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Jüdische Wochenschau · 1966-11-04 · 2192 (4.11.1966) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2192 (4.11.1966)
Date
1966-11-04
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Viernes, 4 d* Noviembre de 1966 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Añ* XXVIL — N* 2192 Missklaenge in Wien (Schluss von Seile 1) Amerikanische Jüdische Kongress, eine Abteilung des Jüdischen Weltkongresses, an die österreichische Regierung mit der Aufforderung gewandt, das Land Oesterreich von der nazistischen Infektion zu säubern, von der es befallen ist. Gleichlautende ohne ähnliche Proteste trafen aus vielen Orten ein. Es ist. nicht verwunderlich, dass die offene oder versteckte nazistische Presse heftig gegen diese Proteste und für die Naziverbrecher Stellung nimmt, wie die berüchtigte „National- und Soldatenzeitung“. die noch unter manchen anderen Zeitungsköpfen erscheint wie „Sudetendeutsche Rundschau“, „Teplitz-Schönauer Anzeiger“ oder in einer österreichi sehen Ausgabe, die von der National- und Soldatenzeitung herausgegeben wird. Auch die sogen, bürgerliche Presse wendet sich gegen den Protest des Amerikanisch-Jüdischen Kongresse« in einem Leitartikel „So nicht“. Die Zeitung gibt zu, dass es ein gewisses Mass von Antisemitismus in Oesterreich gäbe, aber man fände auch Antisemitismus in Nordamerika, „wo auch heute nicht, unter keinen Umständen, ein Jude zum Präsidenten gewählt werden" könne Antisemitische und neonazistische Umtriebe seien Oesterreich unter Strafandrohung gestellt, Kriegsverbrecher werden verfolgt, eine Revision der Lehrbücher sei nicht erforderlich, denn sie enthalten nichts Antisemitisches. Der Leitartikler sehliesst seine Ausführungen mit dem Bemerken: „So wirbt man freilich keine Freunde“. — Auch der Wiener Montag meint, der Amerikanische Jüdische Kongress sei schlecht beraten, denn er habe doch genug mit dem Antisemitismus in Nordamerika zu tun. Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 219C 1? izq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Als Beweis hierfür wird auf einen in Buenos Aires erschienenen Artikel von Jakob Glattstein (New York) Bezug genommen, in welchem berichtet wird, dass ein Drittel aller Amerikaner Judengegner seien und zwei Millionen Amerikaner sich als antisemitische Aktivisten betätigen würden. Bei einer anderen Gelegenheit schrieb der gleiche Wiener Montag: „Wenn jemand 21 Jahre nach dem Untergang de« Dritten Reiches die Stirn aufbringt zu behaupten, es gäbe in Oesterreich einen Antisemitismus, dann müsste er auch den Mut aufbringen, naeh den Gründen zu fragen. Seit über zwei Jahrzehnten wird das österreichische Volk offiziell pazifistisch, anational und projüdisch beeinflusst Wenn es demnach antijüdische Erscheinungen in Oesterreich geben sollte, dann müsse es sich um Reaktionen handeln, die auf die unmittelbare - Gegenwart zu rückgehen." — Die Existenz eines Antisemitismus wird in Oesterreich bestritten. Einige Beispiele dafür, dass diese Behauptung leider unrichtig ist, seien im folgenden angeführt wobei wir die Information unseres Sonder-Korrespondenten M. Karger verwenden: 1. Friedhofsschändungen in Horn (Niederösterreich) und Inssbruck. 2. In Innsbruck wurde ein Mann vor Gericht gestellt, weil er verkündet hatte, es seien zu wenig Juden vergast worden, Freispruch.,. 3. Im Salzburger Prozess gegen die Gebrüder Mauer machte der Verteidiger die Geschworenen darauf aufmerksam, dass dieser Prozess vom Weltjudentum in- «zenieht worden sei. Dröhnender Applaus war die Antwort des Publikums. Freispruch ... 