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Jüdische Wochenschau · 1966-06-03 · 2170 (3.6.1966) · p. [Seite 4]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2170 (3.6.1966)
Date
1966-06-03
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German, Spanish
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4 — Viertes, 3 de Junio de 19G6 SEMANA ISRAELITA Año XXVII. — N? 2170 Ereignisse der oElaborateur zum Tode verurteilt Gerüchte gehen um Bin altes weises Wort sagt, dass man einen Menschen mit der Nase töten könne. Wer bei der Erwägung eines Namens die Nase rümpft, kann einem Menschen mehr schaden, als würde er lange ieindselige Reden gegen ihr. halten. Das ist die eine Wahrheit, die dem heutigen Bericht vorausgeschickt werden muss. Gerüchte haben eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Rümpfen der Nase. Auch wer seine Nase rümpft, sagt noch nichts Bestimmtes. Er deutet an. Er meint nicht unbedingt. zuckt die Achseln. Das Gerücht stellt keine sichere, keine bewiesene und meist auch keine beweisbare Behauptung auf. Deswegen sind Gerüchte gefährlicher als Wahrheiten. Auch manche Presse-Organe arbeiten mit .Gerüchten-, die zur Sensation werden können. Auch das ist nicht gut, schädigt die Gesellschaft und verlagert den Kern der Probleme. Auch das ist nicht «weckmässig, dass die Presse beim Umlauf von Gerüchten sich in Schweigen hüllt. Wie Jede Bewegung oder Aeusse rung eines Menschen zu Interpretationen und Kommen, taren führen kann, so kann dies auch mit dem Schwaigen geschehen. Aus diesem Grunde wollen wir heute, nachdem wir dar auf gewertet haben, dass die Dinge sich weiter aufklärer, zu einigen Vorgängen unse res gesellschaftlichen Lebens Stellung nehmen, die während der letzten Zeit die Oef. fentlichkeit — auch in unserem Sektor' — beschäftigt haben. Man soll sich in einem solchen Fall davor hüten, Ereignisse aufzubau- *chen oder — auch das w'äre ein Irrtum — sie in ihrer Bedeutung zu verkleinern. Die lange, etwas umständliche Einleitung war erforderlich, um mit der not wen. digen und gebotenen Objek tivität und Ruhe zu einigen unerfreulichen Erscheinungen Stellung zu nehmen, zu Vorgängen, die sich innerhalb einer der wichtigsten und besten unserer Organisationen abspielen: in der OSFA, der grossen argentinischen WIZO-Organisation. — Da es sich um eine Orga nisation der Frauen handelt, muss man eine wietere Vorbemerkung vorausschicken Natürlich will es niemand mit dem .zarten' Geschlecht verderben, aber es bleibr trotzdem eine Wahrheit, dass Frauen dazu neigen, sich Neuigkeiten mitzuteilen, wobei es nicht immer mit der exakten Wiedergabe der Tat- Sachen genau genommen wird. Ebenso ist es üblich, dass die Frauen auch den Impuls für die Aktivität der Männer geben. Das sind allgemein menschliche und psychologisch bekannte Erscheinungen: „Die FYau X hat ihren Mann aufgeputseht.. .'<, wie es im Volksmund heisst. Wir wissen natürlich, dass auch Männer gern Neuigkeiten weiter er zählen dass auf diesem Wege auch aus einer Mücke ein Elefant werden kann usw. Immerhin ist der Vorgang als solcher ernst genug, um jede Bagatellisierung zu verhindern. r Im Jahre 1920 Auf der grossen Zionisti. sehen Konferenz in London dem ersten Zusammentreffen der Delegierten der Zionistischen Organisation nach dem Ersten Weltkrieg, wurde die WIZO, die Women International Zionist Organisa tion, gegründet, die seit diesem Tage an mit dem grössten sittlichen Ernst und einer echten jüdischen Begeisterung die jüdischen Frauen organisierte, um ein gemeinsames Werk in Israel zu errichten, das von bleibendem Wert für unser Volk sein wird. Hier ist nicht de: Platz, um die bewundernswerten und in ihrer Art vielleicht einmaligen Leistungen der WIZO in ihren Einzelheiten aufzuzählen. Aber die Tatsache