Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1966-01-28 · 2153 (28.1.1966) · p. [Seite 3]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2153 (28.1.1966)
Date
1966-01-28
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9616703-9615320-9615348--4228-9615351
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Viernes, 28 de Enero «le 19*8 LITA Año XXVII. N® 2153 Ein Bericht ñus Spanien Ein Vortrag über das Thema „Die Juden und die Kirche“, der von der Amistad Judeo-Cristiana. der jüdischchristlichen Freundschaft, am 17. November 1965 in Madrid veranstaltet wurde und dessen Thema die Deklaration des II. Vatikanischen Konzils über die nicht-christlichen Religionen war. wurde auf Initiative von M. Mazin. dem Präsidenten der Jüdischen Gemeinde von Madrid, durch Television und Presse in ganz Spanien publiziert und fand dadurch weitreichende Beachtung. Das ist umso begriissens ■werter, als im Juli 1965 ein Vortrag von Jesus Maria Liato, den diese Gesellschaft nach seinem Israel-Besuch veranstalten wollte, auf Intervention der Islamischchristlichen Freundschaftsvereinigung, die die Propaganda gegen Israel und die Juden schürt, erst vertagt werden musste und später nur an einem anderen Orte abgehalten werden konnte. Aus längeren Gesprächen mit dem Madrider Kultusgemeindepräsidenten M. Mazin und dem Hebräischlehrer und Sekretär der Kultusgemeinde Jehuda Achrisch, einem jungen Manne, der aus Marokko stammt, wo er eine hebräische, Schule besuchte, und dessen Verwandte in Afule leben, ergibt sich folgendes Bild über die Lage der Juden in Spanien. Insgesamt gibt es in Spanien jetzt etwa 7.000 Juden, davon 3.000 in Barcelona, 2.000 in Madrid, zusammen gegen 5.000 auf der Iberischen Halbinsel und 250 in Ceuta, etwa 1.500 in Melilla und noch ungefähr 250 in anderen Orten Spaniens in Nordafrika. Es ist wenig bekannt, dass zum spanischen Staat auch ein Gebiet in Nordafrika gehört, ein Gebiet, das unmittelbar spanisch ist und nicht etwa den Status einer Kolonie hat. Ceuta gehört zum Bezirk Cadiz und Melilla zum Bezirk Malaga. Der Reiseverkehr zwischen der Iberischen Halbinsel und diesen Gebieten vollzieht sich ohne Pässe, denn es wird überhaupt kein Unterschied zwischen dem europäischen und dem nordafrikanischen Spanien gemacht. In Madrid dürften 1.7000 Juden Sepharden und 300 Aschkenasim sein, in Barcelona etwa 2.000 Sepharden und 1.000 Aschkenasim. Insgesamt dürften sich die Juden Spaniens zu 80 Prozent von MEAR FAERRER aus Sepharden und zu 20 Prozent aus Aschkenasim zusammen.setuen. Die Mehrzahl der sephardischen Gemeindemitglieder von Madrid und Sevilla kam aus Marokko. Mazin .selbst hat sich nie darum gekümmert, wer Sepharde und wer Aschkenase ist, und man macht allgemein keinen Unterschied. Das Haus, in dem sich in Madrid, Calle Pizarro 19. die Kultusgemeindebüros und die Synagoge im zweiten Stock befinden, trägt überhaupt kein Schild und kein Zeichen, das darauf hinweisen würde. Der Synagogensaal ist nett aber bescheiden eingerichtet, hat hundert Sitzplätze und ist an Freitagabenden überfüllt. Samstag Vormittag kommen weniger Beter. Wenn jemand während der Woche Jahrzeit hatundKad. disch sagen will, also an einem Minjan interessiert ist, verständigt er das Sekretariat der Kultusgemeinde und dieses sorgt dafür, dass zehn Beter anwesend seien. In ganz Spanien gibt es keinen Rabbiner. In Madrid fungiert Schimon Omer als Vorbeter. Zu den Hohen Feiertagen, Roseh Haschana und Jom Kippur, mietete die Kultusgemeinde einen Saal im Hilton Castellana Hotel, wo 500 Männer und Frauen beten konnten. In Madrid zahlen 200 Familien Kultussteuer. In der Talmud Thora-Schule lernen 50 Kinder und jetzt wurde auch ein Kindergarten eingerichtet, den 14 Kinder besuchen. in Barcelona ist ein Schocihet und Mohel tätig.der auch gewisse Rabbinatsfunktionen versieht, ohne eigentlich Rabbiner zu sein. M. Mazin zweifelt nicht daran, dass die Stellungnahme des Oekumenischen Konzils dazu beigetragen hahe. dass sich die Lage der Juden in Spanien bessert. Die leitenden Funktionäre der jüdischen Gemeinden Madrid und Barcelona wurden im Januar 1965 offiziell