Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2184 (9.9.1966)
- Date
- 1966-09-09
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Vtenwi, * dp Septiembn de 196$ SEMANA ISRAELITA Afie XXVII. — N* atftt Ereignisse der Woche Von der Pressefreiheit H. Sw.: — Hier soll nicht von der allgemeinen Presse, ireiheit die Rede sein wie sie in jeder demokratischen Ordnung verankert ist. Denn die Presse hat eine hohe moralische und gesellschaftsfördemde Funktion zu erfüllen: frei ihre Meinung herauszusagen, konstruktive Vorschläge für künftige Planungen zu machen, zu den Gegenwartsproblemen Stellung zu nehmen und dort Kritiken zu üben, wo nach ihrer, der , Presse Meinung Misstände j vorhanden sind oder Besse. [ rungen erforderlich sein dürften. Es gibt keinen Men-i sehen, jedenfalls keinen einzigen in unserem jüdischen Lebensbezirk, der nicht auf , dem Standpunkt stehen wür. de, dass die Pressefreiheit eine Säule, eine Stütze, ein Fundament für jedes demo- I kratische Leben ist und aus diesem Grunde auch zu den i grossen Errungenschaften j der modernen Gesellschaft gehört, | Aber — und hier beginnt! die Debatte, die Pressefreiheit wird nur solange als wichtig, nützlich oder gar als | ¡heilig angesehen wie sich , die Presse nicht erlaubt, in I die eigenen Bezirke unseres ¡Lebens als Gemeinschaft ein. zudringen oder solange die Kritik dort Halt macht, wo es dem einzelnen oder einer bestimmten Gruppe gefällt. Dies gilt nicht nur für die Kritik von aussen, sondern 1 erst recht für die Kritik von innen das heisst für jene ■ Kritik, die in der jüdischen '! Presse an gewissen Erscheinungen (oder Unterlassun- 1 gen) im jüdischen Leben geübt wird. Jeder solle aber verstehen, dass das Recht der freien Meinungsäusserung wie , JUEDISCHE BUCHHANDLUNG TALLESSIM. MACHSO¬ RIM (span. Uebersetzg. LUACH 5727, Neujahrs- Glückwunschkai ten G. KAPLANSKY Pueyrredón 45f T. E. 89.3431 es der Presse als eine wichtige Aufgabe und Verpflichtung auferlegt ist, auch dann ein Recht bleibt, wenn es uns unter manchen Umständen nicht gefallen mag. Natürlich: Kritik Kritik ist immer dann nützlich, wenn sie zugleich sich darum bemüht, den Weg zu einer konstruktiven Arbeit oder zu einer Besserung der kritisierten Zustände aufzuzeigen. Das muss aber nicht unbedingt das Wesen einer Kritik ausmachen. Denn man kann sehr wohl erkennen, dass irgendeine Einrichtung; eine Tat, eine Unterlassung falsch oder unzweckmässig ist, ohne schon zu wissen, wie man es besser machen könnte. Deswegen soll man sich vor dem billigen Ein. wand hüten, ,,’runterzureissen ist leicht, besser machen!“ Man könnte z. B. sagen, der Geiger oder Klavierspieler ist kein grosser Künstler und man darf dies sogar sa. gen wenn man dieser Auffassung ist, ohne deswegen schon imstande zu sein, besser zu fiedeln, oder besser Klavier zu spielen als der Kritisierte. Dies alles wird gesagt, damit jeder verstehen kann oder verstehen lerne dass eine gesunde Kritik zum Bestand jedes gesellschaftlichen Lebens gehört. Eine Gemeinschaft die „kritiklos“ lebt, die auf Kritik verzichtet oder verzichten möchte, kann nicht aufblühen. Denn auch die Selbstkritik, die jeder Mensch an sich selbst üben sollte, ist ein wesentlicher Faktor zur Meinungsbildung und Orientierung. Grenzen der Kritik Selbstverständlich hat auch die Pressefreiheit und die damit in Zusammenhang stehende Kritik ihre, man darf sagen natürliche, Grenzen. Jedes