Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2159 (11.3.1966)
- Date
- 1966-03-11
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viernes, 11 de Marzo de 1966 JÜDISCHE WOCHENSCHAU A fi« XXVII. — N» 2159 Ereignisse der Woche Von der Einheitskampagne In diesem Monat wird die .Einheitskampagne für das Jahr Ohaj, das 18. Jahr der Unabhängigkeit Israels proklamiert werden. Der Gedan. ke der Solidarität des jüdi- .sehen Volkes in der Zerstreuung mit Israel, vor und erst recht nach der Gründung des neuen Staates, ist tief im muss? Gibt es hierfür eine innere, moralische Begründung, obwohl wir von einer freiwillig übernommenen Verpflichtung sprechen? Diese ernste Frage bedarf einer wohl begründeten Antwort schon aus dem Grunde, weil man häufig von solchen Juden, die sich nicht an der jüdischen Leben und in der! Vereinigten Kampagne betei langen Geschichte des Volkes ’ ligen oder die dies nicht in verankert. Aus dieser ir.ne-! einer angemessenen Form ren Verbundenheit entstand , tun, immer die Antwort erdie Zionistische Bewegung, die zwar in der modernen Zeit neu geschaffen und nach den Prinzipien einer politischen Organisation auf. gebaut worden ist. aber auf religiösen und nationalen Momenten beruht die durch die vielen und langen Jahrhunderte der jüdischen Zerstreuung über alle Länder der Erde vom Beginn des Verlassens der Heimat bis in unsere Tage als eine lebendige und gestaltende Kraft erhalten blieb. Die Zionsliebe des Volkes durchglüht das jüdische Wesen, das ohne diesen Gedanken nicht zu begreifen ist. Diese Verpflichtung, die freiwillig von Juden immer wieder übernommen und gefühlt wurde, hat zu einem wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass die schwersten Zeiten unserer Geschichte überwunden und bewältigt werden konnten. Die jüdische Solidarität ist mehr als das Bewusstsein der Notwendigkeit, für einander einzustehen und einander zu helfen. Der starke Familiensinn der Juden ist nur eine andere Ausdrucksform der gleichen Zusammengehörighält: ,,Das ist doch freiwil. lig!“ Oie Geschichte antwortet i Nicht wir. nicht der einzelne Jude will sich zum Rich- | ter über den anderen, seinen Nebenmenschen seinen , Glaubens- oder Gesinnungs- . genossen aufwerfen Nicht , der einzelne nimmt sich das 1 Recht, im Namen einer Gemeinschaft zu sprechen, auch dann nicht, wenn er! von dieser Gemeinschaft nach demokratischen Prinzi- 1 pien mit einer Aufgabe be- ■ traut w'orden ist Diejenigen. ' die, ebenfalls freiwillig, die- I se Verpflichtung, andere auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen, übernehmen, er- | füllen damit ein höheres | Mandat, das ihnen von der I Geschichte, von unserer Verj gangenheit und von den; Notwendigkeiten unserer Ge-! genwart auferlegt worden ist Vor wenigen Tagen hat das I jüdische Volk Purim gefeiert | jenes Fest in Erinnerung der! wundersamen Errettung des; Volkes aus der Hand eines ■ wütenden Feindes, über den ■ es triumphieren konnte. In iMüfc durch das eieiche i dem Bericht über plie dama. sal und die gleiche Not ebenso geschmiedet wurde wie durch ihre ideellen Kräfte, die auf religiöser Ueberzeugung und nationaler Lebensauffassung beruhen. Haben wir. d. h. hat die im Laufe unserer Geschichte immer wierer in der gleichen oder einer ähnlichen Form wiederholten, lesen wir von einer Diskussion zwi" sehen dem Juden Mordechai und der jüdischen Königin Gemeinschaft als solche ein | Ester, die zuerst nichts da- Recht den einzelnen Juden : von wissen wollte, dass