Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2146 (10.12.1965)
- Date
- 1965-12-10
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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4 — Vierne% 1® de Dififmbi» dp 1965 JÜDISCH WOCHENSCHAU Año XXVI. — N« 2144 S. ADLER-RUDEL (Jerusalem): BARON MORITZ VON HIRSCH Ein grosser jüdischer Philanthrop und sein Werk (7. Fortsetzung) Wie aus diesem Artikel hervorgeht, verpflichtete sich die ICA. zunächst jährlich 20.000 und später 100.000 und mehr Juden jährlich, insgesamt im Laufe von 25 Jahren 3.250.000 zur Auswanderung aus Russland zu bringen. Diese Zahlen beruhten sicherlich auf Angaben, die White im Einvernehmen mit Baron Hirsch in den Verhandlungen gemacht hatte. Peinberg hielt diese Zusage für undurchführbar und machte Hirsch darauf aufmerksam, welche ungeheuren Beträge erforderlich wären, um ein solches Projekt zu verwirklichen, und wie wenig auch Argentinien darauf eingerichtet wäre, solche Massen von Einwanderern aufzunehmen. Hirsch stimmte ihm zwar zu, beauftragte ihn jedoch trotzdem, die Vorarbeiten in Angriff zu nehmen. Dem Drängen des Barons, dessen Neigung zu häufigen Meinungsänderungen er befürchtete, nachgebend, erklärte sich Feinberg, wenn auch nur unwillig, schliesslich bereit, das IOA-Biiro in St. Petersburg zu leiten. Das für die Tätigkeit in Russland verantwortliche Zentralcomité wurde von Baron Hirsch persönlich wie folgt zusammengesetzt: Baron Horace Günzburg (1833—1909), Präsident der ICA; Jakob Poljakoff (1832—1909), Vizepräsident der ICA; David Feinberg, Generalsekretär: die anderen Mitglieder waren Baron David Günzburg (1857—1910), Alexander Passower 1840—1910), Arthur Raffalowieh (1853—1921) und Abraham Sak (gest. 1893). VII. Nachdem Baron Hirsch durch das Einverständnis der argentinischen Regierung zu Landkäufen und Einwande. rung sowie durch Erlangung des Rechtes zur legalen Vorbereitung der Auswanderung aus Russland die Voraussetzungen für die Durchführung seiner grossen Pläne geschaffen hatte, ging er an die Gründung der von ihm geplanten ,,Jewish Colonisation Association“ (ICA) in Europa, die er zum Instrument der Realisierung für die geplante Massen- Buswanderung aus Russland und die Ansiedlung in Argen, tinien machen wollte. Wie sehr er sich der Verantwortung bewusst war, die er auf sich nahm, ergibt sich aus einem Gespräch, das er mit Dr. Hirsch Hildesheimer (1855—1910», dem Redakteur der „Jüdischen Presse“, Berlin, hatte, in dem er ausführte: .Ich bin ein einzelner Mensch; ich weiss nicht, ob ein Einzelner der russischen Regierung ausreichende Garantie bietet. Deshalb bin ich entschlossen, mein Unternehmen zu einem Unternehmen der gesamten Judenheit zu gestalten, und ich wende mich soeben an die hervorragendsten jüdischen Notabilitäten Europas und Amerikas mit der Aufforderung, meinem Werke ihre Patronage zuzusiehern.‘‘ Im Zusammenhang mit seinem Wunsch, die Vertreter grosser jüdischer Organisationen an der Leitung der von ihm geplanten Organisation zu beteiligen, kam Hirsch am 4. August 1891 in Karlsbad mit den Mitgliedern des ,.Deutschen Zentralcomités für die russisch-jüdischen Flüchtlinge“, Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger (1848—1913) und Justizrat Bernhard Breslauer (1851—1928), zu einer Besprechung zusammen, in der u. a. festgelegt wurde: „1.) Um der Aktion des Baron Hirsch den gehörigen Nachdruck zu geben, sollen die israelitischen Hauptgemeinden Europas und Amerikas dem Emigrationswerke ihre Patronage sichern. Die einleitenden Schritte hierfür sind bereits erfolgt. 