Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2184 (9.9.1966)
- Date
- 1966-09-09
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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( 0 — Viernes, i de Septiembre de 1966 SEMANA ISRAELITA AA# IXTO — W »184 Eine gefaehrliche These (Schluss von Seite 1) man dieser Autorin vorgeworfen, dass sie über Menschen ein hartes (und ungerechtes) Urteil fällt, ohne zu berücksichtigen unter welchen Bedingungen diese Judenräte arbeiten mussten, immer in der Hoffnung, dass sie das schwere Schicksal ihrer Brüder und Schwestern lindern könnten. Gerade zu dieser Seite der Arendtschen Ausführungen liegen viele Stellungnahmen vor, in denen der Irrtum nachgewiesen wurde, dem Hannah Arendt anheimgefallen ist. , Dae Fazit, das Frau Arendt aus ihrer Schilderung der Person des SS-Mannes Eichmann zieht besteht in der Feststellung, wir hätten es hier mit einem gewöhnlichen Durohschnittsbürger zu tun, der „an sich'* keine auffallenden Merkmale gezeigt habe. Er sei ein typischer Bürokrat gewesen, ein typischer Verwaltungsbeamter ja sogar ein „Idealtyp des Bürokraten totaler Prägung“. Er habe für sich den „kategorischen Imperativ in frank- »cher Formulierung“ akzeptiert: „Handle so, dass der Führer, wenn er von deinem Handeln Kenntnis hätte, dieses Handeln billigen würde“... Diese Franksche Formel als „Kategorischen Imperativ“ zu bezeichnen, dürfte allein schon eine Blasphemie sein und darauf hindeuten, dass sich Frau Arendt von der nazistischen Denkart völlig hat einfangen lassen. Diese Entstellung des Kategorischen Imperativs, der doch die philosophische Formulierung des sittlichen Verhaltens eines Menschen bein. haltet, wie ihn die Kulturweit erwartet, deutet in einem erschreckenden Masse auf eine dekadente Geisteshaltung hin, in der alle bisher als richtig und gültig erkannten Normen aufgehoben, pervertiert und in ihr Gegenteil verdreht worden sind. Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1* i*q. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Speskiiqeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49.5850 PROPIEDADES FRANKENBERG e. 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Dass ein Beam ter, der seine Pflicht tut, also ein „typischer Beamter“, auch seine Pflicht in einem bisher unbekannten Vernichtungsprozess menschlichen Lebens .erfüllt', dafür ist wohl Eichmann der einmali ge Beweis, jedenfalls was den Umfang der Mitwirkung an dem grausigen Verbrechen der Nazis anlangt dem schliesslich sechs Millionen Unschuldiger zum Opfer gefallen sind. Was gibt es eigentlich hieran zu analysieren? — Alle diese, mit einer vermeintlichen Gelehrsamkeit vorgetragenen Argumente, die verständlich machen wollen, was niemals und nirgends verstanden und noch weniger zu entschuldigen ist, tragen nur zur Verwischung der Verantwortlichkeiten und — was noch viel bedenklicher ist — zu einer Desorientierung der Massen für Recht und Unrecht bei. Welche j Konsequenzen sollten wohl ] sonst vom Durchschnittsbürger gezogen werden, dem man erklärt, Eichmann oder andere Täter, Anstifter oder Gehilfen des Massenmordes seien „typische Verwaltungsbeamte“ gewesen, die ihrer Pflicht nachgekommen seien; und dazu noch ihrem eigenen „Kategorischen Imperativ“ gehoicht hätten? Auf Entgleisungen Hannah Arendts, die jüdischen Eh-'!