Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2143 (19.11.1965)
- Date
- 1965-11-19
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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■■‘■••Mrfàïï i /. î-' 1 — X"wmear 19 de Noviembre de 1965 S. ADLER-RU DEL ( Jerusalem, JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXVI. — N? 2143 BARON MORITZ VON HIRSCH Ein grosser jüdischer Philanthrop und sein Werk (4. Fortsetzung) Im Dezember 1873 tibergab er der Alliance für die Errichtung einer Stiftung zur Förderung des Schulwesens in der Türkei die Summe von einer Million Frs. Von 1879 an unterstützte er den Handwerkerunterricht der Alliance mit einem Betrag von jährlich 50.000 Frs. Seit 1882 deckte er jährlich das erhebliche Defizit der Alliance, das im Laufe der Jahre mehrere hunderttausend Frs. betrug, and machte die Organisation dadurch unabhängig Anstelle dieser jährlichen Zuwendungen schuf er 1889 einen weiteren Fonds, der der Alliance e«n jährliches Einkommen von 400.000 Frs. sicherte. Im Jahre 1882 beteiligte er sich an der von der Alliance für die aus Russland geflüchteten Pogromopfer durchgeführten Sammlung mit einer Million Frs. Baron Hirsch dürfte bis 1896, dem Jahr seines Todes, der Alliance mindestens zwölf Millionen Frs. gegeben haben. Nach dem Muster der 1860 in Paris gegründeten Alliance Israélite Universelle wurde 1872 in Wien die Israelitische Allianz ins Leben geiufen, deren Tätigkeit sich zunächst eng an die der Pariser Organisation anschioss. Sie beteiligte sich mit finanziellen Leistungen und durch diplomatische Interventionen an dem Hilfswerk für die Juden Rumäniens. Serbiens und der Türkei und delegierte 1874 den hebräischen Schriftsteller Perez Smolenski '(184? bis 1885) nach Rumänien, des* dort für die Errichtung einer jüdichen Lehrerbildungsanstatl wirkte, die von den verschiedenen Hilfscomités unterhalten werden sollte Die Israelitische Allianz unterschied sich später von der Alliance Israélite Universelle insofern, als sie ihr Haupt-- Eiel darin sah. die Lage der Juden im eigenen Lande zu verbessern. Seit 1883 W'andte sie sich dem Erziehungswerk nir die Juden Galiziens und der Bukowina zu und grünriete in verschiedenen Städten Volks- und Gewerbeschulen, die oft von Baron Hirsch unterstützt wurden. Der Wiener Oberrabbiner Dr Adolf Jellinek (1821 bis 1893) hatte Baron Hirschs Aufmerksamkeit auf die dringende Notwendigkeit gelenkt, die Notlage der Juden Galiziens und der Bukowina zu lindern. Hirsch, der viele Jahre seines^ Lebens in Oesterreich-Ungarn verbrachte, dort grosse Ländereien besass und die österreichsche Staatsangehörigkeit erworben hatte, folgte dieser Anregung in grosszügiger Weise. -Anlässlich des vierzig jährigen Re vierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs I. im Jahre 1888 errichtete er mit einem Kapital von 12 Millionen Kronen de ..Baron Hirsch Stiftung für jüdische und nichtjüdische Kinder“, als deren Aufgaben er bestimmte: 1. Die Errichtung von Grundschulen und Kinderspelplätzen in Galizien und Bukowina. 2. Zuschüsse für Lehrer. 3. Bereitstellung von Schulbüchern und sonstigen Unterrichtsmitteln sowie von Kleidern und Lebensmitteln für bedürftige Kinder. 4. Beihilfe zur Errichtung jüdischer Schulen. 5. Lehrlingsausbildung für jüdische Jugendliche im Handwerk und in der Landwirtschaft. 