Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2155 (11.2.1966)
- Date
- 1966-02-11
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 1Ï «le Febrero «le 1866 SEMANA ISRAELITA Am« XXVW. Nv ZI 55 .A.! Portraet der Woche Blick in die Weit Wie wir schon kurz berichtet haben, ist Rebecca Sieff, die ■Gründerin der Welt-Wien, deren Präsidentin sie 43 Jahre lang war, hochbetagt vor kurzem in Israel verschieden. Ihr Tod wird von ihrer Familie und ihren vielen Freunden beweint und von den Wizo-Verbänden in der Welt, den zionistischen Organisationen und dem Volke von Israel und seiner führenden Persönlichkeiten tiel betrauert. Rebecca Sieffs Andenken ¡air wahren, braucht es keines Denkmals. Obwohl ihr Namen auf vielen Tafeln prangt und auf vielen Türen steht, wird er in den Herzen Tausender, ihr bekannter oder unbekannter Männer, Frauen und Kinder fortleben, denn er ist unlösbar mit der Geschichte ihres Volkes verbunden. Rebecca Sieff hatte das Glück, Träume zu schmieden und Erfüllung zu ernten. Als sie schon in ihrer Jugend ihr Leben der zionistischen Idee weihte, war die jüdische Heimstätte nichts als eine Vision, eine Hoffnung. Ehe Geschichte verwirklichte auf ihren verschlungenen, tragischen Wegen der letzten fünfzig Jahre diesen Traum, und die Hand Rebecca Sieffs leistete hierbei entscheidende Dienste. Die Landschaft des wiedergeborenen jüdischen Staates trägt zahlreiche Spuren Ihres Wirkens: die Bemühungen auf politischem Feld jener Gruppe junger englischer Zionisten unter Führung Weizmanns, die ihren Höhepunkt mit der Balfour-Deklaration fanden; die Gründung des Forschungsinstituts Daniel Sieff, im Namen des Sohnes von Rebecca Sieff, das später zum Wissenschaftlichen Weizmann-Institut wurde; die Mitarbeit bei der Gründung des Philharmonischen Orchesters von Israel durch ihre Bronislaw Huberman gewährte Unterstützung; die Bildung ein« Frauen-Comité* in England, das unschätzbare Hilfe bei der Rettung Hunderter Frauen und Kinder aus der Nazihölle geleistet hat; die Tätigkeit Rebecca Sieffs in der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses. Obwohl Rebecca Sieff mit Hingabe für viele Ziele eintrat, so hat sie in ihrem Leben ein Werk geschaffen, das unvergleichlich ist; die Wizo. Die Wizo füllte sie ganz aus und war die wahre Essenz ihres zionistischen Wirkens. Denn Rebecca Sieff glaubte fest an den einzigartigen Beitrag, den die Frauen der Gesellschaft leisten können, und im besonderen -an die entscheidende Rolle, die die Frauen beim Aufbau der jüdischen Heimstatt spielen sollen. Als sie nach dem Ersten Weltkrieg die Fö- | deration der zionistischen i Frauen von England und Ir-! land gründete, so tat sie dies, i um für dieses konstruktive | Ziel ein Aktionsgebiet zu schaffen. Im Jahre 1920 erweiterte sich dieses breite Tätigkeitsfeld mit der Gründung der Wizo, der Internationalen Organisation zionistischer Frauen, dte alle zionistischen Frauen in der ganzen Welt zu einem gemeinsamen Vorhaben eng zusammenschloss. Rebecca Sieff war die Präsidentin der Welt-Wiao vom Tage ihrer Gründung bis zum Jahre 1963, als sie zur lebenslänglichen Ehrenpräsidentin dieser Organisation I ernannt wurde. Dreiundvier- I zig Jahre lang hat Frau Sieff das Bemühen um die Frau I und das Kind in Israel geleij tet und angespornt. Die Früchte ihrer Arbeit spiegeln | sich in den Dörfern und j Städten Israels, in