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Jüdische Wochenschau · 1966-06-10 · 2171 (10.6.1966) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2171 (10.6.1966)
Date
1966-06-10
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 10 de Junk» de 1966 vinavflsi ¥M¥His Año xxvn. N® 2171 Zwei Leichen am Meeresstrand Im brasilianischen Küstengebiet, unweit von Rio de Janeiro, schwemmte kürzlich das Meer die Leichen eines Mannes und einer Frau ans Land, die entweder durch Freitod aus dem Leben schieden oder die Opfer eines Unfalls geworden warein. Beide waren sehr ärmlich gekleidet. Man fand bei dem Mann Papiere mit dem Namen Grigorie Szokolnikow, bei der Frau solche auf den Namen Helene Samson. Als letzter Wohnort war Guatemala angegeben. Sie hatten keinerlei Geldmittel bei sich. Weitere Nachforschungen wurden offenbar nicht angestellt und die sterblichen Reste der beiden Angeschwemmten zur Beerdigung freigegeben. Niemand erhob Anspruch auf die Körper, es gab weder Verwandte, noch Freunde, die sie reklamierten. So fand die Beerdigung auf städtische Kosten statt. In der grossen Presse erschien die Meldung als unbeachtet gebliebene Dreizeilen- Notiz. Und doch kann man, wenn man in den Archiven der französischen Behörden, Sparte Kollaboration in den Kriegsjahren, nachforscht auf eine ausserordentliche Geschichte stossen, deren tragende Figuren Grigori Szokolnikow und Helene Samson gewesen sind. Szokolnikow war gebürtiger Russe, ein Flüchtling aus Moskau, der 1924 aus Prag nach Berlin gekommen und 1933 nach Paris weitergewandert war. Dass er Deutschvon KURT KAISER-BLUETH land nach Hitlers Machtergreifung verliess, hatte kaum ideologische Gründe. Grigori Szokolnikow war ein Weissrusse und heftig antikommunistisch eingestellt. Aber er war in nicht sehr regulärer Situation und befürchtete generell eine schärfere Ueberwachung der Ausländer im Dritten Reich. Deshalb schien ihm Paris ein angenehmeres und weniger heisses Pflaster zu sein. Es ging Szokolnikow nicht sehr gut in Paris der dreissi ger Jahre. Er lebte von Gelegenheitsgeschäften, manche sehr undurchsichtiger Natur. Seine Spezialität war das Verhandeln von Waren, die aus den Lagern in Bankrott gegangener Firmen gekommen waren. 1938 hatte er erhebliche Schwierigkeiten mit der Justiz, als er Schecks ohne Deckung ausgegeben hatte. Als er nach 1939 als „suspekt“ in Verwahrungshaft genommen werden sollte, tauchte er unter und erst wieder auf, als die siegreiche Hitlerarmee im Sommer 1940 durch den Are de Triomphe in Paris einzog. Was jetzt folgt, könnte aus einem satirischen Theater stück stammen. In einer Nachtbar lernt Szokolnikow’ in angetrunkenem Zustand einen höheren SS-Führer de* Intendanz kennen, der ebenfalls nicht beim ersten Kognac ist. Die Herren finden Gefallen aneinander, der staatenlose Russe sprioht ALFREDO STERN MALERARBEITEN NEUE ADRESSE: Vidal 1575 fast Ecke Pino Tel.: 76-9088 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. 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Am frühen Morgen ziehen sie dann, Arm in Arm, und das Horst Wes sel-Lied gröhlend, durch die leeren pariser Strassen. Aber die Nacht hat sich gelohnt, Grigori ist ins Geschäft gestiegen. er wird der offizielle Aufkäufer der SS. Nun beginnt eine ausseror dentliche Karriere. Grigori Szokolnikow, mit unbeschränkten Vollmachten ausgestattet und einer breiten Verkaufsspanne sicher, kauft alles auf, was nur aufzukau - fen Ist. Da er mit einem SS- Ausweis operieren kann, ist die Legalität nur in den äusseren Formen gewahrt. In Wahrheit arbeitet er mit Druck, Erpressung, unverhüllten Drohungen, alles für ein Butterbrot zu erhalten. Es gibt nur eine Alternative für die Verweigerung des „Geschäftsabschlusses'* — das Konzentrationslager. Da Szokolnikow zu Preisen einkauft, die praktisch ein kaum verhüllter Raub sind, der SS aber normale Preise berechnen kann, kann er Millionen und Abermillionen für sich einstecken. Aber neben diesen sozusagen legalen Geschäften, gibt es den kalten Raub, die nackte Ausplünderung. Opfer dieses Hyänenfeldzuges sind die zu Parias gewordenen Juden. Szokolnikow hat eine Geliebte, eine geflüchtete Deutsche jüdischer Herkunft, die aber Inzwischen zum katholischen Glauben übergetreten ist, vor allem wohl, um sich zu decken. Sie heisst Helene Samson. Die Samson hat zahlreiche jüdische Bekannte, die nicht wissen, dass sie inzwischen ihren Glauben gewechselt hat. Sie wissen auch nicht, dass sie einen Freund hat der der offizielle „Aufkäufer“ der deutschen SS ist. Sie bespitzelt diese Unglücklichen, erforscht ihre Vermögenslage, sucht Wert und Umfang ihres Schmuckes zu ermitteln und auch die Geldsummen, die noch in ihrem Besitze sind. Wenn sie sich dann ungefähr im klaren glaubt, erscheint Grigorie Szokolnikow mit zwei, drei „Vertrauensleuten**, droht mit fürchterlichen Repressalien und beschlagnahmt. Diese diabolischen Piraterien verübt das Paar, ehe die Deportationen beginnen zu einer Zeit also, als es noch relativ begüterte Juden in der französischen Hauptstadt grab. moebelhaus WATERMANN Das Haus der 3 Geschäfte mit der grössten Auswahl SARMIENTO 1147 T. E. 35 . 