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Jüdische Wochenschau · 1966-08-05 · 2179 (5.8.1966) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2179 (5.8.1966)
Date
1966-08-05
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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I — Vieniei, 8 de Agoste de 1966 SEMANA ISRAELITA Afle XXV IL — N* 2179 NEUE WERTE SUCHEN Spaete Einsiebt ft (Schluss von Seite 1) erscheint wie ein schwaches Präludium für den erwarteten und im voraus zu berechnenden Umfang der bevorstehenden Katast rophe In der Begriffe wie Front und Hinterland, kämpfende Truppe und Ersatzheere Überholt sein werden. Neben dieser Entwicklung' Eum Untergang und Chaos wirkt die moralische Situation unter den meisten Völkern als ein künstlich erzeugter Freudentaumel und Tanz auf dem Vulkan. In der Tat spielen Drogen und Betäubungsmittel innerhalb des gesellschaftlichen Lebens vieler Nationen eine beängstigende Rolle. Die „neue Welt“, die von der englischen Königin mit Ehrenabeeichen ausgezeichneten Bänkelsänger, der eigenartige Zustand einer entfesselten und schwer kontrollierbaren Jugend, der Durchbruch der ungehemmten Sexualität bis in die höchsten staatlichen Spitzen, die zügellose „Freiheit“, die den Kampf aus den Studierstuben der Gelehrten, den Kabinetten der Regierungen, den Parlamenten der Volksvertreter, den Versammlungsräumen der Parteien auf die Strasse verlagert und die Politik zu einer öffentlichen Schaustellung macht, sind alarmierende Symptome für das Herannahen einer Epoche, in der sich der Mensch verliert und auf ein Niveau niedersteigt, das bisher als verabscheuenswert angesehen worden ist. Dass trotz dieser sichtbaren Dekadenz-Erscheinungen ein beeindruckender Fortschritt auf vielen Gebieter. fies menschlichen Wissens, eine Verbesserung der Le- •ensbedingungen, eine Steigerung des Bildungsniveaus feststellbar wird, zeigt nur umso krasser die scharfen Kontraste, die zu einer Zer ietzung der Menschheit füh- Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1® izq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PROPIEDADES FRANKENBERG S. R- L. berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DE! PINO 2262 T. E. 73-7887 ren müssten. Denn neben diesen positiven Entwicklungen verharren Millionenmassen in Hunger, im Elend, ir. einem immer schlechter werdenden körperlichen Zustand und in einer erschreckenden Unwissenheit, durch welche die bereits bestehenden krassen Gegensätze verschärft und zu weiteren Konfliktsstoffen herangezüchtet werden. HI. Nichts wäre verderblicher und gefährlicher, als etwa annehmen zu wollen, dass unsere jüdische Gesellschaft selbst von diesen negativen Erscheinungen verschont bleiben könnte. Denn jedes Volk und jede gesellschaftliche Ordnung unterliegen den gleichen Gesetzen. Bei der unauflösbaren Verwobenheit der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern, besonders in einem Zeitalter der schnellen Verbindungen und sofortigen Informationen, wachsen die gegenseitigen Einflüsse ständig. Eine weltfremde Zurückgezogenheit in die Einsamkeit eigener kultureller Höhen be. steht nicht mehr. Wollte man dies annehmen oder sich einreden, so würde dies nur eine etwa vorhandene Wirklichkeitsfremdheit steigern. Sind vor allem bei den meisten europäischen und asiatischen Völkern in den letzten fünfzig Jahren grundlegende Umwälzungen vorgekommen, haben sich weitgehende Verlagerungen auf bevölkerungspolitischem Gebiet vollzogen, mussten überall starke Wanderungs- oder Flüchtlings-Bewegungen beobachtet werden, die zu einer entscheidenden Veränderung der politischen Landkarte geführt haben, so wird man verstehen, dass derartige, tiefgreifende Wandlungen auch sichtbare Folgen auf den Charakter, die Gedankenwelt, die Gefühle und die Moral der betroffenen Völker zeitigen müssen. Dies alles aber, was hier ganz allgemein von den Schicksalen der Nationen während der letzten Jahrzehnte gesagt wurde, dürfte in einem verstärkten Umfang von uns Juden selbst gelten. Denn es dürfte auch nicht eine einzige jüdische