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Jüdische Wochenschau · 1966-02-11 · 2155 (11.2.1966) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2155 (11.2.1966)
Date
1966-02-11
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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In der Erklärung heisst es, der Respekt vor der bürgerlichen und religiosei) Autorität sei von bevorzugter Bedeutung; wenn man das Theater benutzt, um Angriffe und Lügen zu verbreiten, um das Volk zu verwirren, so sei eine energische Intervention der zuständigen Stellen erforderlich. — Weitere Einzelheiten wer. den wir noch mitteilen. La Paz — Bolivia Die jüdische Gemeinschaft dieser, auf 3.600 Metern über dem Meeresspiegel gelegenen Hauptstadt Boliviens, wird immer kleiner. Vielfach ist dies durch Abwanderung, die meistens aus Gesundheitsrücksichten aber auch aus anderen Motiven erfolgt, der Fall. Leider schlägt auch der Tod unter unseren Glaubensgenossen schmerzhafte Kerben. So hatten wir im Monat Januar den Tod von Herrn José Winkler zu beklagen, der im Alter von etwra 60 Jahren starb. Herr Winkler war vor etwa 18 Jahren hier eingewandert. Er war ein aufrichtiger und bewusster Jude, der schon in seiner alten Heimat, der Slowakei, vielen Juden zur Auswanderung verhalf. Hier in Bolivien hat er sich von Anfang an jüdischen Dingen gewidmet. Er war ein eifriger Kämpfer für Israel und bis zu seinem unerwarteten Tode Präsident der Zionistischen Föderation von Bolivien. Unermüdlich hat er sich für diese schwierige Arbeit eingesetzt. Der dankbare Jiscbuw von La Plaz wird seinen Namen und seine Per. son nie vergessen. Einige Tage später hatten wir den Verlust von Frl. Paula Kleinstrass, der ältesten Glaubensgenossin, zu beklagen. Jeder kannte diese gutmütige, freundliche und allen als „Tante Paula“ bekannte Dame. Sie war das Vorbild einer jüdischen Frau, die alle guten Eigenschaften einer solchen in sich vereint hat. Bis fast in die letzten Tage ihres Lebens — Frl. Kleinstrasß erreichte das ge. segnete Alter von 91 Jahren — war die Verstorbene eine nie fehlende Mitarbeiterin der Chevrah Kariischah. Der ganze Jischuw wird auch das Andenken an diese Frau stets ehren. — Rabbinat der Kehilla Das Rabbinat der Kehilla Aschkenasit, der alle zentraleuropäischen Gemeinden angeschlossen sind, hat den Rabbiner Dt. David Kohane. der seit Kriegsende in Israel lebt, zum neuen Leiter des Rabbinatsgerichts bestimmt. Rabbiner Dr. Kohane ist in Tarnopol geboren und erhielt seine jüdische Ausbildung in den österreichischen Jeschiwot und später auf den Rabbinerseminaren in Berlin und Wien, wo er gleichzeitig an den Universitäten Philosophie studierte, und den Doktorgrad erwarb. Nach Abschluss seiner Studien im Jahre 1930 in Wien wurde Rabbiner Dr. Kohane vom Rabbinat in Lemberg zum Rabbiner in Lemberg bestimmt. Im Jahre 1936 wurde Rabbiner Kohane von der polnischen Regierung zum Militärrabbiner ernannt und entfaltete eine segensreiche Tätigkeit als Rabbiner und Lehrer. Nach dem Ueberfall der Deutschen auf Polen nahm der lemberger Erzbischof Rabbiner Kohane als Gast in seinem Palais auf und verbarg ihn vor dem Zugriff der Gestapo und der SS. Nach dem Rückzug der deutschen Armee aus Lemberg im Jahre 1944 wurde [ Rabbiner Kohane von der | polnischen Regierung zum Oberrabbiner der polnischen Armee ernannt und machte den Feldzug gegen die Deutschen mit. Später wurde er Leiter des Vaad Hakehillot in Polen und Rabbiner der Gemeinde in Warschau. Im Jahre 1950 verliess Rabbiner Kohane Polen und ging nach Israel, wo er Rabbiner der israelischen Luftwaffe war, ein Amt, das er 16 Jahre innehatte. Rabbiner Ko- J. P. LANDSBERG VERSICHERUNGEN JEDER ART Bme. MITRE 430 V. Of. 550 T.E.: 30-1474 (ATECA S.A. Directorio 5555 Buenos Aires T. E. 68 -1017/18 y 1264 SUAVANDAR el calzado legítimo de espuma de goma DEIN HOBBY DEINE SPARKASSE Israel-Briefmarken Beratung durch: STAMPS CENTER 94 Allenby Rd. — TEL AVIV — P.O.B. 4444 hane hat