6. Beihilfen jeder Art für jüdische Schüler an Handels- und Berufsschulen. 7. Zinsfreie Anleihen für Handwerker und Landwirte. 8. Errichtung von Schulen für Handel, Technik und Landwirtschaft. Die österreichische Regiarung zeigte für dieses Projekt Jedoch wenig Neigung und verzögerte die erforderliche behördliche Genehmigung. Hirsch war über diese Haltung der Behörden äusserst verärgert und bemühte sich auf allen nur möglichen Wegen die Regierung umzustimmen, was ihm aber erst drei Jahre später gelang Sofort nach Erteilung der Genehmigung erledigte er in kürzester Frist alle notwendigen technischen Massnahmen, um der Stiftung die Aufnahme ihrer praktischen Tätigkeit zu ermöglichen. Die Treuhänder der Stiftung wurden zum Teil von Hirsch selber und zum anderen Teil von der österreichischen Regierung bestimmt. Als ihr erster Präsident amtierte David Ritter von Gutmann (1834—1912), der auch von 1888 bis zu seinem Tode Präsident der Israelitischen Allianz war. Hierdurch liess sich eine enge Zusammenar- Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr. 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten. Essays. — Nr 55: JOYCE CARY: Spiel ohne Ehre, Roman. Nr. 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwürdl. ge Rechtsfäll ,e Nr. 57/58/59: GERALD REHTUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945. Nr. 60: MARQUIS DE SADE: Die Kastanienblüte und andere Erzählungen. Nr. 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr. 63: ELIA KAZAN: Amerika — Amerika, Roman Nr 64/65: HORST LANGE: Schwarze Weide. Nr 66 GEORGES BERNANOS: E5n böser Traum Nr. 67: LEONHARD FRANK: Das Ochsenfurter Männerquartett beit zwischen der Allianz und der Baron Hirsch-Stiftung herbeiführen. I Die Stiftung war nicht nur bei der österreichischen Regierung, sondern auch in jüdisch orthodoxen Kreisen! auf Gegnerschaft gestossen, die in dem gemeinsamen Schulunterricht, von jüdischen und christlichen Kindern eine Gefahr für die traditionelle jüdische Erziehung sa- , hen. Diese Befürchtungen waren nicht unbegründet, da | die eigentliche Leitung der Stiftung in den Händen der! Wiener jüdischen Plutokratie lag die die von Hirsch ver- . tretonen Gedanken einer absoluten Assimilation der Juden Galiziens weitgehend teilte. Trotzdem lässt sich feststellen, dass dank Hirschs Initiative Zehntausende jüdischer Kinder und Tausende von Erwachsenen einen or-; deutlichen Volks- und Berufsunterricht erhielten, der es ihnen später ermöglichte, als gelernte Handwerker ihren . Lebensunterhalt zu verdienen. I Neben der Förderung des Erziehungswerks und grossen Sonderzuwendungen bei lokalen Katastrophen errichj tete Hirsch 1880 in Wien, Budapest, Lemberg und Krakau eigene Wohltätigkeitsbüros, die er mit einem Jahresbudget | von je 120.000 fl. ausstattete. Diesen Büros lag die Unter-; Stützung verschämter Armer ob und die Gewährung un- | verzinslicher Darlehen an kleine Händler und Handwer- : ker aller Konfessionen. Obwohl er die eigentliche Leitung | dieser Büros den von ihm ernannten Damencomités übertrug. kontrollierte er persönlich ihre Tätigkeit und lies* sich durch monatliche Berichte über Art und Umfang de* Hilfeleistung informieren. j Die russischen Pogrome der Jahre 1881/82 und die ihnen folgenden antijüdischen Gesetze bedeuteten einen ent- : scheidenden Wendepunkt für die Geschichte der Juden in Russland. Die Ausschreitungen des