- gesetze mit den Nürnberger Gesetzen in einem Atemzug zu nennen, soll hier nicht eingegangen werden obwohl sie deutlich machen wozu sich die Autorin hinreissen lässt, um ihre Thesen zu stützen. Auf der gleichen Linie liegen die Angriffe gegen den Zionismus, wobei es noch nicht einmal interessant ist, dass Frau Arendt damit ihre eigene (zionistische) Vergangenheit verleugnet, was keinen sympathischen Eindruck macht. — Aber hier geht es nicht um Fehlbeurteilungen einzelner Autoren, sondern um jene Ihr Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUSE T. E. 76-5842 JUDITH SCHENKOLEWSKI KtTLTUSSTICKEREIEN Schabbosdeckec TaJJtebeutel Käppchen Ma z zot-Taschen Handan0 Maschinenstickerei von Bett- und rischwäsche Di. P. L RIVERA 258h (fr Bebedero) T. E I3-«155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 Frage, die in ihrer krassen l Präsentation zugleich etwas 1 Erschreckendes beinhaltet: Gibt es wirklich eine „Eichi mann-Welt"? Ist es zutref-! fend, dass „die Psychologie : des bürokratisch organisier- | ten, staatlich anbefohlenen j Mordes und seines Täters dis Psychologie des normalen Durchschnittsbürgers ist“? — Wird jeder Durchschnittsbür. ger zu einem Mörder, nur weil er bereit ist. einen Befehl von oben auszuführen? — Kann er zu einem Mörder werden? — Sind die sittlichen Hemmungen die eine Jahrtausende alte Erziehung von Geschlecht zu Geschlecht den Menschen gegeben hat, so schwache, dass sie durch einen Befehl beseitigt werden können? — Oder muss nicht in jedem Fall, wo ein Mensch zum Mörder auf Befehl wird, sein eigener Willen, seine, möglicherweise irregeleitete Erkenntnis ihn erst zum Mörder machen? Die von Jürgen Baumann gezogenen Konsequenzen sind in ihrer Wirkung noch verhängnisvoller als die Theorien der Frau Arendt. Das sittliche Konzept, das von Religionen und Philosophien geprägt worden ist, wird zerstört, gewiss ungewollt, aber das ändert nichts am Endergebnis. Dass es sich bei der „Endlösung der Judenfrage“ durch das Dritte Reich um eine einmalige Aktion des organisierten Verbrechens gehandelt hat, durfte nicht nur aus hi storischen Gründen ersichtlich werden. Selbst andere Massaker und Massen-Exekutionen. die wir aus der Geschichte kennen, dürften wohl kaum als eine Parallele herangezogen werden können, weil noch niemals mi+ dieser Systematik an die Vernichtung des menschlichen Lebens geschritten worden ist. Ein beachtenswerter Hinweis auf die Einmaligkeit die ser Vorgänge dürfte in den Schwierigkeiten liegen, die bei der Aburteilung dieser Verbrechen aufgetreten sind. Im Gegensatz zu Jürgen Baumann sind wir der Auffassung, dass nicht erst mit dem ESebmann-Prozess der bisherigen Strafrechtsdogmatik eine Fülle von Problemen gestellt wurde, die bisher nicht bekannt waren. Dies gilt für alle Prozesse, die gegen die Schuldigen an den Judenmorden geführt worden sind und auch jetzt noch geführt werden Auf die „juristische Sondematur dieser arbeitsteilig und mechanisiert durchgeführten Massenverbrechen“ haben viele Autoren hingewiesen. Sicherlich haben die Teilnahmeprobleme den Gerichten „Sorge“ bereitet. In der Rechtsprechung deutscher Gerichte ist immer wieder die Tendenz zu beobachten, weitgehende Beihilfe anzunehmen, obwohl oftmals Täterschaft bei ,ei- JACOB LAPIDUS dipl. Mehel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2837 4« B 46-1716 und 48-2124 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78-4784 Wahrscheinlich Sabotage Tel Aviv. — Sechs israelische Arbeiter wurden verwundet, als ihr Traktor in der Nähe der syrischen Grenze auf eine Mine stiess. Wie es heisst, sind ihre Verletzungen nicht ernster Natur. Die vom Kkl beschäftigten Arbeiter waren nach der Siedlung schear Jaschuw unterwegs, in deren Umgebung der Keren Kajemet Böden planiert. Auf dem Wege dorthin ereignete sich der Unfall. Die Explosion warf den Traktor um. Eine militärische Einheit erschien nach kurzer Zeit, um den Verwundeten Hilfe zu leisten und das Terrain zu säubern. Israelisch« Funktionäre erklärten, sie seien praktisch sicher, das die Mine während der Nacht gelegt wurde, denn am Tage zuvor wurde die Strasse in den Nachmittagsstunden noch befahren. UN-Beobachter und israelische Beamte leiteten sofort eine Untersuchung ein. (ITA) genhändiger voller