Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2190 (21.10.1966)
- Date
- 1966-10-21
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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£ — Viert»«*, *1 «e Octubre de 196« JÜDISCHE WOCHENSCHAU Zum Nachdenken gezwungen ifi^iKlnAC »IAH Cn< f« 1 \ ■r-'-1_ ■ AS* XXVII. — N» MS# (Schluss von Seite 1) »ich Männer der Führung befinden. Aus welchen Gründen haben diese bewährten demokratischen Politiker einen Ton angeschlagen, der Ende. Die Stunde der Wahr . heit ist gekommen... Die NPD zeichnet das Profil der; deutschen Nation“ ... Und j dann folgt eine Drohung:! ,,Es kann nicht länger geduldet werden, dass «me?e r i&XFzrz&v: i s. ie appelliert und damit be wusst von der bisherigen Linien einer demokratischen Ueberzeugung abweicht? Die Antwort hierauf ist lediglich in der breiten _„_ ten zu suchen, die einer neuartigen Propaganda ausgesetet sind, welcher die Demokraten mit keinen anderen Argumenten zu begegnen verstehen als mit dem Appell £n Instinkte. Im Angesicht künftiger Wahlen muss man der Tatsache Rechnung tragen, dass die NPD (Nationale Partei Deutschlands) im vergangenen Jahr zunächst 2 Prozent tionalen, moralischen ur.d sittlichen Werte systematisch unterhöhlt und verächtlich macht.“ -. Unverkennbar klingen hier . Desorientierung der die Töne auf, mit deren man! Bevölkerungsschich- Vor rund 40 Jahren schon j . einmal das Volk betören und in einen Zustand der willen- 1 losen Gefolgschaft versetzen j , konnte. j Noch klarer wird die La-; ge, wenn man das Man.1 is; j | studiert, das bei der NDD- \ Gründung verkündet wu-de 1 und sich u. a. wendet j gegen die Ueberfremdung ' der deutschen Wirtschaft \ durch ausländisches Kapit-1 gegen Entwicklungshilfe , Jid uaiiL zunatjläl Z l-rozent | jüJuvH^lUJJg. der Stimmen erhielt, bereits j un<^ Wiedergutmachung aber kurze Zeit später mit! zersetzende Meij 125 Abgeordneten und zwei j nungsmonopole (vor allem in j Gemeindebürgermeistern in j ^un*c unc* Fernsehen). die Kommunal- und Kreisparlamente von Schleswig- Holstein und Bayern einzog. Hieraus wurde das Fazit gezogen: ,,So gering die Erfolge im Vergleich zum Stimmenanteil der übrigen Parteien auch sind, in der Geschichte des Rechtsradikalismus in der Bundesrepublik 8ramm - Punkte aufgezählt . j -i i j- , ■ _r_ .. gegen eine Aussenpolitik „auf fremdes Gehe'se“ gegen fremde Interessen und ungerechtfertigte Machtansprüche der GrossgeschäftsweP, gegen die einseitige Vergangenheitsbewältigung. — Es sei ausdrücklich betont, dass hier nur einige der Proetellen sie ein Novum dar.“ NPD - Vorsitzender Fritz Thielen sagt hierzu: „Rund 20 Jahre lange haben sich unsere Gegner über die Zersplitterung der nationalen Kräfte in der Bundesrepublik lustig machen können. Diese Leidenszeit ist jetzt vorbei.“ — Hier haben wir wieder einmal den Versuch, in den Wählermassen die Vorstellung zu erwecken, dass die „nationalen Kräfte“ eines Volkes nur rechte stehen. Bei einer anderen Gelegenheit sagte der NPD-Sprecher unverhohlen: „Die Weisheit der Bonner Parteien ist am Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1® izq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezia!qeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PR0PIEDADES FRANKENBERG S. R. L. berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DE1 PINO 2262 T. E. 73-7887 wurden, die in diesem Ma nifest enthalten, aber für die „geistige“ Haltung typisch sind, von der diese Parteiziele getragen werden. — Wie solche Punkte im einzelnen zu interpretieren sind, haben einige Parteirednei ebenfalls erläutert. Emigranten und Widerstandskämpfer werden dort als Verräter bezeichnet, die vor ein Gericht zu stellen seien. Nur die NPD kämpfe für ein „wahres Geschichtsbild“, das bis her „durch den Ungeist der Unterwerfung und die Anerkennung der Kollektivschuld die deutsche Politik“ gelähmt habe. Denn „Schuld gibt es in der Politik nicht, Schuld gibt es nur im Privatrecht.