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Jüdische Wochenschau · 1966-12-02 · 2196 (2.12.1966) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2196 (2.12.1966)
Date
1966-12-02
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Vitmw S de Dtofembre de 1966 iA SEMANA ISRAELITA Año XXVII. — N* 2196 — 3 Der Sieg des Lichtes D«ks Chanukka-Fest hat in den letzten Jahren durch die Rollenfunde vom Toten Meer eine neue Bedeutung angenommen. Erst jetzt wird uns ganz klar, warum der Sieg der Makkabäer über Antiochus ^yiphanes (165 vor der christlichen Zeitrechnung), der innerhalb der jüdischen Geschichte eigen tlich nur eine Episode blieb, denn Juda Makkabi schloss ja noch selbst das verhängnisvolle Bündnis mit den Römern, das schliesslich zum Untergang des Jüdischen Staates führte, in dieser Farm verewigt wurde. Unter den Rollen vom Toten Meer ist es die sogenannte Kriegsrolle, die uns den Schlüssel zu diesem Problem bietet. Sie behandelt den Kampf der Söhne des Lichts gegen die Söhne der Finsternis. Die erste Textausgabe bot schon Professor E. L. Sukenik 1954 in seinem Werk „The Dead Sea Scrolls of the. Hebrew University“ (S. 16—34). Eine kritische Wiederherstellung des Textes, Uebersetzung und Erklärung der Kriegsrolle gab Jigal Jadin in den beiden Ausgaben (hebräisch und englisch) 1957 und 1962 „The Sero 11 of the War of th<* Sons of the Light against the Sons of Darkness“, sodass wir jetzt eine klare Sicht dieser apokalyptischen Dichtung gewonnen haben Der Göttinger Theologe Eduard Lohse hat später die Texte aus Qumran, hebräisch und deutsch, herausgegeben und bemerkt in der Einleitung zur Kriegsrolle: „Der Kampf, der in der letzten Zeit bestanden werden muss, wird weithin mit alttestamentlichen Wendungen geschildert, in denen Motive des heiligen Krieges aufgenommen werden, die in der Makkabäerzeit in den Kreisen der Gesetzesfrommen wieder lebendig geworden waren.“ Die Makkabäer erschienen gewissermassen als Personifikation oder Präfiguration der Söhne des Lichtes, der Heerscharen Gottes, die in einem endzeitlichen Kampfe gegen die Heerscharen Belials, die Söhne der Finsternis, siegreich zu Felde ziehen. Die Gemeinde von Qumran sah sich offenbar selbst in der Nachfolge der Makkabäer. sie lebte in einer strengen Ordnung, um in allen Stücken den göttlichen Geboten gehorsam und im Kampf gegen Belial, d. h. gegen den Satan, gegen jeden von SCHALOM BEN CHORIN feindlichen Ansturm gerüstet zu sein, bemerkt Professor Lohse und fährt fort, den priesterliehen Ursprung der Gemeinde betonend, auszuführen, dass die Priester innerhalb dieses Kampfbundes die führende Stellung einnehmen. Auch hier zeigt sich wiederum die makkabäisehe Sukzession, denn die Makkabäer waren ja Priester aus Modein, die in der Stunde der Not die militärische Führung des Volkes übernahmen. mus, der die Söhne des Lichtes und die Söhne der Finsternis einander gegenüberstellt, ist nun freilich in der Gestalt, wie er in der Lehre der Gemeinde von Qumran ausgebildet worden ist, nicht allein aus der Fortentwicklung alttestamentlicher Motive zu erklären. Hier müssen vielmehr Vorstellungen eingewirkt haben, die aus dem Iran in das Judentum eingedrungen sind. Dort wurde der Gegensatz von Licht und Finsternis gelehrt. Chanukkalampe des 18. Jahrhunderts Der Kriegspriester ist also in der Gestalt der Makkabäer vorgebildet. Diese Gedanken lebten in der Gemeinde von Qumran fort: Die Streitschar Gottes ist in militärische Abteilungen gegliedert, mit Waffen zu Angriff und Verteidigung ausgerüstet und wird in den Krieg gegen die gottlosen Söhne der Finsternis ziehen, dessen gewiss, dass Gott allein am Ende das Feld behalten wird. Die ausführlichen Anweisungen, die für diesen Kampf gegeben werden, beziehen sich auf den geistlichen Streit, der gegen Belial und alle Gottlosen ausgetragen und bestanden werden muss. „Dieser schroffe Dualis¬ ALFREDO STERN MALERARBEITEN NEUE ADRESSE: Vidal 1575 fast Ecke Pino Tel.: 76-9088 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für Jedes gemütliche Heim. 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Oberhalb des Gegensatzes von Gut und Böse, Licht und Finsternis steht Gott, der alles geschaffen hat, der zwei Geister gesetzt hat, damit sie Die Favoriten sommerlicher Fertigkleidung finden Sie bei CARLTON ANZUEGE SACCOS HOSEN und wenn Sie Masskleidung wünschen erst recht zu CARLTON Carlton ERNST KOPPEL Maipu 982 — T.E. 31-7845 bis zu dem von ihm bestimmten Ziel miteinander ringen. Am Ende dieses Kampfes aber wird Gott allein triumphieren und seinen Auserwählten, die sich gegenwärtig noch in Not und Bedrängnis befinden. 