2. ) Die ausserhalb Russlands bereits bestehenden Exekutivcomités werden durch geeignete Elemente verstärkt, damit dieselben ihrer schwierigen Aufgabe Herr werden können. 3. ) Baron Hirsch entsendet unter Mitwirkung der oben genannten Korporationen Herrn Arnold White evtl, mit einem zweiten Delegierten nach Russland, um daselbst unter Genehmigung der russischen Regierung die Konstituierung eines Lokalcomités in St. Petersburg und mehrerer Lokalcomités in der Provinz vorzunehmen. Diese russischen Comités sollen die notwendigen Massnahmen treffen, um an d:e Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr. 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten. Essays — Nr 55: JOVCE CARY: Spiel ohne Ehre, Roman. Nr. 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwürdi ge Rechtsfäll.e Nr. 57/58/59: GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945. Nr. 60: MARQUTS DE SADE: Die Kastanienblüte und andere Erzählungen. Nr. 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr. 63: ELIA KAZAN: Amerika — Amerika, Roman Nr 64/65- HORST LANGE: Schwarze Weide. Nr 66 GEORGES RERNANOS: Eän böser rraum Nr. 67: IJSONHARD FRANK: Das Ochsenfurter Man nerquartett Es kosten: Einfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80. Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München Stelle des jetzigen planlosen Scheidens der russischen Juden aus ihrer Heimat eine regelmässige, wenn auch minder rasche Auswanderung zu setzen.“ Verhandlungen, die Hirsch mit leitenden Mitgliedern der Anglo-Jewish Association und der Alliance Israélite Universelle führte, endeten nach anfänglichem Zögern mit der schliesslich allseits erteilten Zustimmung sich an der Verwaltung der ICA zu beteiligen. AU dies Vorbereitungen, wie auch das Studium der Gründungsdokumente der ICA, zeigen, dass Hirsch bei der Verwirklichung seiner philanthropischen Pläne mit der gleichen Sachlichkeit und Ueberlegung vorgegangen ist, die ihm bei seiner geschäftlichen Tätigkeit eigen war. Er war überzeugt, dass die zu schaffende grosse philanthropische Organisation ebenfalls nach geschäftlichen Grundsätzen handeln müsse. Am 10. September 1891 w'urde die Gesellschaft schliesslich beim Board of Trade als Aktiengesellschaft mit dem Sitz in London eingetragen. Die damit gegründete Jew'ish Colonisation Association w-urde für die folgenden Jahrzehnte die grösste und bedeutendste jüdische Hilfsorganisation der Welt. Die Statuten der neuen Gesellschaft lassen deutlich *>rkennen. dass Hirsch jede Improvisation scheute, und sie zeigen, wie sehr er bemüht war, alle nur möglichen Eventualitäten vorauszusehen, um den Bestand und die Arbeitsfähigkeit der ICA auch nach seinem Ableben zu sichern, Die Gesellschaft wurde mit einem Aktienkapital von 2 Millionen Pfund aufgeteilt in 20.000 Aktien zu je 100.