“ Diese These öffnet wieder den Weg zu neuer Entartung der Politik, durch die während der NS-Epoche jeder Willkürakt gerechtfertigt und alle Vorstellungen von Recht, Sitte und Moral in ihr Gegenteil verkehrt werden konnten. Wie weit die Bemühungen gediehen sind, die langsam entwickelten Rechtsvorstellungen wieder zu erschüttern und damit die Grundlagen eines Rechtsstaates erneut zu beseiigen, geht aus der Rede eines Stuttgarter NPD - Anwaltes Ihr Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUSE T. E. 76-5842 JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecker - failiebeutel Känochen Maz zot-Taschen Hand and MaschJoenstickerei von Bettand Hscnwäsche Dt. P. L RIVERA 2585 (fr Bebedero) T. E 13-4155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 hervor, der sich verbittet, für die KZ bestraft zu werden, denn „wir haben die KZ nicht erfunden“. Im übrigen solle man nicht vergessen, dass die KZ aus vielen Rotfrontkämpfern und Marxisten wieder anständige Deutsche gemacht hätten... Weil sie die KZ nicht erfunden haben, können sie auch nicht für die grausamen Verbrechen bestraft werden, die man dort beging Mit solchen primitiven Erklärungen versucht mau. Stimmen zu fangen. Die Parteiredner wurden aber noch deutlicher: „Der Krieg wurde durch den inneren Feind und das inter nationale Judentum verloren, deren Ziel es war, Deutschland als selbständige Nation zu vernichten.“ Da haben wir wieder die alten Phrasen und Lügen, mit denen einst die NSDAP den Weg zur Macht angetreten hat und siegen konnte. Diesmal hat es nur länger gedauert. Die ersten zwanzig Jahre haben diese Herrschaften den von ihnen gescholtenen Demokraten die sisyphus-Arbeit des Aufbaus der vom NS - System hinterlassenen Trümmer überlassen, bevor sie den politischen Nutzen hieraus zu schlagen bemüht sind. Aber ihre Reden sind im Grunde die gleichen geblieben. Ihre Phrasen haben sich kaum geändert. Wir werden nicht m den Fehler verfallen, mit dieser Gruppe zu diskutieren Wir können nur auf die Gefahr hinweisen, die von solchen Elementen ausgeht und die meist von denen unterschätzt werden, die sich um eine demokratische Linie bemühen, ln seinem Wesen ist es jedoch der gleiche Irrtum, aus dem alten Arsenai derartiger nationalistischer „Argumente“ einige herauszugreifen und sie nun selbst der Oeffentlichkeit als die eigene politische Linie aufzutischen, worauf eingangs hingewiesen werden musste. Es kommt noch nicht einmal auf die Gefahr von rechts an, die ernst ist oder möglicherweise von einigen Kreisen nicht nicht richtig eingeschätzt wird. Viel wichtiger ist die Wirkung, die von der völligen Desorientierung droht, die sich aus der Anwendung halb verstandener, unklarer Formulierungen als unaus weichliche Folge ergibt. Diese Gefahr wird durch die Vorgänge unterstrichen, die sich nach der Freilassung der beiden Kriegsverbrecher von Schirach und Speer abgespielt haben. Auch hier werden wir eine „Einmischung“ vermeiden, obwohl auch durch die aktive Mitwirkung gerade dieser beiden Männer die" Ermordung dei Juden möglich gemacht worden ist. Sicherlich hat weder der eine noch der andere der beiden jemals einen Juden selbst gequält oder i M««!*!* in Brasilien i gesucht Fee de Iguazü. — Die brasilianische Bundespolizei hat im Landessüden die Suche nach dem Kriegsverbrecher Joseph Mengele eingeleitet. Wie es hi«6S, hofft man, in wenigen Wochen seiner habhaft zu werden. Gerüchten zufolge lebt Mengele in irgendeinem der kleinen Orte nahe der Grenze mit Para guay. niedergemacht, aber durch ihre Amtsführung haben sie aktiv an der „Endlösung“ geholfen. Hierzu brauchen heute keine Einzelheiten angeführt zu werden. Die Verhetzung der deutschen Jugend war zu einem guten Teil , auch das Werk von Schirachs. der sich durch seinen ’ rüden Antisemitismus bereits lange Jahre vor der „Machtergreifung“, vor allem an der Münchner Universität, „aus- I gezeichnet“ hat. j Durch die Geschäftstüch- ■ tigkeit der Zeitschriftenveri läge und der Fernseh-Manai ger, keineswegs nur der i deutschen etwa, hat man aus der Entlassung der Verurteilten ein Geschäft gemacht. Das spricht allein schon gegen die moralischen Auffassungen der .modernen Geschäftswelt“, gegen die Haltung der Sensationsblätter, die nun neben ihren Bildern aus der Unterwelt noch über die Sensation haftentlassener Kriegsverbrecher in der bekannten Weise berichten. National Broadcasting Com- . pany gab dem früheren I Reichsjugendführer Gelegen- ' heit, seine Meinungen im Rahmen zweier grosser Fernj sehÜbertragungen