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Jüdische Wochenschau · 1966-04-29 · 2165 (29.4.1966) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2165 (29.4.1966)
Date
1966-04-29
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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o CÜ o S £ 'c c & Si o? c < o FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA EL EJEMPLAR en toda la República 15.- Año XXVII. BUENOS AIRES. VIERNES 29 DE ABRIL DE 1966 Nv 2165 PUEYRREDON 2190 1» ¡zq. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires Die Ludwigsburger Zentralstelle Die Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg hat in den letzten Monaten ihren Apparat erheblich verstärkt Ursprünglich war vorgesehen. 1966 mit dem Abbau der vor sieben Jahren von den Justizverwal. tungen der Bundesländer ge schaffenen Behörde zu beginnen. Da jedoch die im April beschlossene Verlängerung der Verjährungsfrist für die in der nationalsozialistischen Zeit begangene;: Mordtaten die Einleitung neuer Ermittlungsverfahren bis zum 31. Dezember '969 erlaubt und der Zuständig, keitsbereich der Zentralstelle vor einem Jahr auch auf innerdeutsche Tatkomplexe erweitert worden ist, m sste die Ludwigsburger Dienststelle personell und räum'ich vergrössert werden. In welchem Umfang dies geschah, wird aus dem neuen Etat für 1966 ersichtlich Für das vergangene Jahr wa. ren die Ausgaben auf 287.500 Mark bemessen; im kommenden Jahr wollen die Länder aber fast das Neunfache, nämlich 2.38 Millionen Mark auf bringen. Die Pe.sonai'visgaben bisher 221 C00 Mark. schwellen auf über zwei Millionen Mark an. Zu Beginn des Jahres beschäftigte die Dienststelle achtzehn Personen, davon einen Oberstaats.! anwalt und zehn Anwälte. Im April einigten sich die Justizminister auf einen neuen Stellenplan; fünfzig Beamte des höheren Justizdien- : stes. drei Beamte des gehobenen Dienstes, vierzehn Be- ¡ amte des mittleren Dienstes, drei Beamt« des einfachen Dienstes, dazu dreissig bisher sieben) Angestellte, ein ' Dolmetscher und fünfzehn ■ Kriminalbeamte also zusammen 116 Bedienstete. | Die neuen Stellen konnten noch nicht alle besetzt wer. den, weil es vor allem an Räumen fehlt. Gleichwohl ist die Zahl der bei der Zentralstelle Beschäftigten inzwischen auf 68 angewachl sen. Dem Leitenden Oberstaatsanwalt Schiile. der die Dienststelle aufgebaut hat j wurde ein zweiter Oberstaatsanwalt zugesellt, und dreissig Stactsanwälte. davon vier Erste Staatsanwälte mit j zehn weiteren Justizbeamten I und fünfzehn Angestellten, j I zell Kriminalbeamten und einer Dolmetscherin verse- ■ . hen jetzt den Dienst Die , D: s sind feine Leute von SEM FRAIS KFMSTE1\ Ein von der NATO geplantes Geschäft hat in Nordamerika allgemeine Aufmerksamkeit hervorgerufen worüber u. a. der New Yorker ..Aufbau“ berichtete Ein führender Konzern der deutschen Scnwerindustrie. Rheinmetall in Düsseldorf, soll vom Pentagon in Washing ton einen Auftrag in Höhe von 75 Millio’ en Dollar für die amerikanisrhe Landesverteidigung erhalten, und zwar eine Quantität eines bestimmten Typs von 20 mm.Maschinengewehren. Solche Rüstungsaufträge werden manchmal innerhalb der NATO-Staatengruppc. ins Ausland vergeben dabei ist nichts Merkwürdiges; die deutsche Bundesweh bezieht ja einen Teil ihrer Ausrüstung auch umgekehrt von der amerikanischen Industrie. Aber auffällig bedenklich und empörend ist etwas anderes; Rheinmetall gehört zu denjenigen deutschen Firmen, die sich bis beute standhaft geweigert haben Wiedergutmachung zu leisten oder auch nur eine bescheiden0 Geste des Guten Willens an die Adresse von Wiedergutma. chungsberechtigten zu zeigen. Rheinmetall natte während des Krieges wie viele andere deutsche Grossbtriebe ver mietete ..Sklavenarbeiter“ beschäftigt d. h. Insassen von Konzentrationslagern die zur Arbeit in deutschen Rüstungsindustrien — zu unmenschlichen Bedingungen — ausgemietet