Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2168 (20.5.1966)
- Date
- 1966-05-20
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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F — Viera««, SO de Maye de 1966 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Aöe XXVII. — Nv 2lfi« Bedeutung des Gesetzes i (Schluss von Seite 1) streichen, dass wir an solches Leiden gedenken, nicht um Bitternis gegen die Verfolger zu bewahren, sondern um uns selbst zu besinnen und in unseren Herzen die Erinnerung an jene wachzuhalten, die ihres Glaubens willen den Tod fanden oder sterben mussten, nur weil sie Juden gewesen sind. Einem inneren Gesetz unseres Wesens folgen wir, wenn wir heutzutage vor dem Jom Haazmauth. dem Tag der erneuten Befreiung Israels und der Errichtung eines Staates, den Jom Hasikaron, den Tag der Erinnerung an alle diejenigen begehen, deren Tod der Freiheit der Lebenden vorausgegangen ist. Der simplen Tatsache, dass im Leben eines Menschen oder eines Volkes neben Freude das Leid geschrieben steht, wird auf diese Weise im Volkskalender und Volkserleben. in seinen Fest- und in seinen Trauertagen Rech nung getragen. — ★ Die Unkenntnis verschiedener Zusammenhänge, das Fehlen einss hierfür erfor derlichen technischen Wissens hat Generationen — vor allem in der Zeit der Aufklärung — dazu veranlasst, die „Geschichten“ der Bibel nicht als Geschichte zu betrachten. Man konnte oder wollte nicht mehr glauben was unglaubwürdig war, weil dem Wissen bestimmte Grenaen gesetzt gewesen sind. Eine Reihe von wissenschaftlichen Erkenntnissen, die Entdeckung in der Bibel genann. ter Plätze, die überraschenden Ergebnisse neuer Ausgrabungen, die Funde alter Schriften, die Benutzung neuer technischer Hilfsmittel für die Archäologie, die Geschichtsforschung und andere einschlägige wissenschaftliche Disziplinen haben die Skepsis oder Unggläubigkeit früherer Generationen schwer erschüttert. Immer stärker setzt sich die Ueberzeugnng und das Wissen durch, dass jene Zweifel nicht angebracht waren, oder wie es in einem bekannten Buchtitel formuliert wurde: ..Die Bibel hat doch recht“. Alle modernen Feststellungen, die von den ver- Dr. FREY A fl 0 6 A D 0 PUEYRREDON 2190 ixq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 schiedenen Wissenschaften getroffen wurden, kamen zu dem Ergebnis, dass die Bibel eine ungewöhnlich zuverlässige historische Quelle ist. Auch ihre geographischen Angaben sind von einer überraschenden Exaktheit. An diesem historischen Geschehen, das unseren Pessach- und Schawuoth-Festen zugrunde liegt, kann kein Zweifel gehegt werden. Heule versteht man bereits, dass selbst die Begleitumstände, unter denen sich der Auszug aus Aegypten vollzogen hat, tatsächlichen Begebenheiten entsprechen, und dass die Berichte der Bibel hierüber keine novellistischen Erzählungen oder fromme Legen - den, sondern Wirklichkeiten sind. Bekanntlich sind auch durch die Funde der berühmt gewordenen „Rollen vom Toten Meer“ die jüdischen Darstellungen und Berichte aus dieser und der darauffolgenden Zeit bestätigt worden, während die christlichen Versionen in Zweifel gestellt gestellt wurden. Aber dies ist ein anderes Kapitel, über das hier nicht ausführlicher ge sprochen werden soll. — ★ Schawuoth ist eines der drei Wallfahrtsfest. Neben diesem ., volkstü ml ichen“ aus dem Volksleben herausgewachsenen und im israelitischen Alltag gebundenen Sinn ist dieses Fest dem Gedenken an die Offenbarung am Sinai geweiht. Denn am 6. Siwan wurde dem Volk Is rael „das“ Gesetz gegeben. An diesem Tage hat es die Verpflichtung, die ihm das Gesetz auferlegt, übernommen. An diesem Tage wurde nach unserer Ueberlieferung der Bund geschlossen, durch den Israel der Träger des Gesetzes in der 'Welt wurde In diesen Bund sind alle Juden eingeschlossen und wird jeder Jude aufgenommen. Das Geschehen am Sinai beschäftigt unsere Zeit immer aufs neue. Forscher. Wissenschaftler, Historiker, Schriftsteller werden von der Einmaligkeit dieses grandiosen Ereignisses eingefangen. In einer Fülle von Darstellungen wird der Versuch un. ternommen, in einer einfachen und doch überzeugenden, literarisch-romanhaften und doch auf Forschungsergebnissen gestützten Form dieses