Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2139 (22.10.1965)
- Date
- 1965-10-22
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 22 de Octubre de 1965 SEMANA ISRAELITA Año XXVI. — N? 2139 — 3 Zur Kritik am Auschwitz-Urteil Die Pariser Zeitung „L-e Monde“ meinte, das Urteil im Auschwitz-Prozess sei eine Bagatelle für ein Massaker; ein Meer von Blut sei im Land versickert. Das Missverhältnis zwischen dem Verbrechen und dem, was man als Sühne bezeichne, sei ungeheuerlich. Die „Prawda“ warf dem Gericht vor, es habe „die faschistischen Verbrecher in Schutz genommen“. Der Sprecher des DDR - Aussenministeriums nannte das Urteil „skandalös milde und eine Beleidigung und Herausforderung der gesamten friedliebenden ur.d demokratischen Weltöffentlichkeit“. Die ostdeutsche Nachrichten - Agentur ADN sprach von „Verhöhnung alter Opfer des Faschismus“ und „geradezu einem Aufruf zu neuen Verbrechen“. Das polnische Parteiorgan „Trybuna Ludu“ tadelte, dass der schreckliche Ruf dieses grössten Todeslagers das Frankfurter Gericht nicht dazu gebracht habe, den Prozess als ein Verfahren gegen Auschwitz, gegen die Institution selbst als die Quelle des Faschismus zu behandeln. Diese Kritik halte ich, der ich den Prozess von Anfang bis Erde als Anwalt von 15 Nebenklägern aus 13 verschiedenen Ländern beigewohnt habe, für leichfertig, falsch und ungerecht. Es war die Aufgabe des Gerichts, nicht wegen eines dem deutschen Recht unbekannten Organisation - Verbrex chens, sondern aufgrund des Mordparagraphen des geltenden deutschen Strafgesetzbuches und nach den Verfahrensvorschriften der deutschen Strafprozessordnung individuell der ihnen zur Last gelegten Einzeltaten zu überführen. Hieran hat sich das Gericht gehalten und musste es sich halten, wenn es nicht die Aufhebung des Urteils in der Revisions- Instanz vor dem Bundesgerichtshof riskieren wollte. Man muss auch auf das Urvon Rechtsanwalt HENRY ORMOND teil als Ganzes sehen: Nur 3 von 20 Angeklagten wurden freigesprcchen. von den 17 Verurteilten haben 6 wegen Mordes lebenslanges Zuchthaus und 7 wegen Beihilfe zum Morde Strafen von 5 und mehr Jahren Zuchthaus erhalten. Nur bei 4 liegen die Grabsteine umgeworfen Torc'.to. — Zwei 16jährige Jugendliche, von denen der eine schon vorbestraft war, wurden vom hiesigen Jugendgericht zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie am Vorabend von Rosch Haschana auf ekeai jüdischen Friedhof 103 Grabsteine umgeworfen hatten. Die beiden Burschen werden sich weiter noch wegen Raub, Diebstahl von Autos, bewaffneten Ueberfall und ähnliche Anklagen zu verantworten haben. — (ITA) Strafen nahe der gesetzlichen Mindestgrenze von 3 Jahren. Gewiss hätte man bei Dr. Capesius, dem das Gericht bescheinigte, das „er sich in solch unvorstellbarem Masse an Wertgegenständen ermordeter Häftlinge bereicherte, dass es selbst in Auschwitz aufgefallen ist", wegen des dadurch bewiesenen Eigeninteresses und wegen der eifervollen Initiative, mit der er Familien seiner ehemaligen Bekannten und Aerzte-Kunden ins Gas schickte, die Bejahung des Täterwillens und damit lebenslanges Zuchthaus erwartet. Auch die Mitglieder der Politischen Abteilung Dylewski und Broad scheinen mir zu gut weggekommen zu sein. Aber derartige Divergenzen in der Auffassung des Gerichts und der Anklage sind bei einem Verfahren sol- ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUS. GABEN ZUM OFFIZIELLEN KURS AGENCIA FILATELICA OFICIAL DEL ESTADO DE ISRAEL VIAMONTE 550, L B — Bs. Aires, Rep. Argentina ALFREDO STERN MALERARBEITEN UNVERBINDLICHE KOSTKNVORANSCHLAEGE FUER JEDE ARBEIT VORHER 24 JAHRE V. 