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Jüdische Wochenschau · 1966-09-23 · 2186 (23.9.1966) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2186 (23.9.1966)
Date
1966-09-23
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Añ» XXVII. — N* 218« — 3 Vímum, 23 de Septiembre de 19«« LA SEMANA ISRAELITA Der leichte und der schwere Weg Es gibt einen leichten und einen schweren Weg. den Jom Kippur zu begehen. Der leichte Weg ist der des Fastens und Betens. Man fastet seine 25 Stunden, es sind tatsächlicr 25, nicht 24 vorgeschrieben, und verbringt den Tag mehr oder minder andächtig in der Synagoge. Setzt man sich dann zur Bseuda maphsseket zum „An. beissen“ nieder, am reichgedeckten Tisch, so hat man das gute Gefühl, seiner Pflicht genügt zu haben, ein „guter Jude“ gewesen zu sein. Man hat es wieder einmal geschafft. Aber hat man damit dem Versöhnungstage wirklich Genüge getan? Hat man berücksichtigt, was die Mischna Joma uns am Ende dieses Abschnittes einschärft: „Sünden zwischen dem Menschen und Gott tilgt der Versöhnungstag, aber Sünden Zwischen Mensch und Mensch tilgt er nicht, bis der Mensch seinen Mitmenschen versöhnt hat.“ Das ist der schwere Weg: den Mitmenschen versöhnen. Das erfordert von uns eine seelische Anstrengung, die weit schwerer ist als einmal im Jahre nicht zu essen und zu trinken und einen Tag im Gebet zu verbringen. Der Talmud befasst sich mit der Vorschrift der Mischna ausführlich und erklärt nun zur Stelle, man müsse dem Nächsten dreimal vergeben, führt aber zugleich ein Beispiel an, in welchem erzählt wird, dass Raw ben Rabbi Chanina dreizehn Mal um Verzeihung gab, durch dreizehn Jahre hindurch jeweils am Vorabend des Versöhnungstages, obwohl es sich von SCHALOM BEN CHORIN MOEBELHAUS WATERMANN Das Hans der 3 Geschäfte mH der grössten Auswahl SARMIENTO 1147 T E. 35 . 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 Zahlun gser lei c h te rungen fast Ecke Triunv'irato Eigene Werkstätten Zuvorkommende fachmännische Bedienung eigentlich ursprünglich nur um eine geringfügige Unhöflichkeit gehandelt hatte. Eine andere uebertieferuag aus der Zeit des Zweiten Tempels spricht sogar davon, dass man dem Nächsten siebenmal siebzigmal vergeben miisse. Praktisch hat sich mehr . und ’mehr die Auffassung des 1 Rabbi José Ben-Chanina | (Joma 87b) durchgesetzt, die 1 klar und deutlich lautet: j Man muss seinen Nächsten I dreimal um Verzeihung bit. | ten. i Grundsätzlich äus6ert sich an derselben Stelle im Tal- , mud Rabbi Jizchak: „Wer seinen Nächsten kränkt, auch nur durch Worte, muss ihn besänftigen.“! Diese Aeusserungen der Tha- , naiten und Amoräer, die wir : hier aus Mischna und Gemara angeführt haben, sind si-! cher einleuchtend, denn was! sollte ein Versöhnungstag j nützen, der nicht der Versöhnung unter den Menschen primär diente? | Die grosse Schwierigkeit i liegt aber in einer anderen | Frage: Wer hat wen um Ver- 1 zeihung zu bitten? Im wirklichen, im gelebten j; Leben, ist es ja bekanntlich | j nicht so, dass wir jeweils j wüssten, wer wen beleidigt | hat. Natürlich fühlen wir uns jeweils voll im Recht, und der andere hat angefangen Ein Wort gab das andere, und wir sind immer die Angegriffenen. Und wenn das selbst nicht der Fall sein sollte — was wir nur selten erkennen und zugeben — so hatten wir doch so gute Gründe, dass es voll berechtigt war, dem anderen einige Grobheiten, die ja nichts als „Wahrheiten“ waren, ins Gesicht zu sagen. Also, bitte: er soll sich gefälligst entschuldigen, und dann bin ich bereit, eventuell diese Entschuldigung anzunehmen. So denken wir alle, und jeder wartet in der Festungseiner Rechthaberei darauf, dass sich der andere entschuldigen möge, und dann entschuldigt sich keiner, und wir schleppen den alten Hass, das alte Missverständnis, die alte Wut und Missgunst von einem Jom Kippur zum anderen und damit entheiligen wir diesen Tag und bringen ihn um seinen Sinn. Wir wollen uns nichts vormachen. Es gibt viele Juden, die nur noch aus „Pietät“ gegenüber ihren Eltern oder ALFREDO STERN MALERARBEITEN NEUE ADRESSE: Vidal 1575 fast Ecke Pino Tel.: 76-9088 Teppichhaus - M. 