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Jüdische Wochenschau · 1966-12-02 · 2196 (2.12.1966) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2196 (2.12.1966)
Date
1966-12-02
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Trotz dieser generalisierenden Feststellung sollte man sich die Mühe nehmen, die Situation zu analysieren, in der sich unsere Gemeinschaft befindet. Wir wissen, dass wir nur ein Teil, vielleicht sogar ein kleiner Teil, des grösseren argentinischen und siidamerikanischen Judentums sind. Wir sind uns dessen bewusst, welche Verpflichtungen uns damit aufgelegt sind. Wir beteiligen uns an den allgemeinen Arbeiten und an der Erfüllung der allgemeinen Pflichten die uns Juden als Gesamtheit treffen. Die einen meinen, unser Anteil ist klein, die anderen sind zufriedener. Schliesslich spielt es immer die entscheidende Rolle, ob wir über die genügende Anzahl von Mitarbeitern verfügen — will sagen: geeigneten Mitarbeitern —, die für eine bestimmte Aufgabe bereit stehen, jedenfalls sind wir auf diesem Gebiete weiter gekommen: in der DAIA, der AMIA. dem Jüdischen Weltkongress, der Vereinigten Kampagne dem KKL, der WIZO und in manchen anderen Organisationen wirken Männer und Frauen mit, die am gemeinsamen Werk bauen, das lateinamerikanisches Judentum heisst. Gemeinschaftsarbeit tue not!, das war eine richtige Erkenntnis, die man nun zu realisieren bestrebt ist Bas ist eine Arbeit auf lange Sicht, und eine Aufgabe, die niemals geringer oder leichter werden wird. Im eigenen Sektor Auch in unserem engeren Kreis, im Sektor der aus zentraleuropäischen Ländern gekommenen Juden, hat die Zusammenarbeit im letzten Jahr entscheidende Fortschritte gemacht, die allerdings noch keinesfalls zufrieden stellen können. Als erster Schritt, der beachtenswert ist, hat sich die Auffassung durchgesetzt dass eine Zusammenarbeit auf vielen Gebieten für alle Beteiligten nützlich sein wird. Aus diesem Grunde konnte man mit Genugtuung feststellen, dass das bonaerenser Comité der CENTRA recht beachtliche Fortschritte gemacht und die Gemeinden und Vereine sich näher gebracht hat. Der letzte CENTRA-Kongress in Montevideo hat gezeigt, wie sehr die Idee einer Kooperation, einer echten Zusammenarbeit, auf fruchtbaren Boden gefallen ist Auch der Besuch von Dr Nussbaum war in der Form, wie er abgewickelt wurde — mit allen Vorteilen und Mängeln — überhaupt nur dadurch ermöglicht worden, dass der gute Willen zur gemeinsamen Leistung vorhanden war und sich bewährte Darüber hinaus haben sich einige (etwa acht) Organisationen und Gemeinden unseres Sektors zusammengefunden, um mindestens einmal im Monat eine gemeinsame Kulturveranstaltung durchzuführen. Auch diese Initiative ist begrüssenswert, auch wenn man darüber debattieren kann, ob die Themenwahl immer glücklich war. Aber diskutieren kann man über alles oder vieles, die Hauptsache bleibt immer dass Menschen den Mut zu gemeinsamer Arbeit aufbringen. Eis wäre zweckmässig, wenn diese Veranstaltungen recht bald vorbereitet werden, um im nächsten Arbeitsjahr gut vorbereitet ans Werk zu gehen. Die Sprachenfrage Unser Leben ist an Problemen überreich. Das sprachliche Problem ist in den letzten Jahren schärfer in den Vordergrund getreten. Die überwiegende Mehrheit aller die zu unseren Gemeinden und Organisationen gehören, sprechen oder verstehen zumindestens gut Deutsch Selbst die sogenannte Zweite Generation spricht noch Deutsch, und viele Jungen und Mädel der dritten Generation auch. Das sind Tatsachen, die man interpretieren kann und muss. Eines sollte man zum Ausgangspunkt einer Unterhaltung zur Sprachenfrage nehmen: hier geht es um ein praktisches Problem und um keine prinzipielle Frage. Das jüdische Volk spricht sozusagen alle Sprachen Aus diesem Grunde können wir weder den Diskussionen über die deutsche Sprach^ folgen noch derjenigen über Jiddisch. Jede Sprache, die als ein Mittel der Verständigung zwischen Menschen benutzt wird, ist zu akzeptieren. Wir haben die Schwierigkeit, dass ein Teil der älteren Menschen einer Ausführung in spanischer Sprache nicht folgen kann, und dass es demgegenüber auch viele Jugendliche gibt, die einer Rede in deutscher Sprache zu folgen nicht imstande sind. Das ist letzten Endes ein Zeit-Problem. Noch 20 Jahre, und man wird diese Schwierigkeiten längst vergessen haben. Es gibt nur eine Lösung; Jeder spreche in der, Sprache, in der er sich auszudrücken vermag, und jeder bemühe sich darum, den anderen zu verstehen Das ist die einzige und praktische Lösung, die es gibt. 1. THG Kong ress Zu einem grossen Erfolg