Familie auf dem europäischen Festland Oberhemden REPARATUREN UND NACH MASS ECHEVERRIA 3360, B. 76-3183 Ihr Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUSE T. E. 76-5842 geben, die heute noch am gleichen Platz oder im gleichen Hause lebt, wie dies vor 50 Jahren der Fall gewesen ist. Denn an uns hat sich nicht etwa nur die generelle europäische Katastrophe erfüllt, sondern auch unsere eigene, die jüdische. IV. Man hat sich damit abgefunden, den neu formulierten Begriff der „unbewältigten Vergangenheit“ nur auf das deutsche Volk zu beziehen, das mit den schrecklichen Problemen der entmenschten Naziperiode auch heute noch nicht „fertig“ geworden ist. Wir wollen die Frage ungeprüft lassen, ob es überhaupt jemals möglich sein kann, eine solche Vergangenheit zu bewältigen, woran Zweifel zu hegen, wohl mehr als verständlich sein dürfte. In diesem Zusammenhang dürfte oder sollte uns eine andere Frage beschäftigen: Ist es möglich, dass wir selbst unsere, diese entsetzliche Vergangenheit, diese Erlebnisse der NS-Zeit überwinden? — Sind doch auch diejenigen europäischen Juden als entwurzelt anzusehen, die selbst dann nicht die Folge ihrer zwangsweisen „Wohnsitzverlagerung“ überwunden haben können, wenn sie mit dem Schreckenssystem nur flüchtig in Berührung gekommen sind. Ke Adaption oder Assimilierung an eine neue Umwelt setzt immer oder meist eine Aenderung der Persönlichkeit oder eine Bereitschaft hierzu voraus. Wie kann sich ein solcher Prozess ohne jeden Einfluss auf Wesen und Charakter oder auf die Gedanken-, Vorstellung«- oder Gefühlswelt des einzelnen Mensehen oder einer Gesamtheit vollziehen? Das dürfte ausgeschlossen sein. Demzufolge muss auch eine solche Gesellschaft, die derartigen Einflüssen und Veränderungen unterworfen ist, erst recht anderen soziologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erscheinungen unterworfen sein, jedenfalls meist in einem stär. keren Umfang als die relativ stabilere Umwelt Hierfür bietet die jüdische Eimigration aus Miteleuropa in die lateinamerikanischen Länder ein klassisches Beispiel, dessen Unberzeugungskjraft stärker in Erscheinung tritt, wenn man nicht unbedingt an die fortgeschritteneren südamerikanischen Staaten denkt, obwohl auch auf sie dieser Fall angewandt werden kann. Nehmen wir die Generation jener Einwanderer, die schon in einem vorgeschrittenen Alter Europa verlassen mussten und die inzwischen in ih rer Mehrheit nicht mehr am Leben sind. Dieses Beispiel ist auch deswegen angezeigter, weil wir dann nicht ge zwungen sind, ein Urteil Regensburg. — 12 mittelalterliche Bildtafeln im Presbyterium der Grabkirche von Deggendorf in Niederbayern, auf denen ein im Jahre 1337 angeblich von Juden verübter Hostienfrevel dargestellt wird, sollen aus der Kirche entfernt werden. Früher unter den Bildern lesbare Unterschriften sind bereits unkenntlich gemacht worden, berichtete das bischöfliche Ordinariat in Regensburg. Die Bildtafeln waren Thema bei einem Symposium der „Gesellschaft für christlichjüdische Zusammenarbeit“ in der Benediktinerabtei Niederalteich. Vor allem war dabei eine „anstössige und vergiftende Wirkung“ der Bildnisse kritisiert worden. Der Benediktinerpater Gunthe»- Krotzer hatte es unverständlich genannt, „dass so viele Jahrhunderte hindurch ein derartiges Zeugnis, das von Hass und Verleumdung gegen die jüdischen Mitbürger strotzt unangefochten im Presbyterium seinen Platz haben konnte.“ Der Pater bemängelte auch, dass nicht zuletzt im Hinblick auf die sogenannte „Gnad“, eine alljährliche Wallfahrt zur Sühne des angeblichen Hostienfrevels „keine innere Wandlung eingetreten“ sei und an den alten Vorstellungen festge halten werde. Unter dem Vorwand der Hostienschändung wurden nach der Ueberlieferung 1337 in Deggendorf alle Juden der Stadt getötet. rieh in ihnen vollzogen hatte, mit sich ins Grab genommen. Hatten die Jüngeren in dem harten Existenzkampf, den sie zu bestehen hatten, überhaupt die Zeit, sich mit diesen Sorgen und diesem seelischen Zwiespalt ihrer Eltern zu beschäftigen? Sind sie aber nicht