Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2169 (27.5.1966)
- Date
- 1966-05-27
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Viernes, 27 de Mayo de 1966 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXVII. — N* 2169 Unbekannte Helden < Schluss von Seite 1) und nichts von den Massenmorden in den Ghetti und Konzentrationslagern gewusst, wird schon nicht mehr mit der gleichen Kiihn heit aufgestellt, wie dies unmittelbar nach dem Krieg der Pall war. Dieses Bekenntnis, alles ge wusst zu haben, ist auch für die Schuldfrage nicht unwichtig. Zwar bietet dieser Fall des unbesungenen ärztlichen Helden, der gewagt hat, Verzweifelten Zyankali eu verabreichen, noch keine Gelegenheit, zu allgemeinen Betrachtungen überzugehen. Dass auch nur der Versuch gemacht wurde, gegen das Unrecht vorzugehen oder zu erreichen, dass der Transport, nicht erfolgt, wird gamicht behauptet. Im Verborgene»'. Zyankali zu geben, um einem Menschen das Sterben zu erleichtern, mag eine mutige Tat unter den damali gen Umständen gewesen sein. Aber eine Rettung, eine Hilfe ein Wagnis, das uns berechtigt. von ,,Judenrettern" zu sprechen?,.. Wenn man solches liest, steigen alte Fragen wieder auf. die wir Jahre hindurch uns und den anderen vorgelegt naben. Wie war es nur möglich, dass die Wissenden, die Aerzte, die Richter, die Anwälte, die Lehrer, dass die Geistlichkeit, dass sie alle, die Intellektuellen zu dem, was geschah, und von dem sie wussten, dass es geschieht, schwiegen. Wo blieb die Empörung gegen das Unrecht, gegen den Mord? Natürlich wäre eine solche Empörung eine Kühnheit ein Wagnis, ein Unternehmen gewesen, das mit den grössten Gefahren verbunden war. Aber die deutschen Priester wussten doch, dass ihr Einfluss gross genug ist, um willkürliche Mordtaten zu verhindern. Es ißt eine Tatsache, dass auf das Drän- Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 219C 1? izq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhaller REPARATUREN Spezialqeschaeft CORRIENTES 569 T„ E. 49-5850 PROPIEDADES FRANKENBERG S. R- £- berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VTRRET REI TINO 22«» T. E. 73-7987 gen einiger katholischer Geistlicher und durch die in der Bevölkerung entstandene Unruhe die Aktion gegen die Geisteskranken, die unnöti gen .Fresser4“, die ..lebensunwerten“ Leben eingestellt werden musste. Im Ange sicht der schrecklichen Grausamkeiten. die von den auf Urlaub zurückkommenden Soldaten gemeldet worden waren und sich keinen Augenblick geheimhalten Hessen. blieben sie stumm. Einige wenige halfen jeder auf seine Art, und sei es eben nur mit einer Dosis Gift, um leichter und schneller sterben zu können. Zur Ehre des Arztes, der hier als .Judenretter zitiert worden ist, sei bemerkt, dass er eine Jüdin, die sich hilfesuchend an ihn wandte, mehrere Wochen bei sich aufgenommen hat. Das war in der Tat gefährlich, und damit setzte er sein Leben aufs Spiel. Wenn man will, mag man nierin eine Heldentat erblicken. Die Bremer Ober studiendirektorin Elisabeth Forck war allerdings andere Meinung, als sie dem Bundespräsidenten Lübke das ihr zugedachte Verdienstkreu* mit der Erklärung zurückgab: ,,Aus Gewissensgrünaec ist es mir nicht möglich, für das, was ich für meine christliche Pflicht halte, eine besondere öffentliche Auszeich nung anzunehmen.— In dem Artikel der Hamburger ,,Die Zeit“ wird von Untersuchungen berichtet, die ein amerikanischer Professor der Politologie in Deutschland über das Schick sal der Judenretter“ anstellt. Der Artikelschreiber berichtet: ..Viele Judenretter wollen ihre Taten nicht an die grosse Glocke hängen sie weigern sich, dass ihnen Kränze gewunden werden Andere mögen befürchten dass ihnen Schmähbriefe ins Haus flattern, sobald ihre Hilfsaktionen bekannt werden. Auch das erfuhr der Professor bei seinen Recherchen, deren Ertrag noch minimal ist. Von 33 Personen, die ihm bisher während seiner Suchaktion gemeldet wurden, erklärten sich nur 18 bereit. Angaben über ihn» Retbungsuntemehmngen zu machen.