Pöbels und die durch! die Regierung veranlasste weitere Entrechtung nahm den jüdischen Massen jedes Gefühl der Sicherheit, und hielt | sie in einem dauernden Angstzustand, ohne jede Hoffnung; auf eine Besserung ihrer Lage. In dieser Situation zogen sie die Fluchtins Ungewisse dem Verbleiben in Russland! vor. Trotz aller Warnungen einer die Auswanderung ablehnenden kleinen Führerschicht fluteten die in Bewegung gekommenen Massen über die Grenzen, nach Amerika oder — kleinere Gruppen — nach Palästina. Die Zahl der Auswanderer stieg von Jahr zu Jahr derart sprunghaft, dass in dem Jahrzehnt 1882—1891 allein in Amerika 240.000 Juden fast ausschliesslich aus Russland einwanderten. Baron Hirsch, der zu Beginn seiner philanthropischen Tätigkeit hauptsächlich an dem Schicksal der orientali-! sehen Juden interessiert war, wurde durch die russische . Pogromwelle der Jahre 1881—82 tief erschüttert. Er beteiligte sich sofort mit einer Spende von einer Million Ftsl; an der Hilfsaktion der Alliance Israélite Universelle für! die Pogromflüchtlinge. Darüber hinaus bevollmächtigte er Emanuel Veneziani, der zusammen mit Charles Netter zur I Durchführung des Hilfswerks nach Brody reiste wenn nöi tig weitere grosse Beträte auszugeben. Auf Grund dieser I Anweisung soll Veneziani dort ca. fünf Millionen Frs. ver. teilt haben. j Diese immerhin schon recht bedeutsamen Spenden bili deten jedoch erst den Anfang seiner grossen Anteilnah-; me am Schicksal der russischen Juden. In den Vorstellun-; gen der Juden Westeuropas befangen und von der erziehe-; rischen Tätigkeit der Alliance beeinflusst, glaubte er zu- , nächst, dass es darauf ankomme, durch Schaffung von i Erziehungseinrichtungen, durch Volksschulen, landwirt- I schaftliche und handwerkliche Ausbildung das Niveau der 1 russischen Juden zu heben, um dadurch ihre Lage zu verbessern. Nach längerer Vorbereitung und Beratungen mit den wohlhabenden Repräsentanten der russischen Judenj heit delegierte er im Jahre 1887 Marquis de Aschbach und I Leonce Lehmann als seine Vertreter nach Russland, um I über seine Pläne zu verhandeln. Er beabsichtigte, einen Betrag von 50 Millionen Frs. für die Errichtung von Fach- [ schulen, Musterwerkstätten und landwirtschaftlichen Be. trieben zugunsten der Juden in den Ansiedlungsrayons zur I Verfügung zu stellen. Den Bevollmächtigten Baron Hirsche ’ wurde jedoch in St. Petersburg, wo man für die Umschichtung der Juden zu produktiver Arbeit nicht das geringste Interesse aufbrachte, die unannehmbare Forderung gestellt. diesen grossen Betrag nicht den jüdischen Wohl, fahrtsinstituten zu übergeben, sondern zur Verfügung der russischen Regierung zu stellen. Das lehnten Hirschs Vertreter natürlich ab, und so kehrten sie unverrichteter Din.! ge nach Paris zurück. I Nunmehr war der Baron davon überzeugt, dass den Juden innerhalb Russlands nicht zu helfen und an eine | Rettung nur auf dem Wege einer Massenauswanderung ' zu denken sei. Dementsprechend konzentrierte er alle sei- , ne Kräfte auf die Organisierung der jüdischen Auswanderung aus Russland. Er liess sich von diesem Gedanken nicht mehr abbringen, obwohl ihn sowohl die Gemeindeführer der russischen Juden ablehnten, wie er auch auf Widerstand bei den westeuropäischen jüdischen Notabein und Repräsentanten stiess, die bestenfalls zur Förderung derjenigen Auswanderer bereit waren, die sich aus eigener Initiative zur Auswanderung entschlossen. Obwohl also eine organisierte Massenauswanderung sowohl innerhalb wie ausserhalb Russlands abgelehnt wurde, begann Hirsch mit der ihm eigenen Energie, die Auswan. 