auszuspre- | eben. v. Schirach erklärte I es als seine letzte Pflicht, die er seinem Lande gegenüber empfinde, „jegliche Hoffnung auf eine Herstellung des Nazismus zunichte zu machen“. Er wolle auch der heutigen deutschen Jugend keine Ratschläge erteilen. Er stimme mit den Auffassungen seiner Kinder überein, die an die Freiheit und die Demokratie glauben. Das sind späte Erkenntnisse, die leider an der traurigen Rolle nichts zu ändern vermögen, die v. schirach einst gespielt hat. Noch merkwürdiger dürften die Vorgänge um Albert Speer sein, den ehemaligen Rüstungsminister der Regierung Hitler, den Mann also, der nicht nur durch seine Arbeit die Führung des grausamsten Krieges ermöglichte, sondern der gleichzeitig nunderttausende Zwangsarbeiter in seinen Rüstungsindustrien unter den furchtbarsten Bedingungen beschäftigte und sich zu Tode arbeiten liess. Das sind Fakten, die durch keine Beschönigung beseitigt werden können. Für diese Verbrechen ist er durch die irdische Justiz bestraft worden Dass seine Schuld mit den 20 Jahren Festungshaft nicht aufgehoben oder gesühnt werden konnte, ist sicher. Aber der Richterspruch ist gefallen und durchgeführt worden. Dass Speer seine Freiheit nach verbüsster Strafe wieder erlangte, ist nach der. Prinzipien des geltenden Rechtssystems als eine normale Prozedur anzusehen. Damit wäre der Fall Speer für die Justiz erledigt. — Nun geschah aber etwas ganz Unerw’artetes, was nur aus der völligen Desorientierung der Menschen ur.d sogar der führenden Persönlichkeiten erklärt werden kann. Viel Aufsehen erregte seinerzeit eine freundliche Geste, die der Bundeskanzler Elrhard dem haftentlassenen Freiherm von Neurath gegegeniiber erwies. ES ist vergessen. Schwerwiegender aber dürfte sein, dass der Chef der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und Re-! gierende Bürgermeister des! Landes Berlin die Beendigung der Haftzeit Speers zu einer Blumenspende, die ihm oder seiner Familie gemacht wurde, benutzt hat. Was sollte das bedeuten? Hat der Regierende Bürgermeister Berlins, Herr Willy Brandt, das Konzept verloren? i Dass seine Partei in die- : sem Punkt von ihm abrück-! te, ißt selbstverständlich, j j Kann es als eine Emtschuldi- I i- -- U SEMANA ISBAEinA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190, l9 izq. T.E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 700.— pro Jahr Ausl. $ 1.000.— jährL gung oder Erklärung aufgefasst werden, dass mitgeteilt wurde, Willy Brandt hätte diese Blumenspende nicht als Politiker oder Bürgermeister, sondern privat geschickt? Muss nicht in jedem Fall eine Brüskierung all derer in dieser „Geste“ erblickt werden, die durch das NS-Regime, an dem Speer entscheidend beteiligt gewesen ist, gelitten haben oder von diesem System „liquidiert“ worden sind? Dies ist ein weiteres, erschreckendes Beispiel der Desorientierung, nun nicht mehr der Massen, sondern der Führung. Durch solche Vorfälle und Entwicklungen, wie sie hier geschildert wurden, wird jeder von uns, wird jeder Mensch gleich welcher Gesinnung oder Nation, zum Nachdenken gezwungen. JACOB LAPIDUS dipl. Motiel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037 4c B 46-1716 and 48 2124 M0HEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78-4784 BUSCO ASOCIARME A BUEN NEGOCIO EN MARCHA Llamar 86-1871 Dr. Bernardo SCHWARCZ ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — 76-8216 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA?rof. Dr. I. BlumenfeW (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Buenos Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES J. E. URIBURU 285 41 2331 — 2240 47-5875 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Consultas: wochentags von 15—18 Uhr Donnerstag keine Sprechstunde Sonnabend: 14—16 Uhr Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY MEDICO CIRUJANO M. P. 9298 Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung JOSE HERNANDEZ 2518, T.E. 76.8673 u. 73-0500 BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGÜERA 1915 — T. E. 58 4052 Dr. L. KLEIN - Médico MAGEN- und DARMKRANKHEITEN ROENTGEN UNTERSUCHUNGEN SPRECHSTUNDEN Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag von 15—19 Uhr Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-1542