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Aber man könnte und müsste, kann und muss die Gelegenheit ergreifen, die uns die Tradition des Judentums bietet, und den Versuch machen, den Nächsten zu versöhnen. Ganz gleichgültig, wie man es sonst mit der Religion hält. Hier ist eine Mizwa, ein Gebot, das ein. fach jeden angeht und das keiner umgehen sollte Ich kenne so viele Menschen, die sich vor Rosch Haschana hinsetzen und nach sorgfältig ausgearbeiteten Listen Glückwunschkärtchen versenden, aber natürlich nur an ihre Freunde nicht etwa an ihre Feinde. Ich meine aber, wir sollten gerade dem Nachbarn, dem Köllegen, dem Konkurrenten, mit dem wir gründlich „broges“ zerstritten sind, so ein Kärtchen senden. Das hätte wirklich einen Sinn. Und mehr als das: wir sollten uns hinsetzen und einen Brief an den Menschen schreiben, zwischen dem und uns selbst, eine unbeglichene seelische Rechnung steht und Ihn bitten, unser Schuldkonto zu löschen. Aber es ist so furchtbar schwer, hier den Anfang zu machen, denn wir haben doch sicher recht, und er ist im Unrecht. Trotzdem: schreiben wir Ihm, machen wir einen Anfang. Aber wie? Hier mache ich einen Vorschlag, betätige mich sozusagen als . Briefsteller für Zerstrittene“: ..Lieber X, Vm Vorabend des Versöh lungstages schreibe ich II nen diese Zeilen, denn lei möchte nicht durch dieser -Tom Kippur gehen, ohne Ihnen vorher die Beilegung Un- CARLTON- Kleidung ist Kleidung guten Stils sie ist meisterhaft gearbeitet und nicht teurer als gewoehnliche Kleidung. ★ Dieser Satz ist mehr als Slogan. Er ist eine Be. hauptung, die ich taeglich beweisen muss, immer wieder mit ledern Meter zugeschnit- •tenen Stoffes. ★ Feine MASSKLEIDUNG ★ FERTIGKLEIDUNG in SCHNEIDERTRADITION Carlton ERNST KOPPEL Madpa 982 — TX 31.7845 seres alten Konfliktes angeboten zu haben. Unser Zerwürfnis liegt nun ja schon | einige Zeit zurück, und wir können beide wohl nicht ganz objektiv sein, um zu entscheiden, wie es nun wirklich entstanden ist. Ein böses Wort gab das andere — und diese bösen Worte wollen wir vergessen. Mir tut es leid, dass es so gekommen ist, und ich meine, wir sollten den aL ten Krach nicht verewigen. Also, lieber X, lassen wir diese leidige Affäre und versuchen wir, einander wieder so zu begegnen wie vorner. Wir beten in diesen Tagen die alten Selichot Israels. Selichot kommt von Slicha — Verzeihung. Wie könnten wir legitim um Verzeihung bitten ohne einander zu verzeihen? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Neues Jahr und ein gutes Fasten zum Jom Kippur. Herzlichst Ihr Y.“ Das wäre ein Entwurf, bei dem wir unser Gesielt wahren und dem anderen die Brücke bauen, die so wichtig ist für das Zusammenleben der Menschen. Es kann einem freilich auch passieren, dass so ein Brief unbeantwortet bleibt Nun, dann sollen wir es eben noch einmal versuchen und noch einmal. Das wird jedesmal schwerer zugegeben, und doch sollten wir uns dieser Mühe unterziehen, wenn anders der Jom Kippur seinen Sinn behalten oder wieder gewinnen soll. Und ich meine, der Staat Israel sollte auch unverdrossein zu jedem Jom Kippur i seinen arabischen Nachbarn die Versöhnung anbieten, denn was für den Einzelnen gilt, das gilt auch für die Völker. Jedes Volk meint im Kriegsfälle natürlich für die gerechte Sache zu kämpfen, und der Feind ist immer im Unrecht. Gross aber ist der Mensch, und gross ist das Volk, das sich um den Frieden müht. Täglicc sagen wir „Schalom“ unzählige Male, aber meinen