— Pfund, gegründet, von denen Hirsch 19.399 Aktion persönlich übernahm. Je eine Aktie W'urde ausgestellt auf: Benjamin L Cohen (1844—1909), Präsident des Jew'- ish Board of Guardians, London; Sir Julian Goldschmid * 1838—1896.) Präsident der Anglo-Jewish Association und Vorsitzender des Russisch-jüdischen Comités in London; Frédéric David Mocatta (1828—1905), Gelehrter, leitendes Mitglied des Russisch-jüdischen Comités in London; Lord Nathaniel Mayer Rothschild (1840—1915), Präsident der United Synagogue, London; Salomon H. Golaschmidt (1815—1898*, Präsident der Alliance Israélite Universelle Paris; Salomon Reinach (1858—1932), leitendes Mitglied der Alliance Israélite Universelle, Paris; Ernest J. Cassel (1852—1921), Vertreter Baron Hirschs in London. Ueber die endgültige Höhe des Kapitals, mit dem Hirsch die ICA im Laufe der Jahre ausstattete, gibt es widersprechende Angaben. Am zuverlässigsten dürfte Louis Oungre (geb. 1880) sein, der viele Jahre Generaldirektor der ICA war und der den Betrag auf 8 Millionen Pfund bezifferte. Am 29. Dezember 1892 richtete Baron Hirsch das folgende Schreiben an Sir Julian Goldsmid; „Unter Bezugnahme auf frühere Unterhaltungen, die ich die Ehre hatte, mit Ihnen zu führen, bestätige ich hierdurch meine Absicht, sicherzustellen, dass das jüdische Kolonisationswerk nach mir fortgesetzt werden kann, indem ich nunmehr meine Aktien unter die jüdischen Gemeinden Europas und die Treuhänder des von mir in den Vereinigten Staa. ten geschaffenen Fonds verteile. Die Anglo-Jewish Association, deren Präsident Sie sind, erscheint mir in jeder Hinsicht dessen würdig zu sein, bei dieser Verteilung mit einer erheblichen Summe mitzuwirken, und ich bitte Sie daher, mich wissen zu lassen, ob der Council der Association bereit wäre, von mir 3.600 Aktien der Jewish Colonisation Association ais Geschenk anzunehmen. Für mich selbst würde ich, Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de la Religion. lEO BAECK: La esencia del Judaismo (Wesen des Judentums) Grandes Epocas é Ideas del Pueblo Judío l IEJEZKEL KAUFMANN: Le Epoca bíblica II RALPH MARCUS: La Epoca Helenística IR. GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV. ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo- Islámica .V. CECIL ROTH: La Epoca Europea VI SALO W. BARON: La Epoca Moderna Editorial Paidos Buenos Aires Literarische Notizen Berufung Dr. Jacob I. Hartstein, früherer Dekan der Jeschiwa Universität, W'urde Präsident des Kingsborough College an der City Universität von New York. Unbewältigte V ergangenheit Robert Neumann hat ein Bühnenstück „Der Tatbestand“ geschrieben, das sich mit der „unbewältigten Vergangenheit“ beschäftigt. Neuverfilmung von ,.Jud Süss" Der berliner Filmproduzent Hans Oppenheimer und Hans Habe, als Drehbuchautor, bereiten eine Verfilmung des Romans ,,Jud Süss“ von Lion Feuchtwanger vor. Der Produzent ist ein Nachkommen von Josef Süss Oppenheimer, dem „Jud Süss“. Die Witwe von Lion Feuchtwanger wünschte, dass Hans Habe das Drehbuch schreibe. Uraufführung Konrad Wünsche hat ein neues Schauspiel geschrieben, das unter dem Titel „Jerusalem, Jerusalem“ in der nächsten Spielzeit vom Landestheater Darmstadt uraufgeführt wird. Gastspiel Elisabeth Bergner wird anfangs 1966 im Berliner Kammertheater gastieren; sie wird die „Irre von Chaillot“ (von Jean Giraudoux) spielen, und zwar in der Düssei. dorfer Inszenierung von Karl Heinz Stroux. Hospital für Tiere Im Jerusalemer Viertel Talpiot wird das erste Tierspital Israels entstehen