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Jüdische Wochenschau · 1965-12-31 · 2149 (31.12.1965) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2149 (31.12.1965)
Date
1965-12-31
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Tiernc*, 31 de DWemlw de 196S SEMANA ISRAELITA Añw XXVI. — No iiW — A Die wahren Maertyrer von Trient Die norditalieniscbe Stadt Trent, einst eine Hochburg früherer deutscher Kaiserreiche und ein Juwel gothischer und barocker Kunst, hatte für die Juden den bitteren Geschmack von Verleumdung. Qual und Tod. Nach fünf Jahrhunderten ist nun vor kurzem eine der teuflischsten Anklagen wegen Rituahnord durch ein Schreiben des Erzbischofs von Trentan die Gläubigen widerrufen worden. Die Verehrung des vermeintlichen Opfers, des „Gesegneten kleinen Simon von Trent“, wurde eingestellt und die ihm geweihte Kapelle geschlossen. In dem Schreiben wurde hervorgehoben, dass der „Märtyrer“ niemals kanonisiert noch vom Vatikan heilig gesprochen wurde, sondern dass die Gebete und Messen für den Kleinen Simon nur aufgrund eines „lokalen Glaubens“ aJagehalien worden seien. Ich sprach in Trent mit dem Mann, der vonseiten der Kirche am meisten dazu beitrug. dass hinter eines der traurigsten Kapitel der jüdischen Geschichte das Wort „Ende“ gesetzt wurde. Zwar erhebt Monsignore Rogger, Professor für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar in Trent und Professor an der Universität Ptodua> für sieh keinen Anspruch auf hohe Verdienste. Er sei nur zufällig in diesen Pbtl verwickelt worden, so sagt er. Vor etwa zwanzig Jahren hatte man ihn beauftragt, in der Katholischen Enzyklopädie über den Klei, neu Simon zu schreiben. Er schloss seinen Beitrag mit der ' vorsichtigen Bemerkung, dass trotz des ,Urteils'• des trenter Gerichtes gegen die Juden nicht behauptet werden könne, dass ihre Sehuld jemals bewiesen worden ist. Diese Bemerkung war der Anlass, dass der geistliche Herr im Jahre 1961 den Besuch von Emma Volli aus Triest empfing, die sich den Fall der trenter Juden zur Lebensaufgabe gemacht hatte und in ihrer Kampagne für den Sieg der Wahrheit stets mit der Unterstützung das hervorragendsten Vertreters der italienischen Judenbeit, Raphael Cantoni, rechnen durfte. Monsignore Rogger gab offen zu, dass die Unterhaltung mit Emma Volli und ihre Artikel ihm zum ersten - Mal Aufschluss über die Haltung der Juden in dieser Frage vermittelten. van JUUUS DREDNER I Für ihn hatten ebenso wie; für die Einwohner von Trent die Anbetung des Kleinen 3t- : mon, die grausigen Bilder und Figuren, die Prozessionen und das bei diesen Gelegenheiten verkaufte Büchlein keinen antisemitischen Charakter. Er gab allerdings zu, dass die Sache mit dem Kleinen Simon „nicht in Ordnung“ sei und etwas getan werden müsse. Unglücklicherweise herrschte sozusagen ein Interregnum in der trenter Erzdiösese, da® von 1960 bis zum Mai 1963 währte, als der jetzige Erzbischof Alexander Gottardi eintraf. Monsignore Rogger berichtete, er habe unverzüglich den Erzbischof von seinen Zweifeln unterrichtet und empfohlen, sich zur Verehrung des Kleinen Simon reserviert zu verhalten. Erst seine Teilnahme als einziger Vertreter des Klerus an einer stürmischen Sitzung der Historischen Gesellschaft von Trent überzeugte Rogger davon, dass eine Aktion überreif sei. Die Diskussion nahm, wie er berichtet, von Zeit au Zeit eine „scharfe Wendung“. Kritiken