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Jüdische Wochenschau · 1966-10-14 · 2189 (14.10.1966) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2189 (14.10.1966)
Date
1966-10-14
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Vient«», 14 de ©ctebre de 19M LA SEMANA ISRAELITA Israel als „Grossmacht“ Año XXVII. — N* 2189 — 3 LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE B». Aires - PUEYRREDON 2190, 1» Izq. - T.E. 83-2613 Ia Lateinamerika ist das Studium der Landkarten nicht sehr verbreitet. Dort bängt die Grösse und das Prestige eines Staates weder yon den Quadratkilometern seiner Fläche noch von seiner Bevölkerungszahl ab, dort gilt in erster Reihe der Huf, und es gibt wenig Staaten, die dort über einen Wohlklingenderen Namen .verfügen als Israel. Wer sind die Mächte, die Perü Entwicklungs-Hilfe leisten? Staatspräsident Fernandez Belaunde Terry nannte sie jüngst in einem aussenpolitisohen Bericht vor dem Parlament in Lima beim Namen: die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Frankreich und Israel. Und wer hilft bei der Entwicklung von Costa Rica mit? Staatspräsident Francisco J. Orlich Bolmarcich sprach ihnen kürzlich bei seiner Abschiedsrede vor dem Parlament in San José den Dank seines Landes aus: Frankreich, Deutschland und Israel. Die „Avenidas“ grosser Städte tragen den Namen Israel, und Uruguay und Brasilien erwiesen dem israelischen Präsidenten Shazar bei seinem Besuch mit einer besonderen Postmarke eine Ehre, wie sie sogar den letzten beiden prominenten Besuchern des südamerikanischen Kontinents, Präsidenten de Gaulle aus Frankreich und Giuseppe Saragat aus Italien, nicht zuteil wurde. Aber sogar lateinamerikanische politische Persönlichkeiten, die zum Unterschied zu den Bevölkerungsmassen dooh einen Blick auf die Landkarte zu werfen pflegen und über die Bedeutung von Staaten genau im Bilde sind, betrachten Israel als ein besonderes Wunderkind der Weltgeschichte. Wie sonst wäre es verständlich, dass der Staatspräsident von Von den Jaden in Perú Von den früheren Einwan derern nach Perú ist ausser dem Friedhof fast nichts übriggeblieben. Die Nachkommen der Immigranten kommen aber noch immer zu den Gräbern ihrer Eltern, auch wenn sie nicht mehr dem Judentum angehören. Die neue Einwanderung ist etwa 50 Jahre alt. Sie kam in der Hauptsache aus Bessarabien und zu einem kleinen Teil aus Polen. Die erste Generation bestand aus Hausierern; als im Jahre 1936 ein Hausierverbot erlassen wur- MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäfte mit der grössten Auswahl SARMIENTO H47 T. E. 35 . 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 Zahlungserleichterungeö fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zuvorkommende fachmännische Bedienung de, gründeten die Einwanderer kleine Geschäfte und In. dustrien. Die Blütezeit begann, als im Jahre 1939 kaum noch Warentransporte ankamen. Die Industrien entwickelten sich und wurden teilweise zu grossen Unternehmungen. Eine Wollfabrik beschäftigt über 1.000 Arbeiter und eine Kleiderfabrik gehört zu den grössten Betrieben des Landes Ihre Inhaber sind so einfach wie früher geblieben; sie schikken ihre Kinder an die Jeschiwa-Universität in New York und sie bauen die jüdischen Institutionen aus. Insgesamt wohnen in Perú etwa 6.000 Juden. Die zweite Generation besuchte zu einem grossen Teil die Universitäten und nimmt an der Entwicklung des Landes e - nen grossen Anteil. Die jüdische Tagesschule umfasst 850 Kinder. Vor kurzem weilte der israelische Landwirtschaftsminister Chaim Gvati in Perú, wo er vom Präsidenten emp. fangen wurde. Israelische firmen haben einen Vertrag zum Bau einer Durchgangs Strasse zusammen mit einer Gesellschaft von Perú im