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Jüdische Wochenschau · 1965-12-17 · 2147 (17.12.1965) · p. [Seite 4]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2147 (17.12.1965)
Date
1965-12-17
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE WOCHENSC HA 0 Año XXVI. — Ni 2147 4 — Vienne*, 17 de Diciembre de 1965 S, ADLER-RU DEL ( Jerusalem ) : BARON MORITZ VON HIRSCH Ein grosser jüdischer Philanthrop und sein Werk (8. Fortsetzung) Die gleiche Zahl von 4.595 Aktien, die Hirsch der AJA gegeben hatte, schenkte er auch der Alliance Israélite Universelle. Die endgültigen BesitzverhäUnisse der ICA-Aktien wurden erst nach Baron Hirschs Tod durch Par. 6 seines Testaments geregelt, in dem er bestimmte: j „Die bei meinem Tode in meinem Nachlass sich et-! wa voriindenden Aktien der Jewish Colonisation As- | sociation vermache ich wie folgt: Ein Viertel der i Anglo-Jewish (Colonisation) Association in Londonein Viertel der Israelitischen Gemeinde zu Frank-! furt a. M.: ein Viertel dem Conseil d'administration ■ de la Synagogue de Bruxelles: ein Viertel der Israelitischen Gemeinde zu Berlin.“ I Durch die Aktien, die die Gemeinde Berlin und Frank- . furt auf Grund der Testamentsbestimmungen erhielten, j wurden Vertreter des deutschen Judentums am Besitz an! der Verwaltung und der Verantwortung für die Arbeit der JCA beteiligt. Als Vertreter der Gemeinde Berlin wurde zunächst Dr. Edmund Lachmann, und später Carl Leopold Netter (1864—1922), als Vertreter der Gemeinde Frankfurt Julius Plotke (1857—1903) gewählt. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde Dr. h. c. James Simon (1851—1932) als Ver. treter des Hilfsvereins der deutschen Juden in den Verwaltungsrat der ICA kooptiert. Die Gründungsdokumente der ICA enthalten sowohl aus formal juristischen als auch aus Gründen der sachlichen Erfordernisse der zukünftigen Arbeit ein ausserordentlich weitreichendes Programm. Alle Möglichkeiten, die sich bei der Durchführung der geplanten Emigrations- und Kolonisationstätigkeit ergeben können, sind im einzelnen vor ausgesehen — vom Transport der Auswanderer bis zu ihrer Ankunft in den neuen Kolonisationsländern, vom Ankauf von Land und landwirtschaftlichen Geräten bis zum Verkauf der erzeugten Produkte ist alles auf das genaueste festgelegt. Die Satzungen der Gesellschaft sehen u. a. vor, dass nicht mehr als die Hälfte des Kapitals für Landkauf verwendet werden darf, dass der Verwaltungsrat aus nicht mehr als sechs und nicht weniger als drei Mitgliedern bestehen soll, die für die Dauer von fünf Jahren zu wählen sind. Die Mitglieder des Rats — dessen Zahl später auf dreizehn erhöht wurde — dürfen aus ihrer Tätigkeit keine wie immer gearteten Einkünfte beziehen doch sollen ihnen die Unkosten ersetzt werden, die durch Reisen und die Teilnahme an den vier jährlichen Sitzungen entstehen. Der Rat hat drei Direktoren zu bestellen, denen als bezahlte Funktionäre die Durchführung der praktischen Arbeit der Gesellschaft obliegt. Die Direktoren der Gesellschaft dürfen neben ihrer Arbeit für die ICA keinerlei andere Tätigkeit ausüben. Es wird weiter festgelegt, es sei „...das Bestreben der genannten Gesellschaft, dass ihr Einkommen und ihr Besitz, woher sie auch immer stammen mögen, ausschliesslich für die Verwirklichung der Ziele verwandt werden, die in den Statuten der Gesellschaft festgelegt wurden... und dass kein Teil davon direkt oder indirekt, als Dividende oder Prämie, oder auf irgendeine andere Weise als Gewinn den Personen ausgezahlt oder tibertiagen werden dürfe, die zu irgendeinem Zeitpunkt Mitglieder der Gesellschaft sind oder waren...