Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2145 (3.12.1965)
- Date
- 1965-12-03
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viernes, 3 de Diciembre de 1965 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXVI. — N? ¡tu •S. ADLER-RUDEL ( Jerusalem) i BARON MORITZ VON HIRSCH Ein grosser jüdischer Philanthrop und sein Werk (6. Fortsetzung-) Dr. Loewenthal war von den schwierigen Verhält, niesen, unter denen diese Juden lebten, erschüttert, gleichzeitig aber begeistert von der Hartnäckigkeit mit der sie an ihrer landwirtschaftlichen Arbeit festhielten. Sein Bericht bestärkte Baron Hirsch in dem Glauben an die Richtigkeit seiner Idee der Auswanderung und der Fähigkeit russischer Juden, unter schwierigen Verhältnissen landwirtschaftliche Kolonisation zu betreiben. Er baauftragte Dr. Loewenthal, dem Landeigentümer das Land abzukaufen und den Bauern die notwendigen Gariite und Bedarfsgegenstände für ihre Niederlassung zur Verfügung zu stellen. Loewenthal führte diesen Auftrag durch und gründete im Jahre 1890 die erste jüdische Kolonie Argen, tiniens in der Provinz Santa Fé, die Moi ses ville genannt wurde. Inzwischen ergab sich die Notwendigkeit der Ver. sorgung einer Gruppe von 900 Emigranten, die auf dem Wege nach Palästina in Konstantinopel gestrandet waren Sie wurden von dort mit Hirschs Zustimmung durch die AIU nach Argentinien gesandt, wo sie 1891 die Kolonie Mauricio errichteten. Dr. Loewenthal kehrte zunächst einmal nach Paris zurück. Mit Hilfe von Grossrabbiner Zadoc Kahn unter, breitete er Baron Hirsch und der Alliance Israélite Uni. verseile sein grosses Projekt einer Siedlung in Argenti. nien. Sehr bald danach, am 29. Januar 1890. erhielt die AIU das folgende Schreiben von Baron Hirsch: „Im Prinzip stimme ich dem Vorschlag eines grossangelegten Ansiedlungsprogramms in Argentinien zu, und meine Idee war durch Investierung erheblicher Beträge etwas von Bestand zu schaffen. Soweit es mich betrifft, besteht keine Ursache, jetzt nicht mit der .Errichtung grosser Kolonien in Argentinien zu beginnen, die in naher Zukunft als Zu. fluchtsstätten für solche Juden dienen können, die willens sind, ein neues Heim in fernen Ländern zu suchen, um dort, frei von Furcht und Verfolgung, ein neues Leben zu beginnen.“ Zwei Monate später hatte Baron Hirsch ein Gespräch über den Siedlungsplan mit Dr. Loew’enthal und dem Sekretär der AIU Isidore Loeb. Als erster Schritt wurde die Entsendung einer Sonderkommission von Sadhver. ständigen zum Studium des Bodens und seiner Eignung tiir Ansiedlungszwecke beschlossen. Diese Kommission bestand aus: Dr. W. Loewenthal, C. N. Cullen, einem englischen Ingenieur, und dem belgischen Colonel Vanvinckeray. Der günstige Bericht, den die Kommission im März 1891 zurückbrachte, und die wohlwollende Zustimmung der argentinischen Regierung zu den Kolonisationsplänen veranlassten Hirsch, sich nun endgültig für Argentinien als Hauptansiedlungsland zu entscheiden. Inzwischen kam es durch die Revision der Judengesetze zu neuen reaktionären Massnahmen der russischen Re. gierung. Die erhebliche Verschärfung der Lage der Juden in Russland setzte mit der Ausweisung einer grossen Zahl von Juden aus Moskau im Winter 1890 91 ein. Die Juden empfanden diese Ausweisungen als ein drohendes Signal, das auf weitere Massnahmen der Regierung gegen sie schliessen liess. Wieder begann eine Massenflucht, und trotzdem es verboten war, die Landesgrenzen zu überschreiten, erhöhte sich die Zahl der jüdischsn Einwanderer in Nordamerika von 42.000 im Jahre 1890/91 auf 76.000 im Jahre 1891/92. Baron Hirsch hatte die Zeit nach der Ablehnung seiner ersten Pläne durch die russische Regierung dazu benutzt seine nächsten Schritte besser vorzubereiten. Nach dem günstigen Bericht