wurden, wofür die Lagerverwaltung, die Gestapo den Mietpreis einstrich; auf diese Weise war" be fcanntlich der Unterhalt der Konzentrationslager ein sehr gutes Geschäft. In den letzten Jahren haben nun mehrere dieser Grossbetriebe zum Teil auf Grund dramatischer Prozess, urteile, mit der Claims Conference als Rechtsvertreterin der jüdischen Geschädigten Abkommen geschlossen auf Grund deren sie sich zu Entschädigungs- und Wiedergut machungszahlungen bereit erklärten. Rheinmetall gehört zu denjenigen Firmen die eine unrühmliche Ausnahm0 bilden und sich zu sol hen Zahlungen nicht bereit erklärten Und das ist die Firma, die für die=es störriscre Verharren im Nazi-lTngeist vom amerikanischen Steuerzahler eine 75 Millionen Dollar-Belohnung erhalten soll! Bisher hatte eine amerikanische Firma diese Lieferungen vorgenommen, die aber nach Ansicht des Penta gon nicht leistungsfähig genug ist was den Zorn weitet amerikanischer Kreise hervorgerufen hat. Ein an Johnson gerichtetes Telegramm, in welchem hiergegen protestiert wurde, natte keinen Erfolg. Das Pentagon antwortete es käme nicht auf moralische Gesichtspunkte hierbei an. sondern auf technische Leistungsfähigkeit. Mit anderen Worten; Der Zweck heiligt die Mittel. Und dann wundern sich die Amerikaner, wenn sie überall auf Widerstand stossen... Es ist von unserem Standpunkt aus äussersf bedenklich, dass die Amerikaner diejenigen unterstützen die noch nicht einmal bereit sind, vergangene Verbrechen mit Geld zu sühnen und denen zu bezahlen, die mit ihrem Blut und Schweiss — und gegen ihren Willen unter den scheusslichsten Bedingungen — zur Entwicklung des Betriebes beitragen mussten, Unterkunft in der Ludwigsburger Strafanstalt wird erweitert. Bis zum März 1966 sollte dort der Ausbau des ehemaligen Frauengefängnisses vollendet sein, so dass dann neue Räume die noch fehlenden Beamten aufneh men können. Die Arbeit der Zentralstelle konzentriert sich auf zwei Schwerpunkte: die Aufklärung der sogenannten innerdeutschen Tatkomplexe und die Auswertung der in- und ausländischen Archive. Zu der Abteilung „Ausland“ ist eine Abteilung „Inland“ gekommen. Zusätzlich wurde auch eine „Dokumentationsabteilung“ gebildet. Die Inlandsabteilung führt Vorermittlungsverfahren vor allem gegen ehemalige Angehörige des persönlichen Stabes des Reichsführers SS. des Wirtschaft«- und Verwaltungshauptamtes der SS, gegen Angehörige der Kanzlei des Führers, des Rassen, und Siedlung« - Hauptamtes des Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums, ferner gegen das Personal des damaligen Auswärtigen Amtes, des Ostministeriums, des Reichsinnen ministeriums, des Reiphsju. stizministeriums und gegen Angehörige des Führungsstabes des Oberkommandos der Wehrmacht. Die Dokumentationsabteilung wertet zur Zeit vor allem Material über Straftaten in Polen aus, das im Februar und Juni des vergangenen Jahres von den Zentralstellen in Warschau und ande ren Städten gesammelt wor den ist. Das Ersuchen bei der Prager Behörden, auch in der Tschechoslowakei Material sichten zu dürfen ist bis jetzt unbeantwortet geblieben. Auch mit den übrigen Ostblockstaaten konnte die Zentralstelle trotz wiederholter Bemühungen noch USA-Hilfe für Israel Washington. — Ein Sprecher des State Department teilte mit, dass die USA Israel eine Anleihe von etwa 52 Millionen Dollar für neue Hilfeleistungen bei verschiedenen Programmen angeboten haben Dies sei aut Ersuchen Israels um Wirtschaftshilfe im Fiskaljahr 1966 geschehen Es handelt sich hierbei um Kredite für Entwicklungsprojekte und Anleihen der Im-Exportbank sowie Lieferungen aus Lebensmittel -Uebersch üssen. Die das Augebot betreffenden Verhandlungen sollen in Kürze beginnen. (ITA) keinen direkten Kontakt her steilen. Dagegen arbeitet Ludwigsburg; mit der in Oesterreich für nationalsozialistische Verbrechen zuständigen Sonderabteilung des Innenministeriums eng zusammen. Seit die