Werte von 15 Millionen Dollar erhalten. Auf dem Gebiete der Bewässerung und der Gründung von Farmkollektiven erwartet die Regierung Perus noch weitere technische Hilfe von Israel. ALFREDO STERN MALERARBEITEN NEUE ADRESSE: Vidal 1575 fast Ecke Pino Tel.: 76-9088 Mexiko, Gustavo Diaz Ordaz, der immerhin an der Spitze eines Staates mit 39 Millionen Einwohnern und der hundertfachen Fläche Israels steht, eine Erklärung folgenden Wortlauts abgibt- .Israel ist eine Weltmacht... Es verfügt über ein universelles Potential, und als solche ist es in der Lage, Mexiko auf die Beine zu helfen...“, Israel hat in den letzten Jahren einige imposante Hilfsaktionen in Lateinamerika in Angriff genommen, verfügt über treue Freunde unter den dortigen Politikern und Militärs, aber nicht diese Hilfe allein und auch nicht die Freundschaften jüngeren Datums sind es, die Israel zum Ruf einer „Grossmacht“ verholfen haben. Vermutlich verdankt es vielmehr diesen Ruf jenem „Weltjudentum“, das gegen sich zu haben sogar ein so schlauer und erfahrener Staatsmann wie Konrad Adenauer „fürchterlich“ findet. Arieh Eshel, der heutige Leiter der Lateinamerika-Abteilung des Aussenministeriums, der die kürzlich beendete Reise des Staatspräsidenten nach Argentinien. Brasilien, Chile und Uruguay vorbereitet hat, weiss aus eigener Anschauung, dass die Beziehungen mit manchen Staaten auf dem gegenwärtigen Besuchs-Programm einst nicht so besonders herzlich waren. Argentinien hat beispielsweise in den UN 1947 gegen die. Teilung und damit gegen die Gründung Israels gestimmt. Und Eshel, der kurz vor Staatsgründung von Mosohe Sharett nach Buenos Aires entsandt wurde, um dort ein Büro der Jewish Agency zu eröffnen, war lange Zeit hindurch ausserstande, von dem argentinischen Konsulat in New York ein Einreisevisum zu erhalten und bekam dieses erst, als er vorgab, seine Sekretärin sei im Grunde nur eine Erzieherin seiner Kinder, die sich mit seiner Familie auf einer Weltreise befinde. Seither hat sich manches geändert. Genauer: seit jener israelischen Botschafter- Konferenz in Montevideo vom Jahre I960, bei der beschlossen wurde, die israelische Auslandshilfe auch auf den lateinamerikanischen Kontinent auszudehnen. In diesen sechs Jahren dürfte es kaum ein lateinamerika- CARLTONnisches Land gegeben haben, in dem zu irgendeiner Zeit nicht israelische Experten tätig waren oder von wo aus nicht einheimische Experten zu Fortbildungszwekken nach Israel gekommen wären. IsraeUsche Fachleute führten Forschungsarbeiten auf den verschiedenen Gebieten der Wirtschaft, Landwirtschaft und Bewässerung durch, nahmen aktiven Anteil an der Planung und Durchführung zahlreicher Projekte. Uruguay war seit jeher ein treuer Freund Israels, und die Rolle des damaligen uruguayischen Vertreters in den UN, Rodriguez Fabregat, ist für immer in die Annalen der Gründungsschichte des Staates eingegangen. Auch mit Chile hat es niemals auch nur die geringsten Schwierigkeiten gegeben. Sogar in dem riesigen Brasilien, in dem tausende ausländische Experten am Werke sind, hat die Tätigkeit der wenigen israelischen Fachleute tiefen Elindruck hervorzurufen nicht verfehlt. Bildtafeln werden entfernt Ein antisemitischer Bildzyklus in der Grabkirche zu Deggendorf (Niederbayern) soll bei der bevorstehenden Renovierung der Kirche entfernt werden. Die unter den Bildern befindlichen Unterschriften sind bereits unkenntlich gemacht worden. Auf den Tafeln ist ein angeblich von den Juden Deggendorfs 1337 verübter Hostienfrevel dargestellt, unter dessen Vorwand damals alle jüdischen Bürger der Stadt ermordet sein sollen. Bei einem Anfang Juli von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in der Benediktinerabtei Niederalteich veranstalteten Symposium bezeichnet^ es der Benediktinerpater Günther Krotzer als unverständlich, „dass so viele Jahrunderte’ hindurch ein derartiges Zeugnis, das von Hass und Verleumdung gegen die jüdischen Mitbürger strotzt, unangefochten im Prestbyterium seinen Platz haben konnte“. 