den I Kleinkinder - Bewahranstali ten, den Kindergärten, den Jugendklubs, in den Schulen und Einwandererheimen. Rebecca Sieff repräsentierte dreiundvierzig Jahre lang j die Wizo überall dort, wo diese Organisation anerj kannt war oder um ihre Anj erkennung kämpft«. Wenn | die Wizo heute ein anerkannter Organismus innerj halb des Jüdischen Weltkonj gresses ist, so ist dies einzig J und allein dem unermüdlichen und unerschütterlichen I Streben dieser Frau zu verww» Plötzlich und unerwartet verstarb mein lieber tviann, unser lieber Vater, Grossvater, Schwager und Onkel, Herr Aaron Oppenheim Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Paula Oppenheim, geb. Goldschmidt Ellen und Rodolfo Weinberg Horst und Leonor Oppenheim Enkelkinder Buenos Aires, 7. 2. 1966 Boulogne Sur Mer 540, I. B. Der Mitbegründer unserer Bruder- und Schwesternschaft, Herr Maximo Salomon hat uns ploetzlich lür immer verlassen. Wir verlieren in unserem Don Maximo den guten Freund, den lieben, hilfsbereiten und gütigen Menschen, den wir niemals vergessen koennen. BRÜDER- UND SCHWESTERNSCHAFT der A.CLB.Ä,, Buenos Aires «toé#, „l Aßfti -/. mrnmssä Z ENA HA RAI AN, Israel, t&t die langjährige Vorsitzende der UNICEF, der Organisation der UN für die Km.lerhjlfe, die in diesem Jahr den Nobelpreis für den Frieden gewonnen hat. In ihrer Eigenschaft als Präsidentin der UNICEF nahm die ständige israelische Delegierte, Fran Harman, den Preis in der Königlichen Akademie in Stockholm entgegen. von HAROLD SCHWARCZ ERDSATELLIT MOND erhielt, ei ei,malig den Besuch eines Produktes von Menschenhand in Gestalt des russischen Lunik IX, einer ..Mondsonde’', was e.nen überragenden Erfolg der russischen Wissenschaftler darstellt, cer allgemein anerkannt worden ist. — GIUSEPPE SARAGAT, Präsident Italiens, unternahm selbst den Versuch einer Kabinettsbildung, nachdem die Bemühungen Aldo Moros gescheitert waren. — CHARLES DE GAULLE wird im Juni zu wichtigen Verhandlungen nach Moskau reisen. — PRAESIDENT JOHNSON führte seinen Plan durch, sich mit hohen Militärs und dem südvietnamesischen Ministerpräsidenten Nguven Cao Thieu in Hawaii zu treffen. STUDENTEN denru nstrierten in Madrid gegen die amerikanischen Atomstützpunkte in Spanien. — CARLOS ANIBAL JARAMILLO. Minister in Ecuador, bezichtigte die Kommunisten, die Urheber der letzten schweren Unruhen zu sein, die sich gegen die Amerikaner gerichtet haben. — PIERRE HARMEL, belgischer Ministerpräsident, erklärte den Rücktritt des Kabinetts aK- Folge der schweren sozialen Kämpfe, die rieh auf den Strassen Brüssels abeefpieit haben. — CHOLERA-GEFAHR besteht im indischen Staat Kerala, der infolge des Lebensmittelmangels bereits seit eiligen Wochen von schweren Unruhen erschüttert wurde. NIKITA KRUTSCHEW sei nicht krank, erklärte ’fass. MANIFESTATIONEN gegen die Militärjunta und die nordamerikanische Botschaft in Quito nahmen in den letzten Wochen schärfere Formen an. — DER SICHERHEITSRAT der UN beschloss, die Vietnam-Frage in seine Beratungen einzubeziehen — DER KREML beschuldigte die Rotchinesen, einen Krieg zw sehen den USA und der Sowjetunion entfesseln zu wollen. — JUAN BOSCH, dominikanischer Expräsident, beschuldigte den brasilianischen General Hugo Panasco Alvim, die terroristischen Kräfte in der Dom in ika n ¿sehe n Republik du kommandieren. — DIAMANT heisst Frankreichs erste Weltraumrakete, deren