Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2139 (22.10.1965)
- Date
- 1965-10-22
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viernes, 22 de Octubre de 1965 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXVI. — N? 2139 S, ADLER-RUDEL ( J er usai lern ) BARON MORITZ VON HIRSCH Ein grosser jüdischer Philanthrop und sein Werk Der bekannte jüdische Soziologe, S. Adler- Rudel, der durch seine Publikationen und sehe Tätigkeit in verschiedenen Organisationen, vor allem für die frühere Reichsvertretung der Juden in Deutschland und für den Keren Hajessod, bekannt ist, veröffentlichte im Bulletin des Deo Baeck-Instituts, zu dessen hervorragenden Mitarbeitern er zählt, edne längere Studie über den Baron Moritz von Hirsch. Mit Genehmigung des Autors bringen wir diese Abhandlung in Fortsetzu' gen mit unwesentlichen Kürzungen, allerdings unter Fortlassung der wissenschaftlichen Fussnoten, in der Annahme, dass diese Ausführungen unseren Leserkreis besonders interessieren, (d. Red). I. Zwei einander entgegengesetzte Erscheinungen kenn- Beichnen die Lage des europäischen Judentums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die mit der französischen Revolution einsetzende Emanzipation wird trotz Vieler Rückschläge und Schwierigkeiten im Westen doch so weit durchgeführt, dass die Juden allmählich in fast allen Ländern von den Fesseln der Vergangenheit befreit Sind Die noch verbliebenen Einschränkungen gewisser Rechte und der besonders in Deutschland ansteigende gesellschaftliche Antisemitismus hinderten die Judeu nicht, an dem allgemeinen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellem Fortschritt teilzunehmen, der dieser Zeit sein besonderes Gepräge gab. Die durch die Judengesetze des Mittelalters so lange gehemmten Begabungen und Kräfte Wurden für den Kampf um individuellen, sozialen und Wirtschaftlichen Aufstieg frei. Sie gelangten in überraschend kurzer Zeit zu Wohlstand und Ansehen, eroberten politische und gesellschaftliche Positionen und wurden ein einflussreicher Faktor des aufstrebenden Bürgertums. Ihr allgemeines Interesse am Gesamtschicksal des jüdischen Volkes, vor allem seiner armen und unterdrückten Schichten in Osteuropa und dem Balkan, findet in der Schaffung grosser Hilfsorganisationen für die armen „Glaubensbrüder“ dieser Länder seinen Ausdruck. So entstanden 1860 in Paris die „Alliance Israélite Universelle“ mit ihren lokalen Arbeitsgruppen in Deutschland und anderen Ländern, 1871 die „Anglo-Jewish Association“ in London, 1872 die „Israelitische Allianz“ in Wien und 1901 der „Hilfsverein der deutschen Juden“ in Berlin. In den Ländern des Ostens lebten um das Jahr 1880 in Russland (2.553.000). in Rumänien (400.000), in Galizien *575.0000) und in der Bukowina (48.000) insgesamt etwa 3.576.000 Juden, d. h. die überwiegende Mehrheit des jüdischen Volkes, fast ausnahmslos in schwerer Armut und Not Zusammengepfercht in den russischen Ansiedluungsrayons und dem zu Russland gehörenden Teil Polens waren sie in jeder Hinsicht Opfer der Willkür und Brutalität einer korrupten Bürokratie. Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr. 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten. Essays. — Nr 55: JOYCE CARY: spiel ohne Ehre, Roman. Nr. 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwurdi ge Rechtsfälle Nr. 57/58/59: GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Eiuropas 1939—1945. Nr. 60: MARQUIS DE SADE: Die Kastanienblüte und andere Erzählungen. Nr. 