“ VIII. Die jüdische und allgemeine Presse der Welt, die nach der Austreibung der Juden aus Moskau laufend Nachrichten über die russischen Judenverfolgungen brachte, verfolgte mit grossem Interesse die Verhandlungen Baron Hirschs, die der Gründung der ICA vorangingen Bald nach der Veröffentlichung der zwischen Arthur White und der russischen Regierung getroffenen Vereinbarung meldete z. B. die „Kölnische Zeitung“ vom 13. Juni 1892 aus St. Petersburg : „Die russische Regierung genehmigte den Plan des Baron Hirsch, in 25 Jahren (etwa) 3.500 000 Ju- Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de la Religión. isEO BAECE: La esencia del Judaismo (Wesen des Judentums) Grandes Epocas é Ideas del Pueblo Judío I. IEJEZKEL KAUFMANN: La Epoca bíblica II. RALPH MARCUS: La Epoca Helenística III GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV. ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo. Islámica .V CECIL ROTH: La Epoca Europea VI SALO W. BARON: La Epoca Moderna Editorial Paidos Buenos Aires den allmählich auswandern zu lassen. 1892 wanderten dem Abkommen zufolge 25.000 Juden aus. In den nächsten Jahren wird die Auswanderungszahl gesteigert.“ Die übertrieben hohe Zahl der erwarteten Auswanderung charakterisiert die Hoffnungen, mit denen die Oeffentlichkeit die Gründung der ICA begleitete. Unter den Juden Russlands, die kaum je den Namen Argentiniens gehört hatten und die keine Ahnung von den Schwierigkeiten einer Kolonisation in diesem Lande besassen, entzündeten die Berichte über die Pläne des Barons, bzw. der ICA die Phantasie der Massen und führten zu erbittet ten Diskussionen in den jiddischen und hebräischen Zeitungen. Die „Chowewe Zion“, die Anhänger der Auswanderung nach Palästina, die um diese Zeit begannen, ihre Ideen in die Praxis umzusetzen, versuchten, die Bedeutung der Hirsch’schen Pläne zu verkleinern und warnten vor dem fernen und unbekannten Land. Die Massen waren jedoch, besonders in den ersten Monaten, nicht zu halten. Die jüdischen Hilfscomités an den Grenzen Russlands und in den Städten, in denen sich Auswanderer in grossen Mengen angesammelt hatten, sahen in der Weiterwanderung nach Argentinien eine Erleichterung ihrer eigenen Schwierigkeiten. Sie gaben daher dem Drängen der Auswanderer nach und sandten schliessl ch 1.500—2.000 Juden nach Argentinien, für deren Aufnahme dort allerdings noch keine Vorkehrungen getroffen waren, so dass sie sehr schnell in noch grössere Not gerieten, als sie sie vor ihrer Auswanderung in Russland kannten. Hirsch sah mit Recht in der wahllos zusammengesetzten Masse von Auswanderern eine ernste Gefahr für die geordnete Durchführung seiner Kolonisationspläne. & richtete daher unmittelbar nach der Gründung der ICA folgenden Aufruf in deutscher und russischer Sprache an die Juden Russlands: „An meine Glaubensbrüder in Russland — Ihr wisst, dass ich mich damit beschäftige. Euer Los zu verbessern. Das legt mir die Pflicht auf zu Euch offen zu sprechen, um Euch zu sagen, was zu erfahren für Euch notwendig ist. Ich kenne die Gründe, welch« viele unter Euch zur Auswanderung veranlassen, und ich will gerne alles tun. was in meinen Kräften steht, um Euch in Euerer Bedrängnis beizustehen. Allein Ihr müsst mir dies ermöglichen. Eure Auswanderung darf nicht einer überstürzten regellosen Flucht gleichen, bei der man. um e:ner Gefahr zu entgehen, sich ins Verderben stürzt. Ihr wisst, dass demnächst in Russland Comités-unter Genehmigung und unter Aufsicht der Kaiserlich Russischen Regierung eingesetzt werden. Diese Comités haben die Aufgabe, die Emigration in geschäftsmässiger We’se zu organisieren. Alle Auswanderungslustigen haben sich an die Lokal-Comités zu wenden, welche ausschliesslich berechtigt sein werden, Auch die nötigen Aufschlüsse zu liefern. Nur diejenigen Personen, welche von den Comités zur Auswanderung bestimmt werden, können die Vorteile meiner Hilfsaktion und jener, welche sich mir anschliessen, gemessen. Jeder aber, der das Land ohne Mitwirkung der Comités verlassen sollte, wird dies auf seine eigene Gefahr tun und hat auf keine Unterstützung von unserer Seite zu rechnen „Selbstverständlich kann zum Beginn die Zahl der Auswandernden keine grosse sein, denn es handelt sich nicht bloss darum, für die Ersten, welche fortgehen. Zufluchtsstätten zu finden es handelt sich auch darum, für diejenigen, welche nachkommen, die notwendigen Vorbereitungen für die Ansiedlung zu treffen Später kann die Emigration eine grössere Ausdehnung gewinnen. Bedenket, dass ich nichts für Euch leisten kann, ohne die wohlwollende und gnäd'ge Unterstützung der Kaiserlich Russischen Regierung. Zum Schluss rufe ich Euch zu: Ihr seid die Erben Euerer Väter, die seit Jahrhunderten so viel geduldet haben. Traget diese Erbschaft noch eine Weile mit der gleichen Ergebung! Habet also weiter Geduld und lasset denjenigen, die Euch helfen wollen, die Möglichkeit, dies zu tun! Ich richte an Euch diese Worte der Mahnung und der Ermunterung in meinem eigenen Namen und im Namen von Tausenden Euerer Glaubensbrüder. Nehmet sie auf in Euer Herz und in Eueren Verstand! Der gütige Gott möge Euch helfen und mir, sowie den Vielen, welche mit so grosser Aufopferung mit- W'irken, sehen Beistand verleihen, dass Euch geholfen werde! Paris, September 1891 Moritz von Hirsch.“ Der Inhalt dieses Aufrufs und sein patriarchalischer Ton sind bezeichnend für den Mann, der, von niemandem gewählt, nur seinem Gewissen folgend, es unternahm, die Rettung der russischen Juden zu versuchen. Er wollte die gigantische Aufgabe durchführen, diese unterdrückten, geknechteten Juden zu schaffenden freien Menschen zu machen, zu einer Zeit, in der die Welt — und nicht nur die jüdische Welt — der Massenverfolgung und Massenflucht der Juden Russlands ratlos gegenüberstand. Die praktische Kolonisationstätigkeit Baron Hirschs in Argentinien — deren Geschichte und Leistung nicht Gegenstand dieser Untersuchung sind und hier daher nur angedeutet werden können — hatte schon vor der formellen Gründung der ICA begonnen und wurde nun unter dem Druck der zur Auswanderung drängenden Massen mit grösster Beschleunigung weitergeführt. Die hierbei zu überwindenden Schwierigkeiten waren jedoch weit grösser, als Hirsch und seine Ratgeber vorausgesehen hatten. Vor allem fehlten die zur Leitung des Ansiedlungswerkes und zur richtigen Behandlung der Kolonisten geeigneten Menschen. Hirsch muss das geahnt haben, wenn er bereits am 24. Juli 1891 im Jewish Chronicle erklärte: „Sie werden nicht erstaunt sein, wenn ich Ihnen berichte, dass meine Schwierigkeit sich hier nicht auf Geld, sondern auf Menschen bezieht. Mir fehlen Direktoren für diese Gesellschaft. Männer die die notwendigen moralischen und geistigen Fä- Mischa Josef Bin Gurion ZUM 100. GEBURTSTAG Vor einigen Monaten jährte sich zum hundertsten Male der Geburtstag eines der Grossen der modernen hebräischen Literatur und der nationalen Renaissance- Bewegung unseres Volkes, von M. J. Berdyczewski, des. sen Werke unter dem Schriftstellernamen Micha Josef bin Gorion bekannt geworden sind — auch über den Bezirk der hebräischen Literatur und der zionistischen Bewegung hinaus. In der geistigen Entwicklung und Auseinandersetzung innerhalb des um seine nationale Regeneration ringenden jüdischen Volkes hat sein Werk eine besondere Bedeutung gewonnen. In einer Auseinandersetzung mit Achad Haam und bei vielen anderen Gelegenheiten, sowohl in seinen Essays wie in seinen Erzählungen, argumentierte Berdyczewski gegen die Auferlegung einer Tradition auf den einzelnen, gegen die Trennung von Jüdischem und Menschlichem. Er stell, te das Individuum in den Mittelpunkt, die hebräische Literatur sollte nicht auf dsn jüdischen Inhalt beschränkt bleiben, sondern weltoffen sein. Aesthetische Werte waren für ihn am attraktivsten; darin wurzelte seine tiefe Beziehung zur Aggada, die er in mehreren seiner bedeutendsten und am bekanntesten gewordenen Werke lebendig und auch der nicht Hebräisch verstehenden Welt zugänglich gemacht