aus Argentinien, und nachdem er für die finanzielle Sicherung der Aufnahme weiterer Immigranten in den Vereinigten Staaten gesorgt hatte, kam es nun darauf an, mit der russischen Regierung zu einem Einvernehmen über die Legalisierung der Auswanderung zu gelangen. Zu diesem Zwecke delegierte Baron Hirsch den englischen Journalisten und Politiker Arnold White als seinen persönlichen Vertreter nach Russland, um die notwendigen Verhandlungen mit der Regierung zu führen. White war eine in vieler Hinsicht merkwürdige Persönlichkeit. Er spielte um diese Zeit im öffentlichen Leben KIndler-Taschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr. 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten Essays. — Nr 55: JOYCE CARY: Spiel ohne Ehre, Roman. Nr. 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwürdi ge Rechtsfäll.e Nr. 57/58/59: GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945. Nr. 60: MARQUIS De SADE: Die Kastanienblüte und andere Erzählungen. Nr. 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr. 63: ELIA KAZAN: Amerika — Amerika, Roman Nr 64/65: HORSI LANGE: Schwarze Weide. Nr 66 GEORGES RERNANOS: Ein böser rraum Nr. 67: LEONHARD FRANK: Das Ochsenfurter Män nerquartett Es kosten: Eißfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80; Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München Englands eine gewisse Rolle. Als Mitglied des Parlaments gehörte er der sogenannten „Anti.Alien“.Gruppe an, die sich bemühte, eine Einwanderungssperre für russische Juden in England durchzusetzen. Er war nicht frei von antijüdischen Tendenzen und griff die reichen Juden Englands und Westeuropas ausgesprochen gehässig an Eines seines Bücher, das auch den Bericht über seine Mission in Russland an Baron Hirsch enthält, stellt eine groteske Mischung der verschiedensten mit Juden und Judentum zusammenhängenden Fragen dar. In dem Buch gibt es überaus unfreundliche Bemerkungen über die Juden Englands; dagegen schildert er mit grosser Sympathie die Massen der unterdrückten russischen Juden. White traf im April 1891, unmittelbar nach dem Beginn der Austreibung der Juden aus Moskau, in Russland ein. Alle Schichten der rassischen Juden waren erregt und unsicher, zeigten jedoch zunächst wenig Verständnis für die grossen Pläne, die White der russischen Regierung im Namen von Baron Hirsch vortragen sollte. Die führenden russischen Juden waren nicht nur grundsätzlich gegen Auswanderung eingestellt, sondern glaubten auch nicht dass die Verwirklichung solcher Pläne eine wesentliche Hilfe für ihre eigene Situation mit sich bringen würde White war mit wichtigen Einführungsbriefen an den britischen Gesandten und an Mitglieder der russischen Regierung ausgestattet worden, insbesondere auch mit einem Briefe von Baron Hirsch an den allmächtigen Oberprokurator der „Heiligen Synode“, Konstantin Pobjedonosszew, dem der Baron bei seinem ersten Versuch in Russland 1887, ein Geschenk von einer Million Frs. für das von ihm geförderte Parochial.Schulwesen gemacht hatte. In Erinnerung an dieses Geschenk zeigte sich Fobjedonosszew entgegenkommend und führte White bei der Regierung ein. In seinem oben erwähnten Brief hatte Hirsch erklärt, dass er beabsichtige, russische Juden in landwirtschaftlichen Kolonien in Argentinien anzusiedeln. Unter Hinweis auf die bevorstehende Massenauswanderung bat er, gewisse Ausnahmegesetze ausser Kraft zu setzen und seine humanitären Pläne zu fördern. Die russische Regierung nahm jedoch das von White vorgetragene Projekt mit einer so kühlen Zurückhaltung auf, dass sich repräsentative Juüen Russlands einschalten mussten, um ein völliges Zusammenbrechen der Verhand. lungen zu verhindern. White erhielt daraufhin die Erlaubnis, den Ansiedlungsrayon zu bereisen, um