wurde der 1. Kongress, den die THG für Mitgleider und Delegierte der befreundeten Organisationen und Gemeinden veranstaltet hat. Vor einer erfreulich grossen Anzahl von Teilnehmern konnte der Kongress in den frühen Morgenstunden des vergangenen Sonntag eröffnet werden Von der Begeisterung der Kongressteilnehmer zeugt die Tatsache, dass alle bis in die späten Nachmittagsstunden bei Referaten. Diskussionen und Resolutionen zusammenblieben. Die Organisation war ausgezeichnet. für welche zwei Vorstandsmitglieder der THG Juden in Italien C*enf. — Das hiesige Büro des JOINT wurde aus Italien benachrichtigt, dass die bei den Synagogen in Florenz ebenso wie das jüdische Altersheim, die jüdische Schule, das Gemeindehaus und die Bibliothek durch die Ueberschwemmungen beschädigt wurden und keine gemeindlichen Dienste funktionieren können. In einem Kabel aus Rom teilte der Verband italienischer jüdischer Gemeinden mit, es sei „unmöglich, aus eigenen Mitteln die Kosten der Schäden zu bestreiten.“ Aus diesem Grunde müsse man an den Joint und die Hilfe der italienischen Judenheit appellieren Wie verlautet haben der Oberrabbiner von Rom, Alio Toaff, und der Gemeindever band an die florentiner Juden Lebensmittel sowie vier Tonnen vom Joint bereitgestellter Sendungen für erste Hilfe geschickt. In Florenz leben etwa tausend Juden. Die jüdische Schule wird von 60 Kindern besucht. (ITA) die Herren Felix Margulies und Manfred Lewin, verantwortlich zeichneten Nach kurzen Worten der Begrüssung ergriff der Ehrengast, Herr Chaim Finkeistein, das Wort, der u.a. ausführte, dass der Zionismus in unserer Zeit von der gleichen, wenn nicht von einer grösseren Bedeutung wie früher ist. Der Staat Israel löst die Probleme der Juden, die dort leben. Für die Probleme der in der Diaspora lebenden Juden sorgt die Zionistische Organisation, die darum kämpft, den Weg in die jüdische Zukunft zu bahnen, wie sie den Weg zum Judenstaat geebnet hat. Mar kann nicht davon sprechen, dass die Z O. ihre Aufgabe erfüllt hat. wenn heute nur 15—18 Prozent aller Juden in Israel leben. Bis nicht mindestens die Hälfte der Juden in Israels Grenzen ihre Hei mat gefunden haben kann man nicht davon sprechen, dass die Z.O. überflüssig geworden sei. Die von einer tiefen Sachkenntnis mit grosser Beredtsamkeit vorgetragenen Ideen dieses hervorragenden jüdischen Denkers und Pädagogen fanden den ungeteilten Beifall der Anwesenden. Ebenso aufmerksam wurden die folgenden Kurzreferate aufgenommen, die zeigten dass die THG Uber eine Reihe von Referenten verfügt, die mit tiefen Kenntnissen der verschiedenen Aufgaben des jüdischen Lebens ihren Gedanken und den Erfordernissen der Stunde Ausdruck zu verleihen verstehen. Curt Wilk, früherer Vizepräsidenr der THG und heute Präsident der Gemeinde Bet Israel, sprach über Zionismus und Gemeinde, Kurt Hamburger, geschäftsführender Präsident der C.U. und führendes Vorstandsmitglied der THG, über den Keren Hajessod, Kurt Zimmerspitz, Präsident des KKL und langjähriges Mitglied der THG über den KKL, Frau Toni Isakowitz ebenso wie Manfred Lewin aus der THG-Jugend hervorgegangen, sprachen über WIZO bzw. die zionistische Jugend- und Kulturarbeit. Die Referate standen ausnahmslos auf einem hohen Niveau und fan den das volle Interesse und den Beifall des Auditoriums. Die Debatte Nach einem im Zeichen echter Freundschaft stehenden gemeinsamen Mittagessen, das durch das Tischgebet abgeschlossen wurde, fand die Generaldebatte statt, an der sich 14 Redner beteiligten. Immer deutlicher trat die Sorge um die Erziehung unserer Jugend in den Vordergrund der Auseinandersetzungen. Beinahe alle Debatte-Redner waren darum bemüht, durch praktische Vorschläge die Arbeit und die Eiziehun« der Jugend stärkei il.s bisher mit echten jüdischen Werten zu erfüllen Auch ei nige politische Gesichtspunkte wie der „Fall Arthur GoHberg“ wurden zur Sprache gebracht. Einige Redner verlangten stärkere Betonung der jüdischen Tradition, wobei u a. die Forderung aufgestellt wurde, dass die THG auch Gottesdienste an anderen als den Hohen Feiertagen veranstalten solle. Bemerkenswert war auch der Vorschlag, der Erziehung unserer jüdischen Jugend durch Schaffung eines jüdischen Sportplatzes Rechnung zu tragen, wie es bereits früher geplant war. Das Ergebnis des Kongresses unter Berücksichtigung dGr Generaldebatte wurde in eindrucksvoller Form vom Vorsitzenden der THG zusammengefasst, sodass die Hoffnung besteht, dass die Ergebnisse des Kongresses später konkreter Resultate zeigen werden. _ V. 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