4. Ein Professor an der Innsbrucker Universität, der von einem Wiener Gericht als Sachverständiger herangezogen wurde, beschrieb in seinem psychiatrischen Gutachten den Lebensweg eines Beschuldigten namens Gerszon Kupferblum: „Er habe in Palästina eine kleine Landwirtschaft in Pacht genommen. Er habe dort etwas Neues eingeführt, eine Hühnerzucht. Das sei schon in seiner Kindheit sein Hobby gewesen. Er habe in Polen 14 Goldmedaillen auf diesem Gebiet erworben. Die Neu- Einführung in Palästina habe er „Green-Ducks" genannt. Er habe von eintägi- Neonazis in Oesterreich PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf odei Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VTRREY DE1 PINO 2263 T. E. 73-7887 Ihr Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUSE T. E. 76-5842 gen Entenküken in sechs Wochen Zweikilo-Enten gezüchtet. Auch dieses Hobby wirft wieder, wie hinzugefügt werden darf, ein Licht auf die Motivationen und Interessen des Angeklagten, die sich offenbar vorwiegend darauf beschränken, möglichst rasch und ohne besondere Anstrengung und Arbeit möglichst viel zu verdienen Nämlich Motive rein materieller und geschäftlicher Natur.“ Eine weitere Kostprobe aus diesem Gutachten: „In Jerusalem sei ihm ein Sohn geboren worden, er habe seine Frau dort gelassen und sei zur Karpathischen Brigade (polnisch) gegangen. Er sei dann als einfacher Soldat an die Afrikafront nach Tobruk gekommen, — Bei El-Alamein sei er nicht mehr dabei gewesen, leider. Da habe er schon eine „verantwortliche" Steile gehabt. Er scheint also auch damals verstanden zu haben, sehr rasch einen möglichst bequemen Posten zu kriegen.“ 5. In Oesterreich leben mehrere Lagerärzte und SS- Bewacher von Aushwitz. Die erste Anzeige in diesem Zusammenhang wurde im März 1960 erstattet. Sollte es je zu einem Prozess kommen, so vermutlich erst dann, wenn noch mehr Belastungszeugen gestorben sein werden. Und das offizielle Oesterreich wird die Schuld an den zu erwartenden Freisprüchen wieder auf die Geschworenen wälzen können. Vielleicht nehmen sich diejenigen, die dafür sorgen, dass der Prozess gegen die Judenmörder nicht stattfindet. Stimmen wie die folgende — aus einem Leserbrief, den „Die Presse“ abdruckte — zu Herzen: „Ich kann Ihnen versichern. das österreichische Volk hat von diesen Prozessen endgültig genug"... Manche Erscheinungen erinnern an das Weimarer Deutschland. Der Kampf gegen den Aussenminister Kreisky zeigt Parallelen, die zum Rathenau-Mord führten. — Wer unbequem ist, wird zum Juden ernannt...! Die Sozialdemokraten sind die „jüdisch - marxistische Clique“. Heute noch empfinden es diese alten oder neuen nazistischen Kreise als Notwendigkeit, sich gegen den Verdacht des Antisemitismus zu verteidigen. Morgen werden sie wieder offen auftreten Das ist die Gefahr, die auch manche, wenige Oesterreicher erkennen, so „Die Furche“, die erklärt, dass der Kampf gegen den Antisemitismus vor allem im Interesse der Nicht juden liege; denn Juden gibt es ohnehin nur wenige in Oesterreich... Wir wollen es bei diesen Beispielen bewenden lassen, ohne auf das grosse antisemitische Arsenal aus der österreichischen Vergangenwashington. — „Eine sofortige Aktion zur Verhinderung der Ausbreitung des Einflusses der extremen Rechten und der Neonazis in Oesterreich", wurde von einer Delegation des Amerikanischen Jüdischen Kongresses gefordert, die hier den österreichischen Botschafter vor den UN, Dr. Ernst Lemberger, aufsuchte. Dr. Joachim Prinz, Präsident der Kommission für internationale Fragen des AJC. lenkte die Aufmerksamkeit des Botschafters auf den Umstand, dass „die Auswirkung extremer Einflüsse in Oesterreich derart anwächst, dass man sie nicht mehr übersehen kann, und die Anzeichen der Anfälligkeit Oesterreichs gegen das Wiederaufleben nazistischer Tendenzen zu of- JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Scha bbosdecker raJJißbeuteJ Käpnchen Mar zot-Taschen Hand- und Maschruenstickerei von Bett- und rtscnwäsche Dr. P. L RIVERA 2585 (fr Bebedero) T. E iS-4»!