Zentralstelle im Dezember 1959 ihre Tätigkeit aufgenommen hat, konnte sie 742 Vorermittlungsverfanren in die Wege leiten. Davon sind 590 zur weiteren Bearbeitung an die zuständigen Staatsanwaltschaften angegeben worden, und 94 haben sich in Verbindung mit anderen Strafsachen erledigt Mithin sind jetzt in Ludwigsburg noch 58 Vorermittlungs verfahren anhängig. Ein erheblicher Zuwachs an Arbeit ergibt sich aus den zunehmenden Anfragen von Privatpersonen, Auskunftsersuchen von Behörden in Personalangelegenheiten oder Ersuchen um Unterstützung von Verfahren, die ausserhalb der Zentralstelle ihren Anfang genommen hatc.n. 7.440 solcher allgemeiner Registriersarhen sind vom 1. Januar 1965 bis zum 10. Oktober in Ludwigsburg eingegangen; im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 1388. Die Juden in Eng’and AUSSCHREITUNGEN NEHMEN ZU von HORST WINCKLER Rechtsradikale Ausschreitungen haben in der Bundesrepublik Deutschland in einem Masse zugenommen, sodass sich schon die Regierung über diese Entwicklung besorgt zeigte. Es kann nicht daran gelegen sein, alle diese Fälle, die in den letzten Monaten verzeichnet wurden, nun in chronologischer Folge aufzuzählen. Dass vor allem ehemalige und heutige Nazis, Antisemiten und sonstige--Judengegner in der Trunkenheit Aeusserungen tun, die sie vielleicht in klarem Zustand nicht machen würden, ist bekannt. Da war ein Frankfurter Kaufmann, der unter dem Einfluss von Alkohol Beleidigungen gegen Juden a-usstiess, zum Hass öffentlich aufhetzte und in seinen Redereien die von den Nazis begangenen Verbrechen guthiess - Er wurde zu sechs Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt, die Strafverfolgung aber , bei einer Busseleistung von 1.000 DM ausgesetzt... Aber derartige Vorfälle mögen nicht besonders ernst zu nehmen sein, da sie vereinzelt Vorkommen. Die häufigen Friedhofsschändungen dagegen müssen schon eher bedenklich stimmen. Hierbei hat das Verbrechen, das Ende Februar in München auf dem Alten Israelitischen Friedhof in der Thalkirehenerstrasse begangen wurde, und bei dem 40 Grabsteine umgestürzt worden waren, besondere Aufmerksamkeit erregen müssen. Der Münchner Oberbjir-' germeister Dr .Hans-Jochem Vogel, dessen Sympathien für die Juden und für Israel bekannt sind — er nat im Jahre 1964 an dem Sederabend in einem israelischen Kibbuz teilgenommen — gab auch sofort seiner ehrlichen Empörung Ausdruck Die Erklärung des Polizeipräsidenten Dr Schreiber dagegen fiel auf Er war schon nach wenigen Tagen, ohne die Täter zu kennen, zu der Ueberzeugung gelangt, dass die Täter nicht aus politischen Gründen gehandelt hätten. Hier sei vielmehr ein „pietätloses Trunkenheitsdelikt“ begangen worden. Dass sich die pietätslosen Trunkenbolde und die spielenden Kinder, die Grabsteine umwerfen, nur stets und ausgerechnet jüdische Friedhöfe aussuchen! Sicherlich wird dieser Umstand auch der Polizei aufgefallen sein ohne dass hierfür bisher eine brauchbare Erklärung gegeben worden wäre. Zur gleichen Zeit, wurden mindestens zwei weitere Friedhofsschändungen gemeldet, die eine in Haiger!och (Baden-Wiirt.), die andere in Mönchengladbach (Regierungsbezirk Düsseldorf). 45 Grabsteine in Haigerloch 4 und ein Teil der Umfassungsmauer in M. Gladbach waren die traurige Bilanz. In beiden Fällen meinte die Polizei. Kinder oder Jugendliche seien die Täter von denen natürlich jede Spur fehlte... Auffallend ist die Tatsache, dass diese Friedhofsschändungen zur gleichen Zeit in dre; verschiedenen Gegenden der Bundesrepublik vorgekammen sind, die örtlich weit arseinanderliegen. Die Frage, aus welchen Gründen derartig viele Verbrechen gegen die Ruhe der jüdischen Toten Vorkommen, ist mit dem Ansteigen des Rechtsradikalismus allein nicht geklärt. Denn zwischen rechtsradikaler Gesinnung und dem Begehen von verabscheuungswürdigen Verbrechen ist doch noch ein Unterschied. Im übrigen waren diese Friedhofsschändungen