7033 CABILDO 2674 ~PAMPA~4979 Zahlungserleichterungen fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zuvorkommende fachmännische Bedienung Das Unglaubliche an dieser kaltblütig durchorganisierten Plünderungsaktion ist, dass nicht einer der Bestohlenen wagte, Anzeige bei der Polizei zu machen, denn ein Verbrecher mit einem SS-Ausweis war tabu. Ein zeitgenössischer Schriftsteller beschrieb den uner hörten Luxus, den die Samson vor den bewundernden Augen der „Haute volée“ der Kollaboration in einem Paris entfaltete, in dem die Kinder Hunger litten und die Juden sich anschickten, in die plombierten Güterwagen zu steigen, die sie in die Gasöfen bringen sollten. Helene Samson wechselte sechsmal am Tage ihre Toiletten und die Pelzmäntel die ihr Szokolnikow reihen weise schenkte, waren aus Zobel und Blaufuchs in el nem Gesamtwert von mehr als 10 Millionen damaliger Fres. Sie bestellte bei den zwei grössten Schneidern von Paris 50 Modellkleider im Jahr — eins immer teurer als das andere. Szokolnikow selbst wurde Besitzer eines Schlosses. Dort gab er mit seiner Maitresse Bälle für die hohen Funktionäre der SS und der Gestapo. In vorgerückter Stunde und entsprechender Lau ne nahmen die Damen Bäder in Wannen, die mit gewärmtem Champagner gefüllt waren. Die Juwelen Helenes, die man auf über Í00 Millionen damaliger Franken schätzte, waren in gleicher Höhe versichert. Das ging so bis zum Sommer 1944. Am 22. August 1944 verliessen Grigori Szokolnikow und Helene Samson mit dem letzten Wagen des aus Paris flüchtenden SS- Stabes Frankreich. Dann verlor sich jede Spur. Obwohl sich die französischen Besatzungsbehörden nach der deutschen Kapitulation fieberhaft bemühten, des dämonischen Paares habhaft zu werden, waren alle Bemühungen erfolglos. Grigori und Helene waren wie vom Erdboden verschluckt. Bis man jetzt, 22 Jahre später, ihre Leichen gefunden hat. In ihren Taschen befand sich kein roter Heller. LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, V> izq. - T.E. 83-2613 22. Siwan 5726 10. Juni 1966 Blick in die Welt von HAROLD SGHWARCZ ZUR ERINNERUNG an die Schlacht von Verdun, die vor 50 Jahren geschlagen wurde, fanden grosse Gedenkfeiern statt, auf denen de Gaulle für Völkerverständigung eintrat. — JOAQUIN BALAGUER, Expräsident der Dominikanischen Republik, kandidierte zu den Wahlen, nachdem er erst eine Absage erteilt hatte, und siegte. — KUBA befindet sich praktisch im Kriegszustand. — DER KREML warnte die USA und sagte Fidel Castro seine volle Hilfe zu... — SUKARNOS Namen erscheint nicht auf einer Vor« 6chlagsliste zur Präsidentenwahl in Indonesien. — ANDREI GROMYKO, der sowjetische Aussenminister. wird Ende Juli in Japan erwartet. — CHINA beschuldigte die USA, ein chinesisches Fischerboot durch Bombenangriff versenkt zu haben — DIE RUSSEN befürchten, dass die USA einen Asienpakt — ähnlich der NATO — zustande bringen werden — ALS PROTEST gegen die vietnamesische Regierung des Generals Nguyen Cao Ky werfen sich budhhistische Nonnen in die Flammen oder verüben auf andere Weise Selbstmord. — DIE USA boten dem neu gewählten dominikanischen Präsidenten Balaguer Wirtschaftshilfe an. — TODESURTEILE wurden in verschiedenen Ländern verhängt und vollstreckt, vor allem im Kongo, aber auch in der CSR, in Indonesien u. a. — DE GAULLE entsandte einen neuen Unterhändler nach Nordvietnam, um die Möglichkeiten eines Friedensschlusses festzustellen. — EAMON DE VALEtRA wurde erneut zum Präsidenten Irlands gewählt. — DtER MOND soll nicht „militarisiert“ werden, baten die Russen... — REINIGUNGSAKTIONEN sollen in Pekings höchsten Stellen vorgenommen werden. — VELASCO IBARRA kandidiert zum 5. Mai zur Präsi dentschaft Ecuadors. — ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUS¬ GABEN ZUM OFFIZIELLEN KURS AGENCIA FILATELICA OFICIAL DEL ESTADO DE ISRAEL VIAMONTE 550,1. B — Bs. Aires, Rep. Argentina ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung B U E R 0 $ T U N D E N ¡ DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16 18 Uhr T. I.: 83 - 2(13 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltungen - Miets-, Zivil- und Handelssache» I- E," 80 - (930 PUEYRREDON 2190 Kl|. Av. US HERAS I

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