Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2165 (29.4.1966)
- Date
- 1966-04-29
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Retíroste11 Erhoe. gO yod»8* £ t l h Viernes, 29 de Abril de 1086 SEMANA ISRAELITA Año XXVII. — Nu 2165 — 7 Appelle an die Sowjetunion Jerusalem- — H® Appell an den Obersten Sowjet, der Unterdrückung der hebräischen Sprache und Kultur ein Ehde zu setzen, wurde von der Exekutive der Hebräischen Weltunion, die unter dem Patronat des Prä Eidenten Salman Shazar steht, beschlossen. Die Sitzungen der Exekutive präsidierte Knessetpräsident Kadisch Luz. Eine Delegation der Weltunion wird den Text der Resolution dem sowjetischen Botschafter in Israel, Dimitri Sehubachin, mit der Bitte um Weiterleitung an seine Regierung überreichen. PROTEST AUS ITALIEN Mailand. — Trotz einiger von den sowjetischen Behörden gewährten Konzessionen bleibt die Lage der russischen Juden prekär. Dies wurde auf einer Tagung zahlreicher führender Persönlichkeiten aus dem italienischen Geistesleben zum Ausdruck gebracht, Daniel Mayer, aus Paris, Präsident der Liga für Menschenrechte und ehemaliger französischer Minister, nannte unter diesen Konzessionen eine grössere Freiheit für die in jiddischer Sprache erscheinende Zeitung „Sowjetisch Heimland“ und das Aufhören der notorischen „Prozesse“, die gegen russische Juden wegen angeblicher Wirtschaftsvergehen geführt wurden. Der Redner verwies auch auf die öffentliche Verurteilung des Antisemitismus. die im vergangenen Juli aus dem Munde des Ministerpräsidenten Kosygin erfolgt ist und in der „Prawda“ wiedergegeben wurde. Auch die Errichtung eines Denkmals in Babi Jar und die Erlaubnis zum Druck von 30.000 Siddurim könne als Fortschritt verzeichnet werden. Dagegen lenkte Mayer die Aufmerksamkeit auf den Umstand, dass viele sowjetische Kreise einen einge- DDT in einem Brunnen Tel Aviv. — Drei Israeli sehe Araber zwischen 16 und 18 Jahren wurden von der Polizei festgenommen, nach, dem in einem Brunnen mit Trinkwasser von Schadmot Dwora in Untergaliiäa DDT entdeckt wurde. Einer der Araber gab zu, dieses Insek tenmittel in den Brunnen geschüttet zu haben. Da das DDT äusserst giftig ist, wurde die Benutzung des Brun, nens yorläufig verboten. Die Gründe für diese Sabotage sind unbekannt, denn die arabischen Nachbarn des Dorfes haben stets mit den israelischen Siedlern in bestem Einvernehmen gelebt fleischten Antisemitismus pflegen. Als Beweis hierfür . erinnerte er an den im vergangenen Jahr unternommenen sowjetischen Versuch, den Zionismus mit dem Nazitum gleichzusetzen. Prof. Aldo Garschi von der Universität Turin zitierte das Verbot der Schmähschrift „Judentum ohne Schminke“ sowie einige ander erleichternde Massnahmen. Er richtete jedoch an die sowjetische Regierung das Ersuchen, die Vereinigung jüdischer Familien zu erlauben und die russischen Juden auswandern zu lassen, die das Land zu verlassen, wünschen. Er ersuchte im weiteren die sowjetischen Behörden, die ständigen Ausbrüche von Antisemitismus zu unterdrücken. Eine Resolution, in der obige Forderungen enthalten sind, wurde von der Versammlung angenommen und der sowjetischen Regierung übermittelt. KAEMPFER GEGEN ANTISEMITISMUS London. — Die englische Kommunistische Partei erklärte, dass sie „seit je den Antisemitismus überall tn