Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2191 (28.10.1966)
- Date
- 1966-10-28
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Vier****, 28 de Oc tubre ele 1966 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXVII. — N? 2191 Ereignisse der Woche Der Nussbaum-Besuch Heute wird der bekannte Rabbiner und jüdische Politiker Dr. Max Nussbaum, Vielen noch aus seiner Berliner Tätigkeit bekannt, in Buenos Aires zu einem kurzen Besuch eintreffen Ueber die Persönlichkeit dieses Gastes der CENTRA wurde bereits an dieser Stelle berichtet. Dr. Nussbaum hat inzwischen Lima und Santiago de Chile besucht, wo er mir grossem Erfolgzu den dortigen Gemeinden gesprochen hat. Das Programm fiir Buenos Aires ist bereits bekannt gegeben und wird an anderer Stelle dieser Ausgabe in einer Anzeige auf Seite 7 mit allen Einzelheiten publiziert. Heute Abend wird Dr Nussbaum im Rahmen des Freitagabend-Gottesdienst in der leo Baeek-Synagoge predigen. Anschliessend findet ein Empfang in einem Privatliaus im engeren Freundeskreis statt. Die Hauptveran- | staltung mit Dr. Nussbaum ¡ geht in den Räumen der ACIBA Sonnabend - Nacht vor sich, wo Dr. Nussbaum ¡ über das alle interessierende Thema ,,Juden und Deutsche“ sprechen wird Schliesslich sei noch darauf aufmerksam gemacht, dass am Sonntag um 20 Uhr im Logenhaus ein allgemeiner Empfang gemeinsam von der CENTRA, der DAIa und der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses veranstaltet ■wird, an dem jeder Interessierte teilnehmen kann. — Beider muss Dr. Nussbaum am kommenden Montag abreisen, da er am Kongress der CENTRA in Montevideo teilnehmen wird. Auch dort wird er auf der Eröffnungssitzung das Hauptreferat halten. — Der CENTRA-Kongress Am letzten Sonntag begab sich eine aus den Herren Curt Wilk, Heinz Braun und Dr. Swarsensky bestehende Delegation im Auftrag des honaerenser Centra-Comités hach Montevideo, um dort die Leitung um eine Erweiterung des vorgesehenen Programms zu bitten, das! nach der in Buenos Aires vertretenen Auffassung nicht ausreichen würde, um die uns bewegenden Fragen auf einem solchen Kongress zu erörtern und zu behandeln. Die Besprechung ist erfolgreich verlaufen. Es wurde beschlossen, ein weiteres Referat in das Programm des Kongresses einzubauen, das sich mit den ,,Problemen des südamerikanischen Juden- 1 tums“ beschäftigen wird. Herr MARK TURKOW wur- | de von der CENTRA-I^eitung eingeladen, dieses Referat zu halten, von dem angenom- I men werden darf, dass es die i Grundlagen einer interessanten Diskussion werden wird. — i Aufgaben der CENTRA j i Immer häufiger wird die Frage nach der Existenz-Berechtigung der CENTRA heui te aufgeworfen. In dieser '; Fragestellung liegt meist nicht nur Interesse, sondern auch Kritik. Das ist durchaus kein Nachteil denn wer kritisiert, zeigt Interesse. Da der Herausgeber der Jüdischen Wochenschau der Gründer der Centra ist, dürfte hier auch die geeignete Tribüne sein, auf die jetzt gestellte Frage zu antworten. Die Idee der Schaffung einer Dachorganisation für die aus Mitteleuropa stammenden und von Juden aus Mitteleuropa gegründeten Gemeinden und Organisationen in Lateinamerika wurde seinerzeit von zwei Männern unterstützt dem leider schon verstorbenen Georg Neuländer iMontevideo) und dem früheren und langjährigen Präsidenten der Nueva Congregación Israelita in Montevideo, Herrn Dr. Fedor