sich selbst ein Bild vom Leben der Juden und ihrer Befähigung für landwirtschaftliche Kolonisation zu verschaffen. Der bei der jüdischen Gemeinde St. Petersburg tätige David Feinberg (1840—1916) wurde von den Peteisburgre Juden dazu ausersehen, White auf seiner Reise zu begleiten. Die beiden verliessen St. Petersburg am 8. Mai 1891 und besuchten im Laufe der nächsten Wochen eine Anzahl von Städten und landwirtschaftlichen Kolonien. White, der nach Meinung von Feinberg nicht ohne Vorurteile gegen die Juden war, wurde von deren Arbeitswilligkeit, ihrer Nüchternheit und Sauberkeit mehr und mehr beeindruckt. Er fand, dass die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisten im Gebiet von Cherson ein ausgezeichnetes Menschenmaterial für die in Argentinien geplanten Kolonien abgeben würden. Am 27. Juni nach St. Petersburg zurückgekehrt, sandte er einen ausführlichen und positiven Bericht an Hirsch, der praktische Vorschläge über die noch zu führenden Verhandlungen und notwendigen Massnahmen enthielt Ausserdem regte er u. a.. die Einrichtung eines Zentralbüros in St. Petersburg und verschiedene diesem unterstellt« lokale Büros in den wichtigen Städten der Provinz an. Von der Regierung wäre zu verlangen: eine Aenderung der Passgesetze, die Ermässigüng oder der Erlass der Ausreisegebühren, freier Transport auf den russischen Eisenbahnen und jegliche Förderung derjenigen Juden, die im Rahmen des Projekts von Hirsch auswandern wollten. Vor der Ausreise, die sehr schnell zu organisieren sei, sollte den Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de la Religión. lEO BAECK: La esencia del Judaismo (Wesen des Judentums) Grandes Epocas é ¡deas del Paeblo Judío L IEJEZKEL KAUFMANN: Le Epoca bíblica Bücher-Umschau Herbert Frieden: Jüdisches Theater in Nazideutschland, J. C. B. Mohr, Tübingen, 1964. — Der unseren Lesern als Mitarbeiter der Jüdischen Wochenschau bekannte Schriftsteller Dr. Herbert Freeden legt hier ein Buch vor, das mehr ist als die Erinnerung an eine auch von ihm in schwerster Zeit geleistete Ar. beit, das zugleich ein Stück seines Herzens darstellt. Freeden identifiziert sich ganz mit diesem Werk. Aus jedem Wort spricht er selbst, mit jedem Satz fühlt er sich verbunden. Er schildert so objektiv Ziele Werden, Arbeit, Leistung und Untergang des jüdischen Theaters in Nazideutschland, wie das möglich ist, aber er versteht es doch, trotz seiner Sachlichkeit dem Buch seinen persönlichen Stempel zu geben. Gerade diese innere und innerliche Verbindung macht das Buch umso lesenswerter. Dieses Buch behandelt ein Kapitel unserer eigenen Geschichte, der Geschichte des Unterganges des deutschen Judentums von der Sicht des jüdischen Theaters, der jüdischen Künstler, Musiker, Bühnenbildner, Zeichner, Maler usw. Geschaffen wurde dieses jüdische Theater auf Veranlassung der nazistischen Machthaber: die Juden sollten bis zu ihrer Vernichtung Theater spielen, auch noch im KZ Theresienstadt. Aus einem teuflischen Zynismus erwuchs ein Werk, das den Juden im Untergang Halt und Hoffnung, Zuversicht und Lebenswillen geschenkt hat. Zu diesem Thema wäre viel zu sagen, wie die Juden ihr Theater, ihre Kunst, ihre Dichter, ihre Probleme erkannten und meisterten, wie sie auch mit Hilfe der Kunst wieder jii. disch oder jüdischer wurden. Hier auf der Bühne ode$ vor dem Orchester erwuchs neue Kraft den Vevfolgien, die in ihrem Willen gestählt und gestärkt wurden: als Juden zu überleben. Was noch im Untergang geschaffen wurde, ist musterhaft Das Leo Baeck Institut hat dieses Buch von Freeden in seiner Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen herausgebracht Es hat einen glücklichen Griff damit ge« macht. Dar Verlag lieferte in Druck und Einband den würdigen Rahmen für ein Werk, das