der Welt, einschliesslich ln der Sowjetunion, bekämpft hat“ Diese Erklärung wurde im Zusammenhang mit einer Resolution über den Status der sowjetischen Judenheit abgegeben und der Exekutie der Partei auf ihreir kürzlichen 29. Nationalkongress zugeleitet. Zwei Filialen hatten beantragt, dass | die Partei zu den Beschuldigungen der Unterdrückung religiöser und kultureller Rechte der Juden in Russland durch die sowjetischen Behörden Stellung beziehen solle. Ferner heist es in dieser Erklärung, dass die Partei in England „gleichfalls für die Kultusfreiheit eingetreten ist und diese Freiheit die Bereitstellung von Mitteln zu ihrer Ausübung beinhalten muss“. Die an der Behandlung der Juden in Russland erhobenen Kritiken hätten die Verweigerung solcher Möglichkeiten behauptet. Die Erklärung enthält eine Verteidigung der sowjetischen Politik zum Antisemitismus und stellt fest. das6 der Sieg der bolschewistischen Revolution in Russland den Pogromen durch das Zarenregime und die Weissgardisten ein Ende gesetzt habe. Das sowjetische Regime habe stets an erster Stelle seiner Prinzipien die religiöse Freiheit und die Bekämpfung der Rassenlehre und des Antisemitismus verkündet. (ITA) Wolkenkratzer in Tel Aviv Tel Aviv. — Ein 34stöckiges Haus, das Migdal David heisst, ist in Tel Aviv ent standen. Im Volkmund wird es Israels „Empire State Building“ genannt. Im obersten Stockwerk befindet sich ein Observatorium, von dem aus die Touristen für nur 2 IL fast das ganze Land über blicken können. Der Bau nahm vier Jahre in An Spruch. (ITA) DANTONS TOD Mi» Buenos Aires Die Kammerspiele leiteten die neue Spielzeit würdig ein mit einer guten Aufführung von Dan tons Tod. dem genialen Erstlingswerk von Georg Büchner, dem Frühvollendeten und leioer viel zu früh Verstorbenen. Reinhold Olszewski gab das Werk stark gestrichen, viele Konvent-Reden fehlten, doch in sehr wirksamer Form. Anfaenge des hebraeischen Theaters BAR KOCHBA gibt allen Mitgliedern und Freunden bekannt, dase ab 3. MAI unsere neugegründete COOPERATIVE VISION Corriente 1994 2. Stock ihren Dienet für das Publikum eroeffnet. Dienststanden: MONTAG—FREITAG 19.30 — 21.30 Uhr In unserer schnellebigen Zeit vergessen wir zu leicht, dass es noch nicht allzulange her ist, als alles das nicht, war, was uns selbstverständlich’erscheint. Zu den Phantasien von Gestern gehörte das hebräische Theater in Erez Israel, das 1921 mit bescheidenen Mitteln als Theatron Iwri, .Theatron Erez Israeli“, ,Tai‘ anfing Doch konnte es sich nur ein paar Jahre recht und schlecht er halten. Erst 1924 gründete die Gewerkschaftsbewegung ihr eigenes Ensemble, das ,OheT dann kam die Habima in das Land; und ers“ viel später, 1944, wurde das ,Kamen, gegründet, die erste moderne und privat geleitete Bühne. Es war 1921 noch eine Pioniertat mit wenigen Fach kräften und ohne finanzie! le Unterstützung Theater zu spielen Es stellte schon ei nen Erfolg dar, wenn man es auf zwei Vorstellungen ln den drei Städten brachte und einige in den grossen Kolonien; die Gruope war zufrie den. als der Besitzer des damaligen Eden Kinos in Tel Aviv so etwas wie ihr erster Impresario wurde der Vor Schuss gab und zwei Aufführungen garantierte. Aus den Plaudereien der Schauspielerin Mirjam Bernstein-Cohn im Haifaer Roth schildhaus, erfuhr man kürzlich