auch zu verzeichnen, als die Existenz dös Rechtsradikalismus überhaupt geleugnet oder diese Negativerscheinung als unbedeutend abgetan worden ist. Es wä re angebracht, wenn sich die zuständigen zentralen Behörden einmal eingehender mit diesen Vorfällen beschäftigen würden. — London. — Ohne Zweifel ist das britische Judentum die stärkste jüdische Festung in Europa. Zahlreiche Institutionen wurden in den letzten Jahren geschaffen und viele Kurse und Seminare werden abgehalten. Für philanthropische Zwecke werden grosse Summen zur Verfügung gestellt und die wirt. schaftliche Lage ermöglicht es einer immer grösseren Zahl von Jugendlichen die Universitäten zu besuchen. Von den 4.500 jüdischen Studenten sind aber nur etwa j 2.000 Mitglieder jüdischer Verbindungen und von diesen ist nur eine kleine Zahl aktiv. Mit der Jugend befassten sich zahlreiche Konferenzen j und eine Folge davon isf die I Bild’-ng jüdischer Tages-! schulen als Grundlage der | jüdischen Erziehung Diese ' Aktion soll helfen die ,ver : iorene Generation“ aus der Kriegszeit zu überwinden Um einen Ueberblick übe’- die Entwicklung des britischen Judentums zu erhalten hat 1er Board of Deputies beschlossen, in Zusammenarbeit mit dem Institut für zeitgenössisches Judentum statistische Erhebungen durchzuführen. Das wissenschaftliche Team gelangt zuerst an die Gemeinden und repräsentativen Organisationen, um Material über die Mitgliedschaft, Geburten, Heiraten und Tod zu erhalten. Aus einer Uebersicht von Michael Wallach dem Sekre tär des Jews' College, ist zu ersehen dass die Zahl der Mischehen in den letzten zehn Jahren von 15 aut 25 Prozent gestiegen ist. Genaue Angaben sind nicht vor,.anden. Es scheint, dass mehr Frauen sich in Mischehen verheiraten als Männer Al* Grund wird angegeben dass jüdische Männer eine zu hohe Mitgift erwarten Es hat sich auch gezeio+ dass viele Uebertritte zum Judentum aus Heiratsgründen geschehen, jedoch meistens nur. um die Eltern zufrieden zu stellen Zahlen sind beim Bet Din nicht erhältlich jedoch geben die Reformgemeinden für ihren Bereich etwa 100 pro Jahr an. Im East End Londons, wo noch 20 000 Juden wohnen soll die Zahl der Mischehen besonders gross sein. Hakenkreuze am „Old Bailey“ London. — An das Porta! und die Mauern des londoner Kriminalgerichts „Old Baily“ wurden kürzlich elf grosse Hakenkreuze geschmiert. Die unbekannten Täter gehören wahrscheinlich zu den Freunden der sechs britischen Nazis, die sich vor dem Gericht wegen Brandfstiftung an zwei londoner Synagogen zu verantworten hatten Auch die Synagogen waren seiner zeit in ähnlicher Weise beschmiert worden. (AWZi Versuche zur Bekehrung ßrand Falscher Adressat New York. — Der newyorker Verband der Bekleidungsindustrie, dessen Mitglieder zu 85 Prozent Juden sind erhielt kürzlich ein eigenar tiges Schreiben aus der Vereinigten Arabischen Republik. Darin erging das Angebot der Ausfuhr nach der VAR, falls die Antwort aut eine lange Liste von Fragen über Beziehungen mit lsrae< „Nein“ lauten würde. Der Präsident des Verbandes meinte, der Absender hätte sich wohl „im Briefkasten geirrt“. (ITA) Washington. — „Washington Post“ meldet aus New Haven, dass Studenten der Yale-Universität ein Gottesgeschwader“ gegründet haben, um ihre jüdischen Kommilitonen zum Christentum zu bekehren Sie laden diese zu Abendveranstaltungen ein, nachdem der Kapellan von Yale in einer Erklär ng die bisher üblichen Bskehrungsversuche kritisiert hatte. (ITA> New York. — Im Gebäude der jiddischen Zeitung „,Der Tog ‘ in New York brach kürzlich ein Brand aus. Der Feuerschaden war am grössten in der Druckerei. In den Räumen der Redaktion konn te gearbeitet werden, und es trat keine Unterbrechung im Erscheinen der Zeitung, ein deren Druck einige Tage ang vom „Forwerts“ übernommen wurde. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual Nv 868.707

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