Hirschlaff, die sich beide immer für die Centra eingesetzt haben. Nach unserer Auffassung hat die CENTRA auch heute noch eine echte Existenzbe rechtigung und auch grosse Aufgaben, die unerfüllt sind und die einer Lösung harren. Die Tatsache allein, dass das bonaerenser Centra - Comité zusammenkommt, gemeinsame Probleme betrachtet und LÜACH — (KALENDER) Freitag, den 28. Oktober Sonnabend, den 29. Oktober Schabbat WAJERO — Haft. 2. Buch Könige Kap 4 14. Marcheschwan 15. Marcheschwan Sonntag, den 30. Oktober Montag-, den 31. Oktober Dienstag, den 1. November Mittwoch, den 2. November Balfour-Deklaration Donnerstag, den 3. November Freitag, den 4. November Sonnabend, den 5. November Schabbat CHAJE SORO — Haft. Sonntag, den 6 November Montag, den 7. November Dienstag, den 8. November 16. Marcheschwan 17. Marcheschwan 18. Marcheschwan 19. Marcheschwan ¡ (1917) 20 .Marcheschwan 21. Marcheschwan 22. Marcheschwan 1. B. Könige Kap. I 23. Marcheschwan 24. Marcheschwan 25. Marcheschwan zu lösen bemüht ist deutet darauf hin, dass dieser organisatorische Rahmen Möglichkeiten konstruktiver Arbeit bietet. Das, was für Buenos Aires im lokalen Rahmen gilt, ist auch im kontinentalen Masstab richtig. Jeder Gedankenaustausch ist! wichtig. Jede Aussprache , kann nützlich sein. Jede 1 Kontaktnahme kann zu einem fruchtbaren Ergebnis \ führen. Tatsächlich sind die Probleme der aus Mitteleuropa; gekommenen Juden und ihj rer spezifischen Organisatio- [ nen in allen Ländern gleich- ■ gelagert. Dies ist nicht zu I verwundern. Denn die gemeinsame Herkunft und Erziehung sowie das einheitliche Schicksal, das zur Auswanderung aus Mitteleuropa und zur Einwanderung nach Südamerika führte, mussten, bewirken, dass das Leben und die Zukunftsgestaltung von den gleichen oder ähnlichen Faktoren abhängig waren und auch noch sind. Es ist durchaus kein Zufall, dass wir eigene Gemeinden und Organisationen geschaffen haben, und es ist auch kein Zufall, dass diese Gemeinden bestehen und blieben. Angriff „von aussen“ In der in Buenos Aires erscheinenden Zeitung ..Diario Israelita“ (Die Jüdische Zeitung) konnte man vor einiger Zeit eine Glosse lesen, in welcher die Existenzberechtigung der Centra als einer besonderen Organisation der zentraleuropäischen Juden; in Frage und in Zweifel ge-! stellt wurde. Erfreulich ist j das plötzlich gezeigte Interesse dieser Zeitung an unseren Organisationen. Die dort 1 geübte Kritik dürfte aber nicht zutreffend, wenn auch als Kritik willkommen sein. Der Prozess der Verschmelj zung des grossen argentinischen Judentums zu einer Einheit ist ein langsamer. Er vollzieht sich ganz offensichtlich nicht in Jahren und nicht in Jahrzehnten Die unzähligen Landsmannschaften und landsmannschaftlichen Vereinigungen deuten darauf hin, dass selbst im sogen, aschkenasischen Sektor diese Einheitlichkeit nicht gegeben ist. Aus welchen; Gründen brauchte man sonst : diese vielen kleinen Vereine?, 1 an deren nützlichen Zielen j wir übrigens nicht zweifeln | Auf Seiten der mitteleuroi päischen Einwanderung, die j erst in der Verfolgungszeit! (ab 1933) von Einfluss wurde,! besteht der gute und ehrli- ' che Willen zu einer Kooperation mit allen Sektoren. Das beweist allein schon die Tatsache, dass es uns gelungen ist, die vollkommene Eingliederung in die DAIA und AMIA vorzunehmen, obwohl dies — jedenfalls bezüglich der AMIA — durchaus