Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2161 (25.3.1966)
- Date
- 1966-03-25
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616703-9615320-9615420--4300-9615423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Viernes, 25 de Marzo de 1968 SEMANA ISRAELITA Año XXVII. — No 2161 — 3 Man nennt ihn Teddy Als die Herren der Zionisti sehen Exekutive auf einem der Zior.istenkongresse, der vor 38 Jahren in Basel abgehalten wurde, zu früher Morgenstunde den Lift des Kongressgebäudes betraten, um in das obere Geschoss zu fahren, fanden sie auf der Bank des Fahrstuhls einen friedlich schlummernden blondhaarigen Knaben vor. „Was tut dieses Kind im Fahrstuhl?“, wunderten sich die Herren der Exekutive. Nachforschungen ergaben, dass es sich um den 16jährigen Saalordner Theodor Kollek handle, ein Mitglied der Blau-Weiss-Jugend, der sich den schweizer Franken für die Jugendherberge ersparen wollte und im Fahrstuhl übernachtet hatte. Der junge Gymnasiast aus Wien hatte den weiten Weg bis Basel zu Puss zurückgelegt, obwohl sein Vater als Direktor der Rothschild-Bank, ja ziemlich wohlhabend war. Achtunddreissig Jahre nach dieser Episode bewies Theodor alias Teddy Kollek, dass er nicht nur auf Fahrstuhlbänken schlafen kann, sondern nötigenfalls überhaupt nicht zu schlafen braucht. Denn vor kurzem sass er eine Nacht in einem Saal seines Parteilokals in der Hauptstadt und lotste das nicht sehr sturmfeste Schiff der jerusalemer Munizipalpolitik zwischen den tückischen Riffen der diplomatischen Formulierungen hindurch in die endgültige Sicherheit des Koalitionshafens. Somit hat Teddy Kollek, Kibbuznik, Schaliaoh, Diplovon HAIM MASS mat, Administrator — eine fünfte Stufe seiner Karriere, die des Politikers, erklommen. Im hohen Amt des Bürgermeisters von Jerusalern wird er natürlich die Erfahrungen aus den vier vorhergehenden Stufen seiner Tätigkeit im Dienst Israels verwerten können. FISCHFANG UND SEEFAHRT Da<s Gleichnis vom behutsamen Lotsen zwischen den Felsenriffen ist nicht einmal so aus der Luft gegriffen, wie es scheint, denn Teddy Kollek war nach seiner Einwanderung im Jahre 1934 tatsächlich in seinem Kibbuz Ein Gev ein regelrechter Seefahrer. Allerdings gab es dort keine Felsenriffe. Aber man wurde dort bald auf die Talente des jungen Ghaluz aus Wien aufmerksam, weshalb man ihn oft als Schaliaoh zu Tagungen zionistischer Jugendverbände nach Europa entsandte. Von 1938 bis 1940 wurde er dann der Politischen Abteilung der Sochnut zugeteilt, um anschliessend sieben Jahre lang wichtige Missionen im Auftrag der Hagana ir. den USA zu erfüllen. Seine guten amerikanischen Kontakte sowie sein ausgezeichnetes Englisch machten ihn später für den freiwerdenden Posten des Gesandten Israels in Washington geeignet, den er zwei Jahre lang bekleidete. Nach seiner Rückkehr nach Israel — er hatte ALFREDO STERN MALERARBEITEN NEUE ADRESSE: Vidal 1575 fast Ecke Pino Tel.: 76-9088 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für iedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN Maschinenteppiche in allen Farben und Grössen Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN¬ TAG VON 9—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM CALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.: 52 2993 4 Quader von Station Urquiza Für anspruchsvolle Horen GROSSAUSWAHL FEINSTER FUER MASSKLEIDUNG. STOFFE GROSSAUSWAHL UND FERTIGKLEI¬ DUNG FUER HERBST UND WINTER. STAENDIGE PASSFORKONTROLLE AUCH JUNIOREN KAUFEN GERN BEI C A R L TO N. CARLTOJV ERNST KOPPEL Maipu 902 T. E. 31 7845 unterdessen den Kibbuz verlassen — liess er sich in Jerusalem nieder und wurde Leiter des Amtes des Ministerpräsidenten Ben Gurion, der in ihm einen treuen Helfer fand. Im Rahmen dieser