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Wesentlich ist doch, dass gagenüber den von der Verteidigung gefordertem 18 Freisprüchen bzw. Einstellung des Verfahrens nur 3 Freisprüche erfolgt sind. Wesentlich ist weiter dass das Gericht in den 17 Fällen der Verurteilung ausnahmslos die von der Verteidigung vorgebrachten rechtlichen Einwendungen (mangelndes Bewusstsein der Rechtswidrigkeit, Suspendierung des Tötungsparagraphen des Strafgesetzbuches, Befehls otstand. Nötigungsstand, Berufung auf Paragraph 47 Militär-Strafgesetzbuch, Verjährung, Verbrauch der Strafklage) vorwarf. Wichtig ist schliesslich, dass das Gericht es abgelehnt hat, der Verteidigung insoweit zu folgen, als sie pauschal die Aussagen der Belastungszeugen als unglaubwürdig ab tun wollte. Ein Verteidiger, der von einer betört nationalen Münchener Wochenzeitung hochgelobt wurde und als Sprachrohr der hinter ihr stehenden rechtsradikalen Kreise gelten kann, ging sogar so weit, zu behaupten, die ausländischen Zeugen seien Zeugen 2. Klasse, es liege ein Komplott der polnischen, aper auch der tschechischen und rumänischen Zeugen gegen die Angeklagten vor urd es sei hier bestellte Arbeit geleistet worden. Besonders gegen die polnischen Zeugen wurden von ihm kränkende und beleidigende Vorwürfe erhoben. Gegen den Hauptbevollmächtigten der polnischen Regierung, Professor Sehn, der die Arbeit von Staatsanwaltschaft und Gericht in jeder Weise erleichterte und dessen unermüdlichen Bemühungen die rasche u'd sachgemässe Abwicklung des Augenscheins und der Zeugenvemehmungstermine in Polen zu danken ist, wurden ehrverletzende Verdächtigungen von dem erwähnten Verteidiger erhoben. Das Gericht sah sich veranlasst, in der Urteilsbegründung diese Vorwürfe, die an Infamie kaum zu überbieten waren, betont ANZUEGE VON SCHNITT UND SCHLIFF aussen und innen das Beste (Stabiloform M. B.) wie sie der Verbraucher wünscht mit langjaehriger Garantie ★ Das ist „Di* Bewaehrte CARLT0N Kleidung“ Feinste Massarbeit Pertigkleidung d»e ganze Linie ERNST KOPPEL Maipú 982, TE 317845 50 Meter von Plaza San Mar tin, mit vielen Verbindungs- und Parkmögiichkeiten. zurückzuweisen. Man muss all das berücksichtigen, um das Urteil zu verstehen und es zu würdigen. Noch ein Wort muss zu der Erklärung des stellvertretenden Bundespressechsfs Krüger vor der Bonner Presse gesagt werden: Es ist zwar richtig, dass die Ostblockstaaten, vor allem die Sowjetunion Dokumente bisher nicht oiler nur in Bruchstücken zur Verfügung gestellt haben, Richtig mit einer wichtigen Ausnahme, und diese Ausnahme hätte schon aus Gründen der Fairness der Sprecher der Bundesregierung erwähnen müssen: Polen. Polen hat von Anfang an, als die ersten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft einsetzten, seine Bereitschaft erklärt, seine Archive nach Beweismaterial zu durchforschen. Zu einer Zeit, als das noch durchaus uniiblich war, konnten die Staatsa. wälte und der Untersuchungsrichter nach Polen fahren, sich den Tatort und das Auschwitz-Museum anseben und das Archiv in Auschwitz benutzen. Sie erhielten jede nur gewünschte Hilfe. Umgekehrt reisten die polnischen Herren mit den unersetzlichen Originaldokumenten nach Deutschland und ermöglichten hier die Herstellung beglaubigter Fotokopien. Ohne die jahrelange polnische Hilfe hätte der Prozess kaum geführt werden können. Ohne die polnische Hilfe während des Prozesses wäre die Ueberführung von 17 Angeklagten unmöglich gewesen. Da der Sprecher der Bundesregierung es nicht getan hat, halte ich mich als Vertreter der Nebenklage um der Gerechtigkeit willen