selbst noch häufig nur Zaungäste der Kulturen und des nationalen Ringens ihrer neuen Wohnländer geblieben, die sich mit Surrogaten auf Sprachinseln begnügen? Mussten aus solcher Vergangenheit und ihren natürlichen Konsequenzen nicht neue Konflikte mit einer neuen Jugend entspringen, die von dieser Vergangenheit nicht oder kaum belastet war und sich schon meist instinktgemäss dagegen sträubte, dass man sie selbst mit dem Emigrantenschicksal ihrer Familie identifizierte? Diese Hinweise sollen nur in uns die Gewissheit verstärken, dass wir selbst und unsere Kinder zu einer grossen Weltfamilie der Entwurzelten gehören, in der die Begriffe und Werte von gestern schon nicht mehr ihre volle Geltung haben. Nur unser eigenster, uralter und unsichtbarer Besitz, das jüdische Familienbewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl haben verhindert, dass wir in ein Nichts verfielen, dass wir auch diese Katastrophe überlebt haben, nicht LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190, 1’ izq. T.E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 700.— pro Jahr Ausl. $ 1.000.— JährL Gegen Rassendiskriminierung New York, — Dadurch, dass nunmehr Schweden und die Mongolei die im Dezember des Vorjahres von der Vollversammlung der Vereinten Nationen angenommene Konvention gegen alle Formen der Rassendiskriminierung unterzeichnet haben, ist die Zahl der Signaturen auf 28 gestiegen. nur physisch, sondern auch geistig und moralisch. Wie schwierig es ist, das Alte mit dem Kommenden in einen harmonischen Einklang zu bringen, zeigt unser Leben, das ein ständiges Sachen nach Ausgleich und sittlicher Harmonie ist. — JUDITH SCHENK0LEWSK1 KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecker TadJebeutel Käppchen Mar zot-TascbeD Handodö Maschitienstickerei von Bett- und riscbwäsche Dr. P. L RIVERA 2585 (fr Bebedero) T. E I3-M55 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 73-1049 76-0286 JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037 4o B 46-1716 nnd 48-2124 über uns selbst zu fällen, und wir damit die Schwierigkeit überwinden, zu einer gerechten Entscheidung über uns zu gelangen, was bekanntlich nicht einfach ist. Man darf wohl sagen, dass sich diese Generation der Väter, die zwischen den Jahren 1933 bis 1940 nach Südamerika kamen, durch ein besonders hohes Niveau auszeichnete. Viele unter ihnen waren Akademiker, erfolgreiche Aerzte, bekannte Anwälte, gebildete Kaufleute, kurzum Menschen, die noch in jener „guten alten Zeit“ vor dem 1. Weltkrieg ihre „europäische“ Schulung erhalten hatten, die es heute selbst in Europa nur noch selten gibt. Für alle diese Menschen waren die lateinamerikanischen Länder ein Geheimnis. Ke äusserlichen Formen, die Lebenshaltung, das „Niveau“ lag unter der eigenen Kulturstufe. Dennoch mussten sie sich irgendwie als Deklassierte fühlen, da sie kaum die Möglichkeit hatten, schon aus sprachli chen Gründen am öffentlichen Leben, an kulturellen Begebenheiten, am allgemeinen Fortschritt teilzunehmen. Aus diesem Konflikt, von der europäischen Gesell Schaft, zu der man gehörte, ausgestossen zu sein ohne an der neuen Gesellschaft den erwünschten Anteil nehmen zu können, ist ein Stefan Zweig zugrundegegangen, haben auch stärkere Naturen gelitten und den tiefen seelischen Riss, der MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78-4784 CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I. Blumenfeld (Director) Jefe del Servido de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Bueno« Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES J. E. URIBURU 285 41 2331 — 2240 47-5875 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. E. 73-8782 b. 73-6817 Consultas: wochentags von 15—18 Uhr Donnerstag keine Sprechstunde Sonnabend: 14—16 Uhr Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 Dr. Bernardo SCHWARCZ ZAHNARZT ESTOMPA 2283 — 76-8216 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG BERNARDO STERN Ausführung saemtlicfier MALERARBEITEN HELGUERA 19X5 — T. 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