wurden laut. Die Wortführerin war die Tochter des italienischen Nationalhelden Cesare Battista, die ebenso wie ihre Mitredner die Verehrung des Kleinen Simon eine Schändung des ggiten Namens von Trent nannte und mit einem Appell an die öffentliche Meinung Italiens drohte. . Monsignore Rogger betei. ligte sich nicht an dieser Debatte. Aber er schlug gleich danach dem Erzbischof vor, einen Historiker mit einer objektiven und selbständigen Ueberprüfung des trenter Prozesses zu betrauen. Er war aber auch diplomatisch genug, die Historische Gesellschaft zu veranlassen, diese Untersuchung zu unterstützen, weil er dies als „eine bessere Lösng erachte als einen öffentlichen Protest, der nur die Gemüter erhitzen und die Nachforschungen erschweren würde“, Monsignore Rogger drang mit seinem Vorschlag durch, und der Dominikaner, Rev. W. Eckert, aus Köln erklärte sich auf Ersuchen bereit, den Auftragzu übernehmen. Mehrere Monate, hindurch arbeitete er ungestört in Trent, in Rom und in Wien Dann veröffentlichte er das Resultat seiner Forschungen ALFREDO STERN MALERARBEITEN UNVERBINDLICHE KOSTKNVORANSCHLAEGE FUER JEDE ARBEIT VORHER 24 JAHRE V. DEL PINO 2639 Neue Adresse: Vf DAL 1575 fast Ecke PINO Telr 76—9083 Depositor V. DE LA PLAZA 1779 Teppichhaus - M. 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Ein Blick in die 22 Seiten des von Pater Eckert angefertigten Gutachtens genügt, um sich von den Greueln des Mittelalters zu überzeugen Eckert beschränkt sich in seiner Untersuchung auf die Prozessakten, die er in Trent sowie in Rom und noch vollständiger in Wien vorfand Die in Wien aufbewahrten Dokumente enthielten auch die gerichtlichen Verfahren gegen die jüdischen Frauen und durchreisende Pessachgäste. Dies Material genügte ihm, um die Wahrheit zu finden, die der Urteilsbegründung der trenter Richter diametral zuwiderläuft. Ruhig und trocken, mit der wissenschaftlichen Präzision eines Chirurgen bei der Operation eines Geschwürs stellt Rev. Eckert folgendes fest: „Die Prozessakten sind nicht wertlos. Sie unterrichten uns über die Person der Angeklagten, ihre Herkunft, ihren Beruf, ihre Lebensgewohnheiten, ihren Charakter, aber auch über das Vorgehen des Gerichts. Ihr Wert liegt auch darin, dass sie im einzelnen die angewandten Folter beschreiben. Das Gericht wollte nicht nur Geständnisse, sondern übereinstimmende Geständnisse erzwingen. Die Richter von Trent versuchten, im Widerspruch zu neun päpstlichen Bullen, die im Laufe von drei Jahrhunderten vor dem Prozess von Trent verkündet wurden waren, den Beweis zu führen, dass Ritualmord zu den üblichen religiösen Praktiken der Juden gehören. Zu diesem Zweck entsandte der damalige Bischof von Trent Emissäre in andere europäische Städte, in denen schon früher ähnliche Prozesse stattgefunden hatten. ANZUEGE VON SCHNITT UND SCHLIFF aussen und innen das Beste (Stabiloform M. 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Er verschweigt auch nicht, dass die Taufe die einzige Möglichkeit für die Juden war. barmherzig gehängt statt verbrannt, enthauptet oder gevierteilt zu werden. Frauen wurden nicht ins Gefängnis geworfen sondern zuhause dem Kreuzverhör unterzogen, wozu man die Folterinstrumente bequemlichkeitshalber gleich mitbrachte. Eckerts Seziermesser ist scharf. Er schreibt: „In Wirklichkeit hatte Johann IV. Hindenbech (damaliger Bischof von Trent) humanistische Tendenzen. Dies genügte, damit mehrere seiner humanistischen Freunde poetische Ergüsse über den Tod des kleinen Simon verfassten“. Und er kargt nicht mit seiner Bewunderung für die angeklagten Juden, so wie sie auch viele ihrer christlichen Zeitgenossen bewunderten, denn sie bewahrten bis zum Versagen ihrer Kraft Mut und Würde und versuchten, ihre Frauen und Kinder zu schützen, indem sie in ihren „Geständnissen“ alle Schuld auf sich selbst nahmen. Die Richter aber die schliesslich gar nicht mehr so grossen Wert auf .