Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2142 (12.11.1965)
- Date
- 1965-11-12
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616703-9614788-9615246--4127-9615250- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Buenos Aires 2× ep/1047860
- Arthur Miller 1× ep/1025398
- Cecil Roth 1× ep/1003885
- Chaim Weizmann 1× ep/1009290
- Elia Kazan 1× ep/1026422
- Friedrich Schiller 1× ep/1025565
- Hermann Kesten 1× ep/1004897
- Leonhard Frank 1× ep/1024999
- Maurice de Hirsch 1× ep/1005958
- Ralph Marcus 1× ep/1023680
- Salo Wittmayer Baron 1× ep/1027374
OCR text
4 — Viernes, 12 de Noviembre de 1965 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXVI. — N’ 2142 S. ADLER-REDEL (Jerusalem) * BARON MORITZ VON HIRSCH Ein grosser jüdischer Philanthrop und sein Werk (3. Fortsetzung) Zu dem Urteil von Professor Gneist schrieb die Augsburger Abendzeitung in einem Gedenkartikel auf Baron Hirsch am 23. April 1896: „Die Gerechtigkeit erfordert hervorzuheben, dass alle Welt vom Schiedsspruch Gneists überrascht wurde. Man hatte geglaubt, die objektive Prüfung von Seiten eines so hervorragenden Mannes würde ergeben, dass die Türkei in den Verträgen mit Baron Hirsch um viele Hunderte Millionen geschädigt worden sei. Tatsächlich beziffert Gneist den Anspruch der Pforte auf 25 Millionen Pranken, eine Summe, welche angesichts des Gegenstandes, um welchen es sich handelte, keineswegs besonders auffallend war.“ Carl Pürstenberg, der bekannte Berliner Bankier, erzählt ausserdem hierzu: „Dies erinnert mich an eine spätere Periode aus den türkischen Bahnbauten, die das Werk des Barons Hirsch waren. Damals sollte sich ein noch bösartigerer Zwischenfall ereignen, indem die türkische Regierung einen Bruchteil des Bahnbaus verhinderte und sich dann hinter diesem Umstand verschanzte um sich der Garantieleistung zu entziehen.“ Diese grosse Transaktion fand im Jahre 1890 für Hirsch ihren Abschluss, als von einem internationalen Bankkonsortium, an dessen Spitze die Deutsche Bank und der Wiener Bankverein standen, ein Teil der Aktien der 1878 von Hirsch gegründeten ..Betrietosgesellschaft der orientalischen Eisenbahnen — Wien“ und ca. 40 Millionen Fre. betragende Forderungen Hirschs an die „Bstriebsgeeellschaft“, bzw. an die türkische Regierung übernommen wurden. Unabhängig von seinen Investitionen im Eisenbahnbau betrieb Hirsch industrielle Unternehmnugen der verschiedensten Art. Ausserdem hatte er grösseren Landbesitz in Oesterreich-Ungarn und Frankeich erworben. Gewagte Finanzspekulationen, die er mit grossem Geschick und Erfolg durchführte, sein ererbtes und das von seiner Frau eingebrachte Vermögen, machten ihn zum reichsten Juden und einem der reichsten Männer seiner Zeit. Schätzungen seines Vermögens wertes schwankten zwischen 16 und 30 Millionen Pfund Sterling. IV. I te und abgelehnt worden war. Als Revanche für diese Be- , leidigung erwarb er das Klubgebäude und zwang den Klub, das Haus zu räumen. In London, wo er sich jedes Jahr während der Saison aufhielt, gehörte er zum Freundeskreis des Prince of Wales, des späteren Königs Eduard VII., dessen Interesse an Pferderennen er teilte. Baron Hirschs Rennstall in Newmarket war berühmt, und seine Farben hatten oft Erfolg. Allerdings überwies er alle seine Renngewinne als Spenden an die Londoner Krankenhäuser und er betonte gern . „dass seine Pferde für Wohltätigkeit rennen.