“ Auch diese Mitteilungen müssen ausserordentliche Bedenken hervorrufen. Die .Judenretter4, also die Mensehen, die noch Anzeichen von Menschlichkeit durch eine Tat zu beweisen bereit gewesen sind, müssen heute _ JUDITH SCHENKOLEWSKI StlTÜSSTICKIKHCI» Schabbosdecker - Pa Hieben tel Kännchen Maz zot-Taschen Hand and MasehinenstJckerei von Bett- und risen wasch« Dt. P l RIVERA 258S (fr BebederoI T E Í3-U55 mehr als 20 Jahre nach dem Zusammenbruch und dem Verschwinden des Dritten Reiches — bereits wieder befürchten. dass das Bekanntwerden ihrer Haltung damals für sie nachträgliche Folgen haben wird. Sie müssen damit rechnen, wie wir belehrt werden, dass „ihnen Schmäh briefe ins Haus flattern44... Man muss den Mut mancher deutscher Intellektuellen be! wundern, die von einem neu- | en. einem ..Anderen Deutsch | land“ sprechen. Wenn man jetzt eine Analyse durchfüh- ■ ren wollte, müsste man zu dem Ergebnis gelangen, dass trotz manrher positiven Ansätze die Vergangenheit, nicht überw inden ist — Journalist Dietrich Strothmann beklagt die Haltung der offiziellen Stellen die bis heute nicht „daran gegangen sind. Material über diese heimlichen Helfer zu sammeln. Berlin, ist die einzige! Stadt in der systematisch; die Akten des Bntschü di! gunssamtes auf der Suche j nach solchen Beispielen gei prüft werden. Das Resultatl 406 Personen, die Juden ver! steckt, hielten oder ihnen zur j Flucht verhalten, konnten namhaft gemacht werden.“ In Berlin lebten zu Beginn der Naziherrschaft bei einer Gesamteinwohnerzahl von 4.242.501 Einwohnern (Volkszählung vom 16. 6. 1933 laut Knaurs Konversationslexikon Ausgabe 19361 160.564 Juden (vgl. Philo-Lexikon. Ausgabe 1936>. Die Zahl der ..Juden“ erhöht, sich durch diejenigen, die nicht zur Gemeinde gehörten — deren Ziffer allerdings gering ist. da es sich um eine Zwangsgemeinde handelte — sowie um diejenigen, die von der. Nazis aufgrund ihrer Rassengesetzgebung den Juden zugerechnet wurden. Man wird zugeben müssen dass im Angesicht dieser nüchterner Ziffern die Fest Stellungen des Berliner Ent - Schädigungsamtes und der sonstige« Berliner Amtsstellen nicht erfreulich sind. Wenn in einer Vier-Millionenstadt, wie Berlin es war. 400 „Judenretter4 fes ¡-gestellt werden konnten, was bedeutet das? — 0,001 Prozent der Bevölke rung haben Juden gerettet. Jeweils unter 10.060 Berlinern gab es einen einzigen der ein , .Judenretter“ war. Wie man auch immer rechnet, das sich bietende Ergebnis ist niederschmetternd, selbst dann, wenn man die Zahl der „Judenretter“ verzehnfachen würde, was sicherlich nicht berechtigt ist Wenn man dieses Berliner Ergebnis zu Vergleichszwekken mit anderen Städten und Ortschaften in Deutschland benutzt, wird man zu noch deprimierenderen Reih r Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUSE T. E, 76-5842 Confitería NIZA Servicios tie lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 78 0286 73-1049 JACOB LAPIO US dipt* Makel NEUE 4 DRESSE VIA MONTE 2037 4« B 46-1716 und 48 2124 äulaten gelangen. Denn Berlin war niemals so stark nationalsozialistisch verseucht wie die kleineren Städte oder das flache Land. In der Weltstadt boten sich weit grössere Möglichkeiten zu jeder Art Hilfeleistung. Sie blieben aber im wesentlichen nicht ausgenutzt. Schliesslich gab es in Berlin viele Tausende überzeugter Sozialisten und Kommunisten, die Nazigegner waren und meist aucn geblieben sind. Aber der Weg vom Nazigegner zum ..Judenretter4’ war eben sehr weit. Man darf auch nicht unterstellen, dass die Armee nicht nur in ihrer obersten Führung, gegen die Ausrotbungspclitik der Nazis gewesen ist Man hat immer wieder Vei suche unternommen die Ehre der Armee auch dadurch zu retten, dass man von ihr diese schreckliche Mitschuld an den grauenhaften Massenmorden nehmen wollte. „Man“1 habe einfach nicht gewusst, was geschah Dass diese These unrichtig ist. dürfte ohne lange Untersuchungen feststehen. Aber derartige Forschungen sind unternommen worden. Heute hat schon niemand in Deutschland mehr den Mut. die Dinge beim rechten Na men zu nennen. Denn es könnten nicht nur Schmäh briefe in sein Haus flattern. Nur auf indirektem Wege kann man diesen Beweis führen. In einer Studie über den „Fall Oster“, die in den Vierteljahresheften für Zeitgeschichte (1966 Heft 1) publiziert worden ist. wird das Leben und Schicksal dieses Obersten geschildert, der einer der führenden Leute der