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Jüdische Wochenschau · 1966-02-18 · 2156 (18.2.1966) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2156 (18.2.1966)
Date
1966-02-18
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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.Viflme», IS de Kehren» de 1966 SEMANA ISRAELITA An.» XXVII. — Ni 2156 Vom Talmadjungen zum Professor Zum Tode von Professor Kiveliövitch van Dipl. Ing. STEFAN SCHWARZ (Straubing) Eine Generation verlasse uns allmählich, und uns treue Freunde treten ab. Ihre Adressen im Notizbuch werden mit Wehmut gestrichen, und manch heisse Träne fällt in Trauer, in einem G«fühl der Hilfslosigkeit. das über uns kommt. Die Gedanken des Sinnlosen und des Vergänglichen bemächtigen Bich unser, und jede Betrachtung in diesem Moment geschieht durch das Prisma des Zeitweiligen und wird dominierend. Der Mensch war und ist nicht mehr. Solange sein Hauch noch fühlbar ist, strebt er, will schaffen, sich bemerkbar machen, mit seinem Ich alles ausfüllen, die Welt und das Leben verbessern. Seine Eitelkeit, Geldgier, Ambitionen, sein Hochmut und Geltungstrieb, alle diese psychischen Komplexe ionisieren aber auch das Blut, aktivieren den Willen des Menschen zum Guten Oder zum Bösen, bauen oder zerstören, wirbeln die Zellen auf oft bis zur Krankheit, bis zur Selbstzerstörung und zum Ende. Wie lächerlich und sinnlos erscheint jedoch das alles, wenn der ¡letzte Atemzug getan und der Holzkasten mit dem leblosen Körper, der Mensch imal war, in die kalte Gruft .versinkt und mit steinklum. piger Erde bedeckt wird. Die Menschen, bei denen das Blut noch zum Herzen fliesst, die. sich deshalb bewegen können und als stumme Zeugen der letzten Handlung — man nennt es Ehre i— an dem Menschen, der er mal gewesen war, herumste. hen, waschen bald die Hände ab und gehen nach Hause Burück. Sie gehen zunächst langsam, gebeugten Hauptes, dann schneller, die Augen zögernd empor hebend, sehen die Lebendigen um sich, die rsach Geschäften eilen, und vergessen, von wo sie eben kommen. Das Tor ist wieder geschlossen. Der aufgeschüttete kleine Hügel Erde sinkt zusammen. Wieder haben sie Hunger, schuften weiter, bis das Schicksal oder der biologische Naturprozess sie selbst ereilt. Sie wissen es, warum also denken? Nein,, wer weiss wann, nur noch «icht jetzt. Von denen, die gingen und die Welt und uns verlassen haben, bleibt nur die Tat und ihre Wirkung, die noch lange anhält und sich bemerkbar macht, wenn sie auch unter uns nicht mehr weilen. Ihr Leben steigt aus der Gruft heraus und zieht durch die Welt, ungreifbar, aber fühlbar tief und breit, je nach der Stärke und Grösse ihres Wirkens. Ihre Gedanken, wenn sie die Menschheit erbauen, sie die Wunderwerke der geistig-sittlichen Welt erblicken und erkennen lehrten, werden lebendig und erfassen die Menschen. Es beginnt ein Wirken im Raum, im Geist, übernatürlich, transzendental, ohne physische Gestalt der Schöpfer. Die Tat und die Schöpfung des Talmudjungen aus Novogrodek in Litauen, der vor kurzem in Paris fest einsam verstorben ist, wird noch lange wirken und die Mensehen beglücken. Ein Sonderling war der Wissenschaftler von internationalem Ruf, Prof. Kiveliövitch. Er war Professor an der Sorbonne in Paris und Lehrer der französischen Generäle und trug die Sabbat-Feierlichkeit zwischen den Juden während einiger Jahrzehnte. In seiner Wohnung in Paris traf man oft exotische Wissenschaftler, internationale Gäste und die Unterhaltung ging meist in den Regionen der höheren Mathematik. Darüber hinaus war er aber ein treuer Freund, der an jüdischen Kulturkonferenzen regen Anteil nahm. Ich begegnete Prof. Dr, Kivelioviteh im Jahre 1959 bei der Kulturkommission des Jüdischen Weltkongresses in Stockholm, und als wir am selben Abend bei einem Empfang, den die schwedische sozialistische Partei mit Minister Gunnar Lange, dem Minister für Sozialwesen Nilson, Vertretern der schwedischen Gewerkschaften und des Sozialistischen Frauenbundes für die zionistisch-sozialistischen Delegierten ver. anstaltete, zusammen waren, hörte Ich mitten im Gespräch ein herrliches „saftiges“ litauisches Jiddisch. Ein kleiner, älterer Herr mit grauen Haaren an den Schläfen, beweglich wie ein Vierziger, voll Humor in seinen lachenden klugen Augen, erzählte einen knusprigen, echt ALFREDO STERN MALERARBEITEN IMITACIONES DE MADERAS MANDONGO PATINADO Y HELADERAS Neue Adresse: VIDAL 1575 fast Ecke PINO Tel: 76—9088 Depósito: V. DE LA PLAZA 1771 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. 