vom Chef des Staates, dem Generalísimo Franco, in Audienz empfangen. Darin liegt eine de facto-Anerkennung der Gemeinden. Eineinhalb Monate nachher reichte die Gemeinde Madrid das Gesuch um offizielle juridische Anerkennung ein; dieses Gesuch wurde bewilligt. Die Gemeinde Barcelona hat bisher um die offizielle Anerkennung ALFREDO STERN MALERARBEITEN IMITACIONES DE MADERAS MANDONGO PATINADO Y HELADERAS Neue Adresse: VIDAL 1575 fast Ecke PINO Tel: 76—9088 Deposite: V. DE LA PLAZA 1779 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Tep pichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN Maschinenteppiche in allen Farben und Grössen Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN¬ TAG VON 9—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM CALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.: 52 2993 4 Quader von Station Urquiza noch nicht ersucht. Die Gemeinden bilden eine Föderation. Ueber die Einstellung des spanischen Klerus auf dem Oekumenischen Konzil befragt, meint M. Mazm, dass sich die spanischen katholischen Kreise zu den aufgeworfenen Fragen nicht einheitlich bezogen haben, sondern dass die Stellungnahme individuell war. Spaniens Katholiken waren auf dem Konzil durch 60 Kardinale und Bischöfe vertreten, und von diesen dürfte wahrscheinlich ein Drittel für den Judenpunkt in seiner ursprünglichen Fassung gewesen sein, ein Drittel dürfte sich dem konservativen Lager der Neinsager angeschlossen haben, und ein Drittel dürfte das Kompromiss vorgezogen haben. Die in der letzten Zeit in vielen jüdischen Blättern veröffentlichten Artikel über eine Bewegung von Marranen-Nachkommen, zum Judentum zurückzukehren, werden in Span'en selbst nicht ernstgenommen, sondern als sensationell übertrieben bezeichnet. In einem Tel Aviver Abendblatt hatte ich gelesen dass es unter den Christen Mallorcas etwa 60 Prozent Nachkommen von Marranen gebe, aber Mazin, der die zentrale Persönlichkeit der Judenheit Spaniens ist, bezeichnet diese Annahme als gewaltig übertrieben und meint, es könnten vielleicht 6 oder 16 Prozent sein, aber nicht 60. Zum Judentum übergetreten dürften kaum mehr als zehn oder fünfzehn Familien sein, vielleicht auch das nicht. Von einer ernst zu nehmenden „Rückkehrbewegung“ könne keine Rede sein, und es bestehe kein Anzeichen dafür. Dass die Nachkommen der Marranen Cheutas sind, ergibt sich oft aus ihren Familiennamen, aber sie fühlen das längst nicht mehr und haben darunter auch nicht 1966 30 Jahre CARLTON- Kleiduttg In diesem Jahre feiert CARL. TON dieses besondere Jubij läum. Ein besonderer Grund, Höchstleistungen in Qualität und Preis zu bieten. Es beginnt mit einem Januar Sonderverkauf 30 Prozent Rabatt auf alle Fertigkleidung wie Anzüge aus Therylene, le'chte Sacoos„ Sportsaccos, Regenmäntel, Ga bard in-Mäntel. Win. termäntel, Hosen aller Art. 10 Punktkleidung (Spezialanfertigung unter Berücksichtigung von Sonderwiinschen). Bekleidungs - Kredite bis zu 60.000 durch Credito Ballester. bis zu 300.000.— durch „Club de compra“ In 5 oder 10 Raten, für Einzelpersonen oder Betriebe. Und wenn Sie Masskteiriung wünschen, erst recht zu CARLTON. Auch Junioren kaufen gern bei CARLTON. Lohnanfertigung Komplettes Stofflager für die kommende Herbst- und Wintersaison. Täglicher Zustelldienst naoh allen Vororten Kostenloses Parken Maipu und Charcas ERNST KOPPEL Maipu 982, TE 31 7845 mehr zu leiden. Längst heij raten sie nicht mehr nur un- ' ter sich, und auch der „Bej rieht“ stimmt seit Generatio- | nen nicht mehr, dass die Cheutas gewisse Kirchen nur durch ein besonders „Juden- ' tor‘‘ betreten dürfen und in der Kirche abgesonderte | Plätze haben. Dieser „Be rieht“ ist um etwa zweihun- I dert Jahre veraltet. I In Spanien selbst gibt es überhaupt keinen „Giur‘\ keine Aufnahme ins Judentum, schon deshalb nicht, I weil es in ganz Spanien keinen Rabbiner gibt, also auch kein Rabbinatsgericht geben | kann. Wenn hie und da ein Marrane zum Judentum Übertritt, so kann er das nur ' im Ausland tun in Marokko, in Paris, in London oder in I Israel. — Offen gestanden hatte ich vor meiner Spanienreise aufi grund gewisser