übereinstimmende1 Geständnisse legten, liessen es sich daher auch nicht entgehen, das Geständnis der Frauen zu erpressen. Nach. Zitierung vieler anderer Tatsachen in den Prozessakten, die ganz kalr die Unschuld der Juden erweisen, und unter Hinweis auf den Bericht des päpstlichen Sonderbeauftragten, des Bischofs von Ventimiglia, folgert Rev. Eckert: „Nicht nur LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, 1» izq. - T.E. 33-2613 31. December 1966 3. Teweè 5726 dass niemals, an keinem Ort und zu keiner Zeit, ein konkreter Beweis für den jüdischen Ritualmord erbracht worden ist, so kann das gleiche auch für Trent gesagt werden, wo der Prozess nicht „ohne Geschicklichkeit“ geführt wurde. Hieraus geht klar hervor, dass „das Urteil des trenter Gerichts ein Justizirrtum war“ Ich fragte Monsignore Rogger, warum der Erzbischof erst fünf Monate nach dem Spruch der vatikanischen Kommission gehandelt habe. Er antwortete aufrichtig: „Seihst in einer kleinen Stadt wie Trent Hegen Steine auf dem Weg der Wahrheit“. Aus diesem Grunde glaubte man, es würde weiser sein, die Dinge bis nach der Verkündung der Deklaration des Oekumenischen Konzils über die Beziehungen der Katholiken zu den Juden aufzuschieben, damit die erzbischöfliche Verfügung mehr Gewicht erhalte. Der Erzbischof betonte auch, da$s der Kleine Simon einst in der tretenter Diözese sehr beliebt war und seine Verehrung dazu beitrug, die traditionellen Gefühle der Gläubigen wachzuhalter. in Trent und in kleineren in der Umgebung liegenden Orten gibt es eine recht beträchtliche Anzahl von Bildern und Figuren, zumeist aus der Barockzeit, als dramatische und Leidensmotive bevorzugt wurden, die den Mord an dem Kleinen Simon darstellen. Kein Wunder also, dass das jetzige, posthume Schicksal des „Gesegneten Kindes“ auf einfache Gemüter verwirrend gewirkt hat. Und Monsignore Rogger wiederholte, dass alle diese Gefühle sich bestimmt nicht gegen die Juden kehren. „Vielleicht nicht bewusst“, gab ich zu. „Aber man kann sich doch unmöglich vorstellen, dass alle diese Bilder und Gebete und Prozessionen und Schriften keine Spuren in den Gemütern, und besonders in einfachen Gemütern' hinterlassen haben.“ Allerdings schrecken Erzbischof Gottardi und seine Mitarbeiter nicht vor der Aufgabe zurück, die Mitleidstränen für den Kleinen Si« mon zum Versiegen zu bringen. Sie sind stolz darauf, dass sie der vatikanischen Deklaration über die Beziehungen mit den Juden „ihr erstes Stiicklein Brot“ gegeben haben. „Glauben Sie mir“, schloss Monsignore Rogger, „vor fünf Jahren wäre der Erlass des Erzbischofs undenkbar gewesen.“ MOEBELHAUS WATERMANN Das HaHs der 3 Gesehäl te mit der grösste» Auswahl. SARGENTO 1147 T. E. 35 1033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvtrate Eigene Werkstätten Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. 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