nicht immer einfach war, und wir ernsthafte Bestrebungen zur Separierung u t>v! durch Eröffnung eines eigenen Friedhofes verhindern konnten. Der zentraleuropäische Sektor dürfte heute — und schon seit geraumer Zeit — harmonisch mit allen Teilen der Kollektivität Zusammenarbeiten; er ist in allen zentralen Gremien, als deren untrennbarer Bestandteil er sich fühlt, vertreten und leistet, wie wir sagen dürfen, eine gute, gemeinsame Arbeit. Das aber schliesst doch nicht aus, dass wir darüber hinausgehende Interessen und auch Zielsetzungen oder Aufgaben haben, die für uns als bestimmte Schicksalsgruppe charakteristisch sind. Wir haben durchaus auch eigene Probleme. Die Kritik der Jüdischen Zeitung ist sicherlich gut gemeint, geht aber neben den wirklichen Problemen einher und verkennt Geschichtlich-Ge wordenes, das sie mit Zukunftsvorstellungen vermengt, die wir im übrigen teilen. Wir haben über die auch heute noch bestehenden Aufgaben der CENTRa an dieser Stelle wiederholt berichtet und sie zur Darstellung gebracht. Wir wollen dies hier nicht repetieren. Wii wollen auch dem Kongress nicht vorgreifen. Dass aber CENTRA ihre Mission noch nicht abgeschlossen hat, sei mit Nachdruck hervorgehoben. — Angriff auf DAIA Wie wir bereits kurz berichtet haben, hat die Zeitschrift „La Luz“ einen, scharfen, nicht qualifizierbaren Angriff gegen die DAIA lanziert. der in dieser Zeit doppelt fehl am Platz ist. Hierzu müssen wir einige Bemerkungen machen. Die Jüdische Wochenschau hat für die Pressefreiheit seit ihrem Bestehen gekämpft. Sie unterstützt den Kampf jeder Zeitung, die sich für diese Forderung einsetzt, wie sie jeden Kampf um die Grundrechte der Bürger und der Völker als ihren eigenen Kampf betrachtet. Die Jüdische Wochenschau unterstützt auch alle Bemühungen und Bestrebungen, die zur Besserung oder — falls erforderlich — zur Gesundung unseres jüdischen Lebens beitragen wollen. Deswegen war auch die Jüdische Wochenschau in der Sache, wenn auch nicht immer in der Form aufseiten der Zeitschrift „La Luz“, als es sich um eine Klärung gewisser Vorgänge bei der OSFA gehandelt hat. Sie stimmt auch heute noch mit La Luz in dieser Frage insoweit überein, als das Eingreifen der Präsidentin der Welt- Wizo einer Klärung (und Erklärung, wenn es eine solche hierfür gibt) bedarf. Aber Pressefreiheit und Besserung oder Beseitigung bestehender Misstände dürfen nie und nirgends einen persönlichen Charakter annehmen oder in ein Duell mit Einzelpersonen ausarten. Dies aber wird dann immer der Fall sein, wenn der Kampf von wirtschaftlichen Sanktionen auf der einen und Drohungen mit Veröffentlichungen „gewisser“ Dinge auf der anderen Seite begleitet wird. Sich auf dieses Niveau herabzubegeben ist unwürdig und schadet unserem jüdischen Ansehen. Merkwürdig genug ist es, dass man mit Drohungen, Anschuldigungen und Ver- Prolest gegen einen Freispruch Anlässlich des Urteils eines österreichischen Gerichts, das den Kriegsverbrecher Franz Nowak freigesprochen hat, richtete die DAIA ein Schreiben an die Botschaft Oesterreichs, dessen Text wir nachstehend wiedergeben; „Buenos Aires, 18. Oktober 1966 An S. E. den Botschafter Oesterreichs Herrn Georg Roessler Buenos Aires Wir empfinden es als unsere unerlässliche Pflicht, Ihnen und durch Ihre Vermittlung Ihrer Regierung unseren höchst energischen Protest und unsere Empörung über den Freispruch