sie an diese Verpflichtung zu erdie Königin, einer jüdischen innem? Besteht dieses Recht I Verpflichtung Genüge zu tun der Mahnung, die an den j habe, um ihr Volk zu retten, einzelnen Menschen ergehen 1 Mit dem Recht, das aus der AKKORDEON-UNTERRICHT Für Anfaenger — Fortgeschrittene bis zur Meisterklasse erteilt im Haus des Schülers gewissenhaft und kompetent „ JACKIE“ ANFRAGEN: 16—19 Uhr T. E. 655-2248 von Mordechai gefühlten und von ihm ireiwilhg übernommenen Verpflichtung entsprang, verlangte er kategorisch von der sich zunächst sträubenden Königin dass sie zum König zu gehen habe. Und er fügte die mahnenden Worte hinzu, die wir allen denen gegenüber, die sich ausschliessen, stets zu wiederholen haben: Glaube nicht, dass du als einziger deinem jüdischen Schicksal! entgehen wärst. j Der kluge Mordechai hatte | verstanden .dass jüdisches! Schicksal unteilbar ist, und dass niemand, selbst eine , Königin nicht, sich ausserj halb ihres S hicksalskreises j stellen könne. Wie oft hätten diese Worte jenen Juden j entgegengehalten werden | müssen, die sich der eitlen; Hoffnung hingaben. aufgrund ihrer wirtschaftlichen, sozialer: politischen, finanziellen oder gesellschaftlichen Stellung nicht vom Gemeinschaftsschicksal des Volkes bedroht zu sein oder betroffen zu werden. Gerade in unserer Zeit mussten wir es miterleben, wie diese Men-! sehen die ersten wurden die zum Untergang bestimmt wa. ren. Wenn die Einheitskampagne im Jahr des Lebens im Jahre Chaj, sich erneut an alle wendet, so ist dies zugleich die Stimme des Mordechai, die über Jahrhunder. te und Jahrtausende hinweg zu uns dringt, jenei Appell zur Solidarität zur Abwendung der immer über unseren Häuptern schwebenden Gefahr, mit denjenigen Mitteln beizusteuern, die dem ein- I zeinen zur Verfügung stehen Jeder ist aufgefordert Opfer zu bringen sowie zur Sicherung unserer Existenz und der eine mit königlichen Mitteln, der andere mit dem. was ihm zur Verfügung steht. Die Einheitskampagne ist der äussere Ausdruck dieser echten jüdischen Solidarität Um den Stellvertreter Die Debatte um die Aufführung des Stückes von Hochhuth ..Der Stellvertreter“ ist noch nicht verstummt. Gegen die Absicht einer Aufführung dieses Dramas in der argentinischen Stadt Mar del Plata hatte ein Anwalt Einspruch erhoben, wobei er von einem Professor der Rechtsphilosophie der Katholischen Universität unterstützt worden war. Die Widerrafklage abgewiesen Der ehemalige SS-General und Kommandeur der SS- Division „Das Reich“, Heinz Bernhard Lammerding (Düsseldorf), muss es dulden, wenn ihm nachgesagt wird, er sei von einem französischen Militärgericht wegen zahlreicher Geiselmorde zum Tode verurteilt worden. Seine Widerrufklage wegen entsprechender Behauptung gegen den Redakteur Werner Stertzenbach von der Verfolgtenzeitung „Die Tat“ und gegen den Roederberg-Verlag in Frankfurt wurde von der 10 Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf abgewiesen. Dagegen muss die Zeitung — dem Urteil zufolge — zwei andere Behauptungen in ihrem angefochtenen Artikel als unwahr widerrufen; denn der Vorwurf habe sich nicht beweisen lassen, dass sich Lämmerding mit dem ehemaligen Düsseldorfer Gauleiter Florian treffe und in einer Gaststätte mit Leibw'ache auftrete um den „Herrn-im-Hause“ zu spielen. Lammerding muss fünf -Sechstel, die Gegenpartei ein Sechstel der Gerichtskosten tragen. In dem Hauptpunkt des Verfahrens berief sich das Gericht auf historische Quellen, nach denen es am 9. Juni 1944 