“ Es handeli te sich dabei um sehr erhebliche Beträge, so kamen im; Jahre 1891 rund 7.000 Pfund und 1892 sogar etwa 35.000 I Pfund ein. Als seine Pferde ein Jahr später weniger erfolgreich waren und nur 7.500 Pfund gewamren, schien ihm dies im Vergleich mit dem Vorjahr zu wenig, und daher verdoppelte er den für die Krankenhäuser bestimmten Betrag, die auf diese Weise insgesamt über 100.000 Pfund von ihm erhielten. Hirsch war auch ein begeisterter Jäger, und der Prince of Wales, der Duke of Devonshire, Lord Curzon, Earl of Grev und andere Mitglieder des englischen Adels kamen oft als .seine Jagdgäste nach Ungarn. Sein Wunsch, völlig zu diesen Kreisen zu gehören, ging so weit, dass er versuchte, Familienbeziehungen zu ihnen herzustellen. Margot Tennent die spätere Frau des englischen Prime Minister Asquith. erzählt in ihren Erinnerungen, dass Baron Hirsch, den sie flüchtig kannte, sie eines Tages zum Essen einlud. Sie konnte zunächst den Grund dieser Einladung nicht recht begreifen, verstand aber bald als Hirsch sie fragte, ob sie bereit wäre seinen Sohn zu heiraten. Die der Ablehnung dieses Antrags folgende Unterhaltung zeigt, wie gern Hirsch es gesehen hätte, wenn Margot Tennent oder eine andere junge Dame ihres Standes eine Verbindung mit seinem Sohn — der kurze Zeit nach dieser Unterhaltung starb — eingegangen wäre. Diese kleine Begebenheit ist charakteristisch für diesen Mann, der in allen geschäftlichen Dingen kalt und klar dachte, dessen Bereitschaft, menschliche und vor allem jüdische Not zu lindern fast unbegrenzt war und der gleichzeitig den etwas lächerlich erscheinenden Ehrgeiz hatte, seinen Sohn in den englischen Adel einheiraten zu sehen. Musik in Buenos Aires BRAHMS-REQUIEM UN¬ TER TEODORO FUCHS Fast schon am Ende dieser an musikalischen Ereignissen so überreichen Saison dirigierte Teodoro Fuchs „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms. Das überkonfessionelle, im Andenken an seine Mutter aus Worten beider Testamente zusammengestellte und komponierte Oratorium des grossen Spätromantikers, welches immer wieder ergreifend wirkt, war von unserem Teodoro Fuchs mit dem Nationalen S.vmphonuieorchester gross angelegt und minutiös einstudiert worden. Die Instrumentalvereinigung hatte ihren guten Abend und entfaltete- Wohlklang und Stimmung. Der Folyphonische Chor aus Concepción (Chile), der vor 31 Jahren ins Leben gerufen wurde und noch immer unter Leitung seines Gründers Arturo Medina steht — durch diesen Amateurchor sind inzwischen mehr als 1000 Stimmen „gegangen“ — zeigte sich der verantwortungsvollen Aufgabe voll gewachsen. Er sang mit Enthusiasmus und ausgezeichneter deutscher Diktion korrekt und tonschön, durch Fuchs zu hohem Flug angespornt, unter dessen wissenden Händen sich auch die in bester Form singenden Solisten Myrtha Gabarini (Sopran) und Angel Matiello (Bariton) zu grossen Ieisbungen emporschw'angen. Cutí B. M. Weissstein Literarische Notizen Konferenz in London In London trafen sich unlängst hundert jüdische Uni. versitätsprofessoren, Dozenten, Erzieher und Schriftsteller zu einer Konferenz unter den Auspizien des Jüdischen Weltkongresses. Thema der Veranstaltung war: “Warum jüdisch bleiben in dieser sich wandelnden Welt?’’ Einführende Re. ferate hielten De. Aaron Steinberg und Professor Ernest Boris Chain. Neue Archive Gegenüber der Knesset werden die Gebäude des Staatsarchivs und der Zionistischen Zentralarchive errichtet. Preisträger für die Entwürfe wurde Architekt Anatoi Brutzkus. Präsident des Pen-Klubs Auf der Tagung des Pen- Klubs, der internationalen Vereinigung der Schrifsteller, wurde der amerikanische Schriftsteller Arthur Miller einstimmig zum Präsidenten gewählt, nachdem die französische Delegation ihren Kandidaten zurückgezogen hatte. Frauen-Organisation Mit