die Einladung der bonaerenser Kehilla angenommen und soll hier versuchen, das jüdische Leben zu intensivieren. Hermann Ludwig Herrmann Ludwig ist durch seine beiden Vornamen in der Musikwelt bekannt geworden. Schon in jungen Jahren dirigierte er in Berlin im Grossen Schauspielhaus und im UFA.Palast am Zoo und danach bis 1934 neun Jahre in Miincnen. Diese Tätigkeit ist dort unvergessen geblieben; denn zu seinem siebzigsten Geburtstag sandten beide Oberbürgermeister, Willi Brandt und Vogel, herzliche Glückwünsche. Hier in Buenos Aires hat er sich langsam durchgesetzt, so dass er wohl als einer der ganz wenigen Musiker unseres Kreises von den Hiesigen ehrenvoll mit „Maestro“ tituliert wird. Als guter Jude hat sich Ludwig stets unseren Vereinen zur Verfügung gestellt und war häufig Mitarbeiter der Jüdischen Wochenschau. Besonders hervorgehoben hat er sich als Begleiter, der mit grosser Musikalität un i so diskret begleitete, dass er nie einen Sänger „zudeckte“ Man glaubt Ludwig seine biblischen Jahre nicht, wenn er mit. spielender Leichtigkeit und jugendlicher Frische am Klavier spielt oder gar phantasiert. Jedoch ist Ludwig nicht nur nachschaffender Gestalter, sondern auch ein schöpferischer Künstler von Rang. Dieser wesentliche Teil seines Schaffens ist wenig bekannt, da Künstler jenseits des Ozeans nur schwer zur Aufführung gelangen. Sonst wären Ludwigs Vertonungen von Gedichten Stefan Zweigs bereits in den grossen Lieder-Schatz eingegangen. Wir wünschen Herrmann Ludwig zu seinem Jubeltage dass er noch in voller Gesundheit erleben möge, dass auch seine Kompositionen aufgeführt werden und sich nach Verdienst durchsetzen. Dr. Karl Kost Zum 100. Geburtstag Romain Rollands C. W.: — Am 29. Januar waren es hundert Jahre, seit der französische Dichter Romain Rolland zu Vezela.v bei Ciamecy (Nievre) das Licht der Welt erblickte. Dort ist er auch am 30. Dezember 1944 im 79. Lebensjahr verstorben. Er, das „sittliche Gewissen der Menschheit“, wie man ihn nannte, sollte den Tag der endgültigen Befreiung seines Heimatlandes von der Fremdherrschaft nicht mehr erleben, doch der Endsieg der Alliierten zeichnete sich schon klar am Horizont ab. Romain Rolland, der Apostel der Völkerversöhnung, dem die deutsch-französische Verständigung zeitlebens am Herzen las, dieser grosse Europäer und Weltbürger, war mit vielen seiner Werke, vor allem mit dem Roman , Jean Christophe“ und dem Drama „Die Zeit wird kommen“ über die Landesgrenzen hinausgeschritten und bis zum Ende seiner Tage der glühendste Hasser jeder Gewaltanwendung geblieben, der auch den deutschen Nazis und ihren Henkern unerbittlich die ewigen, menschlieben Wahrheiten ins Gesicht schleuderte. Wie sehr dem Dichter das jüdische Leid naheging, zeigt u. a. ein Brief, den er kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, im Frühjahr 1939, an den damaligen Präsidenten der „Union de la Culture Juive“ zu Paris richtete, und der die Ueberschrift „Die Schande der Henker“ trägt. Nachstehend der genaue Wortlaut wie er seinerzeit in der Uebersetzung veröffentlicht worden ist: „... Mich würgen Schrekken und Schmerz so wie Sie; kein Tag, keine Stunde vergeht, ohne dass sich an allen Ecken der Welt Verzweiflungsschreie der gepeinigten und getretenen Menschheit erheben; Deutschland, Spanien, China..., man kann nicht mehr atmen, das Herz erträgt es nicht mehr... Trotzdem muss man standhalten; man muss die Schande der Henker in die Welt schreien. „Oh, grosses Deutschland, das ich geliebt habe, das ich noch immer liebe, ich weiss, dass die wahnwitzigen Schandtaten der fanatischen Barbaren die besten Deiner Söhne, tausende braver Menschen, mit brennender Scham erfüllen. Ich weiss es, ich selbst habe manches Mal furchtbare Geständnisse darüber empfangen. Ich zweifle nicht, dass sogar in Deiner militärischen Aristokratie die Stolzesten und die Ehrlichsten erniedrigt und empört über jene Gewaltakte sind, die sie schweigend mitansehen müssen — über diese