in der südfranzösischen Stadt Tülle zu einer Vergeltung«- und Abschreckungsaktion durch Truppen der SS-Division „Das Reich“ gekommen war. Damals wurden — zwei Tage nach einem Ueberfall französischer Widerstandskämpfer — wahllos 99 Bürger an Laternenpfählen und Baikonen aufgehängt. Nach der mündlichen Urteilsbegründung war in diesem Zivilverfahren nicht zu prüfen, cb Lammerding die Mordtaten befohlen oder auch nur gekannt hat. Fest stehe dass ihn ein französisches Militärgericht in Bordeaux nach dem Krieg wegen der Vorfälle in Tülle in Abwesenheit zum Tode verurteilt habe. Lammerding, der nach dem Krieg zunächst verborgen lebte und gegen den die französische Justiz später ein Ausueferungs verfahren anstrengte, lebt heute als Bauunternehmer in Düsseldorf Die Staatsanwaltschaft in Dortmund stellte Anfang vergangenen Jahres ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein. Begründung ist die schon aus ähnlichen Einsprüchen bekannte: Hochhuth mache den Papst Pius XII. für der. Völkermord verantwortlich, der in den KZ verübt worden ist. Es sei die Absicht des Verfassers dieses Stükkes, den Papst zu verdächtigen, an dieser, grausamen Taten dadurch beteiligt zu sein, d ass er nicht eingeschritten wäre. Eine solche Verunglimpfung des verstorbenen Papstes sei unstattnaft und könne nicht toleriert werden. — Das Gericht wies diesen Einspruch zurück, sodass die geplante Aufführung vor (rphpn rNhwAhl einige Jugendliche Zwischenrufe machten, kam es nicht zu ernsten Zw'ischenfällen. Ais die Polizei einigen Fotografen verbot im Theater Aufnahmen zu machen, protestierte das Publikum, ohne dass die polizeiliche Intervention zu irgendwelchen Konsequenzen geführt hätte Keine Beschlagnahme Der Antrag, der von zwei Bürgern gestellt worden war. das Buch Hochhuths „Der Stellvertreter“ zu beschlagnahmen, wurde vom Richter Dr. Luis Maria Terän zurückgewiesen. Der Antrag war damit begründet worden, dass die Herausgabe in Me - Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten Essays — Nr 55: JOVCE CARY: Spiel ohne Ehre, Roman. Nr 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwürdi ge Rechtsfälhe Nr. 57/58/59: GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945 Nr. 60: MARQUIS DE SADE: Die Kastanienblüte und andere Erzählungen. Nr. 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr. 63: ELIA KAZAN: Amerika - Amerika Roman Nr 64/65: HORST LANGE: Schwarze Weide. Nr 66 GEORGES P-ERNANOS: Ein böser rraum Nr. 67: LEONHARD FRANK: Das Ochsenfurter Män nerquartett. Es kosten: Einfachband DM 2.50: Doppelband DM 3,80; Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de ia Religión. l.EO BAECK: Lo esencia del Judaismo (Wesen des (udentums) Grandes Epocas é Ideas del Pueblo Judío l- IEJEZKEL EAUFMANN: La Epoca bíblica II. RALPH MARCUS: La Epoca Helenística IB. GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV. ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo. Islámica V. CECIL ROTH: La Epoca Europea VI SALO W. BARON: La Epoca Moderna Editorial Paidos Buenos Aires xiko illegal sei und gegen die argentinische Verfassung verstossen würde. Aus diesem Grunde sei der Verkauf, die Verteilung oder Verbreitung des Buches in irgendeiner Form ungesetzlich. Die beiden Antragsteller argumentierten in bekannter Weise: der Papst Pius XII. werde ebenso wie die Katholische Kirche in einer beleidigenden Form angegriffen. Im übrigen werden dadurch auch die guten Be- Ziehungen zwischen Argentinien und dem Vatikan betroffen. Der