Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2135 (24.9.1965)
- Date
- 1965-09-24
- Page
- [Seite 19] (sequence 19)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Vienne«, 24 4e Septembre de 1965 jüdische WOCHENSCHAU Ano XXVI. — N» 2133 — 19 Theodor Herzl Jtgo. del Eslero 454, IX, of. 36 * * * I. E. 38-5816 Theodor Herzl in ¿er „Concordia“ Der Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia“ wurde im Jahre 1859 in Wien gegründet. Die ersten Mitglieder — die Dichter und Schriftsteller L. A. Frankl, O. B. Friedmann, E. Mautner, F. Schuselka — hatten es verstanden, diese Vereinigung so auszubauen, dass sie mit der Zeit die Entwicklung des literarischen Wiens beeinflusst hatte. Die geistige Elite und die Mächtigen der Presse waren in der „Concordia“ organisiert, und sie hatte einen Spruch aus Sallust zu ihrem Leitmotiv gewählt: „Concordia res parvae crescunt, discordia. maximae dilabuntur“. (Durch Eintracht wächst das Kleine, durch Zwietracht zerfällt das Grosse). Der verhältnismässig junge Herzl hatte sich schon durch seine Feuilletons und durch die Aufführungen seiner Theaterstücke in der wiener literarischen Gesellschaft bemerkbar gemacht, und am 26. Februar 1888 reichte er ein Gesuch ein, um in der „Concordia“ aufgenommen zu werden: „Seit zehn Jahren bin ich in Wien als Schriftsteller tätig. Fast in allen Wiener Blättern sind während dieser Zeit Feuilletons von mir erschienen. Gegenwärtig bin ich ständiger Mitarbeiter des „Berliner Tagblattes" („Rund um die Woche'*) (l> und des „Neuen Pester Journals“. Im Buchhandel erschienen etwa vor Jahresfrist eine Sammlung meiner Feuilletons (2). Eine zweite kommt demnächst heraus (3). — Zwei meiner Theaterstücke (4) wurden auf gef ühr t... “ (1. Die Beiträge Herzls im „Berliner Tagblatt“, gewöhnlich in fast jeder Montagsausgabe, waren mit der Ueberschrift „Reise um die Welt** versehen. — 2. „Neues von der Venus“ (1887). 3. „Dös Buch der Narrheit“ 1886 — 4. „Seine Hoheit“ (1885) und „Tabarin“ (1884). Dieses Gesuch ist für die Herzlforschung deshalb von Bedeutung, weil es beweist, dass der junge Student Herzl mit der Uebersiedlung von Budapest nach Wien (1878 bald in „fast in allen Wiener Blättern“ Artikel veröffentlicht hatte. Die Leitung der „Concordia‘‘ behandelte das Gesuch von Theodor Herzl, und er wurde am 9. Mai 1888 im Verband aufgenommen. Er erhielt eine Legitimation, die die Nummer 534 hatte. In der „Concordia“ sah Herzl alte Bekannte und gewann neue Freunde. Viele von diesen waren ihm später auf seinem Weg als Schriftsteller, Dramatiker und Politiker nützlich. Er pflegte oft zur „Concordia“ zu gehen, und hier kam er mit seinem treuen Freund Oswald Boxer zusammen, der einige Jahre hierauf in Rio de Janeiro, wo er für die Ansiedlung russischer Juden in Brasilien tätig war, starb; mit Prof. Leon Kellner, dem späteren Verfasser des Buches „Theodor Herzls Lehrjahre“, mit seinem ehemaligen Couleurbruder Hermann Bahr, mit Dr. Josef Blech, dem Herausgeber der jüdischen „Oesterreichischen Wochenschrift“, der sich zuerst loyal und dann ablehvon JOSEF FRAENKEL nend dem Zionismus gegenüber verhalten hatte, mit Theaterkritiker Ludwig Speidel, der Herzls Dramen oft gelobt hatte, und mit den Direktoren des Burgtheaters, Dr. Paul Schlenther und Freiherr von Berger, die einige seiner Stück aufgeführt hatten. Hier traf er auch die „mächtigen“ Herren und seine späteren Vorgesetzten der „Neuen Freien Presse“, Moritz Benedikt un<j Eduard Bacher, wie auch Karl Emil Franzos, Theodor Hertzka, E. Schiff, Wengraf. usw. „Concordia“ pflegte alljährlich einen Ball zu veranstalten, und Herzl wurde einige Male (1890, 1898, 1899) ins Ballcomite gewählt. Dieses Ballcomite gab sogenannte „Damenspenden“ heraus. Gewöhnlich waren es kleine Bücher, wo Sprüche, Aphorismen, Karikaturen und Fragen ohne Antworten aufgenommen wurden. Jede Dame erhielt auf dem Ball eine „Damenspende“. Auch Herzl steuerte öfters der „Damenspende“ einen Satz bei: „Das Pflichtgefühl ist eines der raffiniertesten Genüsse, die sich der Mensch ersonnen hat.