gewaltige Thema zu erfassen. Denn das Gesetz, das damals Israel offenbart worden ist, dessen Verpflichtungen durch den Berith, durch den Bund, von Israel übernommen worden sind, ist nicht nur ein Gesetz für Israel, sondern ist Gesetz für die ganze Menschheit. Soweit wir in unserer chaotischen Zeit dazu berechtigt sind, von einer gesitteten Weltordnung zu sprechen, beruht diese auf dem Zehngebot, auf den Geseiren, die JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICREREIKN Sch a bbosdecker - Taitisbeutei Käppchen Maz zot-Ta sehen Hand- «nd MaschkiensQcfeerel «OB Bettand n*enwfi*che Dt. P. t RIVERA 2585 (fr Bebedero) T. E Ï3-91S5 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 Gott seinem Volke für die Menschheit damals, vor rielen Jahrtausenden gegeben hat. Ethik und Moral der Menschheit sind in diesen Gesetzen eingeschlossen Der Traum vom ewigen Frieden und die Forderung „Du sollst nicht töten“ beinhaltet die Losung, vieler, wenn nicht aller Menschheitsprohleme, was man in unserer von Kriegen, Unruhen, Rebellionen und moralischen Schandtaten erfüllten Zeit besonders leicht begreifen wird. Auch der Gedanke, dass ein Gesetz nicht einem Volk fiir sich allein, sondern für die Menschheit gegeben ist, war damals neu und ist heute noch nicht einmütig anerkannt. Der universelle Charakter des Gesetzes seine Gültigkeit und Warhaftigkeit für alle Menschen und Völker ist damit in einer Zeit ausgesprochen worden, als die meisten Nationen und Menschen noch unter dem Faustrecht lebten und dem Gesetz des Stärkeren unterworfen w’aren, das leider in mancher Hinsicht selbst beute noch grösseren Einfluss auf das internationale Leben als die ethischen Prinzipien des Zehngebots hat. Das Gesetz vom Sinai geht vom Menschen aus, dem es sittliche Normen erteilt, um dann vom einzelnen Menschen und der Familie auf die Gesamtheit überzugehen. Man hat selbstverständ'ich zu allen Zeiten die Zehn Gebote interpretiert, analysiert, katalogisiert usw Es sind ja nicht zehn Gesetze, sondern neben Gesetzen auch Gebote und Verbote, die dort formuliert sind. Eines aber kann niemals in Abrede gestellt werden: dass die dort aufpesteilten Gesetze. Forderungen, Gebote oder Verbote eindeutig und klar die Richtlinien des richtigen Lebens, des richtigen Verhaltens, der richtigen Lebensführung zum Ausdruck bringen. In welche Form in Gesetz gekleidet wird ist nicht wesentlich. Auch in der Form eines Verbotes verliert es nicht seinen Charakter als Gesetz. Diese populäre, allge. mein verständliche Form, mit der oder in der der einzelne Mensch vor dieses Gesetz gestellt wird, wirkt beeindruckend. Die kurze Zusammenfassung des Gebotes in wenige Worte ist nicht allein wirkungsvoll, sondern prägt sich auch deán einfachsten Menschen ein. Wenn an einen Judén das Gesetz oder der Befehl ergeht, „Ehre deinen Vater und deine Mutter“, so hat das jeder Jude verstanden. Auf diesem Befehl an jeden von uns beruht — vielleicht nicht allein, aber zu einem güten Teil — das Wunder des jüdischen Ueberiebens, die Kraft der jüdischen Familie, ihre Schönheit und JACOB LAPIDUS dipl. Möbel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037 4« B 46-1716 und 48 2124 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78-4184 imponierende Reinheit, Ihre Geborgenheit trotz aller Stürme der Zeiten trotz aller Verfolgungen und Leiden, und auch trotz aller Wohltaten, die dem Menschen häufig gefährlicher werden als die Not. ★ Nicht nur in der modernen Geschichte, auch in den früheren Zeiten standen soziale Kämpfe im Mittelpunkt des Geschehens. Die grossen Revolutionen der letzten Jahrhunderte, vor allem die französische und die russische Revolution, haben ihren Ausgangspunkt in Forderungen gewisser sozialer Schichtungen, sei es des Bürgertums im 18. Jahrhundert, sei es der Arbeiterschaft im 19. und 20. Jahrhundert Die Forderungen nach bestimmten sozialen Berechtigungen konnten nicht anders als auf dem blutigen Wege von Volkserhebungen oder Bürgerkriegen durchgesetzt werden. Hierzu gehört auch neben dem Verlangen gleicher Rechte für alle der Anspruch auf einen freien Tag in der Woche. Abschaffung der Sonntagsarbeit war ein wichtiger Programmpunkt der frühen Sozialisten und der