Tätigkeit war er auch Vorsitzender der staatlichen Touristik - Gesellschaft, die nach Eshkols Amtsantritt und Kolleks Ausscheiden aus dem Staatsdienst dem neuen Touristikminister Akiba Gowrin unterstellt wurde Teddy Kollek übernahm hingegen die Errichtung und Leitung des repräsentativen Israel- Museums, das dank seiner energischen Initiative zum festgesetzten Termin seine Tore öffnete. Teddy Kollek hat die typischen Charakterzüge des Kibbuzniks. Er liebt es, selbst bei feierlichen Anlässen mit offenem Hemdkragen zu erscheinen, und er benimmt sich im Umgang mit Hollywood-Stars, Staatspräsidenten und anderen Berühmtheiten genau so ungezwungen wie mit den Laufjungen seines Büros. Jeder, der ihm beruflich oder gesellschaftlich begegnet, nennt ihn Teddy. Ein Briefträger klingelte einmal bei einer Nachbarin im Haus neben seiner Wohnung und fragte „Wissen Sie nicht zufällig ob bei den Kolleks ein Verwandter von auswärts wohnt? Ich habe hier einen Brief an einen gewissen Theodore Kollek abzuliefern, ob das wohl ein Verwandter von Teddy ist?“ Teddy Kollek arbeitet oft 20 Stunden ohne Unterbrechung. Von seinen Angestell, ten, die nicht Immer eine so perfekte Konstitution besitzen wie er, verlangt er das gleiche. Er liebt es nicht, sich mit jedem Detail zu beschäftigen, und scheut sich nicht, Befugnisse an Mitarbeiter zu übertragen und ihnen weite Verantwortung einzuräumen. Wenn alles klappt, setzt Teddy sein bezauberndes Lächeln auf, und seine Ange. stellten — nicht nur die Angehörigen des zarten Geschlechts — sind hypnotisiert. Wenn aber etwas schief geht aus Nachlässigkeit oder Indifferenz eines Untergebe, nen, wird der bezaubernde junge Mann (dem man seine 54 Jahre gar nicht ansieht) zum grollenden Löwen. Dann kann er im Impuls des Augenblicks mit der Faust auf den Tisch donnern und dabei die Glasplatte zerbrechen. Das passierte im Amt des Ministerpräsidenten so oft, dass ihm die Sekretärinnen eine vierteilige Glasplatte spendierten, die er nach und nach ebenfalls zerbrach, sodass sie durch eine Poliaster- Platte ersetzt werden musste. Wenn er zornig ist, kann er dem Objekt seines Grolls auch die beleidigendsten Schmähworte ins Gesicht schleudern. Nachher bereut er allerdings seinen Aus brach und pflegt sich ganz kleinlaut, oft mitten in der Nacht, zu entschuldigen. „Du Als Jugendlicher vor Gericht Bamberg. — Der 20jährige Hakenkreuzschmierer Reinhard Woitzik soll nach den Bestimmungen des Jugendstrafrechts" abgeurteüt wer. den. Das haben Psychologen der Universitäts - Nervenklinik Würzburg in ihrem Gutachten über Woitziks Geisteszustand der bamberger Staatsanwaltschaft empfoh len. Ausserdem seien bei Woitizk die Voraussetzungen der verminderten Zurechnungsfähigkeit (Paragraph 51, Absatz 2 StGB) nicht auszuschliessen. Nach Mitteilung des Oberstaatsanwaltes wird die Anklageschrift gegen Woitzik in Kürze fertiggestellt sein. weisst doch, wie ich bin — ich hab‘ es ja nicht so gemeint — ich kann nämlich nicht einschlafen, bis Du mir verziehen hast...“ BEWAEHRUNGSPROBE Der neue gewichtige Posten, der Teddy Kollek nach seiner Rückkehr aus den USA in Jerusalem erwartete ist für ihn eine grosse Bewährungsprobe und wenn er sich in diesem hohen Amt „beweisen“ wird, steht ihm der Weg zu einer weiteren grossen politischen Karriere — trotz seiner Zugehörigkeit zur Ben Gurion-Gruppe — weit offen. Diesmal muss er sich nämlich unter schwersten Begrenzungen seitens seiner orthodoxen Koalitionspartner betätigen und, ohne ihre Gefühle zu verletzen, gleichzeitig den Freidenkern, die die Mehrheit der Bevölkerung Jerusalems ausmachen, gerecht werden. Teddy Kollek und seine Fraktionskollegen behaupten zwar, sie hätten die Stadt „nicht an die Orthodoxie verkauft“. und dass das jetzige