« Confitería NIZA Servicios de lunch de ctitegoría SALON DE MESÍAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE '2037 4? B 46-1716 und 48 2124 MOHEL N. PLAKSIN Superí 2719 NEUES TELEFON: 78-4784 heit einzugehen. Wenn man antisemitische Tendenzen abstreitet, so ist das eine Frage der Bewertung. Vielleicht muss es erst zu Restriktionen gegen die Juden oder zu Pogromen kommen, damit sie ihren Antisemitismus erkennen. Am Freispruch eines Kriegsverbrechers dagegen ist nichts zu deuteln, und zwar eines Mitarbeiters Eichmanns, der für die meisten Transporte ins Gas und in die Vernichtungslager die unmittelbare Verantwortung trägt. Dass die Einwände und Ausreden Novaks falsch waren, geht aus Dokumenten hervor, von denen einige entgegen Novaks Behauptungen doch seine Unterschrift tragen, z. B. Funkspruch 15133 vom 23. Januar 1943. Damals kündigte Novak von Berlin aus drei Transporte von Theresienstadt nach Auschwitz an (vgl. Kampner „Eichmann und seine Komplizen“. Europa Verlag, Seite 125). — Dieter Wisliceny, enger Mitarbeiter Eichmanns, hat den Franz Novak ebenfalls als einen Mitarbeiter bezeichnet (bereits 1946 vor der Kommission des Internationalen Militärtribunals). In vielen Ländern Europas stellte niemand anders als Novak die Transporte zusammen, keinesfalls nur in Ungarn, auch in Frankreich, in Griechenland, Transporte, die Vorrang vor den Frachttransporten gehabt haben... Ueberall erschien Novak, er verhandelte, er deportierte. Novak hatte den traurigen Ruf, der Sachverständige für die Judentransporte zu sein. Dieser Freispruch kann nicht mit dem Hinweis darauf gerechtfertigt werden, dass Oesterreich ein „Rechtsstaat“ oder eine Demokratie ist. Wieder sei an das Beispiel der Weimarer Republik erinnert, die ebenso tatenlos wie ohnmächtig ihrer eigenen Zerstörung zugesehen und beharrlich in Abrede gestellt hat, dass eine Gefahr für irgendeine Gruppe bestand. Wir können nur hoffen, dass sich die Geschichtenicht noch einmal, und diesmal zunächst in Oesterreich, wiederholt. fensic-htlich sind, als dass man sie ableugnen könne.“ Dr. Prinz gab dem Botschafter zu bedenken, dass die politischen Parteien in Oestsrreich^und ihre Führer niemals die Vergangenheit ihres Landes eingestanden haben und niemals Reue über die antisemitischen Exzesse bekundeten, ebensowenig wie sie sieh bemüht hätten, einen neuen Geist im Volk zu schaffen, damit es gegen die Lehren der Nazis gefeit sei. Er regte die Anwendung neuer Mittel an, um der Gefahr vorzubeugen, dass die Nazis die öffentliche Meinung in Oesterreich infizieren, sowie eine ernsthafte Revision der „symbolischen“ Entschädigungs - Zahlungen Oesterreichs an die überlebenden Opfer der Naziverfolgungen und die allgemeine Reform der österreichischen Erziehungsprogramme damit „die Vergangenheit Oesterreichs objektiv dargestellt wird und die Kinder in den Lehranstalten vorbereitet werden, ihren Platz in einer demokratischen Gesellschaft einzunehmen“. Botschafter Dr. Lemberger widersprach der Behauptung, dass der Neonazismus in Oesterreich eine Blüte erlebt, und versicherte, dass die Regierung des Kanzlers Josef Klaus entschlossen sei, ein LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparee» los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsenaky Pueyrredón 2190, 1? izq. T.E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 700.— pro Jahr Ausl. $ 1.000,— jährL De Valera Wald Tel Aviv. — Eamon de Valera, Präsident der irischen Republik, ist von den Juden Irlands durch Pflanzung eines Waldes von 15.000 Bäumen auf seinen Namen bei Kfar Kana nahe Nazaret geehrt worden. Wiederaufleben des Antisemitismus zu verhüten. Rabbi Prinz ersuchte Dr. Lemberger, detaillierte Antworten auf die Beschuldigungen des AJK vorzubereiten, damit sie in dem von dieser Organisation herausgegebenen Informationsblatt veröffentlicht werden könnten, in dem auch ein Bericht über die Zustände in Oesterreich publiziert wurde, der auf einem vom! AJK durchgeführten Studium der Lage basierte. (ITA) CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I. BlumenfeM (Director) Jefe de) Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Buenos Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES I. E. 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