alten SPD wie aller Arbeiterparteien auf der Welt. Im Zehugebot ist dieses Recht als ein religiöses, als ein göttliches, als ein nationales, als ein universelles Gesetz niedergelegt. Dieses Gebot gilt für den Juden und alle, die ihm zugehörig sind: der Sohn und die Tochter, der Knecht und die Magd, sogar für sein Vieh. Aber nicht nur für den Juden und die Seinen. Nein, auch der Fremde, der in deinen Toren weilt, soll am siebten Tag nicht arbeiten. Damit ist wiederum der universelle Charakter dieses Gebots gewahrt. Jeder Mensch, welchen Volkes auch immer hat einen Anspruch darauf, seinen freien Tag zu haben. Nach jüdischem Gesetz gehtdieser Anspruch noch weiter. Auch der Boden, den Gott seinem Volke gab, hat ein Recht auf ein Ausruhen. Hiermit wird die weise Erkenntnis zu einem Gebot erhoben, dass der Boden gegen jede übermässige Explotation geschützt werden solle. Die Menschen werden nur dann | von ihrem Eigentum oder j Besitz, von dem ihnen zugeteilten Boden oder sonstigen Gütern leben und sieh ernähren können, wenn sie damit vernünftig umgehen. Auf die allgemeine Bedeutung der biblischen Bodengesetzgebung, die immer stärker in die Programme der land- und volkswirtschaftlichen Planungen aufgenommen wird, kann in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen werden. Aber das alles, das Schabbat-Gebot mit allen seiner Konsequenzen, ist jüdischer Sozialismus, wenn man dieses Gesetz mit einer aktuellen Formulierung in die Gedanken und Ideen unserer Zeit eingliedem will. — ★ Am Sinai wurde nicht nur ein Volk verpflichtet. Jeder Jude und darüber hinaus je- Dr. B. Srhwarcz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 ab 21. 5: 76-8214 RAYOS X PARADENTO^ TELEF. VORANMELDUNG BERNARDO STERN Aasfübrang saemtücher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 — T. E. 58-1052 der Mensch wurde gerufen, I damals und für alle Zeiten. Bisher jedenfalls wurden keine Gedanken zum Ausdruck gebracht, die höher, gewaltiger und stärker als diejenigen sind, die ihren Niederschlag in den Zehn Geboten gefunden haben. Man hat „kritisiert“, dass es heisst; ,Du sollst“ oder „Du sollst nicht“. Ob solche .Beanstandungen" überhaupt berechtigt seien oder gehört werden sollten, bleibe dahingestellt. Wir jedenfalls wissen, dass in dieser Formulierung des „Du sollst“ oder des „Du sollst nicht“ ein weiterer tiefer Gedanke ruht, auf dem sich die gesamte jüdische Lebensauffassung und Geschichtsbetrachtung aufbaut: auf der Freiheit des menschlichen Willens. Denn würde alles Fatum oder Schicksal, Vorausbestimmung oder zwangsmässiger Ablauf des Geschehens den Menschen beherrschen, würde der Appell an den Einzelnen, der Anruf seines Herzens oder Verstandes unbegreiflich und überflüssig sein. Ohne die Kraft der jeden umgebenden Verhältnisse, ohne den Einfluss des Elternhauses und der Erziehung, der sozialen Bedingungen oder des Milieus zu verkennen, belibt für die Entfaltung des eigenen WiPens noch der erforderliche Spielraum, um vom Individuum eine bestimmte, konkrete. LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. SmrKukj Pueyrredón 2190, 1« izq. T.E. 83-2613 Abono-Preis« Argentinien: $ 700.— pro Jahr Ausl. $ 1.000,— jährL sittliche Tat, um von ihm -die Erfüllung des Gesetzes au verlangen Dieser Gedanke von der moralischen Verantwortlichkeit des Menschen hebt -den einzelnen aus der Masse heraus und gibt erst der Masse Persönlichkeit. Nur in einem Volk, in welchem die persönliche Verantwortung des Einzelnen sich selbst und -der Gesamtheit gegenüber eine lebendige und gestaltende Kraft ist, nur in einem .solchen Volk kann Demokratie Wirklichkeit werden. Auch deswegen sind wir, wie alle Generationen vor uns und alle künftigen Geschlechter aufgerufen, Jahr um Jahr in jeder Zeit den Bund zu erneuern, der einst am Sinai mit uns und für die Menschheit geschlossen wurde. — CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I. BluiuenfeW (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad ée Ciencias Médicas de Buenos Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES — FRACTURAS 41 2331 — 2240 47-5875 J. E„ URIBURU 285 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. 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