für verpflichtet, dies hiermit nachzuholen. Zugleich soll an dieser Stelle dem Vorsitzenden, Senatspräsident Hofmeyer, einem Richter von Format, die absolute Beherrschung des ungeheuren Stoffs, die Kunst der Menschenführung, die sich mühelos gegenüber Angeklagten urd Anwälten durchsetzte und die Zeugen richtig zu behandeln wusste, und die menschliche Weisheit, die im Urteil und seiner Begründung zum Ausdruck LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, 1? izq. - T.E. 83-2613 22. Oktober 1965 26. T¿sehri 5726 Auswanderer aus Kuba Nach einer Mitteilung der jüdischen Gemeinde in Havanna gab es dort zu Pessach 1965 noch 2.383 Juden. Früher waren es über 10.000 Eine jüdische Volkszählung fand nicht statt. Die Zahlen wurden bei der Vertei lung von ivlazzot festgestellt, die aus Kanada geschickt worden waren. Da in Kuba Lebensmittelmangel herrscht, nimmt man an. dass sich alle religiösen und nichtreligiösen Juden um Mazzoipakete beworben haben. Schon das dritte Mal fand mit dieser Methode die zah_ lenmässire Erfassung der Juden statt. Aus dem Vergleich ergibt sich, dass die Zahl der Juden von Jahr zu Jahr abnimmt, und zwar um etwa 400. Die Auswanderung geht in der Hauptsache in die Vereinigten Staaten, dann ater auch nach Israel und in einige andere Länder. Erste Station ist Mexiko, wo sich ein Büro befindet, das für die Weiterreise in die Vereinigten Staaten sorgt. Die Formalitäten dauern allerdings einige Mo nate. Die Auswanderer erzählen, dass fast alle Juden Kuoa verlassen möchten. Die Beschaffung der Dokument« koste 500 bis 1500 Dollar Wer keine vermöglichen Verwandten hat, die diese Summe bezahlen, kann nicht ausreisen. et muss auch Verwandte haben, welche einen kam, kr. Namen der Opfer gedankt werden. Die Ueberlebenden der Hölle von Auschwitz schätzen das um so mehr, als sie im Falle des Prozesses — und hohnsprechenden Urteils — gegen die Eichmann-Mitarbeiter Krumey und Hunsche, die im gleichen Saal stattfand, gesehen haben, zu welch erschütterndem Ergebnis das Fehlen solcher Eigenschaften beim Vorsitzenden eines Schwurgerichts führen kann. Einwanderer aufnehmen können, bis er sich selbst erhalten kann. Seit der ersten jüdischen Einwanderung hatten sich die Juden Kubas wirtschaftlich emporgearbeitet. Von ihrem Vermögen ist kaum etwas übriggeblieben Unternehmungen und Betriebe wurden nationalisiert. Die noch in Kuba wohnenden Juden sind in ihrem Familienziisamrnenhalt stark tangiert: Die junge Generation ist schon lange weg, gebl leben sind Männer und Frauen von über 60 Jahren und 150 Kinder von 10 bis 20 Jahren. Etwa 200 Juden sind in Regierur gsunternehm un gen beschäftigt. Eine grössere Zahl erhält für die Konfiskation ihrer Betriebe monatliche Kompensationen, die aber sehr gering sind Die Rationen sind klein und die Preise auf dem schwarzen Markt sehr hoch Die Juden Kubas warten, nacn den Berichten der Auswanderer, auf ein Wunder das ihren ein Visum und dann den weiteren Unterhalt bringen soll. M0EBELHAUS WATERMANN Das Hans der 3 Geschäi te mit der grössten Auswahl. SARMENTO 1147 T. E 35 <033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahiungserleichterunsren Zuvorkommende faeb männisebe Bedienung ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Cr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHÄEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUER0STUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T.E.: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaítssachen - Vertraege - Verwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T.E.80 - 693C PUEYRREDON 2190 esq. Av. LAS HER AS