interessante Einzelheiten aus jenen Tagen, in denen die Gruppe hoch zu Ross manchmal auch auf derr; Eselsrücken oder Kamel, durch das Land wanderte. überall begeistert empfangen. wenn es auch mit dem Verkauf der Eintrittskarter haperte. Das Geld . ivar ja knapn, aber man riss sich um die Ehre, Ordner zu werden, oder war einfach Zaungast. Sie spielten im Pardess. wie in Petach Tikwa oder in einer Scheune in Rosch Pi na. Einen Vorhang kannte man nicht. Die Luxlampen Milde reizt zu Verbrechen London. — Der Board of Deputies der englischen Juden übte bittere Kritik an dem Urteil eines Richters des Old Baily-Gerichts, der den Freispruch von vier Angeklagten verfügte, welche »ich schuldig bekannt hatten, Iondoner Synagogen in Brand gesteckt zu haben. Der Board of Deputies veröffentlichte eine so energische Erklärung, wie sie in England sonst nicht üblich ist, und gab seiner „schweren Besorgnis“ darüber Ausdruck, dass die der Brandstiftung und Entweihung heiliger Kultstätten Schuldigen völlig straflos ausgehen''. Der Board erklärt, dass die „ausserordentliche Milde, die die vier Schuldigen in diesem Fall erfahren haben, nicht nur unter den Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft sondern allgemein im Publikum Erstaunen erregt hat, das in der Presse und auf andere Weise zum Ausdruck gelangte. Der Board of Deputies ist ausserstande zu verstehen, warum derart schwere Verbrechen mit einer solchen Leichtfertigkeit behandelt wurden, und befürchtet, dass diese Milde dazu angetan ist, andere zur Verübung ähnlicher Delikte zu ermuntern“. (ITA) die als Beleuchtungskörper dienten, mussten laufend nachgepumpt werden und zogen Fliegen und Moskitos an. Er waren nicht nur finanzielle Schwierigkeiten und der Mangel an technischen Hilfsmitteln und Requisiten es fehlten auch geeignete Kräfte; die Schauspieler kamen aus den verschiedenen Schulen und mit den unterschiedlichsten Auffassungen. Aber nichtsdestoweniger wur de in Tel Aviv irgendwo, in der Scheinkinstrasse der Grundstein für ein hebräisches Theater gelegt. Das Re pertoire bestand aus Uebersetzungen von „Vater“ von Strindberg, „Nora“ von Ibsen bis Tolstois „Macht der Pin sternis“ — sie hatten grosse Ziele und noch mehr Selbstvertrauen, die jugendlicher. Schwärmer von 1921. Da sie keinen ausgebildeten Regisseur hatten, und auch sonst, nicht viel Erfahrungen, beschlossen sie, sich zu vervollkommnen. Die deutsche Inflation kam zu Hilfe denn in Berlin konnte man 1923 recht gut mit den wenigen ägyptischen Pfunden leben; man fand auch die Unterstützung der dortigen jüdischen Gemeinde. Und damit endete der erste Versuch eines hebräischen Theaters in Erez Israel. In Berlin landete später auch die Habima Sie war gestrandet, aber sie konnte im letzten Moment Gönner linden, die ihr durch die sehr schwere Krise halfen. So wurde das Berlin der zwanziger Jahre zum Träger und Erhalter des jüdischen Theaters, eine Tatsache, die vielen heute schon nicht mehr bekannt ist. Das Bühnenbild von Heine Ludwig erlaubte schnellen Szenenwechsel, die Kostüme von Maria Julia Bertotto waren farbig und stilgerecht. Olszewski bewegte Schauspieler und das bald anklagende. bald zujubelnde Volk Man spürte in der Aufführung den Atem der Revolution, ihr Grollen und ihre Schrecken (trotz Mozart - scher Musik). Hans Gerd Kübel