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr. 63: ELIA KAZAN: Amerika — Amerika, Roman Nr 64/65- HORST LANGE: Schwarze Weide. Nr 66 GEORGES BERNANOS: Ein böser rraum Nr. 67: LEONHARD FRANK: Das Ochsenfurter Man nerquartett. Es kosten: Elßfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80; Dreifachband DM 4,80. B eetolluncfan durch alio Buchhandlungen KñkDer Veriag &n.k.Hv München Der ungebildete und abergläubische Klerus, der jede Aufklärung der bäuerlichen Bevölkerung verhinderte und diese selbst in schlimmster Weise ausbeutete, benützte andererseits die Juden als Sündenbock, verbreitete immer Wieder Ritualmordmärchec. und versuchte auf diese Weise, die Juden mit aller Verantwortung für die Not und das Unglück der Bauernschaft zu belasten. Die Aufklärung, die Europa eroberte, machte vor den Toren Russlands halt. Leichte Reformbestrebungen, die während der Regierung Alexanders II. (1855—1881) in Angriff genommen wurden, verliefen ergebnislos und führten unter seinem Nachfolger Alexander III. (1881—1894) zu einer noch schwärzeren Reaktion. Wieder wurden die Juden die ersten Opfer. Die hungernde, geknechtete und auf gehetzte Bauernschaft liess sich im gesamten Gebiet der Ansiedlungsrayons zu einer Welle von Pogromen anstacheln. Zahllose Juden wurden getötet oder verwundet jüdische Wohnungen zerstört jüdisches Vermögen — so gering es auch war — von den wild gewordenen Bauern geraubt. Die Regierung des Zaren sah diesem Geschehen zunäc'nst untätig zu. Wo sie endlich, zu spät, einschritt, richteten sich ihre Massnahmec. nicht gegen die Verbrecher und deren Hintermänner, sondern gegen die Opfer, die Juden. Der Minister des Innern, Ignatiev, erliess am 3. Mai 1882 eine Anzahl ceuer Gesetze, die die Bewegungsfreiheit der Juden noch mehr einschränkten, ihre wirtschaftliche Betätigung behinderten und ihnen das Leben unerträglich machte. Aus dieser Not gab es für die Juden keinen anderen Ausweg als Auswanderung, die schnell zur Massenflueht und zum Beginn des neuzeitlichen Exodus der Juden aus Europa wurde; sie bescnleunigte das Entstehen der grossen jüdischen Gemeinscnaft in Amerika. Auf allen Wegen drängen die Juden aus der Hölle Russlands überschreiten die westlichen Grenzen, sammeln sich in Galizien in der österreichischen Grenzstadt Brody und gelangen schliesslich nach Deutschland. Mit ihrer Armut ihrer Not und ihrer Heimatlosigkeit bringen sie die akute Judenfnage nach Westeuropa und erzwingen die Aufmerksamkeit der westlichen Welt, insbesondere aber die der ’.eichen und kultivierten Juden der europäischen Hauptstädte. Die humanitär empfindenden Bürger des Westens reagieren zunächst mit Protestversammlungen, wie die vom Lord Mayor Londons am 1. Februar 1882 einberufene Versammlung im Mai:sion House. der Schaffung gemeinsamer Hilfscomités von Juden und Nichtjuden. Gelder werden gesammelt und durch Delegierte der Comités an den Orlen, wo sich die Flüchtlinge konzentriert hatten, verteilt. Aber all diese Bemühungen stellen nicht mehr als einen Tropfen auf den heissen Stein dar. Die Zahl der Flüchi- ■ing*' und das Ergebnis der Hilfsbereitschaft sbethen in keinem Verhältnis zu der Not der darbenden russischen Juden. Für die westlich-- Judenheit. deren Ansehen und Reühtum in dieser Zeit besonders schnell zu na tun, wird die Not der Juden des Ostens zu einer Herausforderung und Mahnung. Die internationalen jüdischen Organisationen beraten zusammen und bemühen sich, durch politische Intervention die Not zu lindern. Einzelne weitsichtige jüdische Philanthropen versuchen jedoch, das Uebel an der Wurzel zu packen, die wirklichen Gründe der östlichen Judennot zu verstehen und Mittel zu ihrer Beseitigung zu finden. Sie stos-sen dabei auf den Beginn von Bewegungen, die im russischen Judentum wach geworden waren, auf die Beteiligung von Juden an dem allgemeinen Kampf um politische Freiheit, auf den immer stärker werdenden