedroht. Bei der Bundespost fiel in diesem Augenblick ein Kläppch.en der Fangvorrichtung mit der Nummer 5007. Die Post ermittelte, dass es sich um einen der beiden Anschlüsse der Ahlener Polizei handelte. Die weiteren Ermittlungen des 14. Kommissariats Münster ergaben, dass zu diesem Zeitpunkt nur Polizeihauptwachtmeister Schindler -MiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiMiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiimummimiiiimiiiimiiiiiiiimmitUiiiiiiiiiiiiiiiiij: 11 LA Dt in der Station Ahlen anwe send war Nach anfänglichen Ausreden gestand Schindler schliesslich, bei Spiegel angerufen zu haben.“ Der Vorgesetzte des Täters erklärte, der Beamte habe „mindestens eine unglaubliche und nicht zu verantwortende Dummheit“ begangen. Trifft diese Bezeichnung zu? Wurde hier ein schlechter Kriminalroman erzählt’ Handelt es sich nur um ein Symptom? Anonyme Anrufe sind nicht selten und werden nicht nur von diesem Spiegel empfangen, der ebenso wie seine p’rau die Eltern in den Gaskammern verloren hat. Aus einer bayerischen Stadt erfahren wir, dass ein Ehepaar, der Mann „arischer“ Adliger, die Frau jüdischer Abstammung häufig Anrufe erhält bei denen ein Anonymus die Frau mit den unflätigsten Schimpfworten belegt. von denen „Dreckjiidin“ oder „Judensau“ noch die harmlosesten sind... Intoleranz geht mit Hass Hand in Hand. Hierfür ein weiteres Beispiel aus einer anderen deutschen Zeitung (ebenfalls gekürzt wiedergegeben ): „Zu einem beschämenden Uebergriff der Polizei in Westberlin kam es. als Beamte an der Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus in Plötzensee von insgesamt sechzehn dort niedergelegten Kränzen die Schleifen entfernten, Es handelte sich dabei unter anderem um Kränze des Partei Vorstandes der SED-Westberlin, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und der Freier Deutschen Jugend Obwohl diese Organisationen in Westberlin zugelassen und politisch tätig sind, war es nicht das erste Mal, dass sie in ihrer politischen Arbeit administrativen Massnahmen unterworfen wurden. „Es ist erfreulich, dass die Kranzschändung durch Westberliner Polizei nicht ohne kritisches Echo blieb. Es ist besonders erfreulich. dass sich die kirchliche „Aktion 3iihnezeichen‘"j die weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ein Begriff ist, mit einem unmissverständlichen Schreiben an die Spitze der Proteste gegen diesen Willkürakt setzte. In diesem Schreiben heisst es; „Wir sind erstaunt und erschreckt. dass Kranzschleifen von kommunistischen Organisationen in der Ge denkstätte Plötzensee auf Bitten von Besuchern durch die Polizei entfernt wurden. Wir haben in den letzten Jahren häufig Kränze mit Schleifen in Leningrad. The resienstadt, Auschwitz und anderen Gedenkstätten Ost- KDP veröffentlichte ein Manifest Bonn. — Die NDP veröfentiichte ein Manifest von 12 Punkten, aus dem hervorgeht, dass diese extrem na» tionalisti6che Partei u. a. die Forderung erhebt, die Prozesse gegen Kriegsverbrecher und die Zahlung von Entschädigungen an die Opfer der Naziverfolgungen emzustellen. Die NDP, deren Erstarken die öffentliche Weltmeinung beunruhigte, als sie bei den kürzlichen Wahlen in Hessen und Bayern eine erhebliche Anzahl von Sitzen im Landtag erobern konnte, hat vor Ausgabe dieses Manifeste niemals ihr Programm bekannt gegeben. Der Paragraph 9 de besagten Manifeste lautet: „Zwanzig Jahre nach Kriegsende fordern wir die Einstellung der einseitigen Prozesse, welche die Vergangenheit auslöschen sollen, während in anderen Ländern Millionen von Kriegsverbrechen gegen deutsche Männer, Frauen und Kinder straflos bleiben...“ In Punkt 10 „fordert“ die NDP den „Schluss der Lüge von der einzig deutschen Schuld, für die von unserem Volk Milliarden Mark erpresst worden sind.“ (ITA) europas niedergelegt. Diese Kränze und Schleifen einer christlich-westlichen Organisation sind nie angetastet worden. Wenn wir diese Toleranz mit solch grober Intoleranz beantworten wie sie in der Entfernung der Schleifen in Plötzensee zum Ausdruck kommt, dürfen wir uns über verbitterte Gegenmassnahmen nicht wundern. Schliesslich haben kommunistische Widerstandskämpfer mit Christen, Gewerkschaftern und Angehörigen anderer Gruppen oft gemeinsam in den KZ gelitten und gemeinsam für die Wiederherstellung von Menschlichkeit und Frieden Pläne gemacht. Auch in Plötzensee selbst sind Kommunisten umgebracht worden. Sollen diese Opfer jetzt verfemt werden? Unabhängig davon, aber fast zur gleichen Zeit (und die Kranzschändungen auf i seine Weise beleuchtend) erj reichte die Justizminister al- | 1er Bundesländer und den i Westberliner Justizsenator i ein Schreiben des Vorstandes! der Gesellschaft für Christ-; lich-Jüdische Zusammenarbeit in Westberlin, dem folgendes zu entnehmen ist: „Die sich in erschreckendem Masse häufenden Brandstiftungen und Bedrohungen bestimmter Personenkreise aus politischen oder antisemitischen Gründen erfüllen uns mit tiefer Besorgnis.“ Hier sind nur einige Begebenheiten der letzten Zeit angeführt worden, die keineswegs auch nur annähernd den Anspruch auf Vollständigkeit erheben können Handelt es sich also wirklich nur um einzelne Symptome oder vereinzelte „Dummheiten“? Jedenfalls zu übersehen sind die Vorfälle nicht mehr. Freddie Chaoul und Susi Reich de Chaoul Kundgebung New York. — Etwa 7.500 Juden des Stadtteils Brom, zogen durch die Hauptstrasse dieses Viertels, um für die russischen Juden die gleichen Rechte zu fordern, die andere Nationalitäten in Sowjetrussland gemessen. Auf den Stufen des Bezirksgerichts wurde eine Kundgebung abgehalten, bei der verschiedene Redner, u. a. Senator Jacob Javits, das Wort ergriffen. (ITA) geben hocherfreut die Geburt ihrer Tochter MARCELA FABIANA bekannt. z. Zt. Pequeña Compañía de Maria STATT KARTEN Für die anlässlich meines 80. GEBURTSTAGES so zahlreich erwiesenen Aufmerksamkeiten, danken wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten recht herzlich. FANNY PORDES Kinder und Familien Zavalia 2090. DEIN HOBBY DEINE SPARKASSE Israel-Briefmarken Beratung durch: STAMPS CENTEh 94 Allenby Rd, — TEL AVIV — P.O.B. 4444 A i ESTUDIO cioiKies económicas contadores públicos nacionales consultores de’empre»! 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