und damit ein Traum der Tierschutzgesellschaft im Lande realisiert. Der Hauptteil der ei forderlichen Summe wurde durch zwei anonyme Spender in Amerika aufgebracht, der Rest von den etwa 400 Mitgliedern in Israel. Henriette Szold-Preis Vizepräsident Humphrey erhielt an der 51. Jahrestagung der Hadassa den , Henrietta-Szold-Preis“ zuerkannt. Gemeindehaus Die Gemeinde in Athen hat für 41.000 Pfund eia Haus erworben, das den jüdischen Organisationen zur Verfügung stehen und auch als Jugendklub ausgebaut wird. Der Joint hat 10.000 Pfund beigesteuert, und der Rest wurde durch die Ver. waltung des Fonds für erbenlose Vermögen und durch private Spenden aufgebracht. Thorarollen Die Westminster-Synagoge hat 1564 Torarollen aus der Tschechoslowakei erworben. Sie wurden durchgesehen und an Gemeinden in der ganzen Welt verteilt. Es handelt sich um Torarollen von nicht mehr existierenden Gemeinden. Auf einer Gedenkfeier hielten Rabbi Harold Reinhart und Oberrabbiner Dr. Brcdie Ansprachen zum Gedenken an die zerstörten Synagogen. Neuauflage Im new.vorker Schocken- Verlag wurde das vergriffene Buch von Immanuel Olsvanger „Royte Pomeranzen“ neu herausgebracht. Ein Einführung von Harry Golden ist den jiddischen Anekdoten in lateinischer Schrift vorangestellt. Ehrenmitglied Der Schriftsteller Max Tau wurde enlässlich der 300- Jahr-Feier der Kieler Universität zum Ehrenmitglied ernannt. als Bedingung für dieses Geschenk, lediglich das Recht in Anspruch nehmen, die angebotenen Aktien Zeit meines Lebens zu repräsentieren, da es, wie Sie sicherlich verstehen werden, mein Wunsch ist, tie Leitung des Werkes, dem ich meine letzten Lebensjahre widme, solange ich kann in Händen zu behal. ten.“ Sir Julian berichtete in der Sitzung des Council der Anglo-Jewish Association vom 8. Januar 1893 sowohl über den Inhalt dieses Briefes als auch über Gespräche mit Baron Hirsch, in denen er, Goldsmid, der Meinung Ausdruck gegeben hatte, dass die AJA bei Annahme der Aktien auch an der Verwaltung der ICA beteiligt sein sollte. Der Council erklärte sich zur Annahme der 3.600 Aktien (die später auf 4.595 erhöht wurden) bereit und wählte Hirsch zum Vizepräsidenten der AJA. Mit dieser Wahl nahm Hirsch — ausser seiner Zugehörigkeit zum Zentralcomité der Alliance Israélite Universelle — die einzige Eh. renstelle an, die er je in einer jüdsichen Organisation bekleidet hat. Zum Vertreter der AJA in der Verwaltung der ICA wurde in derselben Sitzung H. G. Lousada bestimmt, (wird fortgesetzt) Für die so überaus zahlreichen Glückwünsche zur Geburt unserer Enkeltochter IRIT danken wir zugleich im Namen unserer Kinder Han und Judith Kabiri (Jerusalem) allen Freunden, Gemeinden und Institutionen sehr herzlich. Dr. HARDI und EVA SWARSENSKY LÜACH - (KALENDER) Freitag, den 10. Dezember 16. Kislew Sonnabend, den 11. Dezember 17. Kislew Schabbat WAJISCHLACH Haftara OBADJA Sonntag, den 12. Dezember 18. Kislew Montag, den 13. Dezember 19. Kislew Dienstag, den 14. Dezember 20 Kislew Mittwoch, den 15. Dezember 21. Kislew Donnerstag, den 16. Dezember 22. Kislew Freitag, den 17. Dezember 23. Kislew Sonnabend, den 18. Dezember 24. Kislew So’nabbat WAJESCHEW Haftara AM06 Kap. 2 EREW CHANUKKA Sonntag, den 19. Dezember 1. Tag CHANUKKA Montag, den 20- Dezember 2. Tag CHANUKKA 25. Kislew 26. Kislew