Presseberichte eine andere Vorstellung von diesen Dingen und hatte gehofft. unter Marranen-; nachkommen eine Art mes- ■ sianischer Bewegung der Rückkehr zum Judentum; vorfinden zu können. Was ich in Span en selbst darüber erfahren musste, hat mich I enttäuscht und wird gewiss I auch manche Leser enttäuschen. I Das Problem der Rechtsstellung der Juden hängt in Spanien a-ch mit der Rechtsstellung der 30.000 Protestan- , ten zusammen, die ebenfalls i davon betroffen sind, dass der Katholizismus in Spanien | Staatsreligion ist. und dass es laut Staatsgesetz nur Ka- , thohken erlaubt ist, ihre Re- | ligion öffentlich auszuüben Daher darf auch keine prote-; stantische Kirche von der ' Strasse aus öffentlich er-; kennbar sein.! Dass sich General Franco ernstlich für eine Erleichte- | rung der Lage der nachtkatholischen Bekenntnisse entschloss, dafür kann als sym- 1 bolisch die diesen Herbst er- , folgte Herausgabe einer Brief- | marke gelten, die den Säulensaal der historischen Synagoge von Toledo zeigt In Zusammenhang damit erschienen in der spanischen Presse Artikel, die von „unseren jüdischen Brüdern“ sprechen. General Franco hat auch in seiner Neujahrsbot,- schaft an die Nation ange- LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, 1* izq. - T.E 83-2613 7. Sfeewut 5726 *8. Januar 1966 Revision eingelegt Freiburg. — Gegen die Ur-; teile des Schwurgerichts im sogenannten Gestapo - Prozess hat die Staatsanwaltschaft Freiburg Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt, j Nach fünfmonatiger Verhandlungsdauer waren der 57jährige ehemalige Krimi- I nalrat Robert Weissmann wegen Beihilfe zum Mord zu sieben Jahren Zuchthaus und der 60jährige frühere Krimina’sekretär Richard Arno Sehmisch wegen Beihilfe zum Mord zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt worden. I Die Staatsanwaltschaft hatte für Weissmann lebensläng- : lieh und für Sehmisch neun Jahre Zuchthaus beantragt. Wessmann leitete während des Krieges im ¡Klinischen Kurort Zakopane eine! Gestapo Dienststelle. Schulisch war eine Zeitlang als SS - Untersturmführer sein Untergebener und später sein Nachfolger. (AWZ> AuscfewUz Arzt gestorban London. — Im King Ed- | ward Memorial Hospital st | vor kurzem der ehemalige! Auschwitz-Arzt Dr Wl d s-! law Alexander Dering ge :>rben. Dering war durch e u« Zivilprozess tekantre ord-u. in dem er den Autor des , Romans „Exodus" Lc<m : Uiis, wegen Verleum mag verklagt und vom Gericht e - | ne symbolische Schadener-; satzzahlung von einem nai. . ben Penny (etwa zwei Pfan- | nigi erhalten hatte Uris hatte in se nem Buch be- | hauptet, Dering habe m 1 Auschwitz 17.009 Chirurg s "he j Eingriffe ohne Narkose vorgenommen. Sein Prozess gegen Uris soll Dering e n Ver- | mögen gekostet haben. — <AWZ> . deutet, dass die Anerken- : nung des Rechtszustandes der Nichtchristen bevorstehe. | Das spanische Volk im allgemeinen bedauert nicht, dass die Gegnerschaft gewisser spanischer Prälaten im Konzil gegen die liberalere Ein- | Stellung zu den anderen Religionen ke nen Erfolg hatte. In einem in Salamanca statt-! gefundenen Internationalen Kongress katholischer Juristen, der am Tage der Konzils-Abstimmung stattfand, wurde eine Resolution für volle Religionsfreiheit angenommen. Trotzdem aber ist I die konservative Opposition noch weiter aktiv. MOEBELHAUS WATE-MANN Das Hans der s Gescluit te mit d»r grösste» Auswahl. SÄhifc.-NTO 1147 T E 35 <«33 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichteruna<en Zuvorkommende fach männische Bedienung ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUS. GABEN ZUM OFFIZIELLEN KURS AGENCIA FILATELICA OFICIAL DEL ESTADO DE ISRAEL VIAMONTE 550, I, B — Bs. Aires, Rep. Argentina ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL ► v ♦> * Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGÜNGSFRAGEN BUEROSTUNDEN: im FEBRUAR DIENSTAG und MITTWOCH v«« 15—18 Ubr T. L: 83 - 2513 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltern gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. 7. 80 - 6930 PUEYRREDON 2190 esq. Av. LAS HERAS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.