hat. Es war das Schicksal Berdyczewskis — wie übrigens auch seines geistigen Antipoden, Achad Haams — missverstanden zu werden. Gewiss, er bezeichnet« das Ueberwiegen des Geistigen in der jüdischen Geschichte der Gola als eine Verkümmerung, er hoffte auf ein Leben der Juden in ihrem alten Lande nach der „Art aller Völker“, er sprach auch von der Notwendigkeit, durch die Schaffung konkreter Werke an Ort und Stelle Macht zu gewinnen und sich nicht auf Diskussionen zu beschränken. Berdyczewski war in seiner Beziehung zur Idee des Lebenswillens als der Grundlage der nationalen Existenz und in seiner Forderung der Umwertung der Werte im jüdischen Bezirk von Nietzsche beeinflusst. Aber wie dieser hat er es sich wohl nicht träumen lassen, dass in einer nicht allzu fernen Zeit, noch zu seinen Lebzeiten <ei starb 1921), und später noch weit ausgeprägter seine Vorstellungen in eine Form umgegossen werden könnten, in der das Geistige verdrängt und durch das Materiell- Machtpolitische ersetzt werden könnte, wie es, wiederner Zeit, auch in der natioum im allgemeinen Zuge ei- Volkes eingetreten ist. Denn in Wirklichkeit war Berdyczewski zutiefst in einer Tradition beheimatet, die er niemals verleugnet«, auch wenn er sie in ihren Werten relativierte. Davon zeugt sein ganzes geistiges Werk, das trotz der Parole des Weges „vom Buch zum Leben“ dennoch stets mit dem Buch verbunden blieb, den Intellekt beinhaltete, obwohl es dem Empfinden einen breiteren Raum zumass. Berdyczewski ist eine lebendige Kraft geblieben, in Israel selbstverständlich, wo eine grosse Zahl von neuen Publikationen in den letzten Jahren erschienen sind und seine Persönlichkeit auch in anderer Form öffentlich geehrt wurde. Aber auch dort, wo ein wesentlicher Teil seiner Werke einst geschrieben und in deutscher Sprache veröffentlicht wurde — er lernte und lebte ja lange Jahre in Deutschland, in Breslau und vor allem seit 1911 in Berlin —, sind in den letzten Jahren die beiden grossen Sammlungen neu aufgelegt worden, die ihm weite Popularität ein-, getragen haben. „Der Born Judas’’ erschien 1959 im Insel-Verlag (Frankfurt a. M.) und 1965 im gleichen Verlag im Rahmen der „Bücher der Neunzehn“. Auch im ostdeutschen Insel-Verlag in Leipzig kam „Der Born Judas“ 1963 heraus. Seine andere grosse Sammlung „Die Sagen der Juden“ wurde 1962 im Insel-Verlag (Frankfurt a. M.) neu publiziert — ein Zeichen dafür, dass dieser Teil seines Werkes, der das aggadische Gut des Judentums einem nichtjüdischen Leserkreis nahebringt, wohl zu den klassischen Erscheinungen unserer modernen Literatur zu rechnen ist. higkeiten besitzen, um ein Unternehmen so komplexer und schwieriger Natur zu bewältigen, findet man nicht so leicht. Ich suche nach ihnen.“ Es erwies sich auch bald, dass die neue Idee Hirschs, die Verwaltung einer philanthropischen Organisation auf geschäftlicher Grundlage aufzubauen, in der Tat nicht einfach zu verwirklichen war, dass sie Menschen erforderte, die über das Geschäftliche hinaus mit der Sache als solcher zutiefst verbunden sein mussten. Man muss anerkennen, dass Hirsch mit äusserster Anstrengung bemüht war, solche Menschen zu finden, und es lag nicht an ihm, wenn es sie nicht gab. (wird fortgesetzt) n " 3 Die BARMIZWA unseres Sohnes MARIO findet s.G.w. am Schabbos Wajeischev, den 18. Dezember, um 8 Uhr 30 in der Synagoge Achduth Jisrael, Moldes 2449, statt. HELMUT HAMMERSCHLAG und Frau TRUDE geb. KRIEGER Juana Azurduy 2666, 1. St. B. LUACH — (KALEN Freitag, den 17. Dezember Sonnabend, den 18. Dezember Schabbat WAJESCHEW Haftara AMOS Kap. 2 EREW CHANUKKA Sonntag, den 19. Dezember 1. Tag CHANUKKA Montag, den 20- Dezember 2. Tag CHANUKKA Dienstag, den 21. Dezember 3. Tag Chanukka Mittwoch, den 22. Dezember 4. Tag Chanukka DER) 23. Kislew 24. Kislew 25. Kislew 26. Kislew 27. Kislew 28. Kislew

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