Auswanderungswillen und die Bereitschaft zu landwirtschaftlicher Kolonisation. Die Mehrheit der mit modernen Ideen erfüllten jüdischen Jugend drängt nach der neuen Welt, nach Amerika; kleinere Gruppen bemühen sich, den Weg nach Erez Israel zu finden, andere erwarten ihre Rettung von der Bearbeitung der weiten Flächen der argentinischen Pampa. Die Lage der in Rumäriien lebenden Juden war fast noch schlechter als die der Juden des benachbarten Russlands. Das Land wurde von einer kleinen Zahl reinner Landbesitzer und einer durch und durch korrupten Beamtenschaft beherrscht. Die Ausnahmegesetze gegen die Juden Rumäniens waren zum Teil noch härter als diejenigen in Russland. Die Juden lebten zum grössten Teil als „Fremde“ ohne jede staatsbürgerlichen Rechte. Da die Selbständigkeit Rumäniens weitgehend von den europäischen Grossmächten abhängig war, versuchten die grossen jüdischen Hilfsorganisationen, die Gleichberechtigung der rumänischen Juden durch Intervention der westlicnen Grossmächte zu erreichen. Der unter Bismarcks Vorsitz im Jahre 1878 tagende Berliner Kongress fasste tatsächlich in diesem Sinne zwei Beschlüsse, die von der rumänischen Regierung jedoch r.ie eingehalten wurden. Daher Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de la Religión. LEO BAECK: La esencia del Judaismo (Wes©n des Judentums) Grandes Epocas é Ideas del Pueblo Judío I. IEJEZKEL KAUFMANN: La Epoca bíblica II. RALPH MARCUS: La Epoca Helenística III. GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV. ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo- Islámica .V. CECIL ROTH: La Epoca Europea VI. SALO W. BARON: La Epoca Moderna Editorial Paidos Buenos Aires HERZL-MEDAILLE FUER TRUMAN New York. — Der einstige Präsident Harry Truman akzeptierte die Einladung der Zionistischen Organisation Nordamerikas (ZOA), um die Herzl-Medaille in Empfang zu nehmen. Diese Auszeichnung verleiht die ZOA an Persönlichkeiten, die sich um die Schaffung des jüdischen Staates verdient gemacht haben. Jacques Torczyner, Präsident der Organisation, erklärte, die Verleihung der Herzl-Medaille werde im Verlauf eines Festbanketts statt finoen, das die ZOA am 28. November veranstalten wird. Verschiedene Mitglieder des Diplomatischen Korps sowie bedeutende Persönlichkeiten Amerikas werden der Uebergabe der Herzl-Medaille an Harry Truman beiwohnen. blieb auch ihnen gleich den russischen Juden kein anderer Ausweg als Flucht und Massenauswanderung II. Aus der geringen Zahl jüdischer Philanthropen in Westeuropa, die gewillt und entschlossen waren, der öst- 'ichen Judennot nicht nur mit Almosen, sondern mit wirklich konstruktiven Plänen und grossen Geldmitteln zu begegnen, ragt besonders hervor die Figur von Moritz Freiherr von Hirsch auf Gereuth, oder Moritz Baron Hirsch, wie er allgemein genannt wurde. Er entstammte einer der grossen jüdischen Familien Bayerns, die durch ihre Beziehungen zu den regier» den Kreisen des Landes Ansehen und Reichtum erlangt hatten. Sein Grossvater, der spätere Hofbankier Jacob von Hi rech, wird zum ersten Mal als ,Jud Jacob Hirsch von Gaukönighofen“ io den Urkunden genannt. Am 13. Juli 1803 erwirbt er mit dem Höchstangebot von 15.620 fl in Würzburg den „Ebracher Hof“, nachdem bei zwei früheren Versteigerungsterminen nicht mehr als 8.400 fl. geboten wurden. Er handelte dabei als Stellvertreter seines Vaters, des Schutzjuden lyiosös (Moyses) Hirsch aus Könighofeo bei Ochsenfurt (auch Gaukönigshofen genannt). Die Quellen berichten nicht, auf welche Weise Moses Hirsch ein Vermögen erworben hatte, das ihm ermöglichte, ein so ansehnlihes Kapital für den Erwerb eines Hauses auszugeben. Jedenfalls bekundete er auch weiterhin «■starkes Interesse