dem Ziel eines gemeinsamen Forums zum Austausch von Informationen und zur Behandlung von vitalen Fragen hat sich in England eine Vereinigung der jüdischen Frauen-Orga. nisationen gebildet. Nach zeitgenössischen Schilderungen und Bildern war Baron Hirsch ein gut aussehender schlanker Mann. Er glich seiner äusseren Erscheinung nach eher einem Soldaten als einem grossen Finanzmann. Und obwohl seine wirtschaftliche Bedeutung und seine philanthropischen Leistungen ganz ausserordentlich und ungewöhnlich waren, hatte er doch seine gewissen menschlichen Schwächen. Er strebte danach, ein anerkanntes Mitglied der guten Gesellschaft zu sein, jener oberen Schicht, die den Ton angab. Er war eine bekannte und oft gesehene Figur des feudalen Kreises in Paris, an der Riviera und in fjondon. Sein Londoner Domizil war Bath House, Piccadilly; in Paris gehörte ihm ein Palais an der Rue d’Elysée und das Landgut Beauregard mit seinen berühmten Treibhäusern. In Oesterreich hatte er das alte Schloss Eichhorn bei Brünn und in Ungarn die waldreiche Besitzung St Johann an der March gekauft. All diese Häuser und Besitrungen wurden zu verschiedenen Zeiten des Jahres von ihm bewohnt. Er kümmerte sich um jedes Detail ihrer Bewirtschaftung, wobei er stets ängstlich darauf bedacht war, nicht von Angestellten oder Lieferanten übervorteilt zu werden. Er hatte ein immenses Arbeitsbedürfnis und befand sich in ununterbrochener Bewegung. Sein Arbeitstag dauerte von 5 Uhr morgens bis tief in die Nacht hinein. Bei aller Grosszügigkeit und Pracht, die seine Gastfreundschaft auszeichneten und berühmt machten, war er persönlich von einer an Bedürfnislosigkeit grenzenden Bescheidenheit. Trotz der erreichten intimen Zugehörigkeit zur obersten Schicht der nichtjüdischen Gesellschaft war er stolz auf sein Judentum und überaus rücksichtslos gegen jene, die es wagten, ihn als Juden zu beleidigen. Ein Beispiel dafür ist sein Konflikt mit dem „Cercle de la Rue Royale“ in Paris, bei dem er sich um Mitgliedschaft beworben hat- Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten. Essays. — Nr 55: JOYCE CARY: Spiel ohne Ehre, Roman. Nr 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwürdi ge Rechtsfälle Nr. 57/58/59: GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945. Nr. 60: MARQUIS DE SADE: Die Kastanienblüte und andere Erzählungen. Nr. 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr. 63: ELIA KAZAN: Amerika - Amerika, Roman Nr 64/65- HORS1 LANGE: Schwarze Weide. Nr 66 GEORGES BERNANOS: Bin böser rraum Nr. 67: LEONHARD FRANK: Das Ochsenfurtei Man nerquartett. Es kosten: Einfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80. Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München Sein Sohn Lucien Jacob Moritz, geboren am 11. Juli 1856 in Brüssel und in Belgien naturalisiert, wurde als erster belgischer Juden in den Adelsstand ecrhoben. Von seinem Lebenslauf ist wenig bekannt. Er beendete an der Pariser Universität sein juristisches Studium, übte jedoch keinen Beruf aus. Er hatte literarische und künstlerische Interessen, versuchte sich als Maler, war als Numismatiker bekannt und besass eine grosse Münzensammlung An den Geschäften seines Vaters nahm er nicht teil und ähnelte überhaupt, wie aus des Vaters Schilderung in dem oben erwähnten Gespräch mit der späteren Margot Asquith hervorgeht, diesem in keiner Weise. „Er gleicht mir in keine Weise; er ist sehr achtenswert und verabscheut Geld. Er liebt Bücher, Schriftsammlungen und andere Dinge und ist hoch gebildet... er gibt nichts auf Gesellschaft oder Rennsport oder all solche Sachen, die