deutschen Abwehr gewe sen ist. Oster gilt als ein entschiedener Gegner der Nazis, zu dem er langsam heranreifte. Ueber ihn schreibt der Historiker Hermann Graml: „Andrerseits hat Oster das zwischen 1934 und 1938 fast geräuschlose aber zielstrebige Vordringen der SS, die Fe. stigung der Macht der Gestapo und die zunehmend härtere Politik des Regimse gegen die Kirchen, gegen die Juden, gegen jede freiere geistige Regung mit wachsender Sorge verfolgt. Sein Amt in der Abwehr, das ihm vielfältige Beziehungen zuspielte, verschaffte ihm einen einzig artigen Beobachtungsposten schon damals gehörte er zu den am besten über die inneren Vorgänge unterrichteten Deutsehen. So stand er Anfang 1938 nicht erst wie andere an der Grenze zur Opposition, sondern doch bereits an der Grenze zwischen Opnosition und Widerstand.“ Und dann heisst es an anderer Stelle: „Dfthei sind die gerade damals eingehenden ersten Nachrichten über das Schreckensregiment verschiedener SS- und Polizeiverbän de in Polen von erheblichem Einfluss gewesen.. Oster blieb bis zum Juni 1943 im Amt. Im März 1944 wurde er aus dem aktiven Dienst entlassen, ein Tag nach dem Attentat Stauffen- MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78-4784 Dr. B. Sfhwarcz ZAHNARZT USTOMBA 2283 — 76-8216 RAYOS X PARADENTOSE TFT.FF VORANMELDUNG BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGEERA 1915 — T. E. 58 4052 berge verhaftet und noch kurz vor dem Zusammenbruch hingerichtet. Dass die deutsche Abwehr über die inneren Vorgänge zumindest so gut wie über die Lage in aneiere* Ländern unterichtgt gewesen ist. dürfte kaum zweifelhaft sein dies bedurfte ¿einer Bestätigung, die jedoch die Annahme erhärtet. Die Wehrmacht, wusste alles; sie war genau informiert. Sie hatte Nachrichten über die Vorgänge im Osten, über das Wüten der berüchtigten Einsatzkommandos, über die Lage in den Ghetti, den Arbeits- und Konzentrationslagern. Aber sie schwieg. Kein Protest, keine Aktion, keine Einwände erfolgten, auch nicht vor oder bei dem Attentat auc Hitler. Aus diesen Kreisen ist keiner der führenden Männer ein unbesungener Held gewesen, von einigen untergeordneten Kommandanten abgesehen, die sich den Befehlen der SS mit Erfolg und ohne jedes persönliche Risiko widersetzt ha ben. — Dass diejenigen, die offen gegen das Nazisystem gekämpft haben oder gar den Juden halfen — und solche Menschen gab es natürlich — für ihren Widerstand von irgendwelchen offiziellen Stellen Anerkennung gefunden . haben, ist nicht bekannt ge - worden. Im Gegenteil liegen einige Halle vor, in denen LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190, l9 izq. T.E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 700.— pro Jahr Ausl. $ 1.000.— jährl. man sie gegenüber den Ehemaligen zurücksetzte, auch in Berlin. — In dem zitierten Zeit-Artikel ist von einem der unbesungenen Helden die Rede, dessen Leistungen von den- Juden, die er gerettet hat, anerkannt worden sind; dieser Mann, der selbst ein KZ- Häftling gewesen ist, beklagt sich darüber, dass „in Deutschland nicht auch andere Nothelfer ausfindig gemacht werden. Für das Ansehen der Bundesrepublik im Ausland seien sie ein .moralisches Kapital“... “ Dieses „moralische Kapital4“ ist leider sehr minimal, auch wenn man nicht in Abrede stellt, dass es sogar Deutsche gegeben hat, die den Verfolgten geholfen haben. CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prcf. Dr. I. BlumenfeW (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Buenos Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES — FRACTURAS J. E. URIBURU 285 41 2331 47-5875 2240 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Consultas: wochentags von 15—18 Uhr Donnerstag keine Sprechstunde Sonnabend: 14—16 Uhr Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY Sarniento 3116 T. E. 87-1362 Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU¬ LIERUNG »ER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung JOSE HERNANDEZ 2518, T.E. 76-8673 u. 73-0500 Dr. L. KLEIN - Medico MAGENuni DARMKRANKHEITEN R0ENTGEN UNTERSUCHUNGEN SPRECHSTUNDEN Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag von 15—19 Uhr Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-1542