Tatbestandserfüllung“ vorliegt. Unterstellen wir, dass diese Problematik nicht aus der subjektiven Einstellung der Richter resultiert sondern aus objektiven Ueberlegungen erwächst, so kann schon unter Zugrundelegung der überwiegenden Lehrmeinungen die Abgrenzung zwischen Täterschaft und Beihilfe nicht unlösbare Schwierigkeiten bereiten. Wo sie dennoch vorhanden sind, weisen sie auf die Andersartigkeit der Verbrechens-Tatbestände in Abweichung der aus der übli chen Erfahrung bekannten Mordtaten hin. Täter, die an der Ermordung von Tausenden, Zehn- oder gar Hunderttausenden mitgewirkt haben, waren bisher nicht bekannt. Wenn es auch nicht gleichgültig sein mag, ob die Mehrheit der zur Aburteilung stehenden Verbrecher selbst der Täterschaft bezieht .gt und überführt wurden oder „nur“ Beihilfe zum Mord geleistet haben, so ist diese F“age letztlich nur für die juristische Einschätzung und Wertung bedeutsame. Für jedes moralische Kriterium ist sis r. icht entscheidend. Denn auch diejenigen, die nur' Beihilfe leisteten, tragen die Verantwortung aim Gesaaugeschehen. Ihre Schuld kann mitunter sogar grösser sein als die der Henkersknechte. Wer das Gas für die Krematorien in Auschwitz oder anderswo lieferte ist nicht weniger — oder sogar mehr — schuldig, als die verrohten Menschen, die es hinein warfen, um die Opfer zu erstikken. Damit wird wieder einmal die Frage der sogenannten Schreibtisch - Mörder angeschnitten die bisher keine Lösung gefunden hat. Diese Frage wird nicht nur von uns, sondern meistens von den Angeklagten gestellt, die sich darauf berufen, als ausführende Organe für Taten die Verantwortung tragen zu müssen die andere ausge. dacht geplant angeordnet und ermöglicht haben. Die Antwort auf diese Frage bleibt die deutsche Strafverfolgung und Justiz schuldig. Die „Eichmann-Welt“, von der gesprochen wurde, ist eine bisher auf ein Volk begrenzte Welt. Sie ist kein Problem der Durchschnittsbürger sondern der heute Verantwortlichen, die — aus welchen Gründen auch immer — nur einen Schritt taten, um die „unbewältigte Vergangenheit“ zu überwin - den. Wie aber kann man erwarten, diese schreckliche Vergangenheit zu bewältigen, solange nur der eine Schritt getan wurde, durch Strafen diejenigen aus der Gesellschaft zu eliminieren, die das Verbrechen ausführten, nicht aber diejenigen, die es vorbereiteten und veranlassten? — Unter diesen Aspekten ist die bestürzende Feststellung, zu der Jürgen Baumann nach seiner Analyse einiger Publikationen gelangt — wenn auch mit den hier für die Welt gemachten Einschränkungen, — möglicherweise zutreffend, wenn wir sie aufs deutsche Volk beziehen. Die LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarseuky Pueyrredón 2190, 1* izq. T.E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: 8 700.— pro Jato Ausl. $ 1.000,— jato! Exporte Tel Aviv. — ln den ersten fünf Monaten dieses Jahres stiegen die Exporte um 12,6 Prozent gegenüber der glei. chen Zeit des Vorjahres und erreichten 275 Million«« Dollar. Antwort kann nur von den Deutschen gegeben werden, nicht durch Bekenntnisse der Scham oder Gesamtreue, sondern durch die Ausschaltung und Strafverfolgung der Hauptverantwortlichen, deeren sittliche Erkenntnisse und deren Bewusstsein von der Schwere der von ihnen vollbrachten Beihilfe schwerwiegender sein dürften als die der Mehrheit der bisher ihrer Strafe zugeführten Täter. CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I. Blumenfekl (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Tra urnatologia del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Buenos Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES J. E. URIBURU 285 4! 2331 — 2240 47-5875 Dr. BERNARDO 60LDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. 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