0:10sung und Heil zuteil wer den.“ Mit diesen Worten umreisst Eduard Lohse das zentrale Anliegen der Kriegsrolle und der Ordensregel der Gemeinde von Qumran: „Wahrheit und Lüge, Licht und Finsternis treten auseinander In dieser Scheidung aber wird zugleich sichtbar, auf welcher Seite Gott den einzelnen Menschen gestellt und ihm sein Los bestimmt hat. Verantwortung des Menschen und göttliche Fügung sind also ineinander verwoben Wer aber zur Gemeinde des Heils gehört, der bedarf der ständigen ’ Uebung und Bewahrung. Wie die Priester sorgsam auf Wahrung der kultischen Reinheit bedacht sein müssen, so hat jedes Gemeindeglied täglich die vorgeschriebenen Waschungen zu vollziehen. Nur als Reiner darf man mit bussfertigem Herzen der Gemeinschaft angehören“, bemerkte Lose, und wir können ergänzen, dass nur diese Reinen die Streitschar Gottes bilden können. Jetzt verstehen wir unseren liturgischen Text des Chanukka-Festes: „Du gabst Unreine in die Hand von Reinen“ richtig. Hier spricht der Geist von Qumran, der Geist der Kriegsrolle, der Söhne des Lichtes gegen die Söhne der Finsternis In den letzten Jahrzehnten wurde die theologische Diskussion weitgehend vou der Entmythologisierung- Theoiogie Rudolf Bultmanns beherrscht. Der Marburger Theologe ging davon aus, dass der moderne Mensch eine Entmythologisierung der Bibel (insbesondere des Neuen Testaments) vornehmen müsse. Ihm antwortete z. B. der Hamburger Alttestamentler Hans-Joachim Kraus dass die Bibel selbst schon Entmythologisierung betreibe und z. B. die babylonischen und iranischen Mythen mo- LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE B«. Aires - PUEYRREDON 2190. 1» ízq. - T.E. 83-2613 19. Kislew 5727 2. Dezember 1966 notheistiseh umgedeutet habe. Es ist wahrscheinlich, so gesehen, kein Zufall, dass die Qumran-Texte, insbesondere die Kriegsrolle, die doch stark mythologischen Charakter trägt, nicht in den Kanon unserer Heiligen Schriften aufgenommen wur de; ja der Geist von Qumran blieb nicht unwidersprochen In diesem Zusammenhang bemerkt Kurt Schubert (Wien) in seinem Essay: „Die jüdischen Religionsparteien im Zeitalter Jesu“ (Wien 1963) „Auch die in den essenischer- Qumran-Texten belegte Auffassung eines eschatologischen Rachekrieges wurde von den nicht apokalyptisch denkenden Pharisäern zurückgewiesen. Eine Vorstellung wie die des Habakuk- Kommentars von Qumran 5, 4, dass Gott „durch die Hand seiner Auserwählten an allen Heidenvölkem Gericht halten wird“, ist typisch für eine Gruppe, deren Ideologie und Haltung von den Pharisäern abgelehnt wurde. Im Gegensatz dazu lehrten die Pharisäer, dass man die Menschen nicht so einfach in Gute und Böse, Söhne des Lichtes und Söhne der Finsternis ein teilen könne, und dass es auch unter den Nichtisraeliten anständige Men sehen gäbe, die wohl Anteil an der eschatologisehen Heils zeit hätten.“ In diesem pharisäischen Vorbehalt gegenüber der Konzeption der Qumraner ist wohl ein weiterer Grund für die Zurückdrängung des makkabäischen Schrifttums in der jüdischen Tradition zu erkennen. Nicht nur die Kriegsrolle hat keinen kanonischen Rang erlangt sondern auch die Makkabäerbücher wurden nicht in die hebräische Bibel aufgenommen, wofür zwar primär dynastische Gründe ausschlaggebend waren, wohl aber zusätzlich auch die hier aufgezeigte Problematik. Chanukka ist das Fest des Sieges der Söhne des Lichtes über die Söhne der Finster- Protest aus Kanada oronto. — Delegierte zur Jahreskonferenz der Histadrut-Kampagne in Ontario und ihre korrespondierend« Organisation in den USA protestierten vor der österreichischen Regierung gegen den Freispruch des Franz Nowak, der als Adjutann Eichmanns der Ermordung von 400.000 Juden angeklagt war. Die Resolution der Konferenz wurde dem Botschafter Oesterreichs in Ottawa übergeben. In einer anderen Resolution beglückwünschte die Konferenz die kanadische Regierung zu ihrem kürztichen Erlass eines Gesetzes gegen Rassenhass durch das Parlament Kanadas. (ITA) nis. Dieser Sieg stellt ein« endzeitliche Hoffnung dar. Aber er ist vorgebildet in* Siege der Makkabäer. St« sind die Präfiguration der Söhne des Lichtes, während Antioöhus die Inkarnation Belials, des Bösen, darstellt. So verweben sich in unserem Feste Mythos und Ge“ schichte, historische Erinnerung und endzeitliche Heilserwartung. 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