ich so schätze“, zitiert Margot Asquith. Lucien Hirsch starb am 6. April 1887 in Paris an einer Lungenentzündung. Seine Eltern, die bereits eine Tochter im frühen Kindesalter verloren hatten, waren untröstlich über den Tod des einzigen Sohnes. Beide trugen von nun an nur noch Trauarkleidurg. Moritz von Hirsch zog sich kurz nach dem Ableben seines Sohnes von seinen Geschäften zurück und widmete sich, ebenso wie seine Frau nur noch seinen grossen philanthropischen Werken. Auf ein Beileidsschreiben, das er anlässlich des Todes seines Sohnes erhielt, antwortete er: „Meinen Sohn habe ich Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de la Religión. LEO BAECK: La esencia del Judaismo (Wesen des Judentums) Grandes Epocas é Ideas del Pueblo Jadío L IEJEZKEL KAUFMANN: La Epoca bíblica IL RALPH MARCUS: La Epoca Helenística III. GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV. ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo- Islámica .V. CECIL ROTH: La Epoca Europea VI. SALO W. BARON: La Epoca Moderna Editorial Paidos Buenos Aires verloren, aber nicht meinen Erben, die Menschheit ist mein Erbe.“ V. Neben seinen umfangreichen und so verschiedenartigen geschäftlichen Unternehmungen, die er alle selber lei-; tete, hatte Moritz von Hirsch die Zeit gefunden, grosse! philanthropische Massnahmen zu planen und durchzufiihi ren. Es war wohl zuerst der Einfluss seiner Frau gewesen,! die ihn veranlasst hatte, sich der Bekämpfung von Armut I und Not unter den Juden der Türkei und der Balkari- | Staaten zu widmen, deren elendes Leben er während der i türkischen Eisenbahnbauten beobachtet hatte. Später erregte die niederdrückende Lage der Juden in Galizien und Russland seine Aufmerksamkeit. Der Vater seiner Frau, der belgische Senator Bischoffsheim, war seit 1865 Mitglied des Zentralcomités der Alliance Israélite Universelle und setzte sich für deren ausgedehntes Schulwerk und ihre Berufsausbildungs-Einrichtungen besonders ein. Claj ra Bischoffsheim, Hirschs Gattin, hatte sich vor ihrer Ver-! heiratung als Sekretärin ihres Vaters an diesen Bestrebun-! gen aktiv beteiligt und brachte die väterliche Tradition der! Hilfsbereitschaft und des öffentlichen Wirkens für Juden I gewissermassen mit in die Ehe. In Paris trat auch Hirsch der Alliance Israélite Universelle bei und wurde 1876 in Ihr Zentralcomité gewählt. (Fortsetzung folgt) Bruno Loewenstern Ludwig Stern und Frau und Frau geben die VER*MAEHLUNG ihrer Kinder IRIS und GERALD bekannt Die Trauung findet am 20. November 1965 um 21 Uhr 30 in der Chaim Weizmann Synagoge, Arcos 2319 statt. LUACH — (KALENDER) Freitag, den 12. November 17. Marchescbwan Sonnabend, den 13 November 18. Marcheschwan Parchat VAYERA 1. B. M. XVIII 1 — XXII 24 Haftara II Kör.ige IV 1 — 37 Sonntag, den 14. November 19. Marcheschwan Montag, den 15. November 20. Marcheschwan Dienstag, den 16. November 21. Marcheschwan Mittwoch, den 17. Novexber 22. Marchés chwan Donr.erstag, den 18. November 23. Marcheschwan Freitag, den 19. November 24. Marcheschwan Sonnabend, den 20. November 25. Marcheschwan Parschat CHAYE SARA 1. B. M. XXIII 1 — XXV 18 Haftara I Könige 11- - 31 Neumondankiindigung KISLEW •Sonntag, den 21. November 26. MäTcheschwan Montag, den 22. November 27. Maroheschwan Dienstag, den 23. November 28. Marcheschwau Mittwoch, den 24. November 29. Marcheschwan Donnerstag, den 25. November 1. Kislew Rosch Chodesch Freitag, dein 26. November 2. Kislew Sonnabend, den 27. November 3. Kislew Parschat TOLDOT 1. B. M. XXV 19 — XXVIII 9 Haftara Maleachi I 14 - - n 7 Sonntag, den 28. November 4. Kislew