Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2139 (22.10.1965)
- Date
- 1965-10-22
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes. ZZ de Octubre de 1965 S E M A N 4 ISRAELITA Año XXVI. — NV 2139 —.5 Ein Besuch in Daenemark Die Dichterin Nelly Sachs Es wäre für aas Kennenlernen dieses Landes wichtig, wenn die Menschen, die an der speziellen Geschichte Dänemarks interessiert sind, beim Betreten der Grenze Dänemarks das Buch von Aage Berteisen, Oktober 1943, in die Hand bekommen würden. des sollten vor allem die Juden bekommen, die die Vergasung ihrer Verwandten nicht vergessen können, und die deutschen Touristen, die immer noch in dem Glauben sind, dass man diese Juden nicht retten konnte. Dänemark hat bekanntlich, als die Nazis am 1, Oktober 1943 die Juden aus Dänemark abholen wollten, 93% der Juden Dänemarks nach Schweden in Sicherheit gebracht. Das Buch von Berteisen erzählt diese heroische Rettung in einer sehr nüchternen Weise. Ein persönliches Erlebnis von M. KILAI zeigte mir, dass Dänemark nicht nur seine Juden rettete, sondern auch jüdische Bücher. Es würde zu weit iühden, hier die Bibliotheca Judaica Simorseniana in Kopenhagen, die unter Leitung des jüdischen Gelehrten Dr Edelmann (ca. 1000 Bände) in der königl. Bibliothek verwaltet wird, zu beleuchten. Als ich d e Wohnung eines angesehenen jüdischen Bürgers in Kopenhagen auf suchte, fand ich in seiner Bibliothek ein Buch, das mich nach Lodz vor 30 Jahren zurückversetzte. Der grösste Textilindustrielle in Lodz war Oscar Cohn. Vor 10 Jahren traf ich ihn in Mexico, wohin er unter Hinterlassung seines Riesenvermögens geflüchtet ist. Er bedauerte während des Gespräches in Mexico nicht so sehr seine Fabriken verloren zu haben, als sein Buch “Maadanej Melech” das er in Lodz verfasst und verlegt hat; er hat sein Exemplar mehr; auch im Buchhandel ist es n.cht mehr zu kaufen. Jetzt fand ich in einem Bücherregel Kopenhagens dieses Buch mit einer eigenhändigen Widmung von Oscar Cohn. Die Dänen sprechen wenig über ihre Beziehungen zu den Juden während der Hitlerbesetzung. Viel näufiger sprechen sie über das neue Israel In der Beziehung des dänischen Volkes zu Israel gibt es viele bemerkenswerte Dinge und Erscheinungen, die es in keinem anderen Lande gibt. So gibt es eine Organisation Dakiv, Danske kibbutz- BEHOERDLICHER ANTISEMITISMUS Washington: — Der Gedanke, dass das Judentum mit der Treue zum Staat unvereinbar ist, bildet den Grund, warum die Sowjetunion die jüdische Religion auszurotten bemüht ist, wie aus einem Bericht der nord amerikanischen senatoriellen Subkommission für innere Sicherheit hervorgeht, der von der zuständigen Abteilung dei Kongress-Bibliothek angefertigt worden ist. Der Bericht kommt u. a. zu der Konklusion, dass die feindselige Einstellung des Sowjetregimes zum Judentum sich aus zahlreichen Quellen nährt, deren stärkste die konventionelle Haltung der Kommunisten zur Religion ist. Ferner ist sie der “historischen Tradition des im russischen Leben verwurzelten Antisemitismus” zuziuschreiben, sowie den intellektuellen, wirt schaftlichen und sozialen Gründen des Judenhasses denen sich noch die Version hinzugestellt, dass die Treue zum Judentum mit der Treue zum Staat unvereinbar sei. Baruchs Vermoegen für Studenten Düsseldorf. — Der Hauptteil des Millionenvermögens von Bernard M. Baruch. dem kürzlich verstorbenen amerikanischen Fic: anzmann und Politiker, soll Studenten zugute kommen. Wie in New York bekannt wurde, wird das Geld in Form von Stipendien und Darlehen an Studenten der Baruch-Schule für Wirtschäft und Verwaltung in New York gegeben werden. (AWZ) Eine typische Behauptung in der sowjetischen Presse ist laut diesem Bericht, dass „die Liebe zum Judentum die Liebe zu Mütterchen Russland erstickt“. Immer wieder kanu man auch in den Zeitungen lesen, dass der Jude „Diener des bourgeoisen Nationalismus, des Zionismus und Israels“ sei. Ebenso wild das „Weltjudentum“ und dessen Verbindungen „mit dem kapitalistischen Ausland, Westeuropa, de.i USA und besonders Israel“ gebrandmarkt. Alle diese Faktoren zusammen, so heisst es in dem Bericht, schaffen eine „Atmoshäre der undurchdringlichen Feindseligkeit gegen das Judentum, seine Lehre und seine Institutionen“. So sei das jiddische Theater in der Scwjetuniin dazu missbraucht