“ (1894) „Wer sich nicht auslachen lässt, der bringt es zu nichts“ (1902). D.n Jahre 1890 beschäftigte sich die „Damenspende“ unter dem Titel „Fragen ohne Antworten“ auch mit dem Lustspiel „Die Wilddiebe“: „Wie heisst der Verfasser der Wilddiebe“? (Dieses Stück hatte Herzl gemeinsam mit Hugo Wittman unter einem Pseudonym veröffentlicht). Die „Damenspende“ aus dem Jahre 1897 brachte Karikaturen von Theo Zasche und Verse von Julius Bauer, darunter eine über Herzl. Zasche stellte Herzl dar, wie er vor den Ruinen des Heiligen Tempels auf einem Säulenstück, wo das Wort Eltern! Für Eure Kinder wird am JOM KIPPUR eine besondere Ansprache in SPANISCHER SPRACHE gehalten werden. Es spricht Samuel Chomski um 15 Uhr 45 (vor Mincha) „Jerusalem“ eingraviert, sitzt, nachdenkt und weint. Die Karrikatur sollte an die Schilderung „An den Wassern Babels sassen wir und weinten...“ erinnern. Hierzu schrieb' Julius Bauer, der geistreiche Humorist, welcher „pflegt zu sticheln und hecheln... dass sie unter Tränen lächeln...“ folgende Verse: „Literarische Verträge! — Anfangs werden wir zahlen, später bekommen, weil wir ein Volk von Denkern und Künstlern sein werden...“ Die „Concordia“ pflegte Leseabende zu veranstalten, und „einen ausserordentlichen Genuss“ bereitete es den Mitgliedern des Verbandes, als Herzl am 2. März 1902 sein soziales Drama ,■^Solen in Lydien“ vorlas. Dieses Stück behandelte einen un¬ „Von Sudermann hat er den Bart, Die Ironie von Heine, Doch sein Talent von starker Art Gehört ihm ganz alleine. Er sieht ein Ziel, ein Ziel so weit, Im Träumen, wie im Wachen: Br denkt daran, in dieser Zeit Mit Juden Staat zu machen!“ Auch Max Nordau schrieb für eine „Damenspende“ (1902), die den wiener Frauen gewidmet war, folgende Verse: „An die holde Wienerin! Zu singen war man stets bereit Dein Lob, o „fesche“ Wienerin. Gepriesen bist Du weit und breit Der Kunst und Schönheit Dienerin. Sei auch in der Parteien Streit Versöhnende Sabinerin..." Die „Concordia“ hatte natürlich viel Einfluss auf die Einführung von Gesetzen in Bezug auf Presse, Literatur und Autorschaft. In der Generalversammlung des Jahres 1891 besprachen V. K. Schembera, Nikolaus Dumba und Theodor Herzl die Notwendigkeit von Staatsverträgen, um die österreichischen Autoren vor literarischer Freibeuterei zu schützen Es wurde ein „Comité zur Reform des literarischen Urheberrechtes“, dem Herzl angehört hatte, eingesetzt. Herzl beteiligte sich rege an den Debatten über das Urheberrecht an Wrerken der Literatur, Kunst und Photographie. Vor der Behandlung eines diesbezüglichen Gesetzes im Herrenhaus wurde ein Memorandum vom Comité ausgearbeitet, welche auf gewisse Lücken und Mängel hinwies. Im Memorandum wurde vor allem verlangt: 1. Ausdehnung der Schutzfrist auf 50 Jahre. 2. Gleichstellung der Schutzfrist für die Aufführung von dramatischen und musikalischen Werken mit der Schutzfrist für andere literarische Produkte. 3. Erweiterung der Schutzfrist für posthume Werke. 4. Beseitigung des Rechtes der Bearbeitung und Dramatisierung durch Dritte nach Ablauf eines kurzen Zeitraumes, usw. Als Schriftsteller, Dramatiker und Jurist hatte Herzl viele neue Ideen angeregt. Tatsächlich hatte das Herrenhaus diese Gesetze angenommen. So war Theodor Herzl einer der Urheber und Verfasser der österreichischen Gesetzes über Werke der Literatur .Kunst und Photographie. Einige Jahre später, als Herzl sich mit der Broschüre „Der Judenstaat“ beschäftigte, machte er in seinem „Tagebuch“ Notizen, die sich auf Gesetze betreffs Literatur und Presse kn künftigen jüdischen Staat bezogen. So s. B.: „Grenzen der Pressefreiheit weise ziehen. Verleumder an den Pranger und schwere Geldstrafen“ oder; glücklichen Jüngling, der aus Steinen Mehl machen konnte. Der weise Solon liess ihn vergiften, weil er nicht zulassen wollte, dass die Menschen von den Sorgen des täglichen Kampfes befreit wurden. Die Wirkung der Vorlesung auf das überaus zahlreich ■ versammelte Publikum war eine zündende. Herzl las, wie es „seiner ganzen Art entsprach“, schlicht und einfach, mit geradezu „absichtlicher Verschmähung jeder theatralischen Pose“. Der Bericht in der „Concordia“ fügte hinzu: Der denkwürdige Abend sollte der letzte sein, an dem Theodor Herzl im Kreise der „Concordia“ auftrat. Die Generalversammlung des Jahres 1905 ehrte Herzls Andenken. Der Präsident Edgar von Thurnsee hielt ihm einen Nachruf, und einige Sätze sollen hier wiederholt werden: „... Herzls Wirken gehörte nicht nur der Journalistik und Literatur, die mit ihm eines ihrer feinsten und glänzendsten Talente verlor, sondern auch jener grossen politischen Bewegung, dem Zionismus, deren idealer Schöpfer Herzl gewesen und als deren Führer er in der Alten und Neuen Welt die Verehrung einer viele Tausende umfassenden Anhängerschaft genoss... Herzl stand als Feuilletonist in der eisten Reihe der wiener publizistischen Grössen... die deutsche Bühne verdankt ihm eine Reihe wirkungsvoller Stücke... Auch novellistisch hat Herzl Hervorragendes geleistet... Den Kollegen von der Journalistik wird' Herzls vornehme Persönlichkeit, der sich im kameradschaftlichen Verkehr SO heiter und geistvoll zu geben wusste unvergesslich bleiben...“ Im Festbuch der „Concordia“ wurde Herzl folgendermassen geschildert: . Einer der geistvollsten Männer, die im wiener Feuilleton das Wort führten... Nie hätte man geglaubt, dass der stattliche blühende, schöne Mann, dessen Augen so viel Leben SEKRETARIAT SANTIAGO DEL ESTERO 454 ■> 9. St. - Of. 36 TELEFON 38.5816 SPRECHSTUNDE, nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung, jeden MITTWOCH von 18 bis 20 Uhr. Nachrichten aus Israel WASSERWERK Das erste Stadium des Bezirkswasserwerkes von Ober Galiläa, das vor einem halben Jahr begonnen wurde, nähert sich seinem Abschluss. Bergsiedlungen, die seit Jahren auf eine Vergröserung ihrer Wasserquote warten, werden jetzt bald ih ren Wunsch nach mehr Wasser in Erfüllung gehen sehen. FORTSCHRITTE IN ASCHDOT In Aschdot, der neuen Hafenstadt, haben sich viele Neueinwanderer gut in den Arbeitsprozess eingegliedert sprühten, der kaum die Vierzig überschritten, in zwei Jahren von einem organischen Leiden dahingerafft se,n werde!! ... In Kollegenkreisen hat Herzl gern einen harmlosen fast kindischen Humor entwickelt, der ihn uns zum angenehmsten Gesellschafter machte. Er verlor ihn später, als ihn das jüdisch-nationale Problem zu beschäftigen begann...“ „Concordia res parvae crescunt, discordia maximae dilabuntar“ — von diesem Spruch liess sich Herzl auch während seiner zionistischen Tätigkeit leiten. „Durch Eintracht wächst das Kleine, durch Zwietracht zerfällt das Grosse.“ Die Stadt entwickelt sich mit Riesenschritten, und alle Neuankömmlinge können Beschäftigung finden. Zu den jetzt in Aschdot bestehenden 4.400 Wohneinheiten werden bald weitere 600 für Neueinwanderer hinzukommen DORFINDUSTRIE Im Zuge der dynamischen Entwicklung des israelischen Dorfes wurden auch ausserhalb des Rahmens der Kibbuzim viele Industriebetriebe errichtet. Ihr Hauptzweck ist, dem Landwirt zusätzliche Erwerbsquellen zu erschliessen. Es handelt sich hier vor allem um Gebirgs gegenden und um einige an dere Gebiete, mit dem akuten Problem der Beschäftigung der Angehörigen der zweiten Generation, welche in der Nähe ihrer Eltern bleiben wollen. BEWOHNER VON NETIWOT In Netiwot, einem Einwandererstädtchen im nördlichen Negew, sollen in Balde mit einem Aufwand von 3 Millionen IL drei neue Industrieunternehmen errientet werden, um das Besehäftigungsproblem an diesem Ort zu lösen. Es handelt sich um Betriebe zur Verarbeitung von Metallstaub, zur Herstellung von Möbeln und zur Erzeugung von Gemüsekonserven. Centro Theodor Herzl GEBETZEITEN ROSCH HASGHANAH 8 8.15 9.40 10 10.30 10.45 11 11.15 13 18.18 Uhr Anfang, Brocha US Hamelech Ausheben Leinen Predigt Schofar Ednheban Hineni Heoni Miniaas Musaf Schluss-Kaddisch KOL N I D R E Anfang JOM K I P U R 8.15 Anfang, Brochaus 8.45 Hamelech 10.45 Ausheben 11.15 Leinen 12.30 Predigt 13 Maskir 13.30 Einheben 13.45 Hineni Heoni Mimaas Musaf 15.45 Jugendansprache (spanisch) 16.10 Minchoh 16.55 Predigt 17 Neiloh 18.15 Ausgang