1 derung der Juden zu betreiben und die erforderlichen Massnahmen vorzubereiten. Ihm war dabei klar, dass er auch für diesen Plan auf die Unterstützung oder mindestens wohlwollende Duldung der russischen Regierung angewiesen war. Ebenso wichtig schien es ihm ein Land zu : finden, in dem die Juden als gleichberechtigte Bürger, frei j von Unterdrückung und Verfolgung leben können. Als ge- | eignete Grundlage ihrer Niederlassung in einem neuen | Land erschien ihm eine gross angelegte landwirtschaftli-; che Kolonisation. I (Fortsetzung folgt) 1LAN KABIR1 und Frau JUDITH geb. SWARSENSKY geben die glückliche Geburt ihrer Tochter I R I T bekannt. Jerusalem, 95 Shderot Herz! Wir freuen uns, unsere Freunde und Bekannten zur BAR MIZWA unseres Sohnes MARCELO RÜBEN in die Synagoge Lamroth Hakol, Caseros 1450 (Florida), am Sonnabend, den 27. November, um 9 Uhr einzuladen. Ernst Weisz und Frau Ruth geb. Paradies ' Empfang daselbst anschliessend an den Gottesdienst. Die BAR MIZWA unseres Sohnes EDGARDO JOSE findet s. G. w am 27. November 1965 in der Chaim Weizmann-Synagoge, Arcos 2319, um 9 Uhr statt. Harry und Helga Koltun Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de la Religión. LE<^ BAECK: La esencia del Judaismo (Wesen des Judentums) Grandes Epocas é Ideas del Pueblo Judío I. IEJEZKEL KAUFMANN: La Epoca bíblica II. RALPH MARCUS: La Epoca Helenística ID. GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV. ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo- Islcrmica .V. CECIL ROTH: La Epoca Europea Für die vielen Aufmerksamkeiten und Glückwünsche anlaesslich unserer Verlobung danken wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten auch im Namen unserer Eltern recht herzlich. ANA BENGHIAT FREDI S. ROTH LUACH - (KALENDER) Freitag, den 19. November 24. Marcheschwan Sonnabend, den 20. November 25. Marcheschwan Parschat CH AYE SARA 1. B. M. XXIII 1 — XXV 18 Haftara I Könige II — 31 Neumondankündigung KISLEW Sonntag, den 21. November 26. Marcheschwan Montag, den 22. November 27. Marcheschwan Dienstag, den 23. November 28. Marcheschwan Mittwoch, den 24. November 29. Marcheschwan Donnerstag, den 25. November 1- Kisiew Rosch Chodesch 2. Kisiew 3 Kisiew XXVIII 9 Freitag, dem 26. November Sonnabend, den 27. November Parschat TOLDOT 1. B. M. XXV 19 - Haftara Maieachi I 14 — II Sonntag, den 28. November Montag, den 29. November Dienstag, den 30. November Mittwoch, den 1. Dezember Donnerstag, den 2. Dezember Freitag, den 3. Dezember Sonnabend, den 4. Dezember Pärschat WAYEKE 1. B. M. XXVII 10 Heftara Hoeohea XII 18 — XIV 4. Kisiew 5. Kisiew 6. Kisiew 7. Kisiew 8. Kisiew 9. Kisiew 10. Kisiew _ XXXII 2 10 U Die zu ein€ die ruien 10 spielt vom waren he mei stecl1 taue vert war öig zer wie und les Nach Mit SÄ gierui Bevo hört* tum hen ben und die nen was ist, 1 Erle: uer len, Vert ter Kalt wie Herr: Blüh Wfln Harf Ang den der und r di Ze i Es kosten: Einfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80; Dreifachband DM 4,80 VI. SALO W. BARON: La Epoca Moderna Bestellungen durch edle Buchhandlungen Editorial Paidos Buenos Aires Kindler Verlag G.m.b.H., München