worden, „jüdisches Brauchtum und jüdische Religion lächerlich zu machen“. Die abgegriffene Behauptung von jüdischen Ritualmorden, bei denen die Juden „das Blut ihrer Opfer trinken“ habe man wieder hervorgeholt und dazu benutzt, um das Judentum zu schmähen und die antisemitischen Gefühle zu beleben. Die direkten Angriffe gegen das jüdische religiöse Leben sind dem Bericht zufolge häufig und andauernd. Das Backen von Mazzot ist verboten, und es fanden „Razzien gegen private Abhaltung von Gottesdiensten und Minjanim“ statt. Des weiteren wird die Schliessung der Synagogen in dem Bericht angeprangert und das Verbot der Verteilung jüdischer Kultgegenstände erwähnt ebenso wie die Tatsache, dass seit den zwanzi- JUAN JULIUSBURG MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 ' \ ' DEIN HOBBY DEINE SPARKASSE larael-Briefmarken Beratung durch: STAMPS CENTER PI Alkftby IN. — TEL AVIV — P.O.B. 4444 sf?; Israels neuer Hafen Jerusaljm. — Die festliche Eröffnung des israelischen Siidhafens von Aschdod in Anwesenheit von 10.000 Personen ist für den 24. November angekündigt worden. An diesem Tage wird das erste mit Zitrusfrüchten beladene Schiff aus dem Hafen nach Europa auslaufen. Während des Winters sollen über 5 Millionen Kisten mit Zitrusfrüchten von Aschdod aus verschifft werden. Der Ausbau des Hafens geschieht in Etappen, deren erste die Kais und Speicher für die Zitrusausfuhr sind. (ITA) ger Jahren kein jüdisches Gebetbuch herausgegeben worden ist. Es wird berichtet, dass das Studium des Hebräischen, selbst zu religiösen Zwecken, als ungesetzlich erklärt wurde, denn „man will den jüdische.! Geist zerstören und sednen Fortbestand verhindern. Deshalb unterliegen die frommen Juden strengeren Beschränkungen in der Ausübung ihres Glaubens als Menschen anderer Religionen in Russland“. Zu dieser Diskrimination gehört aueht das Verbot der Auswanderung aus der Sowjetunion. Dies trifft die russischen Juden am schwersten, da viele von ihnen Verwandte in Israel besitzen, mit denen sie sich zu vereinigen wünschen. Die Emigration wird den Juden verweigert, weil das kommunistische Regime in die Verlegenheit geraten würde, öffentlich anzuerkennen, dass es Menschen gibt, „die fähig sind, das Vaterland des Kommunismus zu verlassen“. Und wenn den Juden die Auswanderung gestattet werde, so würden auch andere Nationalitäten dieses Recht in Anspruch nehmen wollen. Der sowjetische Antisemitismus attackiert die Juden nicht nur direkt wie z. B. mit dem Buch „Judentum ohne Schminke“, sondern er tut dies auch auf Umwegen, indem z. B. die Rolle verschwiegen wird, die Juden im Zweiten Weltkrieg sowohl als Soldaten in der Roten Armee und bei den Partisanen wie als waffenlose Opfer der Nazis gespielt haben. Die antijüdische Propaganda in Sowjetrussland hat es erreicht, den Juden psychologisch und vielleicht auch materiell von der Volksgemeinschaft zu isolieren, stellt der Bericht fest. Das Leben der russischen Juden ist von Furcht, Angst und Argwohn vor der Obrigkeit beherrscht, und zum Beweis hierfür werden Gewaltmassnahmen gegen die Juden und die Prozesse wegen „Wirtschaftsverbrechen“ angeführt. (ITA), N|. venner. die von dem stud, theol . Arne FIEL CHRI¬ STENSEN und e-niger anderer Studenten, die vor 5 Jahren Israel besuchten, begründet worden ist. Sie waren in Israel und haben in den Kibbutzim gearbeitet wobei sie sehr ergebungsvolle Freunde Israels wurden. Die Organisation hat eigentlich nur die Aufgabe Informationen über das Leben im Kibbuz zu erteilen und natürlich auch über das Leben in Israel. Aber sie tut das in einer sehr begrüßenswerten Form, indem die Gründer der Organisation sich als Israelireferenten für andere Organisationen und Gruppen in Dänemark zur Verfügung stellen und bei d eser Gelegenheit auch Filme über Israel ze'gen. In den 5 Jahren seit der Gründung dieser Organisation haben sich 1800 Studenten als Interessenten, die bereit sind, in Siedlu gen zu arbeiten, bei dieser Organisation eingetragen. Durch diesen Andrang hat sich diese Organisation aus Israel einen Sondervertreter de« Kibbuz Kfar Szold, Chanan Tal, kommen lassen, der m:t den Leitern der Dakiv ein Seminar abhielt. Bis jetzt ist es dieser Organisation gelungen, allein in diesem Jahr, vom Januar bis September 800 junge Menschen, meist Studenten, aus