gab einen verhaltenen Danton, oh- | ne die Löwenmähne und ohne das tierische erschreckende Lachen (Regieanwei sung?), aber trotzdem einen Danton von Format, der die Menschen bewegte, die Frauen eroberte und als vorzüglicher Sprecher seine grossen Reden hindonnerte Olszewski gab, ohne Maske zu machen, eine vollendete Robespierre-Maske: der moralistische Tugendbold, der im Blut watet, nicht weil er nach Blut lechzt, sondern weil seine ethischen Prinzipien es so verlangen, zögernd und mit Hemmungen. Groesartig. Klau-Peter Wilhelm war Desmoulins, der liebende Schwärmer. Seine Augen zeigten den Schrecken der Todesangst. Wilfried Jan Heyn war ein mutiger aufrechter Lacroix, Rudolf Geske ein ä (leserlich und seinem Wesen nach sehr blonder St Just. Lothar Siebmann gab den Henker und einen verschmitzten eiskalten Barrere. Eine herrliche Type zeichnete Fritz Nydegger in seinem versoffenen komisch philosophierenden Simon. Von den Damen zeigte Michaele Klarwein Schmerz und Würde als Dantons Gattin. Ute Meinhardt bewies in ansprechender Form den Genuss der Sinnlichkeit, mit wohlgesetzten Worten und „sprechenden“ Formen, sehenswerten Beinen und Schenkeln. Katharina Herberg als Lucille Desmoulins verfügte über eine reiche Skala von Ausdrucksmitteln; vom zart geflüsterten und doch verständlichen Hauch bis zum Schrei, vom vorüberhuschenden Lächeln bis zum grellen Lachen des Wahnsinns. Raimund Harmstorf, Fritz Kost, Bert Öber- Nach zweijähriger Abwesenheit hörte man wieder Gulda, diesmal im Teatro Colón. Viel haben wir in dieser spalte über den nunmehr 36jährigen Pianisten berichtet, das letzte Mal als „Fall“ Gulda, der hier infolge seiner Jazzdarbietungen völlig zu Unrecht angegriffen wurde. Der grosse Künstler einer der bedeutendsten Beethoveninterpreten unserer Tage, der vor wenigen Tagen in einem Klassiker-Programm sein Rentrée vor ausverkauftem Hause machte, füllte wiederum den Saal bis in den letzten Winkel. Das Auditorium folgte mit Andacht dem klug aufeinander abgestimmten Programm der vier Sonaten Nr. 8. c-dur op. 13 (Pathétique), Nr. 14, cismoll, op. 27 (Mondschein), Nr. 26, es-dur, op. 81a (Adieu) und der gigantischen Hammerklaviersonate Nr. 29, b-dur. op. 106. Friedrich Gulda ist der ernste, in sich gekehrte, jegliche Mariniertheit vermeidende Interpret des borlner Genies, dem Aeusserlichkeiten, Effekte und Posen abhold sind. Beim Spiel scheint er an das (sich bis auf ein ,hineinklatschen“ mitten in die „pathétique“) aufmerksame Publikum völlig zu vergessen; er hält Zwiesprache mit Beethoven. Guldas technische Wiedergaben halten seiner gediegenen, gültigen Auffassung die Waage. Es war ein seltener Genuss, den die Anwesenden mit frenetischem Applaus quittierten. Gulda blieb auch diesmal seiner sympathischen Angewohnheit, freige. big Zugaben zu spenden, treu, und er überraschte u.a. mit einer eigenen Komposition „preludio y fuga“, die, überhaus interessant, in der Fuge — eigentlich ein „fugato‘‘ — Jazzrhythmen aufklingen lässt. Curt B. M. Weissstein dorfer, Wiltrud Tschudi und Ute Hertz füllten ihre kleinen Rollen gut aus. Das Publikum war gepackt und spendete Beifall. Dr. Karl Kost Die EINHEITSKAMPAGNE erwartet auch IHRE würdige Selbstbesteuerung COMITE CENTR0EUR0PE0 DE LA CAMPARA UNIDA (Keren Hajessed) Sarmiento 2376» IR. — T» E. 47-3820