soll unterstrichen werden, dass die jüdischen Frauen in ihrer Sonder-Or ganisation ein zusätzliches Werk für den Aufbau Israels und die Renaissance des jüdischen Volkes geleistet haben. Eine besonders feste Säule der We’t-WIZO war und ist die OSFA, die argentinische WIZO-Organisation die es seit ihren Anfängen verstanden hat, eine überaus grosse Anzahl von FYauen aller Sektoren, Schichten und Richtungen für ein grosses ge. meinsames ziel zu mobilisieren. Unerfreulich In den letzten Wochen für eingeweihte Kreise auch schon seit Monaten, wird von Unrege; mässigkeiten geflüstert. die in der Zentrale der W'ZO vorgekommen sein sollen. Die Zeitschrift La Luz, die hier in spanischer Sprache erscheint, hat sich dieser Vorfälle mit grossem Eifer und einem schon ans Persönliche grenzenden In. teresse angenommen und Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten Essays — Nr 55 JOIi CE CARY- Spiel ohne Ehre Romaa. Nr 56 FRIEDRICH SCHILLER: Pitavai Merkwürdi ge RechtsfäU-e Nr 57/58'59: GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945 Nr 60: MARQUIS De SADE: Die Kastanienbliite uno andere Erzählungen Nr 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr 63: ELIA KAZAN: Amerika - Amerika Roman Nr 84/65: HORST LANGE: Schwarze Weide. Nr 66 GEORGEIS RERNANOS: Ein böser rravnj Nr. 67: IiEONHARD FRANK: Das Ochsenfurter Män nerquartett. Es kosten: Einfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80: Dreifachhand DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kincfler Verlag G.m.b.H., Mi‘ichcn Einzelheiten veröffentlicht, sodass man schon aus diesem Grunde an dem Geschehenen nicht einfach schweigend Vorbeigehen kann. Auffallend und bedauerlich ist, dass die zentraler Körperschaften an den Behaup tungen von La Luz einfach vorbeigegangen sind oder sich damit begnügten, zu nächst diese Publikationen mit dem Bemerken eines unschönen Sensaticnalismu abzutun. Immerhin wurde dann eine Untersuchung an. geordnet. deren Ergebnis nicht bekannt ist. obw’ohl eine Information der Presse unbedingt erforderlich gewesen wäre. Die Gerüchte, denn ea handelte sich zunächst um Gerüchte, gaben zu Ueber. treibungen Anlass. Das was bisher als Ermittlungsergeb nis festgestellt wurde, sind jedoch tatsächlich Unregelmässigkeiten, deren Umfang jedoch — wie es scheint — übertrieben wird. Konsequenzen Mit der notwendigen Schär j fe, die ein solcher Vorgang | erfordert, müssen wir dii . Handlungsweise der verant wörtlichen Personen, in erster Linie der Präsidentin der OSFA, verurteilen. Wenn sie nicht schuldig sein sollte an Unregelmässigkeiten direkt Anteil zu haben, so hätte sie längst die Presse und durch diese die jüdische Oef fentlichkeit in Kenntnis setzen sollen, was hier eigentlich vor sich geht und ob nicht alles in der Verwaltung der OSFA in Ordnung ist. Das Vertuschen von Vorfällen, das Schweigen über Unregelmässigkeiten und eine Auslandsreise, aus welchen Gründen immer diese erfolgt ist, verdichten nur einen Verdacht der Beteiligung und geben zu weiterem Gerede Anlass. Die erste und selbstverständliche Konsequenz wäre gewesen, dass die WlZO-Präsidentin, Dra. Hadassa Grin berg, zurücktritt, auch wenn die gegen sie erhobenen Beschuldigungen von La Luz, auch wenn die Verdächtigungen durch zahlreiche WIZO- Frauen unbegründet sein sollten. Bis zur Klarstellung der Dinge kann weder die Präsidentin noch die Kassen führerin im Amt bleiben. Sic In Paris wurde kürzlich nach vier Wochen Verhandlungen der Franzose Jacques Vasseur von der Cour de Sûreté de l’Etat zum Tode verurteilt. Jacques Vasseur, eine matte, unscheinbare Person, wurde überführt als Kollaborateur während der deutschen Besetzung Hunderte von Widerstandskämpfern der Gestapo zui Folter und zum Tode ausgeliefert zu haben. Vasseurs Taktik war