Dänemark nach Israel zu schicken. Sie helfen in den Kibbutzim bei 14 Arbeitstagen Aepfel pflücken. Sie bekommen dafür keine Entlohnung, sondern Kost und Logis, ausserdem werden ihnen die' Touren in Israel zur Landbesichtigung kostenlos gegeben. In diesem Jahr haben die dänischen Studenten in ca. 25 Kibbuutzim in Israel gearbeitet. In der Woche meines Aufenthaltes in Kopenhagen fand in zwei Warenhäusern eine Israelwoche statt. In dem beiden grossen Warenhäusern konnte man israelische Textilwaren, Strickwaren und andere israelische Spezialitäten besichtigen und kaufen; am Eingang eines Warenhäuser konnte man zwei riesengrosse Israelfahnen sehen, das Staatswappen, die Menorah am Eingang und als eine der grössten Attraktionen eine israelische Polizistin in blank geputzter Uniform. Es war die Foliz st n Elishewa Pirchi, während indem zweiten Warenhaus die Schönheitskönigin Haifas Lea Vardi die israelische Aufwartung ' machte. Die jüdische Gemeinschaft in Dänemark ist nicht gross. Es sind 6500 Seelen, die in einer Einheitsgemeinde organisiert sind. Eis gibt auch eine orthodoxe Gruppe, die Machsikei Adas, aber auch sie ist in der Eänheitsgemeinde organisiert und ist ein ganz kleiner Teil der 1800 Steuerzahler der Mosaiska der jüdischen Gemeinde in Dänemark. Man ist davon angenehm überrascht, dass in der grossen Synagoge an einem einfachen Samstag einige Hundert Andächtige beim Beten zu finden. Man sieht auffallend viele jüngere Menschen, was der Arbeit des Rabbiners Dr. Marcus Melchior zu geschrieben w'rd. Rabbiner Melchior war der zentrale Redner bei der Eröffnungsfeier des neuen Semesters an der Universität. Die Studentenkorporationen laden als Redner nur die höchsten Persönlichkeiten des Landes ein. Nichtjuden sagen von Dr. Melchior, dass er vielleicht der beste dänische Redner in Dänemark sei. Wer vor ein dutoend Jahren Dänemark besucht hart, der kann heute bei dem Besuch in Koge&toagen die iS-, ÜK über die wir vor kurzem einen ausführlichen Artikel ans der Feder von Paul Walter Jacob veröffe tlichteri, wurde durch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 19S5 ausgezeichnet. genehme Feststellung machen, dass die Einstellung der jüdischen Jugend in Dänemark positiv ist, und sie sich gern in jüdischen Kreisen bewegt. Diese Feststellung in einem Lande wie Dänemark treffen zu können, wo die Juden von nichtjüdischen Kreisen sehr gern gesehen und aufgenommen werden, ist sehr erhebend. Gerade in den letzten Tagen ist ein Jude zum Minister des dänischen Kabinetts ernannt worden. Es war der Finanzminister Grünbaum. Sehr treffend sagte mir ein Freund etwas sarkastisch, wenn ich schon von einem jüdischen Minister unter Druck gesetzt werden soll, dann wäre es mir schon lieber, dass ich unter einem echten jüdischen Minister in Israel leide. Hiergegen sei nichts einzuwenden, erwiderte ich. Dabei ist es im übrigen bemerkenswert, dass im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern eine recht grosse Anzahl von Jugendlichen aus Dänemark nach Israel gekommen ist und dort eine neue Heimat gefunden hat. FRANCOISE GILOT: Leben mit PICASSO Soeben erschienen Verlegt bei KINDLER Neuerscheinungen des Verlages 91 OLAMENU“ in TEL AVIV. POB 3002, ISRAE1 Dr. E. J. GOERL1CH (Wien); RUTH. — Geschichte eines jüdischen Mädchens. Ein Wiener Roman aus der Nazizeit. — Kart. $ 5.—. Prof. Dr. HARRY ZOHN (Waltham): Wiener Juden in der deutschen Literatur. Reich illustriert. Halbleinen $ 3.50. ZEITSCHRIFT FUER DIE GESCHICHTE DER JUDEN Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. Abonnement nur ganzjährig $ 8 50. DBMNABCHST ERSCHEINT: HUGO GOLD: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Das Standardwerk der jüdischen Geschichte Wiens. Hunderte Illustrationen. Ermässigter Subskriptionspreis vor Erscheinen $ 20.—, nach Erscheinen $ 35.— IN VORBEREITUNG: „HISTORY OF THE JEWS IN AUSTRIA“. Ein Jahrbuch in deutscher und englischer Sprache. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD- GEDENKBUCH DER UNTERGEGANGENEN JUDEN- GEMEINDEN DER TSCHECHOSLOWAKEI. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. Er. scheint in zwei Bänden. I. Band Böhmen, Mähren und Schlesien. — II, Band Slowakei und Karpatorus. Alle disee Publikationen erscheinen im Rahmen des im Entstehen begriffenen CHAJES-INSTITUTS