Koalitionsabkommen nicht anders sei als daß mit den Orthodoxen von Isch Schalom namens der Mapai im Jahre 1959 Unterzeichnete, aber auch wenn man ein weiteres Argument für bare Münze nimmt, dass auch diesmal Isch Schalom den Orthodoxen die gleichen Konzessionen gemacht hätte, fragt sich der israelische Durchschnittsbürger doch, wie Teddy Kollek sein dynamisches Temperament und seine freisinnigen Anschauungen mit den Forderungen der Agudat Jisrael und der Religiös - Nationalen Partei in Einklang bringen wird... Eine der Sphären, in der Teddy Kollek vielleicht unbehindert sein Talent entfalten können wird, ist die Verbesserung der sanitären Zustände der Hauptstadt, die in den letzten Jahren immer wieder beanstandet wurden Ob sich Teddy mit dem Wegfegen des affektiven Abfalls allein begnügen oder auch, im übertragenen Sinne, bestrebt sein wird mit dem eisernen Besen andere säuberungsbedürftige Bereiche des öffentlichen Lebens in der Hauptstadt auszukehren, ist eine noch offene Frage. LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, 1* izq. - T.E. 83-2613 25. März 1966 4. Nissan 5726 Zeugen gesucht Bonn. — Der Staatsanwalt von Oberpfalz sucht Zeugen für einen Prozess gegen sechs Angeklagte, die in der polnisehen Ortschaft Busk während des Krieges Kriegsverbrechen begangen haben sollen. Juden, die in den Jahren 1941—42 in Busk gelebt haben, werden gebeten, sich zu melden. (ITA) Diplomatischer Besuch Tel Aviv. — Carlos Alfredo Bemardes, Repräsentant des UN-Generalsekretärs U Thant in Zypern und brasilianischer Ex-Aussenminister, traf in Israel zu einem siebentägigen Besuch ein. Antisemitismus in Australien New York. — Die berüchtigte „John Birch Society“ fand in Australien ein geeignetes Absatzgebiet für ihre judenfeindliche Propaganda, ein Umstand, der berechtigte Besorgnis unter den 70.000 Juden auslöst. Isi Leibier eine führende Persönlichkeit des australianischen Judentums und Präsident der Kommission der jüdischen Repräsentanten des Staates Victoria, hatte während der Rückkehr von einer Europareise eine kurze Aussprache mit jüdischen Funktionären in New York. Im Rahmen dieser Unterredung sagte er: „Die Konzentrierung rechtsradikaler und antisemitischer Gruppen in Australien beunruhigt uns. Eine ihrer Zeitungen verbreitet systematisch die Propaganda der John Birch-Society“. „Der Stellvertreter“ in Brüssel Brüssel. — In dieser Stadt fanden Studentenkrawalle inner, und ausserhalb des Theaters statt, das Hochhuths „Stellvertreter“ aufführt. Es war die öffentliche Erstaufführung des Werkes in Belgien. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen unter den etwa 100 Studenten vor, die versuchten, die Aufführung in einem Tumult zu erstikken. Aus dem Publikum ka. men Rufe, wie: „Junge Faschisten, sie fürchten die Wahrheit!“ Katholische Studenten verteilten vor dem Theater Flugzettel, auf denen zu lesen war, dass Papst Pius XII. versucht habe, die Juden zu retten. (ITA) MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäi te mit der grössten Auswahl. SARGENTO 1147 T. E 35 1033 CABILDO 2674 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fach männlsche Bedienung ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUS. GABEN ZUM OFFIZIELLEN KURS AGENCIA FILATELICA OFICIAL DEL ESTADO DE ISRAEL VIAMONTE 550, I, B — Bs. Aires, Rep. Argentina ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL ► 4 Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTF ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUER0STUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. E.: 83 - 2613 ★ Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen * Vertraege - Verwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen 7.180 - 6930 PUEYRREDON 2190 esq. Av. LAS HERAS