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Einer orthodox - jüdischen Familie entstammend, sein Vater war ein reicher Holzhändler, genoss er eine jüdisch-religiöse Erziehung und erwarb gute Talmud-Kenntnisse. Mit 16 Jahren kam er nach Paris. Sein Drang und Wissen war gross, seine Vitalität und Energie unerschöpflich, seine Ausdauer enorm. Er überwand alle Schwierigkeiten und kämpfte sich durch alle Hindernisse, die sich einem Immigranten in dem neuen unbekannten Land von ganz fremder Mentalität und Eigenart in den Weg stellten. Er besuchte Vorträge, lernte und lernte. Inskribiert auf der Sorbonne in Paris in Physik und Mathematik, promovierte er im Jahre 1919 als Doktor der Mathematik bei dem berühmten Mathematiker Prof. Henri Poincare mit einer eindrucksvollen Arbeit aus der Himmelsmechanik, und zwar über eine 1966 30 Jahre CARLTON- Kleidung In diesem Jahre feiert CARL- TON dieses besondere Jubiläum. Ein besonderer Grund, Höchstleistungen in Qualität und Preis zu bieten. 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Dr. Kiveliovitch wird Leiter des theoretischen Abteilung im Meteorologischen Institut in Paris. Er stellt eine neue Theorie, die sogenannte Probabilitätstheorie auf und erfindet die Theorie der „chronologischen Reihen“ mit Berücksichtigung des Phänomens in Zeit die eine Verwendung auf den Gebieten der Physik, Technologie, Industrie, Medizin und Psychologie finden. Seiner Methode bedienen sich Meteorologen, um das Wetter festzustellen. Mittels der „chronologischen Reihen“ kann festgestellt werden, ob das Phänomen zufällig oder organisiert ist. Anhand seiner Methode kann bestimmt werden, in welcher Richtung der Niederfall des radioaktiven Staubes sich verbreitet, wo Gefahr besteht und in welcher Gegend die bedrohte Bevölkerung evakuiert werden muss. Diese Arbeit in zwei Werken „Die chronologische Reihe und der Zufall“ ist durch das französische Ministerium für Luftfahrt veröffentlicht worden. Prof. Dr. Kiveliövitch war technischer Leiter im französischen Ministerium des Innern für Radioaktivität und Professor für Meteorologie an Höheren Schulen. Zu seiner Hörerschaft zählten Ge neräle und höhere Offiziere. Er war Mitglied der internationalen biologischen Gesellschaft, einer Reihe von Kongressen und Mitarbeiter an internationalen wissenschaftlichen Journalen. Immer aber fand er Zeit für jüdische Belange, für jüdische Probleme. Gemeinsam mit Leon Bramson gründete er in Paris den „ORT“. Im Jahre 1920 gründete er die jüdische Kulturliga und war Mitglied der Kulturkommission beim Jüdischen Weltkongress, sowie Mitglied des Dokumentations - Zentrums LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, 1» izq. - T.E. 83-2613 18. Februa« 196'3 28. She wat 9726 Angriff als Verteidigung London — Die offizielle sowjetische Nachrichtenagentur Tass verbreitete Beschuldigungen über Antisemitismus in Nordamerika als offensichtliche Reaktion auf die Proteste aus aller Welt dass die russische Judenneit Diskriminierungen ausgesetzt sei. Laut Tass, die sich auf ein anderes sowjetisches Propagandaorgan, „Sowjetrussland“. beruft, kommen an der Harvard Universität sehr niedrige Quoten für die Aufnahme jüdische Studenten ebenso wie an anderen Universitäten in Anwendung. Es wird ferner behauptet, dass an verschiedenen Reim Haus des unbekannten jüdischen Märtyrers in Paris. Wir begegneten ung noch in Paris und München, wo er einmal beim Physikerkongress als Delegierter weilte, und nach seinen für einen Laien schwer verständlichen Vorträgen erlebte ich Prof. Kiveliövitch als Freund, als jüdischen Volksmenschen, der sein, kleines jüdisches Städtchen wie sein grossser Landsmann Marc Chagall nicht vergessen hat; es lebte weiter in ihm, er blieb ein volkstümlicher, einfacher Mensch, besorgt um sein Volk, um seine Brüder. Wir werden das Andenken dieses verdienstvollen, treuen Sohnes des jüdischen Volkes immer in Ehren bewahren. staurants und Bars Aufschriften angebracht sind, dass das Lokal nicht „für Hunde, Neger und Juden“ ist, und es im weiteren in den USA 90 antisemitisch© 2teitungen gibt, die „in Millionen von Exemplaren verkauft werden“. „Die amerikanischen Führer des Zionismus“, schreibt Tass, „halten ihren Mund, wenn in Amerika Juden getötet werden, wenn Schändungen jüdischer Friedhöfe geschehen oder Häuser mit Hakenkreuzen beschmiert werden, und auch die zionistischen Führer in Israel hüllen sich in diesen Fallen in Schweigen. (ITA) MOEBELHAUS WATERMANN Das Hans der 3 Geschät te mit der grösste* Answahl. SARftLENTO II47 T. E. 35 1833 CÄÜLDO 2614 PAMPAM79 fast Ecke Trinnvtrato Eigene Werkstätten. 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