Recht hat seine eigene Grenze, schon dort, wo es mit dem Recht eines anderen kollidieren kann. Niemand kann mit seinem Eigentum frei umgehen, obwohl es doch sein Eigentum ist, und er ein sein ob man öffentlich Kritik sein Eigentum hat. Aber dennoch darf kein Eigentümer | sein Haus anzünden senon : deshalb nicht, weil er da i durch die Rechte, also das Eigentum des Nachbarn gefährdet. I Es kann sehr zweifelhaft! sein ob man öfentlich Kritik am Verhalten eines einzelnen Menschen üben kann, es sei denn, dass er sieb dieser Kritik wie ein Politiker oder Schauspieler selbst und im! Bewusstsein der Möglichkeit einer solchen Kritik aussetzt Hierauf wird nur deswegen hingewiesen, damit man begreifen möge, dass es zu einfach wäre, dieses Probiem —; wie andere — nach der simplen Schwarz-Weiss-Methode j zu betrachten.! Die Gesellschaftskritik hat i dort ihre Grenzen, wo sie die j Gesellschaft gefährdet Jeder i Publizist und jedes Presse- I Organ, das sich selbsernst : nimmt, muss mitunter auf ‘ Misstände hinweisen Aber wenn dieser Hinweis m einer Form geschieht, dass dadurch nicht die Misstände abgestellt, sondern nie Ge- Seilschaft zerstört wird dann ist die Kritik falsch irrtümi lieh oder schlicht scrädlichN | wobei es nicht auf die Abi sichten, sondern auf die von! einem ernsten Journalisten , von vornherein zu beriiek- : sichtigenden Folgen ankom. : men kann. Erklaerung des Presidenten Ongania Der Präsident Argentiniens, Generalleutnant Juan Carlos Ongania, empfing vor einigen Tage Delegierte des Verbandes der Auslandspresse unter Führung des Perc.v Foste: in Audienz. Wie offiziell bekannt gegeben wurde, betonte der Präsident bei dieser Gelegenheit erneut, welche Wichtigkeit seine Regierung der Informa, tion der Presse beimesse und zugleich den Wunsch, dass die Berichterstatter sich auf verantwortliche Quellen beziehen. Nur auf diese Weise könnten Irrtümer vermieden werden, die Argentinien zum Schaden gereichen. Er fügte hinzu, er sei sicher, dass kürzliche Meldungen über rassistische Aktivitäten in Argentinien auf einem schwelen Irrtum beruhten, denn Gefühle des Rassenhasses laufen der argentinischen Tradition der Freiheit und Verteidigung der Menschenwürde zuwider. Hierauf entgegnete Percy Poster, dass „die für diese Nachrichten verantwortlichen Quellen nicht dem Ver. band angeboren dessen Vorsitzender er sei.“ Schliesslich versichere Präsident Ongania neuerlich, dass seine Regierung gewillt sei, die Fressefreiheit zu gewährleisten. Ein Beispiel i Diese etwas umständliche : Einleitung war erforderlich.! um auf den Fall der Zeit- I schrift La Luz zu sprechen zu kommen, die in einer | reichlich sensationell aufge- | machten Form auf gewisse i Misstände bei einer jüdi- 1 sehen Organisation hingej wiesen hatte und seit Monaten immer neue ..Enthüllungen“ bringt. Hätte die Zeitschrift sich darauf beschränkt, gewisse Vorgänge anzuprangern und eine Klärung zu verlangen, würde man nicht bestreiten können, dass sie im Rahmen der Pressefreiheit eine gesunde und nützliche Kritik geübt haben würde. Inzwischen ist — wenn auch reichlich spät — eine Kommission aus hervorragenden Persönlichkeiten : zur Prüfung der kritisierten Vorgänge eingesetzt worden. Die Kommission hat gerade in diesen Tagen ihren Bericht abgegeben, über den wir informieren werden. Dass dies erst reichlich spät geschah — und zwrar zum Schaden der allgemeinen jüdischen Oeffentlichkeit —, ist ein Fehler der zentralen Instanzen unseres jüdischen Lebens. Aber es ist gesche. hen, und bis der Spruch der Kommission nicht vorlag hatte niemand ein Recht zu intervenieren. Weder ist es der Presse würdig, irgendeinen „Druck“ auf die Kommision auszuüben, noch ist es anständig, dass die zur Diskussion und Beurteilung stehende .Partei* dies tut Und wenn sie es tun, — was auch geschehen ist. — so schadet sie sich nur selbst. Das Beispiel bezieht sich auf die von der Zeitschrift La Luz behaupteten und aufgezeigten Vorgänge bei der zentralen OSFÄ. deren frühere Vorsitzende in Selbstverteidigung ein Zirkular ver. sandt hat was man vielleicht verstehen, nicht aber während eines schwebenden Verfahrens billigen kann. In dem Augenblick, wo La Luz über kritische Bemerkungen hinausgeht und durch Ton und Inhalt die ganze Gemeinschaft .verdächtigt* oder durch Verdächtigungen schädigt, ist die Kritik schor nicht mehr Kritik. Selbst wenn man annehmen wollte, seitens der .anderen Seite* läge eine Provokation vor, | darf sich ein verantwortlicher j Journalist nicht provozieren! lassen. — | Eines sollen wir wissen: Wo ' Menschen arbeiten, werden immer Fehler gemacht wer- , den. Nur wo es Stillstand und 1 Friedhofsruhe gibt, werden auch keine Irrtümer entste- I hen. Wo Menschen arbeiten, i wird es nicht nur Fehler,! sondern mitunter auch Un- , erfreuliches geben. Aber we-; der Fehler noch Unerfreu- ] lichkeiten können die hohen Ziele oder Ideale berühren, j die sich eine Gemeinschaft i setzte. Das Ideal bleibt auch ' dort ein Ideal, wo der einj zelne versagt. Konzerte und andere Veranstaltungen Neuerscheinungen des Verlages „OLAMENU ü in TEL AVIV. POB 3002, ISRAEL Dr. fi J. GOERLICH (Wien): RUTH. — Geschichte eines jüdischen Mädchens. Ein Wiener Roman aus der Nazizeit. — Kart. $ 5.—. Prof Dr HARRY ZOHN (Waltham): Wiener Juden in der deutschen Literatur. Reich illustriert. Halbleinen $ 3.50. ZEITSCHRIFT FUER DIE GESCHICHTE DER JUDEN Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD Abonnement nur ganzjährig $ 8.50. DEMNAECHST ERSCHEINT: HUGO GOLD: GESCHICHTE DER JUDEN IN WTEN Das Standardwerk der jüdisenen Geschichte Wiens Hunderte Illustrationen. Ermässigter Subskriptionspreis vor Erscheinen $ 20.—, nach Erscheinen $ 35.— IN VORBEREITUNG: »HISTORY OF THE JEWS IN AUSTRIA“. Ein Jahrbuch in deutscher urid englischer Sprache. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. GEDENKBUCH DER UNTERGEGANGENEN JUDEN- GEMEINDEN DER TSCHECHOSLOWAKEI. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. Er. scheint in zwei Bänden. L Band Böhmen, Mähren und Schlesien. — IL Band Slowakei und Karpatorus. Alle diese Publikationen erscheinen im Rahmen des lm Entstehen begriffenen CHAJES-raSTITUTS Gratulieren Sie Ihren Verwandten und Freun- , den in Israel, Amerika und Europa zu Rosch Haschonoh mit einer nwn ewi Glückwunsch - Anzeige in der U SFM4N41SR4EIIT4 JUEDISCHEN WOCHENSCHAU Die SONDERNUMMER erscheint am MITT¬ WOCH DEN 14. SEPTEMBER 1966. Annahme taeglich ausser Sonnabend und Sonntag in unserem Büro in der PUEYRRED0N 2190, I. Stock links B (esq. LAS HERAS) Kurz vor den Hohen Feiertagen wurden in unserem Sektor drei Konzerte veranstaltet, die alle drei einen verschiedenen Charakter trugen auch inhaltlich anders gestaltet waren und offensichtlich verschiedenartigen Zwecken dienten. Ausser den üblichen Konzert. Kritiken (Rezensionen) seien auch vom