wir es immer ganz ernst? Das ist eine Frage, die zu Jom Kippur bedacht sein will. LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 9. Tischri 5727 2190, 1» izq. - T.E. 83-2613 23. September 196« jüdische Neuíralitaef in Vietnam Washington. — Aus verschiedenen Kreisen des State Department wurden Stimmen laut, die das Ersuchen des Präsidenten Johnson, die USA-Judenheit solle das Programm der Regierung in Vietnam unterstützen, missbilligten. Diese Beamten glauben der Präsident habe sich auf innere Angelegenheiten bezogen, als er sein Verlangen formulierte. Vom Standpunkt der Aussenpolitik allerdings, so argumentieren sie. wären rein Jüdische“ Erklärungen den diplomatischen Zielen Amerikas in den Araberstaaten schädlich, wo die Amerikaner interessiert sind, die Unterstützung ihrer Politik in Vietnam zu gewinnen. Es wird darauf hingewiesen, dass Erklärungen jüdischer führender Persönlichkeiten, die sich als Juden mit der offiziellen Position in Vietnam identifizieren würden, von der arabischen Propaganda und denen, die mit Hanoi sympathisieren . für ihre eigenen Zwecke ausgenutzt werden könnte. Ein Standpunkt, dem nach der Bekanntgabe des an die jüdischen Kriegsverteranen gerichteten Ersuchens Johnsons Ausdruck verliehen wurde, beinhaltete den Vorschlag, die Juden sollten sich als Individuen den von der USA-Regierung in Vietnam verfolgten Zielen anschliessen, denn ein« spezifisch jüdische Kampagne für Vietnam könnte nur .schädlich“ sein. Ein anderer Grund, de? eine Stellungnahme jiidi. scher Kreise nicht angeraten erscheinen lässt ist die prekäre Lage der sowjetischen Judenheit. Ein Deputierter der anonym zu bleiben wünschte äusserte, die Bemühungen, das traurige Los der russischen Juden zu erleichtern, würden erschwert sein, wenn der Eindruck erweckt werde, dass die Juden als Gesamtheit die USA-Politik in Vietnam begünstigen. Malcolm A. Tarlov. Kommandant der jüdischen Kriegsveteranen, gabeine Erklärung über die „Eindrücke" ab. die er m einer kurz vorher stattgehabten Audienz bei Präsident Johnson empfangen habe Er teilte mit, dass die Delegation seiner Organisation den Prä« sidenten von „unserer Unterstützung des Johnson-Programms in Vietnam“ unterrichtete. In einem Meinungsaustausch über die aus dem Südasien . Vertrag für die USA resultierenden Verpflichtungen bemerkte Johnson, dass sein Land schriftliche Kompromisse ebenso erfüllen müsse wie die Versprechungen der freien Welt im Mitteiosten und anderwärts militärische Hilfe zu leisten (ITA) Pariser Gerichtsurteil Paris. — Der Appellationshof in Paris hat den Herausgeber der neonazistischen Wochenschrift „Rivarol“, René Mallavin und seinen Mitarbeiter Paul Rassinier zu vier Monaten Gefängnis und Schadenersatz verurteilt. Rassinier hatte in einem Artikel behauptet, die Insassen der KZ-Lager hätten sich gegenseitig umgebracht, es habe dazu weder Gas noch Krematorien gebraucht. Er war selber als Sozialist in einem Lager, wurde dann aber ein Bewunderer der Nazis. Es ist das erste Mal. dass neonazistische Journalisten von einem Gericht ins Gefängnis geschickt wurden, obschon manche derartigen Prozesse stattgef»nden haben. Das Gericht fand, dass die M:thoden der Vernichtung, welche die Nazis angewandt haben, durch viele Prozesse klargestellt wurden und deshalb darüber keine neuen Beweis Aufnahmen durchzuführen seien. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung | Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDENs DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. F.: 83 - 2613 1 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUD AM EiUCANUa Erbschaftssachen - Vertraege - V.r waltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. E.: 80 - 6930 PUEYRREDON 2190 osq. Av. LAS HER AS

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