des Adjutanten Adolf Eichmanns Franz Nowak auszu sprechen, der sich als Kriegsverbrecher wegen Vergehens gegen die Menschheit gerichtlich zu verantworten hatte. Die natürlich Trennung der Befugnisse befreit die Regierung Oesterreichs und das ganze Land nicht von der Verantwortung für ein Gerichtsurteil, das die ganze Nation einschliesst. Wenn die Anklagen gegen Nowak sich hauptsächlich auf die Schuld an der Massenausrottung von Juden beziehen, so dürfen Sie, Herr Botschafter, die absolute Sicherheit haben, dass unsere Empörung von der ganzen zivilisierten Welt geteilt wird. Kein freier Mensch kann begreifen, dass der Hauptmitarbeiter Eichmanns freigesprochen werden kann, und wir sind sicher, dass das Ansehen Oesterreichs nach diesem Urteil in der Welt nicht wachsen wird, sondern ganz im Gegenteil. Wir glauben vielmehr, dass das bis heute noch nicht sehr klare Bild von der wahren Verantwortung des Landes an den nazistischen Verbrechen, daä teils von der Tatsache, dass Hitler unbestreitbar Oesterreicher war, getrübt wurde und er sein Geburtsland durch Gewalt dem Dritten Reich anschloss, jetzt fest umrissen worden ist. Jedoch das jüngste Urteil, das Nowak freispricht stellt den Akt der grössten greifbaren und moralischen Solidarität mit den nazistischen Verbrechen dar, der an irgendeinem Ort geübt wurde. Daran ist nichts zu deuteln, denn er ergibt sich aus den Tatsachen und ist die Ergänzung und Bestätigung früherer Haltungen. deren Auslegung gegenwärtig leichter ist. Wir beschränken uns darauf, auf die Verwendung klassischer antisemitischer Losungen bei der kürzlichen österreichischen Wahlkampagne hinzuweisen, was notorisch beweist, dass der Antisemitismus, das Banner und Abzeichen der Hitleranhänger, ungestraft im Lande zur Schau gestellt werden kann. Der geringe Enthusiasmus, mit dem in Oesterreich der Prozess der Desnazifizierung durchgeführt wurde, ist bekannt, und es ist auch nicht unbekannt, dass die alten Beamten des Naziregimes bis auf den heutigen Tag in ihren Aemtern sitzen. All dies erklärt den Freispruch, der, wir wiederholen es, eine betrübende Erscheinung unserer Zeit darstellt, die nicht nur die direkten Verantwortlichen sondern den ganzen Staatsapparat charakterisiert, dem er zur Last gelegt werden muss. Wir begriissen den Herrn Botschafter Fdo. Herzi Gesang gez. Gregorio Faigön Sekretär Vizepräsident i. A.“ dächtigungen erst in dem Augenblick auf der Bildfläche erscheint, wo bezahlte Publikationen oder Subventionen nicht oder nicht mehr gezahlt werden sollen. Wir wiederholen, dass nicht ■ nur Sanktionen in dieser I Auseinandersetzung schäd-! lieh sind. Drohungen und i solche Publikationen, wie sie | La Luz letztens gebracht hat, 1 treffen das Prestige der! ganzen Kollektivität, die eij ne solche Reaktion nicht verdient hat und auch nicht hinnehmen kann. Und noch ein Wort zur Pressefreiheit: Jede Freiheit hat dort ihre Grenze, wo das Interesse der Gemeinschaft durch eine Veröffentlichung Schaden nehmen könnte. Der Staat hat die Möglichkeit, gegen Presseorgane, die hiergegen verstossen, vorzugehen, wobei der Staat durchaus nicht eine (Fortsetzung der Ereignisse auf Seite 5) DEIN HOBBY DEINE SPARKASSE Israel-Briefmarken Beratung durch: STAMPS CENTER 94 Allenby Rd. — TEL AVIV — P.O.B. 4444 DE W lii.üjmiMmirtiH; ..mm..um.'«""ini.. 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