Richter führte zur Begründung der Ablehnung dieses Antrages u. a. aus, dass ein Verbot des Buches bedeuten würde, dass man diesem Buch irgendeinen Wert beimesse. Diesen habe es nicht. Im übrigen sei es auch literarisch wertlos. Das Drama sei so schwach, dass es das Andenken an Papst Pius XII überhaupt nicht berühren könne. Denn der Papst sei anerkanntermassen eine der hervorragendsten Persönlichkeiten unseres Jahrhunderts gewesen. Wegen dieses Buches könne auch kein Eingriff in die Freiheit der Meinungsäusserung vorgenommen werden, die zu den Grundrechten der Literarische Notizen Vermächtnis Eine christliche Lehrerin aus Kopenhagen Helga Bak, hinteriiess 30.000 Dollar für die jüdische Jugend. Sie hat dieses Vermächtnis gemacht, nachdem sie eine Hadiorfde des dänischen Oberrabbiners gehört hatte. Mahnmal Auf dem Gelände des ehemaligen nationalsozialistischen Vernichtungslagers Sobibor, in dem 250.000 Men. sehen, vorwiegend Juden aus allein Teilen Europas gemordet wurden, wurde ein Mahnmal errichtet. Jüdische Tagesschule Zum Leiter der Jüdischen Tagesschule in Kopenhagen wurde Ulf Haxen, ein christlicher Pädagoge, bestellt, der in Jerusalem Hebräisch und Arabisch studiert hat und als besonders qualifiziert gilt. argentinischen Verfassung gehört Im übrigen wurde man hierdurch nur den Gegnern dieser Freiheit einen Prätext liefern. Schliesslich gäbe es andere Mittel, um gegen Verstosse gegen die Moral, die guten Sitten und gegen eine Störung der Beziehungen zu einem anderen Staat vorzugehen als den Eingriff in die Meinungsfrei, heit, die zu den höchsten Gütern der Nation gehört. — 1. Informationsabend Theodor Herzi Gesellschaft und Bet Israel führten gemeinsam ihren ersten Informationsabend durch, der trotz des noch sommerlichen Wetters einen relativ guten Besuch aufwies. Die Veranstaltung wurde vom Vizepräsidenten der THG, Herrn Heinz Braun, eingeleitet, der die Bedeutung solcher Abende der Information und Orientierung unterstrich. An. schliessend begrüsste der Präsident Bet Israels, Herr Curt Wilk. die Versammlung. In seinem Referat gab der Vorsitzende der THG einen Ueberblick über die allgemeine und die jüdische Situation und zeigte die inneren Zusammenhänge einer Entwicklung auf, die uns a'le in atemloser Spannung hält. Die Informationen, die zum Teil vertraulichen Charakter trugen wurden von den Anwesenden mit grossem Interesse aufgenommen. Unsere liebe Mutter, Frau BERTA HOLLAENDER geb. OPPENHEIMER beging in aller Frische am 8. März ihren 75. GEBURTSTAG. BERNARDO. RUTH und DANY HOLLAENDER Av. del Libertador 3576 T. E. 71-2005 LUACH—(KALENDER) Freitag den 11. März 19. Adar Sonnabend, den 12 März 20. Adar Schabbat KI SSISSA — Schabbat PARA Haftaia: Jecheskiel Kap. 36 Sonntag, den 13. März 21. Adar Montag, den 14. März 22. Adar Dienstag, den 15. März 23. Adar Mittwoch, den 16. März 24. Adar Donnerstag, den 17. März 25 Adar Freitag den 18. März 26. Adar Sonnabend, den 19 März 27. Adar Schabbat WAJAKHEL — Schabbat PEKUDE Schabbat HACHODESCH Haftara: Jecheskiel, Kap. 48 Sonntag, den 20. März 28. Adar Montag, den 21. März 29. Adar Dienstag, den 22. März 1. Nissan Rosch Chodesch Mittwoch, den 23. März 2. Nissan Donnerstag, den 24. März 3. Nissan Freitag, den 25. März 4. Nissaj) Sonnabend, den 26 März 5. Nissan Schabbat WAJIKRA — Haftara: Jesaja, Kap. 43 Sonntag, den 27. März 6. Nissan Montag, den 28. März 7. Nissan Dienstag, den 29. März 8. Nissan Mittwoch, den 30. März 9. Nissan Donnerstag, den 31. März 10 Nissan