gesellschaftlichen Standpunkt aus einige Bemerkunj gen hinzugefügt. I DAS Konzert, das uns als jüdische Gemeinschaft am meisten interessiert, war oder j ist das Synagogen-Konzert j der NCI unter der Leitung des Oberkantors Bluhm und i des Dirigenten Kalwarisky. Denn dieses Konzert brachte , im Hinblick und im Zusam- (Fortsetzung der Ereignisse auf Seite 5) Literarische Notizen Jüdische Lieder unerwünscht Die Sängerin Dalida trat in Casablanca auf und sang auch das hebräische Lied ,,Hawa Nagila“. Dies führte zu einem Sturm im Publikum. Die Behörden unter, sagten ihr das weitere Auftreten in Casablanca, setzten sie in Hausarrest und leiteten eine Untersuchung ein. Anna Langfus s. A. Die Stadtbehörde von Sarcelles, einer Satellitenstadt von Paris, wo Anna Langfus, die kürzlich verstorbene Schriftstellerin gelebt hat, wird ihre Stadtbibliothek nach ihr benennen. Ehrung Der Titel eines „Ritters des Ordens für Verdienste um die Arbeit“ wurde Dr. Astorre Mayer, Präsident der Mailänder jüdischen Gemeinde. von Präsident Saragat verliehen. Ehrenliste Die aus Anlass des Geburtstages der Königin veröffentlichte Ehrenliste enthält rund 1.800 Namen, darunter viele Persönlichkeiten an ihrer Spitze der Bankier aus dem jüdischen Bereich, S. George Warburg (Knight Bachelor), ferner der Schauspieler Peter Seilers (Commander of the Order of the British Empire) _ der Schriftsteller Harold Pinter (ebenfalls C. B. E.), der Arzt Prof. Sursby (C. B. E.), Rabbiner Israel Porush, Sidney. und der Schachmeister Harry Golombek (beide Order of the British Empire). Damit ist die Liste der jüdischen Persönlichkeiten auf der neuesten Ehrenliste noch nicht er- 1 schöpft. , Vermächtnis Zehntausend Anteile der i Royal Dutch Shell sind von! Matwei Günsburg, einem ' holländischen Petroleummag. , naten, dem Technion vermacht worden. Günsburg ist in London vor einigen Monaten gestorben. Günsburg hat auch die Hebräische Universität, den ORT und andere Institutionen bedacht. ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUS. GABEN ZUM OFFIZIELLEN KURS AGENCIA FILATELICA OFICIAL DEL ESTADO DE ISRAEL VIAMONTE 550, I. B — Bs. Aires, Rep. Argentina Für die Glückwünsche und überaus zahlrech erwiesenen Aufmerksamkeiten anlässlich der Bar Mizwa unseres Sohnes D A N Y danken wir hierdurch allen Verwandten, Freunden und Bekannten. 4AX HOCHBERG und Frau -IA geb. WATERMANN Andonaegui 2083 LUACH — (KALENDER) Freitag, den 9. September 24. Elul Sonnabend, den 10. September 25. Elul Schabbat NIZAWIM — WAJELEOH Haftara: Jesaja Kap. 62 Sonntag, den 11. September 26. Elul 1. Tag S'lichot Montag, den 12. September 27. Elul Dienstag, den 13. September 28 Elul Mittwoch, den 14. September 29. Elul EREW ROSCH HASCHANA 5727 Donnerstag, den 15 September 1. Tischri 1. Tag Rosch Haschana 5727 Freitag, den 16. September 2. Tischri 2. Tag Rosch Haschana Sonnabend, den 17. September 3. Tischri Sonntag, den 18. September 4. Tischri Zorn Gedalia Montag, den 19. September 5. Tischri Dienstag, der* 20. September 6. Tischri Mittwoch, den 21. September 7. Tischri Donnerstag, den 22. September 8. Tischri Freitag, der. 23. September 9. Tischri Erew Yom Hakipur Sonnabend, den 24. September Yom Hakipur Yiskor — Totengedenkstunde Sonntag, den 25. September Montag, den 26. September Dienstag, den 27. September Mittwoch, den 28. September Erew Sukkot 10. Tischri 11. Tischri 12. Tischri 13. Tischri 14. Tischri