jeder nicht nur lesen, sondern besitzen sollte. Politische Studien, Heft 160 im Olzog Verlag München, 1965. — Dieses Heft ist dem Thema „Antisemitismus heute“ gewidmet, über das drei Auf. sätze veröffentlicht werden, van Dam: Antisemitismus ohne Juden, Fred H. Richards: Antisemitismus in Deutschland. Kurt Wedl: Antisemitismus in Oesterreich. Die Aufsätze bringen einiges Material, das man als interessant ansprechen kann. Im wesentlichen sind — jeden, falls uns Juden — die vorgetragenen Gedanken und Fakten bekannt. Sicherlich ist es natürlich, dass in. Deutschland eine solche Aufsatzreihe erscheint. Wie weit sie erzieherischen Wert oder bleibende Wirkung hat, muss abgewartet werden Als Beitrag zur Zeitgeschichte sind diese Aufsätze zu begrüssen, ohne dass wir ims mit jeder dort vorgetragenen Meinung identifizieren möchten. — Die übrigen Beiträge in diesem Heft, die anderen Themen gewidmet sind, dürften ebenfalls allgemeines Interesse, hervorrufen. — Kandidaten die Möglichkeit gegeben werden, sich auf ihre zukünftige Tätigkeit vorzubereiten. In einem Brief an White den Feinberg auf dessen Anregung an ihn richtete, grenzte sich dieser von der Meinung White's ab, indem er klarstellte, dass auch das beste Auswanderungsprojekt nicht alle Juden umfassen könne, und dass die Mehrheit in Russland bleiben will und bleiben muss. Daher verlangte er von White dass er den Ministern auf Grund seiner Reiseeindrücke die ungeschminkte Wahrheit über die Lage der Juden und die Schwierigkeiten, unter denen sie leben, darstellen solle. Der Brief endet mit der Bitte, White möge sich für die Beseitigung der Ausnahmegesetze und für die Gleichberechtigung der Juden einsetzen. White reiste nach Paris, erhielt dort von Hirsch neue Instruktionen und kehrte im September 1891 nach Russland zurück. Die im folgenden Winter geführten Verhandlungen beruhten auf konkreten Vorschlägen für die Auswahl und Organisierung der Auswanderungskandidaten die von Feinberg formuliert wurden. Am 8. Mai 1892 wurden die Satzungen der „Jewish Colonisation Association* (ICA) von den russischei Behörden genehmigt. Die ,,Gou vernment News“ brachten einen Artikel der einen ausführlichen Bericht über die Verhandlungen enthielt. (wird fortgesetzt) II. RALPH MARCUS: La Epoca Helenística IR. GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV- ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo. Islámica .V. CECIL ROTH: La Epoca Europea VI SALO W. BARON: La Epoca Moderna Editorial Peídos Buenos Aires Die Geburt ihres Sohnes FABIO TOBIAS zeigen an MIGUEL ROZENEK und Frau RITA geb. SPIEGEL Larrea 306, 59 p. LUACH — (KALEND Freitag, den 3. Dezember Sonnabend, den 4. Dezember Forschst WAYEZE 1. B. M. XXVII 10 - Haftara Hoschea XII 13 — XIV Sonntag, den 5. Dezember Montag, den 6. Dezember Dienstag, den 7. Dezember Mittwoch, den 8. Dezember Donnerstag, den 9. Dezember Freitag, den 10. Dezember Sonnabend den 11. Dezember Schabbat WAJISCHLACH Haftara OBADJA Sonntag, den 12. Dezember Montag, den 13. Dezember Dienstag, den 14. Dezember Mittwoch, den 15. Dezember Donnerstag, den 16. Dezember Freitag, den 17. Dezember Sonnabend, den 18. Dezember Schabbat WAJESCHEW Haftara AMOS Kap. 2 EREW CHANUKKA ER ) 9. Kislew 10. Kislew - XXXII 2 10 11. Kislew 12. Kislew 13. Kislew 14. Kislew 15. Kislew 16. Kislew 17. Kislew 18. Kislew 19. Kislew 20. Kislew 21. Kislew 22. Kislew 23. Kislew 24. Kislew ***** Koogre,s ■» »“Sis seit- 'a"« £ pie 0e1 W hiesl? wurde ¿er b°ni B^^sses eml yjeUUofls ^pjegenh« Be* ^GoWma ‘ - T i ■ hören Besu* h011' „.„„itf-hen tion. heien flüi’ ffSSsein per israelische B ^faltete sm veiünswW ®£¡n n der norda Ehren fler r sehen Kong«« . tjijumon < gcneii in den Ráum«n schaft. Warnung! 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