30. Tischri 5727 14. Oktober 1966 Die Zukunft nach Spandau von KURT KAISER-BLUETH Baldur von Schirach und Albert Speer, Hitlers Handlanger und Gauleiter von Wien der eine, des „Führers“ Rüstungs- und Munitionsminister der andere wurden nach Verbüssung ihrer 20jährigen Festungshaft in Spandau wieder auf ihre deutschen Volksgenossen losgelassen, die sie offenbar mit offenen Armen aufgenommen haben. Was Baldur von Schirach angeht, so hat sein Sohn Klaus, der Anwalt ist, schon vorher die gesamte Gilde der Herausgeber von „Illustrierten“ bei sich gesehen. Sie schlugen sich darum, dem befreiten Kriegsverbrecher seine Memoiren abzukaufen, die er in Bayern, wo er sich niederlassen wird, zu schreiben gedenkt. Schliesslich wurden diese Memoiren dem Höchstbietenden zuges hlagen, und Sohn Klaus hat für dieses Eirinnerungswerk von dem noch nicht eine Zeile existiert, die beachtenswerte Honorarsumme von 150.000 DM erhalten. Man hatte einem dieser Herausgeber, die den Sohn Baldurs seit Wochen um das Abdrucksrecht anflehten, zum Vorwurf gemacht, dass er ein wenig zu eifrig hincer den Erinnerungen des Hitlerschen Jugendführers hei war. „Ach“, sagte dieser Mann achselzuckend, „was war, ist vorbei. Aber der Mann hat doch soviel Dynamik und lyrisches Talent...“ — Wer erinnert sich nicht an das schöne Gedicht, das mit folgenden Zeilen schloss: „Da hilft kein Jammern / Da hilft kein Beten / Wenn Ihr vergesst, / Von Zeit zu Zeit, / Einander in den A... zu treten.“ Das war die Lryrik Baldurs. Und es war „auf lyricsh“, dass er seinem „Führer“ mitteilte, dass er Wiens Juden ausgerottet hatte: „So muss allüberall es sein / Mein Führer, ich melde / Wien judenrein!“ Soviel über Neudeutschlands Spitzenhonorar-Star Baldur von Schirach. Was den Rüstungsminister des Dritten Reiches angeht, den Mann, der die Zwangsarbeiter aus aller Welt sich ausbluten liess, so wird auch er keine Sorgen um seine Zukunft haben. Speer, der Hitlers Liebling war und von dem dieser einmal gesagt hat, „Lasst sie nur unsere deutschen Städte zerstören. Speer wird sie mir schöner als je wieder aufbauen“, wird wieder wie vor seiner Ministertätigkeit Architekt sein. In Heidelberg haben die Speers ein Haus, dort wird er seine Büro einrichten. „An Aufträgen wird es ihm gewiss nicht fehlen“, schrieb mit grosser neonazistischer Sachkenntnis eine deutsche Tageszeitung. Bs gab sogar schon so massenhaft Aufträge, dass die Speers ein ganzes Sekretariat für den heimkehrenden Vater engagieren mussten. Es wäre nun interessant zu erfahren, wer denn diese Herrschaften sind, die sich ihre neue Fabrik oder ihre neue Villa unbedingt von einem der Hauptkriegsverbrecher bauen lassen wollen. Interessant ist auch folgende Information: Speers Sohn wohnt in Frankfurt a. M. Er wollte keine Protektion und auch keine fördernde Unterstützung alter Freunde seines Vaters. Er nannte sich Albert Speer und nicht Speer jun. Und man liest den erstaunlichen Satz: „Der Sohn hat es allein geschafft.“ Alles in allem — die unbewältigte Vergangenheit liegt wieder ganz erstaunlich vqpn. Oder auch nicht erstaunlich?.! ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE Kleidung ist Kleidung guten Stils sie ist meisterhaft ge. arbeitet und nicht teurer als gewoehnliche Kleidung. ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknupften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für iedes gemütliche Heim. 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