es. sich als Chef einer Widerstandsgruppe auszugeben, den Widerstandskämpfern Waffen zu versprechen, um hierauf, nachdem er den Widerstandskämpferring aufgedeckt hatte, diesen der Gestapo auszuliefern wobei er nicht selten die Verhafteten mit Fusstritten. Schlägen und anderen Foltermethoden zu Geständnissen zwang. Das französische Spezial, gericht machte mit Vasseur „kurzen Prozess“ Diese geraffte Prozessführung stand in einem deutlichen Gegensatz zu den langfädigen deutschen Strafverfahren gegen NS-Verbrecher. In Paris wie in Frankfurt am Auschwitz. Prozess erfasste einen das Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Relativität, die durch den Ablauf der Zeit kein Verhältnis zwischen den grauenhaften Untaten der Kriegsjahre und dem unscheinbar auf der Gerichtsbank sitzenden Angeschuidigten mehr zu schaffen ver. mag. Der Staatsanwalt, der die Todesstrafe für Vasseur verlangte warnte vor dieser Relativität der Zeit, die bewirken könne, dass die Heldentaten der Opfer Vasseurs mit der Zeit derart an Gewicht verlören wie die Untaten ihres Peinigers, so dass schliesslich Opfer und Peini. ger sich auf der gleichen Stufe gegenüberstünden, als blosse Kriegsgegner ohne Nuancierung. Der Zufall will es, dass Pahätten sofort zurücktreten müssen. Bis zur Klärung der Vorwürfe kann Frau Grinberg auch nicht die anderen Aemter innehaben, die sie einnimmt, wie die Vizepräsidentschaft der Zionistischen Organisation, die Mitgliedschaft im Jüdischen Weltkongress usw. Wenn es sich nach Abschluss der Untersuchungen heraussteilen sollte dass die Anschuldigungen unberechtigt sind, wird dem nichts im Wege stehen, dass Frau Dr. Grinberg die verschiedenen Aemter wieder einnimmt. Aber bis dahin müsste es eigentlich selbstverständlich sein, dass sie sich suspendieren lässt. Nur kein falscher Alarm Dass Unregelmässigkeiten bei der OSFA für möglich gehalten werden können, dass sie vermutlich tatsächlich vorkamen, ist kein Grund, einen falschen Alarm zu schlagen. Weder ist damit die Ehrenhaftigkeit unserer Organisationen und Fonds noch die Zielstellung der WI¬ ZO bzw. der OSFA erschüttert worden. Wir Juden sollten uns vor Verallgemeinerungen hüten und etwa sagen, weil ein solcher Vorfall bei der OSFA möglich war wird es bei den anderen Organisationen genau so sein. Das ist die üble Methode unserer Gegner, die sofort alle Juden zu Betrügern stem- Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYEB G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de la Religión. lEO BAECK: Lo esencia del Judaismo (Wesen des Judentums) Grandes Epocas é ¡deas del Pueblo Judío L IEJEZKEL KAUFMANN: Le Epoca bíblica n. RALPH MARCUS: La Epoca Helenística III. GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV. ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo. Islámica V CECIL RCTH: La Epoca Europea VI SALO W. BARON: La Epoca Moderna Paidos Buenos Aires peln, wenn einer etwa einen Betrug begangen hat. Das ist die erste Lehre, die wir daraus ziehen sollten. In der vorigen Woche ging eine grosse Unterschlagung bei einer bekannten Privatbank durch die Presse. Weder hat man die Ehrenhaftigkeit dieser Bank bezweifelt noch den verallgemei. nernden Schluss gezogen, dass nun alle Banken unsicher seien oder Opfer von derartigen Manövern untreuer Angestellter oder Direktoren sind. So bedauerlich es ist, dass „60 etwas'- bei uns, bei einer unserer grössten Organisationen Vorkommen konnte, so wenig gibt dieser Vorfall Veranlassung zu Verallgemeinerungen. Die Verantwortung der gesamten Oeffentlichkeit beruht darin, a) derartige Vorkommnisse in Zukunft durch noch grössere Achtsamkeit zu verhindern, b) jetzt zu vermeiden, dass unser gesellschaftliches Leben durch unverantwortli che Gerüchtemaeherei leidet. Gewiss wird es an solchen .lieben' Mitbürgern nicht fehlen, die einen solchen Vor-, fall als neuen Vorwand nehmen, nun nichts zu geben. Sie werden erzählen, dass sie ihr Geld „direkt'* schicken werden, dass sie es lieber einer Wohltätigkeits-Organisation „zukommen“ lassen würden usw. Hören Sie gut zu und lesen Sie genau: Die se Leute geben w'eder direkt noch indirekt, sie geben weder für den einen noch für einen anderen Wohltätig. (Fortsetzung der Ereignisse auf Seite 5) ris nicht nur durch die von der Presse eingehend geführte Berichterstattung über Vasseur informiert erinnert und aufgerüttelt wurde. Ein unsichtbarer Faden führt von Montparnasse zu der Ile de la Cité und von dort zur Opéra. Vasseur wurde durch die vom Gericht bestellten psychiatrischen Gutachter als keuscher Mann geschildert, der Zeit seines Lebens unter der Knute einer beherrschenden Mutter stand, in einem Theater in Montparnasse wird ein politisch - satirisches Schauspiel von Boris Vian gegeben. „Le Goûter des Généraux“, in dem ein Generalstabschef auftritt, der für jeden ,,Pieps“, den er macht, die Erlaubnis seiner „Maman“ einholen muss. Sie sass auch jetzt in der vordersten Reihe des Gerichtssaals und liess keine Verhandlung aus. Diese Frau in ihrer Tragik und Verirrung war es, die Vasseur nach Elnde der deutschen Besetzung EYankreichs zwang, sich in einem Zimmer einzuschliessen, damit er nicht gerichtlich abgeurteilt werde. Vom Jahre 1944 bis ins Jahr 1963 während 19 Jahren, lebte Vasseur in vollständiger Abgeschlossenheit in einem selbst gewähl. ten Gefängnis unter der Obhut seiner Mutter. In der Nähe der Opéra wird Sartres Theaterstück „Die Eängeschlossenen“ gespielt, das die Aengste eines in seiner selbstgewählten Eängeschlossenheit dahinsiechenden deutschen Folterknechtes vor der Aburteilung zeigt. Bei Sartre vermochte der Folterknecht sich nicht von der Herrschsucht des Vaters anders zu befreien als durch die ihm von Hitler gewährte Möglichkeit, als Peiniger und Mörder von russischen Widerstandskämpfern zu wirken. Im Palais de Justice liess sich Vasseur an Landsleuten aus, die Nazi- Deutschland bekämpften, um sich kraft der dämonischen Macht Hitlers einen von der Mutter unabhängigen Weg zur Selbständigkeit und Selbstbetätigung zu schaffen. In einem gewissen Gegensatz zu der Bundesrepublik Deutschland lebt Paris noch nachhaltig unter dem Eindruck der fl n ter der deutschen Herrschaft begangenen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges, was den Staatsanwalt in seiner Anklagerede zur Bemerkung veranlasste, solange die Schrecknisse des Dritten Reichs in Gewissen und Gedächtnissen von Menschen haften könne es auch für das Recht kein Vergessen geben. LUACH — (KALENDER) Freitag, den 3. Juni 15. Siwan Sonnabend, den 4. Juni 16. Siwan Schabbat: BEHAALAUS’CHO Haftara: Secharja. Kap, 2 Sonntag, den 5. Juni 17. Siwan Montag, den 6. Juni 18. Siwan Dienstag, den 7. Juni 19. Siwan Mittwoch, den 8. Juni 20. Siwan Donnerstag, den 9. Juni 21. Siwan Freitag, den 10. Juni 22. Siwan Sonnabend, den 11. Juni 23 Siwan Schabbat: SCHELACH LECHO — Haftara : Josua 2 Sonntag, den 12. Juni 24. Siwan Montag, den 13,- Juni 25 Siwan Dienstag, den 14. Juni 26 Siwar Mittwoch, den 15. Juni 27 Siwan Donnerstag, den 16. Juni 28. Siwan Freitag, den 17. Juni 29 Siwan Sonnabend, den 18. Juni 30. Siwan Schabbat: KORACH — Haftara: Jesaja, Kap. 66 1. Tag Rosch Chodesch Sonntag, den 19. Juni 1. Tammus 2. Tag Rosch Chodesch Montag, den 20. Juni 2. TammuS Dienstag, den 21. Juni 3. Tammus Mittwoch, den 22. Juni 4. Tammus Donnerstag, den 23. Juni 5. Tammus Freitag, den 24. Juni 6. Tammus Sonnabend, den 25. Juni?. Tammus Schabbat: CHUKAS — Haftara: Richter, Kap. 11 Sonntag, den 26. Juni 8- Tammus Montag, den 27. Juni 8. Tammus

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