feige Entfesselung eines Pöbels, der auf Befehl gegen Tausende friedlicher und arbeitsamer Menschen, gegen wehrlose Frauen und Kinder, aufgestachelt wird — über dieses schändliche Wüsten der ganzen Staatsmacht.die während des ersten Weltkrieges so viel Blut der Ihren für Deutsch, land geopfert hat, und deren grosse Geister so viel zum Ruhm Deutschlands beigetragen haben. „Kein Feind Deutschlands hätte ihm so unermesslichen Schimpf und Schande zufügen können, wie diese elenden Maniaken des Rassismus, die es in den Augen des Weltalls entehren. Der Widerruf des Edikts von Nantes hat auf Jahrhunderte hinaus zur Verarmung des monarchistischen Frankreich geführt. Die Aechtung des Judentums zapft Deutschland das beste Blut seiner Intelligenz ab; die Feigheit, die Grausamkeit, die Niedrigkeit der Verfolgungen wird ein Schandzeichen an seine Stirne heften, das nicht in Jahrhunderten wegzuwaschen sein wird. „Aber Ihr, jüdische Freunde, die ich entmutigt sehe, gebt Euch nicht der Verzweiflung hin und nicht dem Zweifel, der schlimmer ist als die Verzweiflung. Zweifelt nicht an Eurer Grösse und an der Gerechtigkeit, die Eure heiligen Bücher und die Propheten in der barbarischen Nacht vergangener Zeiten kundgetan und verkörpert haben, wie in der Gegenwart seine grossen Söhne die Vorkämpfer und Apostel der soz'alen. Gerechtjgkeit sind. Euer Platz in der Geschichte des menschlichen Fortschritts ist einzigartig; Ihr zahlt dafür mit einem Unglück ohnegleichen ■ Dieses Unglück wird Euer I Ruhm sein. Tragt es, wie Eure Vorfahren die Gefangenschaft von Babylon getragen haben, mit Mut und Glauben an die Zukunft. „Im Ablaufe der Zeiten habt Ihr grosse Reiche kommen und gehen sehen. Auch das Reich Eurer Verfolger von heute wird vergehen.“ gez. Romain Po!land. Israelische Araber Jerusalem. — Die arabische Bevölkerung Israels ist in einem viel schnelleren Wachstum als die jüdische begriffen, wie aus offiziellen Statistiken hervorgeht. Während der letzten 12 Jahre sank die natürliche Zunahme der jüdischen Bevölkerung von 26,3 pro mille, auf 16.2, während die der arabischen Einwohner von 37,8 auf 48 pro mille gestiegen ist. —- Monty Jacobs Alas Israelis; Historia de los Pioneros de la Aviación Israeli Editorial Candelabro Buenos Aires UM DIE HEIRAT EINER PRINZESSIN Zwischen dem Ministerpräsidenten, dem Bürgermeister von Amsterdam und Führern der Widerstandsbewegung fand eine Konferenz unter Anteilnahme von Vertretern der aschkenasischen, sefardischen und liberalen Gemeinde über die bevorstehende Eheschliessung der Prinzessin Beatrix mit Claus von Arnsberg statt. Ministerpräsident Cals teilte mit, es seien keine Tatsachen bekanntgeworden die eine Verlegung der Feierlichkeiten ausserhalb von Amsterdam rechtfertigen würden. Prinzessin Beatrix und Claus von Arnsberg haben einige Tage später eine Konferenz mit den Vertretern der drei jüdischen Gemeinden verlangt, an der offen und frei gesprochen worden sein soll. Claus von Arnsberg war 1957 bei Rechtsanwalt Dr. Walter Lippmann in Hamburg beschäftigt. Bei der Anstellung hatte dieser klargemacht, dass er in der Hauptsache Wiedergutmachungsfragen für jüdische Klienten behandle. Claus von Arnsberg habe sofort erklärt, er habe mit dem Naziregime nichts zu tun gehabt. Die Eheschliessung wird im März stattfinden, jedoch geht es noch darum, ob dies in Amsterdam der Fall sein werde. Amsterdam. — Wie hier verlautet, werden die holländischen Rabbiner die Einladüng zur Hochzeit der Prinzessin Beatrix mit Claus von Arnsberg ablehnen. Auch die drei holländischen Gemeinden werden keine Repräsentanten zur Hochzeit entsenden. Die drei Chafrabbiner der Gemeinden haben inzwischen offizielle Einladungen zu den Feierlichkeiten erhalten, die am 10. Mai stattfinden sollen. An einer Häuserwand in der Nähe der Kirche, in der die Trauung vollzogen werden wird, erschienen Hakenkreuze mit einem C, dem Anfangsbuchstaben des Namens Claus. 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