Erbauer Ing. Soufflet von de Gaulle für seinen Erfolg geküsst wurde. — SG'WJETPRAEjSIDENT Nikolai V. Podgornv versichert* dem Staatschef Nordvietnams. dass die Russen ihre Hilfe für Nordvietnam verstärken werden. — danken, die dieses Recht erstritten hat. Kaum eine Woche vor ihrem Tode erhielt ihr Gatte, Israel Sieff, von Königin Elisabeth von England das Adelsprädiket eines Barons verliehen. Schrille Toene „...am Sonntag ¿6 Auschwitz-Aussteifung in Hannover Hannover. — Die Ausstellung über das ehernM ge Konzentrationslager Auschwitz ist vor kurzem in Hannover gezeigt worden. Der Frankfurter Rechtsanwalt Henry Ormond warnte bei der Eröffnung vor dem Wiederaufleben des Rechtsradikalismus in der Bundesrepublik. Ormond sagte, die Bundesrepublik stehe wieder am Anfang einer gef ähr liehen nationalen Welle. Die Ausstellung war vom Frankfurter Bund für Volksbildung aus Dokumenten Bildern und Gegenständen des Auschwitz-Museums in Auschwitz und des Jüdischen Museums in Prag zusammengestellt worden. Sie wird anschliessend in anderen Städten gezeigt. (AWZ) Neuer Tanker Haifa. — Die israelische ..GadoU’-Gesellschaft hat einen eigenen 16.000 Tonnen- Tanker in Betrieb genommen, der insbesondere für den Transport verschiedener Chemikalien verwendet werden kann. Das Fernsehen des Nordwestdeutschen Rundfunks hat in seiner Sendereihe ,,Hallo Nachbarn“ in erfreulich entschiedener Weise gewisse neonazistische Störgeräusche im politischen Volkskörper der Bundesrepublik unter die kritische Lupe gej nommen. Das war eine in der Form massvolle. im Inhalt treffsichere Sendung, j der jeder Demokrat nur vor-! behaltlos zustimmen konnte. | Aber lesen wir Auszüge aus der Rezension dieser Sendung in einer bundesdeut-. | sehen Zeitung: ,,Mit einem Kolleg in Na- : tional - Mosachismus (und! mehr Mitwirken den als die Sendung Minuten hattet : nahm der NDR die Reihe; ,Hallo Nachbarn“ wieder auf. Sie begann mit einem Zitat 1 aus dem Reichsgerichtsurieil, | das das Wesen der Satire de- I finiert. und endete mit einem heuchleriseben Kratzfuss, dass man die Vertrievon Kurt Kaiser.Biiitk benen nicht habe kränken wollen. Die vom Femseh- Steuerzahler besoldeten, sozialversicherten ..Spassmaeher“ trampelten auf allem herum, was sich nicht mehr wehren kann, weil es unter dem grünen Rasen liegt oder weil es nicht sprechen darf. Die eine Ausnahme bildete der Bundeskanzler, der mit der Physiologie eines Tennisballs verglichen wurde. Das nachbarliche Hallo der Sendung galt offenbar mitsehenden Zonen - Funktionären, die ihr das Prädikat ^onenpolitisch wertvoll' nicht vorenthalten dürften... Wehr ma chtsgenerä le, SS- Führer, Landser und noch einmal der Waffen-SS-Tag in Rendsburg waren ihre Zielscheiben. Nach einer linkischen Verbeugung vor der Ostdenkschrift der .Schröder-Kirche“ begann die Treibjagd gegen die Vetriebenen... Unter den Regime Gástelo Bramos Rio de Janeiro. — Hat sich das Leben der 140.000 Juden in Brasilien verschlechtert seit General Castelo Branco das Regime übernommen hat? Man kann diese Frage verneinend beantworten. Durch die antiinflationistischen Massnahmen, Steu- DAS ABKOMMEN MIT DEN USA Washington. — Das zwischen den USA und Israel geschlossene Abkommen, aufgrund dessen Israel eine Anzahl von amerikan;sehen Tanks erhalten wird, wurde vor der jetzt vereinbarten arabischen Aufrüstung getroffen, wie man aus israelischen Quellen