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Jüdische Wochenschau · 1966-09-14 · 2185 (14.9.1966) · p. [Seite 15]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2185 (14.9.1966)
Date
1966-09-14
Page
[Seite 15] (sequence 15)
Language
German, Spanish
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IUpD(»«wr «te — JKfillCHC WO CI(i«i(ICi*B «m JtAvn JHH ¥>*fn, Vom Judenhass in Oesterreich Zum6.M Es wird in Oesterreich in letzter Zeit sehr viel über Antisemitismus und Neonazismus diskutiert. Besonderen Anlass hierzu gab eine jüngst in den Vereinigten Staaten gezeigte Fernseh-Reportage, die unter dem Titel „An Austrian Affair“ von einem amerikanischen Fernsehteam zusammen mit dem wiener Journalisten Helmuth Andics Biusammengestellt und von einigen österreichischen Publizisten — nicht immer für Oestereich schmeichelhaft — kommentiert wurde. Interessanterweise loderte die Empörung bereits zu einem Zeitpunkt auf. als man den Inhalt des Films garnicht kannte, und bezeichnenderweise wurde er nicht nur von jenen, die den Antisemitismus nicht sehen, weil eie ihn nicht wahrhaben wollen, die ihn garnicht verleug. nen, als Verleumdung und Verunglimpfung gebrandmarkt. Tatsächlich erwies sich die ganze Aufregung als ein Sturm im Wasserglas, denn als man unter grösster Spannung den Film im österreichischen Fernsehen zeigte, stellte sich heraus, dass er nicht nur recht harmlos war, Bondern an dem gesteckten Ziel — den Antisemitismus und Neonazismus in Oesterreich zu dokumentieren — fast völlig vorbeiging. Einige harmlose Aeusserungen des berüchtigten Prof. Taras Borodaykewitsch waren eher geeignet, zu einer Rehabilitierung zu dienen, die (in den Text garnicht hereinpassende) Schilderung des Bundesheeres — das bei Rettungsaktionen und Katastropheneinsätzen wiederholt seinen Mut und seine Opferbe- MOEBELHAUS Das Haus der 3 Geschäfte mit der grössten Auswahl SARMIENTO M47 T E. 35 . 7033 C4WM nn PAMPA 4979 Zahlungserleich terungeh fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zuvorkommende fachmännische Bedienung von Dr. IMMANUEL UNGER reitschaft unter Beweis gestellt hat — als Operettenarie — wirkte geradezu taktlos und die bei mächtigen Bierkrügen mit verklärten, duellgezeichneten Gesichtern lateinische und germanische Lieder gröhlenden Studenten mochten gar bei den empfänglichen Amerikanern den Eindruck von . .prachtvollen Burschen" erwecken Letztlich konnte man sich kaum des Gefühls erwehren, dass I das schlechte Gewissen — als | auslösendes Moment für den | Protest gegen einen Film, j dessen Inhalt man noch gar- ] nicht kannte — ein viel stärkerer Schuld beweis war als die ganze Fernsehreportage. Trotzdem sollte man ver- I stehen und darin sogar ein gutes Zeichen sehen dass sich in Oesterreich viele, und darunter viele massgebliche | Menschen, gegen eine Verallj gemeinerung wehren und j verwehren. Aussenminister I Br. Toncic behauptet steif , und fest, dass 85 Prozent der i österreichischen Bevölkerung, Bauern und Arbeiterschaft' I keine Antisemiten sind. Nicht j weil sie Philosemiten seien sondern einfach, weil ihnen j das Judenproblem fern und! fremd ist. Das mag übertrie- I ben sein, sicher gibt es aber auch Gegner des Antisemitis- , mus und zumindest ihre Zahl soll man nicht verkleinern. : Nicht nur, weil es ungerecht .wäre, sondern auch .weil man I sich Freunde nicht verscherj zen sollte. Tatsächlich bekämpfen fast die gesamte österreichische Presse. Fernsehen und Rundfunk den An. tisemitismus kompromisslos und verurteilen schärfstens die Fehlurteile der Geschworenengerichte. Wiener Theater führen bei jeder sich bietenden Möglichkeit Stücke jüdischer Thematik auf, und unzählige Institutionen fördern jüdische sowie israelische Bestrebungen kultureller. sozialer und auch politischer Struktur. Aber auch individuell sieht man vielfach den Wunsch, sich vom Antisemitismus zu distanzieren. Jüngst starteten Television und Radio eine ..Kampagne des guten Willens“ mit dem Appell, Bäume im ..österreichischen“ Jerusalem-Wald zu pflanzen, als Zeichen der Freundschaft für Israel und als Beweis der Gegnerschaft zum Antisemitismus und Neonazismus. Der Widerhall überstieg alle Erwartungen. Aus allen Landesteilen liefen im Büro des Keren Kayemet Leisrael, der ALFREDO STERN MALERARBEITEN NEUE ADRESSE: Vidal 1575 fast Ecke Pino Tel.: 76-9088 Teppichhaus - M. 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Vor einigen Wochen veröffentlichte die Israelitische Kultusgemeinde in Graz in verschiedenen Zeitungen der Steiermark folgenden Aufruf: ..Gegen Ende des letzten Weltkrieges wurden bekanntlich durch das südliche Burgenland und die Oststeiermark jüdische Zwangsarbeiter geführt. Dabei kamen viele alte kranke und schwache Männer ums Leben, die dann an Ort und Stelle in Massen, und Einzelgräbem ,.verscharrt“ wurden. Die Israelitische Kultusgemeinde in Graz ist bemüht, alle diese Massen- und Einzelgräber zu finden um die Toten auf ihrem Friedhof in Graz würdig zu bestatten oder die Gräber an Ort. und Stelle entsprechend zu betreuen. Die Israelitische Kultusgemeinde Graz ersucht daher die Bevölkerung der Steiermark und des Burgenlandes um Angaben über solche Gräber an ihr Büro, Graz, Grieskai 58, Tel. 86327.