an Ankäufen von Häusern und Landgütern überhaupt Immobilien, die er seinen Sohn im Laufe der Jahre in grosser Zahl für ihn tätigen liass. Jacob Hirsch, geboren am 22. September 1765 in dem Gaukönigshofen genannten Köc.igshofen bei Ochsenfurt, ersteigerte den „Ebracher Hof“, obwohl es in der im „Würzburger Intelligenzblatt“ Nr. 38 vom 27. Mai 1803 veröffentlichten Anzeige ausdrücklich hiess, dass nur Angehörige der christlichen Religion als Käufer in Betracht kämen. Aus der für Juden bestehenden gesetzlichen Beschränkung, eigene Häuser in Würzburg zur Niederlassung zu erwerben, ergaben sich Schwierigkeiten bei der Besitznahme des Hauses. Da die kurfürstliche Landesdirektion offe.bar jedoch ein besonderes fiskalisches Interesse an dem hohen Kaufpreis hatte, wurden diese Schwierigkeiten nach längeren Verhandlungen überwunden, so dass er am 18. Oktober 1803 die erforderliche kurfürstliche Ratifikation des Kaufs erhielt. Die Familie konnte den Ebracher Hof beziehen und ihre weit ausgedehnten Geschäfte von der verkehrsmässig besser gelegenen Stadt Würzburg aus betreiben. Am 30. Januar 1806 wurde Jacob Hirsch von dem königlichen General-Landkommissariat in Franken das sehr wichtige Recht der Freizügigkeit erteilt. Das Dokument besagt: „Seine kör.igl. Majestät wollen dem Handelsmanne Jacob Hirsch in Erwägung seiner stets bezeugten Treue und Anhänglichkeit an allerhöchst deroselben Person und Regierung die nachgesuchte Erlaubnis, in einer anderen Stadt innerhalb dem Bezirk der kgl. Staaten überziehen und sich daselbst niederlassen zu dürfen, vorderhand im allgemeinen erteilen, bis er nach bestimmter Wahl näher den Ort angeben wird, wohin er zu ziehen wünschen möchte Die^e durch allerhöchstes Reskript vom 22. d. M. ausgeorückte landesherrliche Entschliessung wird dem Supplikanten andurch eröffnet, um sich hienach weiter bemessen zu können. Würzburg, den 30. Januar 1806.“ (Fortsetzung folgt) n " n MARGA NORDHAEUSER JULIO ALBERTO ALLAMI VERLOBTE Congreso 2799 Paso 339 Empfang: Sonntag, den 31. Oktober von 16—20 Uhr, Congreso 2799 LUACH - (KALENDER) Freitag, den 22. Oktober Sonnabend, den 23. Oktober 26. Tiscinri 27. Ttechri Parschat B’RESCHIT 1. B. M. II — VI 8 Haftara Yeschayahu XLII 5—21 Neumondankündigung Marcheschvan Sonntag, den 24. Oktober 28. Tischri Montag, den 25. Oktober 29. Tischri Dienstag, den 26. Oktober 30. Tischri Mittwoch, den 27. Oktober 1. Marcheschwan 1. Tag Rosch Chodesch Donnerstag, den 28. Oktober 2. Marcheschwan 2. Tag Rosch Chodesch Freitag, den 29. Oktober 3. Marcheschwan Sounabend, den 30. Oktober 4, Marcheschwan Parschat NOACH 1. B. M. VI 9 — XI 32 Haftara UV 1 — LV 5 Sonntag, den 31. Oktober Montag, den 1. November Dienstag, den 2. November Mittwoch, den 3. November 5. Mardheschwari 6. Marcheschwaf . für öas »IS**®1? die Me“1**« wenn “*„¡¡01 Ge der interet der S® ®jfd*s B” I»nem 0*to1 ind’Vt »!!ten „ den. n. Mkommen »■Jflw Yer Ver^sU Lesen kon< nicht Touri¡ die den®* D dem könnt mdí 5t be»1®* mar* “omy0tí> d*Naf‘&ne die JudenlS 93^ rrs-s Washington: danke, dass das mit der Treue , unvereinbar ist, Grund, warum c union die Jödttd auszurotten beim aus einem Berich amerikanischen s Subkommission Sicherheit hervc von der zuständ jung der Kong thek angeferti! ist. Der Bericht k au der Konklusii feindselige Einsi Sowjetregimes s tum sich aus Quellen nährt, c ste die konvent tung der Komr Befgion ist. F< der “historische des im russisi venrarzeJten mtis” zuauschre den infellektue schaftlichen un Gründen des J denen sich noch hinzugestellt, das zum Judentum m zum Staat unvei Baruchs Vernu für Studenten teil de kürzlic Politik gute i York I das G pendie; le fü; ttaltui ben V 73-1(48 dein n deine s Ben flat