erfuhr Hierbei handelt es sich um die Tanks, die Israel ursprünglieh von Westdeutschland erhalten sollte. Im übrigen hätten die Nordamenkaner sich erst zu diesen Lieferungen entschlossen, nachdem sie gründlich geprüft hatten, dass Israel diese Waffen zu seiner Verteidigung benötigen würde. Man habe seinerzeit ausdrücklich hervorgehoben, dass diese Lieferungen im Rahmen der USA-Bemiihungen um die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im Mittleren Osten liegen. Hierzu verlautet aus Jerusalem, dass Israel nunmehr nach den neuen amerikanischen Waffenlieferungen an die arabischen Länder darauf bestehen müsse, ebenfalls neue Waffen von den USA zu ernalten. (ITA) ern und durch andere wirtschaftliche Eingriffe haben auch die Juden sehr gelitten, aber nicht mehr als d^e andere Bevölkerung. — Kubitsc-hek, der frühere Präsident, konnte zwar an den Wahlen nicht teilnehmen, aber seine Kandidaten führten seine .judenfreundliche Politik weiter und gaben bei jeder Gelegenheit Erklärungen für die Juden und Israel ab. General Branco gab ebenfalls seinen jüdischen Sympathien Ausdruck, zum Beispiel als er den jüdischen Gemeinden zu Rösch Haschana seine guten Wünsche übermittelte. Einer der nahen Mitarbeiter ist General Levi Ca1 doso. 15 jüdische Obersten sind im aktiven Dienst, und drei jüdische Generäle stehen auf der Reserveliste. Dr. Aron Steinbruch ist Senator, und“ Emanuel Weismann gehört dem Parlament an. Beide sind im jüdischen Leben sehr aktiv. In den verschiedenen Provinzparlamenten gibt es noch weitere zehn jüdische Abgeordnete. Diese Sendung bestätigte einmal mehr die Richtigkeit des Churchill-Wortes, nach dem die Deutscnen entweder an der Gurgel ihrer Gegner hängen oder ihre Füsse süssen! Erhard irrt, wenn er ' meint, die Nachkriegszeit sei | zu Ende. Beim NDR fangt | sie offenbar erst an! St.'“ : Dieses unglaubliche Plädo- | ver für nazistische Kriegsverbrecher („die unter dem Rasen liegen und nicht sprechen dürfen“» und die SS - Prominenten. in dem i übrigens die aufgetretenen I Schauspieler im schnodd-igi sten Jargon als ,,angehe e:te I Vergangen«* ts - Therapeu- | ten“ bezeichnet wurden .st nicht etwa in der neonazistischen ,.Deutschen National- ■ zeitung“ oder in einem ande. j ren Blättchen des braunen [ Nachkriegs-Sumpies erscDe-! nen. E* erschien in der autono-! men Sonn tags a .sgabe der seinerzeit englisch iizen/’erten „Welf“, einem der grössten liberalen BlätGer der Bundesrepublik. Das fragliche Organ heisst „Welt am Sonntag“, ist das massgebende Blatt der Bundesrepublik zum Wochenende und ha' eine Auflage von rund 4(K).000 Exemplaren. Chefredakteur der ..Welt am Sonntag“' ist Bernhard Menne, in den Weimarer Jahren Chefredakteure des kommun n tischen Parieiblattes in Essen und linker Sozialdemokrat In der Emigration, in der er ein Wortsprecber der Einheitsfront der gesamten emigrierten Linken gegen den Faschismus war. Dass ein Blatt, das als Wortsprecher des Liberalismus gilt, sich solche rostbraunen Kuckuckseier, wie das oben zitierte NS-Gezter gegen eine .Staatspolitik .’h wertvolle Sendang de. Nordwestdeutschen Fernselens ins Nest legen lässt — und das nicht aus Gründen eines , Betribsunfalls“ denn der Produzent des Kuckuckseis wird von dem Blatt ausdrücklich „unser Mitarbeiter“ genannt — ist ein unerhörter Skandal — und e'n btdenkliehes Zeichen einer bedenklichen Entwicklung