“ Auch hier blieb die Reaktion nicht aus. Die Kultusgemeinde in Graz erhielt zahlreiche Zuschriften, in denen Dorfbewohner bekanntgaben. was sie wussten, zu wissen glaubten, ahnten, vermuteten oder woran sie sich nacih über 20 Jahren erinnerten. Ein Graf Erdödi schrieb, auf seinem Grund und Boden befinde sich ein solches Grab, das er schon seit vielen Jahren pflege, er bat, es ihm zu belassen, und erklärte sich bereit, es einzufrieden und weiter zu pflegen. Allerdings hat die Geschieh, te auch eine Kehrseite; zwei anonyme Briefsehreiber reagierten auf die Zeitungsnotiz anders. Der eine, ohne Namensangabe schrieb u. a.: „,Ich gib euch Saujuden einen guten Typ. Nehmt einen CARLTON- Kleidung ist Kleidung guten Stils sie ist meisterhaft gearbeitet und nicht teurer als gewoehnliche Kleidung. ★ Dieser Satz ist mehr als Slogan. Er ist eine Behauptung, die ich taeglich beweisen muss, immer wieder mit jedem Meter zugeschnittenen Stoffes. ★ Feine MASSKLEIDUN6 ★ FERTIGKLEIDUNG in SCHNEIDERTRADITION Carl ton ERNST KOPPEL Maipü 982 — T.E. 31-7845 Spürhund und führt ihn in die Gegend, wo Ihr die Kadaver eurer miessen Rasse vermutet. Der Hund wird sie auffinden und falls Knoblauch herausstinkt und Läuse von den Peikeles herauskriechen. sofort davonrennen! Dort liegt sicher ein stinkender Jude.“ In österreichischen Kreisen, die gegen eine Verallgemeinerung protestieren, führt man bittere Klage darüber, dass im Ausland solchen anonymen Einzelfällen mehr Bedeutung beigemessen wird, als den Sympathiekundgebungen massgeblicher Kreise und der demonstrativen Ablehnung des Judenhasses durch den überwiegenden Teil der österreichischen Bevölkerung, darüber hinaus aber auch, dass man in der Welt sehr leicht dazu neigt, Oesterreich schärfer zu beurteilen als andere Länder, in denen der Antisemitismus in zumindest nicht geringerer Form existiert. Einer der bekanntesten österreichischen Publizisten hat im Anschluss an die Vorführung der .An Austrian Affair" die wahrscheinlich treffendste Erklärung für die Erscheinung in den Worten zusammengefasst, dass Oesterreich eben durch seine Vergangenheit mehr belastet erscheint als beispielsweise Amerika und Bamberg. — Der frühere Behutzpolizeibeamte Georg Schlosser (52) aus Bamberg wird sich voraussichtlich zum sechsten Mal unter Mordanklage vor Gericht zu verantworten haben. Die Staatsanwaltschaft Bamberg bat jetzt, beim Schwurgericht des bamberger Landgerichts aufgrund neuer Ermittlungen Anklage gegen ihn erhoben. Schlosser wird beschuldigt zwischen September 1942 und dem Sommer 1943 im Ghetto de; polnischen Stadt Tschenstochau 14 Juden ermordet zu haben. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Schlosser war fünf Verfahren bereits in angeklagt die grosse Gefahr in der bereits unter Beweis gestellten Anfälligkeit besteht, eine Gefahr. der die Regierung nicht energisch und rasch genug entgegentritt. worden, in Tschenstochau Morde begangen zu haben. Im ersten Prozess sprach ihn 1959 das Schwurgerü ht Hanau von der Anklage deT Mordes an drei Ghetto-Insassen frei. Im November i960 veiurteilte ihn das bamberger Schwurgericht wegen Totschlags an einem 13jährigen jüdischen Jungen zu zehn Jahren Zuchthaus. Dieses Urteil hob der Bundesgerichtshof 1961 auf. Ein neuer Prozess wurde 1962 vom bamberger Schwurgericht angesetzt, da Zeugen aus Israel nicht erschienen waren. Im nächsten Verfahren verurteilte das bamberger Schwurgericht Schlosser zu lebenslänglich Zuchthaus. Auch dieses Urteil hob der Bundesgerichtshof 1964 auf. In einem neuen Prozess, diesmal vor dem schwemfir ter Schwurgericht, war das Verfahren gegen Schlosser eingestellt worden. ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUS. GABEN ZUM OFFIZIELLEN KURS AGENCIA FILATELICA OFICIAL DEL ESTADO DE ISRAEL VIAMONTE 550,1. B — Bs. Aires, Rep. Argentina uiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiimiiimimmmiiiiiniiiiiiiiiiwtuiiiimmimtji'- ÍU ñílHimiiimmimiuimimtiimmiiimíiiimmrijiiiímiiiiiimiiitiiimimmmiimiHimiimmii? ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL I—————————MM— Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUER0STUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. L: 83 - 2813 i ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - V-rwaStun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen I E.: 80 - 8930 PUEYRREDON 2190 esq. Av. LAS HERAS

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